urbandesire

searching since 2004

Seite 14 von 211

Kurz nach dem Kontakt ausgekratzt

Hundreds düdeln bitter durch die Boxen. Lange nichts mehr geschrieben. Sehr lange nicht mehr. Mein Gott. Meine persönliche These für das Ausbleiben der Worte auf diesen Webseiten war mein allgemeiner Gemütszustand. Ein wahrlich trefflicher Indikator für eine sehr lange Zeit. In Wochen und Monaten der Traurigkeit und dem Mangel an Möglichkeiten dem Leben Positives und Schönes abzugewinnen, steigt die Frequenz an kleineren aber auch teilweise umfangreicheren Beiträgen immens an. In verdichtet, verschrubbelten Sätzen wird es traurig, enttäuschend und bitter. Man weiß nicht, um was es denn letztlich wirklich gehen soll. Trauriges wird nicht offen ausgesprochen, sondern hinter unpersönlichen Personalpronomen, reflexiv-überanstrengten Vergleichen codiert. Geht es mir gut, betrübt nicht viel die kleine Seele des urbandesire, dann wird es still bzw. leer. Das Blog ist somit wie ein Warenhaus. Haben die Menschen Begierden, brauchen Waren für Weihnachten, dann ächzen die Rolltreppen des Warenhauses unter den Menschenmassen. Sind die Bedürfnisse befriedigt, dann wird das Warenhaus immer leerer, stiller bis es irgendwann vielleicht konkurs anmelden muss. urban desire eben.

So einfach scheint es dann aber doch nicht zu sein. Als ich begann auf dieser Website zu schreiben, waren Blogs noch neu und aufregend. Man folgte den großen Namen – den Dons, dem Spreeblick, dem amypink usw.; las und freute sich. Man stand auch selbst unter der Doktrin, du bist der Sender. Alles was du wahrnimmst, alles was dich interessiert, was dich fasziniert, gehört gefälligst „ver“bloggt. Redundant sein gehört zum Alltag. Ich hatte damit vor Jahren aus anderen Gründen Probleme – als langsam die Kommerzialisierung Einzug erhielt in der Landschaft, die man damals noch mutig „Blogosphäre“ nannte. Heute interessiert mich dieses Thema nicht mehr so sehr. Die wirtschaftliche Auswertung von eines Weblogs hat – und das habe ich damals für mich nicht wahrhaben wollen – durchaus Vorteile auch für mich gebracht. Es entstanden zahlreiche spannende Projekte – ich weise da in Richtung blogwerk, amypink, spreeblick und vermutlich viele weitere Beispiele, die es durch Professionalisierung geschafft haben aus Blogs Jobs zu kreieren, aber für mich trotzdem interessant blieben. Ich wollte es damals für mich selbst irgendwie nicht wahrhaben. Aber das nur am Rande.

Ein weiterer wichtiger Einschlag war twitter und mit ihm tumblrblogs sowie das ganze Gedöns der Social Networks, die ich mir gruppen- und themenspezifisch zurechtgelegt habe. Hier landet jetzt offenbar mein Alltag. Die kleinen Sentenzen, die Feststellungen des Tages, die blöden Linkfunde und all‘ der Mist mit dem ich sonst die Beiträge hier gerne befüllt habe und darauf folgen vor allem mit einem direkten sozialen Umfeld, aber auch mit im Netz gefundenen Bekannten wirren Austausch hielt. Heute irgendwie alles bei twitter oder auch nicht.

Ich dachte dann stets – als mir dies bewusst wurde – jetzt ist die Bahn frei für wirklich gute, durchdachte, teilweise lange, teilweise persönliche Einträge. Aber es kam irgendwie nichts. Gut. Ich war ca. 1 Jahr lang damit beschäftigt meinen Abschluss an der Universität zu machen, was mich in einen Modus des ständigen Schreibens versetzte und ich mir heute entschuldigend sagen kann, dass ich am Abend, wenn ich aus der Bibliothek kam, leer geschrieben war und mein Denken eh‘ nur um Akademisches kreisten, das wiederum kaum jemand ernsthaft interessieren kann. Lustige vielleicht beschreibenswerte Anekdoten passierten ehestens mal am Kaffeeautomaten, die dann aber im allgemeinen Trubel der Zeit untergingen.

Seitdem habe ich nieder so richtig begonnen zu schreiben. Weder akademisch, was beim momentanen Status meines Projektes noch nicht so schlimm ist, aber auch nicht privat. Ich bin zu einer Rezipiermaschine verkommen, die die gesamte Freizeit damit beschäftigt den Informationen hinterherzulaufen, Blogs zu lesen, Blogs zu scrollen, Podcasts zu hören, Podcasts als gespielt zu markieren, twitter zu aktualisieren und sämtliche Read-Later-Services und Bookmarkdienste zu befüllen. Traurig irgendwie. Aber auch hier denke ich, ist das alles nicht so schlimm. Die Halbwertszeit für all eure Texte, Verlinkungen, Kommentare, Bilder usw. beträgt nach meinen Erhebungen knapp 3 Wochen. Danach erleidet letztlich alles das Schicksal von „Als gelesen/gespielt/gesehen markieren“ und verschwindet in irgend so einem Archiv bei google oder sonst wem.

