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Kategorie: Allgemein (Seite 15 von 77)

Umfunktioniert

Ganz ehrlich. Ich weiß schon, warum ich Neuinstallationen hasse. Erstens kommt immer eine Menge Arbeit auf einen zu, die sinnlos Zeit raubt, und zweitens funktioniert irgendetwas immer nicht. Lass es den Sound sein oder irgend ein unbedeutendes Programm. Lass es aber nicht die Grafik oder anderen eklatant wichtige Funktionen sein.

Heute ist es die Grafik. Vermutlich. Sobald der Rechner hochfährt und den bekannten Windows-Desktop zeigen will, schaltet sich der Monitor aus – seltsam ist das daher, da sonst bei fehlenden Grafikkartensignalen eine Meldung noch flux angezeigt wird.

Egal. Rechner läuft, kein Bild. Somit gibt es schlechte Laune. Nach vierstündiger Fehlersuche aber auch keine Ergebnis. Außer eventuell eine Steigerung der Wut ins Unermeßliche, die mich die ganze Dreckskiste zum Fenster hinauswerfen lassen will. Machen wir aber nicht, sind ja Profis.

Da ich eigentlich in all dem eine Wink des Schicksals sehe, das mich davonabhalten will, weiterzuarbeiten, war ich kurz vor dem Aufgeben. Könnte ja jetzt endlich das Buch zu Ende lesen, schreiben kann ich ja eh nicht. Wäre da nicht so ein kleines weißes Ding.

Kurzerhand Monitor, Tastatur, Maus, Boxen und Ipod angeschlossen und siehe da, fühlt sich ganz nach Desktop an. Genau das, was ich jetzt brauche. Eee macht irgendwie nur in der Bibliothek Spaß. Somit werde ich jetzt die vom Schicksal auferlegte Arbeitsverweigerung brechen und noch etwas machen, wenigstens fünf Minuten oder so.

Wer noch sachdienliche Hinweise hat, die zur Ergreifung des PC-Problems beitragen oder wer auch eine kleine Ersatz AGP-Karte hat, die mir ausgeliehen werden kann, möge bitte die bekannten Kanäle nutzen.

Spuren im Hand

Spuren im Hand

Ich lese nun gerade (seit einer Weile) Clemens Meyers „Als wir träumten„. Sicherlich kann man meinen Beitrag zu diesem Buch wieder unter der Überschrift „Überflüssiges eines pseudoseniblen Mittzwanzigers“ subsummieren. Eines sei jedoch gesagt. Ich habe wenig Zeit zu lesen und meide ängstlichst Bücher, die mehr als 300 Seiten haben. Bei Meyer war ich mutig. Gar größenwahnsinnig mir 500 Seiten einverleiben zu wollen. Doch jede Nacht betet ein Teil in mir, dass dieses Buch nie enden wird, während ein anderer Teil schreit: „Lass es enden.“ Es frisst mich innerlich auf. Und jetzt stellt sich der Literaturwissenschaftler in mir die Frage: Warum?

Scheinbar weist diese Buch für meine Generation gerade noch genug identifikatorisches Potential auf. Beschreibt es doch die Jugend und das entschleunigt schnelle Leben eines Protagonisten (Danie) kurz vor bzw. kurz nach der Wendezeit. (Auch der Begriff „Wendezeit“ lässt aufhorchen. Verbinden sich scheinbar damit Dinge, die von vielen nicht verstanden werden bzw. nachvollzogen werden können: z.B. ein komplette Umkrempelung von Biographien, sozialen Status, aber auch einfach dem Absterben von ideologischen Theoriegebäuden, mit dem ein Mensch, aber auch ein Kind, erst einmal zurechtkommen muss.) Das Buch greift mich an, denn auch wir hatten Angst vor Nazis, die uns auf die Fresse geben, auch wir hatten Angst und Mut, den Tag versinnlosen zu lassen und Dinge auszublenden. Auch wir logen, wobei dies keine Generationsspezifika sind. Doch das Debüt, vielmehr die Protagonisten von Clemens Meyer gehen einen Schritt weiter. Sie erleiden stellvertretend alles, was in diesen Jahren eine junge Seele zerstören kann und zeigen wie reihum so etwas überstanden oder daran zerbrochen werden kann.

