
Ich hänge derzeit fest. Irgendwo habe mich verheddert. Weiß nicht mehr wo, bloß das.. halt. Heute früh kam eine Absage für einen kleinen Nebenjob rein, für den ich mich beworben hatte, um erstens ein bisschen Arbeitspraxis zu erhalten und zweitens wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Anscheinend entsprach aber mein Profil als bloggender und sonst nichts könnender, germanistischer Literaturwissenschaftler (jaaa… das ist ein Unterschied zum „normalen“ Germanist [darüber solltest du mal bloggen, Herr Baytor]) nicht dem gesuchten Profil.
Es ist in diesem Zusammenhang schon wirklich interessant, wie man für primitive Recherchearbeit auf Aushilfsbasis noch Anforderungen an die Mitarbeiter stellen kann, die schließlich jeder erfüllt, aber dann doch ausgesiebt wird. Warum nicht gleich, wie sonst überall, brutale Anforderungen? Jeder Praktikant in der kleinsten Deppenschmiede in Buxtehude an der Knatter muss Anforderungen standhalten, die manche erst nach einem halben Berufsleben an den Tag legen, um sie schließlich im Kaffee kochen und irgendetwas abtippen versiegen zu lassen.
Mir ist diese Praktikumsgeschichte sowieso zu wider. Seit ich hier in Jena studiere, höre ich von Menschen, die „praktikummen“, dabei aber den falschen Plural bilden: „Ja… im Sommer mache ich noch ein paar Praktikas“ („Praktika“ ist jetzt schon der Plural, man braucht kein weiteres „Plural-s“, aber gut) Vermutlich würde, wenn die richtige Pluralbildung des Wortes „Praktikum“ als Auswahlkriterium maßgeblich für die Erlangung der Stelle wäre, kaum einer noch Praktika machen.
Auch in seltsamen Hochschulzeitungen lese ich Berichte darüber, wie wichtig diese Erfahrungen im Berufsleben schon während des Studiums sind. Doch leider höre ich viel zu oft auch, dass ein Praktikum oftmals nicht das hält, was es verspricht…
Aber ich sollte mich jetzt zurückhalten, da aus diesem Beitrag vermutlich nur Verbitterung über die ungenutzte Chance spricht. Angekratzter Stolz oder so etwas. Ich geh jetzt erstmal weiter auf Jobsuche, obwohl für ein Praktikum könnte ich mich ja jetzt auch bewerben, denn das mit der Pluralbildung hab ich ja schon drauf.
Ich weiß nicht, wer das gesagt hat. Es ist vermutlich eine alte Fussballweisheit bzw. ein grandioser Spruch, den ein Kommentator während der Halbzeitpause sagen würde: „Die Mannschaft muss über den Kampf zurück ins Spiel finden. Sonst wird das noch ein böses Ende nehmen.“ Klingt irgendwie nach Günter Netzer. Eine Google-Suche, die ja neuerdings im Web 2.0 die Rechercherichtline überhaupt ist, ergab dabei nicht viel. Aber doch: Eine Fanseite des FC Carl-Zeiss-Jena e.V. hat im Spielbericht des Spieles gegen den SC Freiburg die folgende Phrase veröffentlicht:
Allmählich fand der FFC über den Kampf etwas besser ins Spiel und erhöhte den Druck.
Nun ja. Soviel dazu. Statistisch gesehen ist der Kampf im Fußball kein Mittel, um eine Spiel zu entscheiden. Der Kampf – die Blutgrätsche und Konsorten – dient nur dazu den Spielaufbau des Gegners zu boykottieren und aus dem Ballgewinn einen zum Tor führenden Konter herauszuspielen. Trotzdem werden auf diese Weise viel zu wenige spielentscheidende Tor erzielt. Ein gesunder Spielaufbau über Abwehr, Mittelfeld bis hin in den Sturm ist da wesentlich effektiver. Aber das durch Kampf ein Spiel gewonnen wurde, sagte die obere Aussage ja gar nicht aus.
Aber wo war ich? Ach ja. Ich finde den Spruch auf das Leben im Allgemeinen angewendet wesentlich praktikabler. Es ist an jeden Morgen so, dass ich mich mit Kampf zurück ins Spiel kämpfen muss. Obwohl ich gestern gen 2 Uhr im Bett angekommen war, mich der Wecker um 8.15 Uhr weckte, schaffte ich es nicht mich aus dem Bett zu kämpfen und die morgendlichen Dinge zu tun. Vielleicht lag es auch an dem Geruchsgemisch aus Erbrochenem und Alkohol, das Ani gestern von ihrer Party mit nach Hause gebracht hatte. Aber wohl eher nicht.
Das Leben und sein darübergeklebter Tag hatten mich zu einen Kampf herausgefordert, der noch recht sanft mit schweren Gliedern begann, aber dann von einen Tuch der Müdigkeit umhüllt wurde. Letztendlich bleibt festzuhalten, dass ich ca. 90 Minuten in schwerem Gefecht lag, dann aber nur einen Scheinsieg davon trug. Ein ehrenhafter Sieg wäre es gewesen, wirklich um 8.15 Uhr aufzustehen. Bin nur froh, dass ich keinen Totalausfall hatte, nicht vollständig kapitulieren musste und dieser Eintrag vielleicht nicht erschienen wäre.
Morgen gibt es den Rückkampf. Wie jeden Tag.
An alle Zweifler und Querköpfe:
Die aktuelle und erneuerte Kaffeekultur mit barartigen Verkaufsräumen, dem dazu passenden Wlan-Anschluss und der pseudonetten Bedienung stammt aus den USA.
Auch wenn es Zweifler gibt, die kontinentaleuropäische Ursprünge (italienische Espresso-Bars oder Wiener Kaffeehäuser) sehen, sei diesen hier gesagt, dass nahezu alle Coffee Shops sich nur dieses Ambiente und Flairs der alten Kaffeekultur bedienen. Aber das Abfüllen von Kaffee in Pappbecher zum Mitnehmen stammt aus dem Mutterland der Pappbecher den USA. Und genau das ist es, was die „Kaffeeläden“ ausmacht. Wenn der Kaffee nicht mitgenommen werden kann, dann ist es ein richtiges Café. Der Kaffee wird im Coffee Shop an der Theke bestellt, nachdem man ganz „fastfood“-like von einer an die Wand gehängten Karte sein gewünschtes Getränk herausgefischt hat, man nimmt ihn selber mit zum Platz. Das teure Servicepersonal, was in klassischen Kaffeehäusern immer um einen herumwuselt, entfällt.
„…dass wir hassen, was wir lieben
und wir lieben, was wir hassen
und verlassen, was wir lieben, aus der Angst was zu verpassen.“
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