urbandesire

searching since 2004

Kategorie: Literatur (Seite 5 von 6)

Goethe, ein Emomusiker? Schiller ein Screamo?

Ich möchte nun in aller Deutlichkeit auf diesen Blogeintrag von Jojo eingehen.

Warum der Sturm und Drang Emo war?

Ein paar erläuternde Worte sind sicherlich nicht schlecht. Zunächst mal muss erklärt werden, was Emo bzw. Screamo ist:

Emo ist eine Musikrichtung, die Anfang/Mitte der Neunziger in den USA entstand. Aufbauend auf den musikalischen Wurzeln des Punks und des Metals, wird Emo zu einem melodischeren Musikrichtung, die oftmals und daher auch der Name als „emotional“ bezeichnet wird. Die Musik wird als „emotional“  eingestuft, da die Emototionen und Gefühle des Sängers durch die Texte, die sich oftmals mit Problemen der Partnersuche unter 20 Jährigen beschäftigt, extrem verdeutlicht werden. Wichtig ist aber, dass sich melodische Gesangseinlagen mit harten aggressiven Shoutlines abwechseln. Dieser harte und brutale Stimmungswechsel komplettiert diese Musik überhaupt erst.

Unterarten des Emo sind Screamo. Hier wird zwar, wie beim Emo auch, geschrien, jedoch besitzt die „Shoutline“ im Screamo wesentlich mehr Bedeutung und wird auch häufiger eingesetzt (eigentlich fast immer). Auch der Emocore ist eine härtere Gangart des Emo. Viele Musikalische Elemente des Emocore sind dem brutalen Grindcore (härteste Möglichkeit des Metals) entlehnt.

Als musikalisches Beispiel kann man sich mal „A Silver Rose“ von Claritiy besorgen, da kann man das Emokonzept ganz gut erkennen.

Der Punkt warum Jojo den Sturm und Drang und seine Vertreter und Figuren als Emo bezeichnen will, liegt in der Tatsache, dass den Stürmern und Drängern (Goethe, Schiller, Lenz, Wagner, Klinger, Herder usw.) nachgesagt wird,  sehr emotional gewesen zu sein. Soll heißen, dass diese Schriftsteller, abkehrend von der Aufklärung, nicht nur die den Kopf und den Verstand beim Menschen eingesetzt sehen mochten, sondern auch, um eine vollständiger Mensch zu sein werden, das Herz, die Gefühe und die Emotionen abverlangten.

Somit entstanden in dieser Zeit von 1765 bis 1785 „emotionale Werke“, die forderten, dass der Mensch neben dem Verstand auch auf seine Herz und seine Natur höre.

Da nun der Emo ebenfalls die Emotion, für welche Sache auch immer, in den Mittelpunkt der Bewegung stellt, ließ sich Jojo den Schluß einfallen, den Sturm und Drang als Emo des 18. Jahrhunderts zu bezeichenen.

Bekenntnisse I

Schritte in den Stra?en. Ich habe gewartet an den Ecken dieser Stadt. So hier bin ich. Es war niemals euer Wunsch gewesen mich hier zu sehen. Doch meine Augen bleiben in der Wand. In euren W?nden. In euren kleine grauen Pal?sten. Mit N?gel zugezimmert. Versch?nert mit Schmuck. Mit immer demselben Schmuck. Ich laufe mit eurer Krone in der Hand auf den Adern der St?dte und suche nach einem Zeichen. Betrachte euch, sehe die Fehler, gehe weiter schweigend in die N?chte, die uns geh?rten. Jetzt nicht mehr. Eure Schritte sind verdampft auf dem Asphalt der Gleichheit. Der Asphalt macht alle gleich. Auch mich. Und ich trete hinter euch in die schwarze dampfende Masse. Immer tiefer, zeitlich immer weiter, bis ich die Steine sp?re, aus denen wir gemacht sind. Zersplittert in die Teile aus denen alles gemacht wurde oder sich selbst gemacht hat.
Die Stra?en sind leer. Die Fl?sse dieser Stadt sind braun und verdorben. Seit Jahrhunderten versuchen sie unsere Schuld aus den St?dten und D?rfer zu sp?len. Hinfort von uns. Hinunter mit dem Tr?bsal und der Unsicherheit in die B?che. Kippt die Schuld ma?los in die Fl?sse steht an den Br?cken und seht euch versinken in dem Braun der Fluten. Hofft, dass es entschwindet. Aber wartet nicht bis zum n?chsten Regen, wenn die Schuld in dicken schweren Tropfen auf euch niederprasselt und euch erschl?gt. Es sind die Tage an denen der regnerische Sommerabend den Weg zur H?hle bereitet. In denen eure Schritte auf dem Asphalt durch die Schuld reingesp?lt werden.
Auf euch nieder blickend ist ein Nichts, das euch mit gro?en Augen betrachtet und versucht eure Taten zu verstehen.
Warum ihr im Winter friert. Warum ihr weint. Warum ihr singt. Lasst es geschehen. Gebt die Kontrolle aus der Hand. Ihr habt sie eh nicht lange besessen. Gebt sie mir und ich bringe sie jedem von euch auf den Br?cken ?ber den Fl?ssen der Stadt. Starrt nur hinein. Versucht in den Wellen etwa zu erkennen. Sucht nach Zeichen, die euch erkl?ren, was hier passiert. Seht die Figuren auf den Wellen des Flusses. Seht das Pferd, wie es auf euch zu schie?t. Wie es auf euch zu galoppiert. Wie es mit seinem Hufen durch eure Schuld hindurch prescht nur um am Schluss wieder im Braun der Fluten des Flusses zu versinken. Es aber nicht ausl?sst, euch mit einem letzten Schrei und einem Blick mit in das Elend zu sto?en.
F?llt die B?che, f?llt die Fl?sse mit euren Tr?nen. Lasst sie anschwellen und bittet um Vergebung. Die Erde bebt. Die Erde bricht. Hofft. Hofft auf Vergebung. Seht euch um, sucht nach Zeichen. Sie sind da. Sucht. Hofft.