Der momentane Schreibstatus liegt zwischen zwei Fronten. Die Front Nummer eins brüllt mich an und sagt: „Verschwende deine »Schreibkraft« nicht. Spare sie dir für den täglichen Kampf an deiner Arbeit, für die Emails an Freunde usw.“ Die zweite Front sagt: „Das Problem liegt tiefer. Es ist nicht die Schreibkraft, die dir irgendwie oder irgendwann ausgehen kann oder bereits ausgegangen ist. Es ist ein Knoten im Kopf, der sich einfach nicht lösen will. Du bist innerlich verstummt. Spürbar daran, dass du zu vielen Dingen einfach keinen Kommentar mehr abgeben willst. Einfach munter, ohne tiefe Reflexion darüber, ob es jemanden, dir selbst etc. was bringt, ob das richtig ist, ob das alles bis auf das letzte richtig recherchiert, redigiert ist, zu schreiben, kannst du nicht mehr, traust du dich auch nicht mehr. Und auch die zweite Quelle von Artikel ist versiegt. Innerliches, Aufgregendes, Anregendes aus deinem Leben zu berichten, zu beschreiben, zu reflektieren, traust du dir ebenfalls nicht mehr zu. Denn du müsstest für dich selbst im Klartext sprechen, Namen nennen, Situationen beschreiben, die dich erkennen lassen, die dich verbundbar machen. Nicht länger hinter symbolischen Worten und Ausdrücken verstecken, das wäre der Preis, den du Seite Jahren nicht bereit bist zu zahlen. “

 

links for 2011-11-29

Die miese Bredouille

Das Gefühl nicht unterscheiden zu können, ob die momentane Befindlichkeit auf das Wetter und die tägliche Lichtzufuhr zurückzuführen ist oder ob da doch Tieferes in einem schlummert, ist nah an einer miesen Bredouille. Stichhaltig analysiert sind Kälte, die Dunkelheit ab halb vier und dieser miesrige Morgennebel sichere Indikatoren, das Gefühlspendel in die eine Richtung ausschlagen zu lassen. Man teilt das mit vielen. Die andere Richtung des Pendels klingt, aufgrund des Unangenehmen, was sich mit ihr verbindet, trotzdem wesentlich weniger verlockend. Wenn sich da nun doch was Schlimmeres anbahnt. Etwas, dass man im täglichen Eifer übersehen hat, dessen Fragwürdigkeit und Konsequenz sich nie stellte, etwas, das einen überrennen wird, dem man sich letztlich widerwillig entgegenstellen muss im tiefen Wissen, nicht standhalten zu können. Auch das teilt man mit vielen.

So blickt man im alltäglichen Vielerei in manchen ruhigen Momenten auf dieses innere Pendel, spürt, wenn es am Ende des Ausschlages kurz seinen Vortrieb verliert – gleich diesem wahnsinnigem Augenblick auf einer Schaukel, der der Magengrube vorspielt, dass die Schwerkraft sich am Körper vergeht – nur, um dann erneut an Fahrt aufzunehmen und wild zur anderen Seiten hetzt. Diese andere Seite ist aber nicht dieser kalte und dunkle Ort, von dem der Pendelschlag ausging, nein, dieser Ort ist die trostlose Hölle des Zweifels, die Insel voller Leid. Das Pendel scheint hier seine Beschleunigung ins Unendliche auszudehnen und strebt fast danach in diesem abartigen Ort gezogen zu werden. Der Moment des letzten Vortriebs wird so gleichsam und endlich und man suhlt sich in seiner eigenen Hilflosigkeiten in diesen widerlichen Zweifeln, in all dem, was einen verhindert glücklich zu sein. Wenn man wirklich Glück hat, sackt man nicht unter den Schwerpunkt seiner selbst.

Citavi: keine Mac-Version

Das ist jetzt ärgerlich. Die zwei roten Balken an meinem Citavi-Icon werden mir wohl noch eine Weile erhalten. Was heißt das? Citavi ist eine der umfangreichsten und durchdachtesten Programm im Bereich der Literaturverwaltung und des Wissensmanagements für kommende akademische Projekte. Vor allem im deutschsprachigen Raum findet man – nicht nur für den Mac – kaum eine bessere Alternative, zumindest keine umfassende. Leider gibt es noch immer keine Version, die nativ auf einem Rechner der Firma Apple (aber auch anderen Unix-basierten Betriebssystemen) laufen kann. Man muss sich seit Jahren mit Virtualisierungssoftware (VMware, Parallels, Wine etc.) – dafür stehen auch die zwei kleinen roten Parallels-Balken an meinem Citavi-Icon – herumschlagen und somit neben Performanceeinbußen zusätzliche Kosten für Virtualisierungsoftware und Windows-Betriebssystem (+Lizenzen) einplanen. Von den Komforteinbußen im Hinblick auf die Integration mit Microsoft Word für Mac möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu sprechen kommen.

