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Kategorie: Allgemein (Seite 5 von 77)

links for 2014-01-05

„Technology is usually fairly neutral. It’s like a hammer, which can be used to build a house or to destroy someone’s home. The hammer doesn’t care. It is almost always up to us to determine whether the technology is good or bad.”

Noam Chomsky

gefunden bei Carsten Pötter

links for 2013-11-03

  • „Technik als solche ist für Morozov nie das Problem, nur eine bestimmte Art von Technikgläubigkeit. Er leugnet auch nicht, dass es dringende Probleme gibt, die sich mit technischen Fortschritten vielleicht besser in den Griff bekommen lassen – der Klimawandel zum Beispiel. Aber ebenso oft suggeriere Technik eine Lösung, die gar keine ist – oder aber eine Lösung zu einem nicht bestehenden Problem."

    Ich finde die dieser Fragestellung anhängende Begrifflichkeit des Solutionismus einfach wunderbar. Immer wieder beobachte ich in den Debatten um Netzpolitik und Netzkultur das darin erfasste Phänomen, dass man einfach mal eine neue Version aufsetzen muss oder sich grundsätzlich mal ein paar Ingenieure und Entwickler zusammensetzen sollten, um die glücklose Welt wieder zurechtzurücken. Aber Morozov hat recht: die Welt ist zu komplex, um sie in ein paar Algorithmen und ein paar neuen Features in allen Bereichen nachhaltig zu verändern, zu gestalten und zu verbessern.

  • „So nahe sich Cannon der Quantified-Self-Bewegung im Prinzip auch fühlt, eigentlich hat er wesentlich größere Ambitionen. Der Cyborg, das Mensch-Maschinen-Wesen, ist für ihn nur ein Zwischenschritt. Innerhalb der nächsten zehn Jahre will er anfangen, menschliche Körperteile durch künstliche Open-Source-Organe zu ersetzen. Künstliche Herzen gebe es schließlich schon, sagt er – nur warum solle man warten, bis das eigene Herz schwächer wird oder man einen Infarkt erleidet?“

  • „Zwischen sieben und zehn Stunden je Woche betreibt der Mensch hochtechnologische Selbstversorgung. Ich war selber drei Mal im Leben Bauer und halte die Idee der Selbstversorgung, Eier, Butter und Fleisch selbst herzustellen, für sehr viel menschlicher als die Mühlen der Lohnarbeit. Auch die Debatte um den 3D-Drucker zeigt das: Da geht es natürlich um viel mehr als Lebensmittel, etwa Organe oder Ersatzteile für Autos.“

    Frithjof Bergmann verbindet sein Konzept der „Neuen Arbeit“ mit einer beständigen Kritik an der in Deutschland und Europa so beliebten Vollbeschäftigung. Als ich das Interview las stellte sich mir beständig die Frage, ob mein bei solchen utopisch-visionären Ideen stets das Wesen des Menschen im Augen behält. Sicherlich kann man das bäuerlich-selbstversorgerliche Leben gutheißen, aber was macht man, wenn man daran kein Interesse hat und es einem in der persönlichen Lebensplanung nur stört. Ich finde das gesamte Konzept, das Bergmann im Interview vorträgt, nicht überzeugend.

  • UX Myths sammelt die häufigsten Irrglauben zum Thema Benutzererfahrung und erklärt warum sie nicht zutreffen. Dabei müssen Sie uns nicht einmal beim Wort nehmen, denn wir liefern Ihnen jede Menge Artikel und Forschungsergebnisse von Design- und Usability-Gurus anbei.

  • Sehr schönes Portrait-Foto-Portfolio

Kreativ sein…

Altern vor Sorge

Eigentlich nur kurz: Gestern erst gegen 8 aus dem Büro, um anschließend irgendwie auf der Couch zu verstetigen. Dabei dann zattoo geschaut und irgendwie auf RTL hängengeblieben. Es lief Peter Zwegat. Mit einem Special zur privaten Altersvorsorge. Ich kann nicht sagen, warum mein Impuls wegzuschalten ermattete. Schließlich wurde die Sendung mit dem Claim „Raus aus der Rentenfalle“ eingeläutet und Herr Zwegat dann als Forrest Gump der Rentenpolitik inszeniert. Ein Robin Hood wäre mir lieber gewesen. Was kann man von RTL schon erwarten, denkt man sich nun. Auch die Katze schien nicht sonderlich interessiert. Erwartete sich schließlich genau wie ich eine Verkaufsveranstaltung, die uns beständig darauf hinweist, doch bitte den großen privaten Konzernen – seien es nun Versicherung oder Banken – vertrauensvoll unser Geld anzubieten, damit diese dann die Lösung für unsere Altersvorsorge in Angriff nehmen.