Frage zum Fortschritt

Bevor ich an meiner Hausarbeit weiter schreiben werde, m?chte ich mal eine Frage los werden.

Ist diese Welt eigentlich normal?

Ich sitze gerade auf meinem Sofa und schl?rfe Orangensaft. Dabei tippe ich mit meinen Fingern auf die Tastatur eines 30×30 cm gro?en und nur wenigen Zentimeter hohen Ger?tes herum. Dieses Ding kann (fast) alles, was die gro?en grauen Kisten auch k?nnen. Diese Dinger Laptops genannt, beherbergen in ihrem Inneren unglaublich viele Funktionen und sind mit Hilfe von Programmen erweiterbar bis ins nahezu Unendliche. Ein Papa kann sie zum Briefe schreiben genauso verwenden, wie ein Ingenieur, der Daten f?r Maschinen abruft. Vor wenigen Jahren noch haben Latops und PCs Unmengen gekostet und waren relativ selten und ein Luxus f?r Nerds.

Heutzutage geh?rt ein Computer nahezu zur Standardausstattung eines jeden Hauses.

Doch noch immer nicht genug. Es ist m?glich, dass ich ganz ohne Kabel und anderen Klimmbimms auf meinem Sofa sitze und in mein digitales und virtuelles Tagebuch (genannt Weblog) euch einen Eintrag dar?ber schreibe, wie ich auf meinem Sofa sitze und dar?ber nachdenke, was Fortschritt f?r mich ist. Ich brauche dazu keine Schreibtisch und kein gro?en K?sten … alles wird erledigt von einer 30×30 Zentimeter gro?en Kiste.

Ist das normal? Wird dies jetzt zur Normalit?t? Brauchen wird das?

Gewitter

Gewitter

Diese Gewitter hier in Jena machen mir Angst. Sie sind st?rker als die, die ich aus meiner Kindheit kenne. Es waren nur Minuten, die sie andauerten und man freute sich auf sie.
Hier aber sind sie anders. Nichts ahnend und auf einen sch?nen, gar hei?en, Tag folgend brechen sie nachts ?ber die Stadt herein. Die Blitze knallen wie hei?e Speere in die B?den und H?user. Der Himmel ist hellrosa erleuchtet und die H?user strahlen taghell. Der Donner grollt, laut unaufh?rlich, immer wieder und wieder, ?berschl?gt sich schlie?lich selber und bricht sich zwischen den H?userschluchten selbst. Der Wind verzerrt die Regentropfen ins Unendliche. Wie kleine Seile n?ssen sie alles: B?ume, Autos, H?user, Menschen ein. Die B?ume ?chzen in der aufgezwungenen Biegung des Windes.
Ich stehe hinter einer dicken Fensterscheibe. Alle T?ren sind verschlossen. Aus Angst habe ich alle Stecker den Steckdosen entw?hnt. Ich sp?re bei jedem Windsto?, bei jedem hernieder krachenden Donner, wie die Scheibe ersch?ttert wird. Sie mir f?rmlich entgegen kommt. Ich muss mich dagegenstemmen, um Sicherheit zu sp?ren. Der Wind l?sst nun die Regentropfen gegen die Fensterscheibe prasseln. Tropfen f?r Tropfen bedecken sie das Glas bis schlie?lich von der Au?enwelt nichts mehr zu erkennen ist. Pl?tzlich zucken Blitze ?ber die Wiesen. Mit einem gro?en Knall wird das Auftreffen auf dem Boden vom Donner gefeiert.
Langsam wird es schw?cher, weniger Blitze zucken, der Donner wird seltener. Nur noch seltener kracht er in gewohnter St?rke auf die Erde hinab. Der Wind gibt nach, l?sst die Baumkronen wieder frei. Die Regentropfen beruhigen sich. Sie h?ren auf gegen Fenster, T?ren, H?user und Autos zu prasseln. Tropfen wieder gem?chlich und senkrecht auf die ver?ngstigen Dinge. Ab und zu flackert der Himmel rosa auf. Ganz langsam wird es still. Die normalen Ger?usche der Stadt sind wieder zu h?ren. Pl?tzlich fahren wieder die Autos, die Menschen gehen aus ihren Deckungen laufen schnell nach Hause von einigen wenigen Blitzen und Donnergrollen begleitet.
Nun macht auch der junge Mann im gegen?berliegenden Haus den Fernseher aus und geht zu Bett.