Aber man hoffte stets und die Swiss Academic Software GmbH – Entwickler von Citavi – verkündete unermüdlich an einer nativen Mac-Applikation zu arbeiten. Vor ein paar Tagen kam aber der Rückzug:

Nach zweieinhalb Jahren stellen wir die Entwicklung für Citavi Mac ein. […]

Wir haben große Anstrengungen unternommen, viel Zeit, Kreativität und Geld investiert und Prototypen auf verschiedenen technischen Plattformen entwickelt, um diese Anforderungen zu erfüllen. Schließlich entschieden wir uns für MonoMac, einer vielversprechenden Entwicklung, hinter der die führenden Entwickler von Mono standen. (Mono ist eine Open-Source–Variante des .NET-Frameworks, auf dem Citavi aufsetzt.) Mono wurde von der bekannten Firma Novell finanziert und gepflegt. Vor kurzem wurde Novell jedoch verkauft. Die neue Besitzerin Attachmate entschloss sich, die Mono-Abteilung zu schließen und sämtliche Entwickler zu entlassen. Die Entwickler haben zwar eine neue Firma gegründet, die sich jedoch auf mobile Clients (iOS und Android) konzentriert, so dass MonoMac uns keine langfristig zuverlässige Perspektive mehr bietet. Deshalb sehen wir keine Möglichkeit mehr, die Ziele, die wir uns für Citavi Mac gesetzt haben, in absehbarer Zeit zu erreichen und dauerhaft zu sichern. Wir bedauern, die Interessenten für Citavi Mac jetzt enttäuschen zu müssen.

Im Forum von Citavi geht es zu diesem Thema durchaus hoch her. Auch kommt dort ein berechtigter Kritikpunkt zu Sprache, der auch mich immer verwunderte. Wenn man Citavi auf einer Windows-Maschine installierte, wurde man mit der .net Framework von Microsoft konfrontiert. Dies bedeutet in 90% der Fälle umfangreiche Zusatzdownloads und schreckliche Installationsroutinen von mehreren Zusatzpakten. Keine Ahnung wie viel Speicherplatz das ingesamt frisst. Final benötigte man, um Citavi auf einem Mac laufen lassen zu können, Citavi selbst,  Windowssoftware und -lizenz, eine Virtualisierungssoftware mit Lizenz, jede Menge .net-Kram und vor allem viel viel Geduld. Des Weiteren bleibt die Frage, wieso für Citavi diese doch sehr zukunftsunsichere Plattform im Hinblick auf die betriebssystemübergreifenden Entwicklung – verwendet wurde. Man bleibt an Microsoft gebunden, kommt nicht zu anderen Betriebssystemen oder gar in den online-basierten Bereich oder zu Tablets (was für mich eine wahnsinnig spannende Vorstellung wäre) – und da wird ja wohl die Zukunft liegen, wenn man die aktuellen Trends exakter durchdenkt. Ähnliches merkt auch einen Forenmitglied an.

Schade ist das ganze, weil mit Citavi ein wirklich hochwertiges und zuverlässiges Produkt mit einer vorzüglichen Community und den besten Community-Managern, die ich im Netz je erlebt habe, sich selbst ein wenig die Zukunft verbaut. Akademische (Buch-)Projekte sind umfangreiche und vor allem langjährige Angelegenheiten. Man wird also vor allem als Mac-Nutzer vertiefter darüber nachdenken müssen, ob es sich lohnt auf Citavi zu setzen, wenn man denn schon die Kosten und Mühen nicht scheut. Ein Tatsache wird jedoch weiterhin für Citavi sprechen. Es gibt für den Mac im Bereich der Literaturverwaltung und dem Wissensmanagement, meiner Ansicht nach, nichts Vergleichbares.

Update: Gerade noch trauriger als ich Screenshots von 2010 gefunden habe, wie Citavi Mac hätte aussehen können.

 

Dillon

Ich denke auch, dass das ganz groß wird mit Dillon. Oder zumindest hoffe ich es. Die junge Berlinern liegt mit ihrer bezaubernden Stimme irgendwo zwischen Lykke Li und Coco Rosie und wird demnächst ihr Debütalbum „This Silence Kills“ veröffentlichen. Zugegeben: das komplette Paket unterscheidet sich wenig von der englischen Stammmutter, aber es ist und bleibt und schön anzuhören.

Das wird schon. Und wenn nicht, die Blogs treiben die Sau schon durchs Dorf und pumpen Songs und Album in die Playlisten.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 urbandesire

Theme von Anders NorénHoch ↑