Die Sendung passt natürlich in den Tenor der steigenden Angst vor Altersarmut. Diese wird uns als Folge eines brutalen demographischen Wandels präsentiert wird, die quasi jeden der Unter- und Mittelschicht treffen kann. Kann man auch anders sehen. Die Politik registierte dieses Problem und hat darauf seit Jahre nur eine einzige Antwort. Den Versorgungsengpässen im Alter kann letztlich nur Einhalt geboten werden, wenn man frühzeitig – eigentlich schon von Geburt an – privat vorsorgt. Dumm jetzt, dass einige von uns schon eine Weile die Welt bevölkern. Diesen wird empfohlen vom Einkommen, das man eh‘ schon zu 80-90% verkonsumieren muss, noch etwas (empfohlen werden 10% des Einkommens) abzuzwacken und dieses Geld dann irgendwie vermögenbildenden Anlage, Versicherung, Tagesgeld, Festgeld, Anleihe zu rammen. Funktioniert gut, wenn man 1. besserverdienden ist und die Verkonsumierungsrate des Einkommens geringer ausfällt  und 2. wenn man Geld und Kompetenz hat etwas Maßgeschneidertes zu finden oder sich entsprechend beraten lassen kann. Was machen aber Niedriglöhne, Aufstocker etc pp.? Was machen die Inkompetenten? Was machen alle anderen als die Besserverdienenden?

Für alle anderen soll RTL und Peter Zwegat helfen. Aber ich glaube, man hatte sich das in der Redaktion der Sendung anders vorgestellt. Die Sendung, die anhand einer jungen 25jährigen Berufseinsteigerin mit vermutlich 1500 Euro fiktionalen Einkommen und moderaten Ausgaben sowie einer vierköpfigen Familie, bei der 3000 Euro Einkommen zahlreiche Tilgungsverpflichtungen gegenüberstehen, einmal ein paar Vorsorgestrategien durchdeklinierte, hat vermutlich selbst nicht erwartet zu so einem ernüchternden Urteil über die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge zu kommen.

Es wurde zum einen deutlich, dass die Menschen mit diesem Thema überfordert sind. Es gibt zu viele Produkte, deren Funktionsweise, Risiken, und Begrenzungen von Laien nicht wirklich einzuschätzen sind. Auch die Hilfe, die sich in Form von Versicherungsagenten feil bot, lässt sich letztlich nicht als Hilfe verstehen, sondern als brutales Verkaufsgespräch, wobei einfach irgendwas abgeschlossen werden soll. Damit verbindet sich das Problem, dass die meisten Produkte grundsätzlich gar nicht für die Bedürfnisse und Erfordernisse eines modernen Berufs- und Gehaltsleben geschaffen sind. ((Die Kostenpunkte hinsichtlich Provisonen und weiterer Kosten, die oftmals frühzeitig fällig werden, und vor allem bei einer vorzeitigen Kündigung Verluste generieren, mal ganz außen vor gelassen.))

Deutlich wurde dies beim Punkt Flexibilität. Der nachvollziehbare Wunsch dann auch mal an das Geld heranzukommen oder die entsprechenden Zahlungen zu variieren oder auszusetzen, der letztlich den unsicheren Situationen auf dem Arbeitsmarkt mit all seinen unbefristeten Stellen usw. geschuldet ist, führt dazu, dass die Angebote beispielsweise der Versicherer nutzlos werden. Sie funktionieren nur, wenn man quasi über einen sehr langen Zeitraum, möglichst viel Geld einzahlt, ohne jemals vorzeitig oder zwischenzeitlich an das angehäufte Geld herankommen zu wollen. Sobald man das tut, wird es haarig und man fährt Verluste ein. Ist es systematisch nicht Irrsinn in der gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Realität Produkte zu entwickeln, die letztlich nur einen Vorteil für den Abschließenden bringen, wenn sie 30 oder 40 Jahre mit immer steigenden Beiträgen bezahlt werden und dieser dabei wirklich jede sinnvolle Option auf Flexibilität aufgeben muss? Gerade in einer Zeit, die nach Flexibilität giert… Es zeigt sich offenbar, dass bei der Zwangsprivatisierung der Altersvorsorge durch den Gesetzgeber nur zum Teil an die Bevölkerung gedacht wurde. Grundsätzlich, so hat es zumindest den Anschein, geht es um eine latente Kapitalumleitung an Versicherungen und Banken, um die Entwicklung eines neuen Marktes Privater Altervorsorgeprodukte, bei denen aber die Vorteile und Bedürfnisse der Bevölkerung auf der Strecke bleiben. Egal, wie man es dreht oder wendet: der einzelne verliert.

Will man schießlich Flexibilität, dann sollte man auf Sparpläne der Banken und Sparkassen zugreifen. Aber mal ganz ehrlich. Bei einem Zinssatz von 0,45 oder 1,25% wird ja schon in wenigen Jahren mehr Geld von der Inflation gefressen als Kapital gebildet werden kann. Naja und nach dotcom-Boom und Browsenpleiten sind Aktienfonds und dererlei Depots für private Kleinsparer offenbar auch keine solide und vor allem einigermaßen sicher Alternative.

Was diese Sendung offenbarte – vielleicht auch unbewusst – , war, dass es offenbar im ganzen System knirscht und eine private Altersvorsorge im additiv zur gesetzlichen Vorsorge nicht funktioniert. Zumindest nicht für die Menschen, die nicht genügend Einkommen generieren können und bei jedem heftigen Windstoß auf dem Arbeitsmarkt diesen zu spüren bekommen. Ein Trauerspiel.

Hier noch ein wenig Hintergrundinfos bei den nachdenkseiten.

 

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