Lesung junger Literatur

Floh und ich waren ja gestern, wie ihr bereits dem Gästebuch entnehmen könntet, in Chemnitz bei der Lesung meiner Schule. Es handelt sich dabei um einer Veranstaltung bei der Texte aus einem Band vorgelesen werden, der von meiner Schule herausgegeben wird. Es war nun der dritte und vorerst letzt Band, da meine altes Schulgebäude wegen einer geplanten Rekonstruktion geschlossen wird, Teile der Lehrer- und Schülerschaft umziehen und deswegen keiner so richtig weiß, wie es weitergehen wird.

Eigentlich schade. Begonnen hatte alles im Herbst des Jahres 2002. Damals taten sich ehemalige Schüler des Karl Schmidt-Rottluff Gymnasium mit einer Lehrerin zusammen um Texte zu sammeln und herauszugeben, die von Schülern verfasst worden sind. Herausgekommen dabei ist ein unglaublich schönes Heft mit wunderschönen Texten. Es sind Gedichte, kleine Geschichte, Gedanken und Sprüchen. Diese wurden durch Kunstwerke von Schülern und Fotos von Katja V. im Heft in Szene gesetzt.

band1

Band I

bandII

Band II

Und wie alles, was erfolgreich ist, bekommt auch diese kleine Produktion eine Fortsetzung. Im Mai 2004 erscheint Band II mit dem Titel „Im Innern“. Auch hier gilt, dass Texte von Schüler und ExSchülern des Karl Schmidt-Rottluff Gymnasiums zusammengetragen werden und zur Veröffentlichung gebracht werden. Das Design hat einen großen Schritt nach vorne getan und man hat aus den „Fehlern“ (ich finde Fehler ist hier zwar das falsche Wort, aber es gibt kein besseres und schwächeres) gelernt. Die Seitenzahl wurde mehr als versdoppelt und das Design insgesamt leserfreundlicher gestaltet. Auch ein Inhaltsverzeichnis gibt dem ganzen einen besseren Rahmen. Aber weg von den Kleinigkeiten. Während Band I sehr deprimierend und traurig war und sich nahezu ausschließlich mit den dunkleren und schwereren Seite des Lebens befasste, wurde auch inhaltlich im zweiten Heft ein Schritt in eine andere Richtung gegangen. Für mich war jetzt eine Gliederung stärker zu erkennen und dadurch, dass nun mehr Platz für Texte war, könnte auch inhaltlich ein breites, nicht nur das traurige abdeckende, Spektrum gestaltet werden. Ich könnte jetzt mein Lieblingstexte der beiden Bände niederschreiben. Dies will ich aber nicht, da das ganze als Gesamtkunstwerk betrachtet werden soll.

Es geht mir immer so. Nach jeder gelesen Seite bin ich gespannt, was auf der nächsten folgen wird. Ich habe die beider ersten Hefte sehr häufig gelesen und manchmal Kraft oder auch nichts daraus geschöpft. Mich aber immer gefreut, dass es Menschen gibt, die ihre Gefühle zeigen… besser schreiben … niederschreiben und auch nicht davor zögern sie mit anderen, in Form der beiden Hefte, zu teilen.

Und nun im Sommer 2005 erscheint der dritte und letzte Band dieser Art. Die Begründung, warum es der letzte ist, habt ihr im ersten Absatz bereits bekommen.

Es ist der letzte Band. Weil eine Schule stirbt, weil Köpfe, die die Schule und die Kultur schützen sollten versagt haben und dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Weil Medien es für unspektakulär befinden, was da im Hinterzimmer auf den Bergen über der Stadt zusammengebraut wurde. Soll nun dieses Kleinod von Poesie, Schmerz und Fröhlichkeit, welches definitiv neben literarischen Stadtmagazinen, wie etwa comma, bestehen kann, untergehen?

bandIII

Band III

Ich hoffe nicht. Ich hoffe irgendwann wird noch einmal die Kraft und die Poesie der Schüler zusammengenommen und versucht ein solches, seines Gleichen suchendes, Heftlein herzustellen.

Ich bin froh ein Teil davon gewesen zu sein und wünsche allen Akteuren, Gestaltern, Autoren usw. viel Erfolg und Glück.

m

Ältere Beiträge Neuere Beiträge

© 2026 urbandesire

Theme von Anders NorénHoch ↑