Lange Zeit überlegte ich wie ein solch‘ lektor- und somit auch verkaufsfreundlicher Titel „Als wir träumten“ in logischer Relation zum Buch gesetzt werden kann. Zu einfach scheint die These, dass abseits all des Leidens, des Versagens und des sprichwörtlichen Dahinvegetierens in kleinen Träumen noch so etwas wie Hoffnung zu finden ist. Die These musste zu einfach sein. Denn die Figuren scheinen niemals hoffnungslos zu sein. Sie sind nicht pessimistisch oder gar enttäuscht über ihre Situation. Sie scheinen einen Realismus an den Tag zu legen, den kaum ein Intellektueller für sich öffnen kann, vielmehr begreifen sie abseits unserer Einschätzung ihrer Leiden, dass sie einfach so sind.  Dass zwischen alle den widerlichen Fidschikippen und dem extremen – fast übermenschlichen – Alkoholgenuß beschädigtes und beschädigendes Leben wohnt, das auf seine Weise strahlt.

Auf über 500 Seiten hat Clemens Meyer nicht immer viel zu sagen, es ist kein durchstilisiertes Buch mit Sentenzen und Wahrheiten, jedoch ist Meyer versucht die Wahrheit aus einer Zeit herauszupressen, die ihm offenbar am Herzen lag. Viele werden dieses Buch nicht mögen, viele werden sich Fragen wozu, andere werden verstehen.

2. Thüringer Bloglesung

So jetzt ist es soweit. Die 2. Thüringer Bloglesung wird in der kommenden Stunde im Kulturbahnhof eröffnet. Ich selbst werde in diesem Jahr nicht lesen, da sich genügend kompetente Blogger eingefunden haben, die ihr publiziertes Werk einer aus anderen Bloggern bestehenden Schar präsentieren möchte. Wer zu diesem Ereignis nicht direkt vor Ort sein kann, dem sei der untere Player empfohlen, mit dem versucht werden wird, die Lesung dem Rest der Welt zu zeigen.

mogulus entfernt

Hofgeschichten

Die dreckig-braunen Kartoffeln kochen im Topf. Mutter kommt und gisst sie ab. Ich stehe am Fensterbrett und betrachte durch den dort ansässigen Kräutergarten den Hof. Unter der Fensterreihe verläuft eine Reihe Mülltonnen. Jedem Fenster seine Mülltonne. Der Geruch zieht nur im Winter zaghaft nach oben. Im Sommer quillt er bei jedem Öffnen der rostigen Metalltonnen gen Himmel und legt sich schwer über mein Bett, dass direkt vor dem Fenster steht. In meinem Zimmer sitze ich ungern, um aus dem Fenster zu blicken. Es ist zu weit rechts, man kann die gegenüberliegende Häuserzeile kaum noch sehen. Außerdem sieht man die Bank nicht. Diese Bank scheint in unserem Hof eine Art Heiligtum zu sein. Seit ich denken kann sitzen dort jeden Sommer die dicken, alten Nachbarsfrauen und blicken jedem hinterher, der an der Bank vorbei geht. Die einzige Hofstraße, die genau dort eine Biegung macht und zu einem größeren Parkplatz führt, grenzt an und so entgeht den Frauen nichts. Weder Kinder, die sich zwischen den Autos auf dem Parkplatz herumdrücken, noch die Säufer, die aus der Kneipe rausfallen. Denn der „Pub“ hatte hier schon seit Jahren seinen inoffiziellen Hinterausgang.

Eine der dicksten und ältesten Frauen auf der heiligen Bank war Frau Mischalke. Sie lebt vermutlich in diesem Hof seit dem Krieg und gehörte zum harten Kern der Bankpatrouille. Denn auch bei schlechtem Wetter ließ sie es sich nicht nehmen, mit Steppdecke und Schlüssel in der Hand ein, zwei Stunden mit wechselnden Partnerinnen auf der Bank auszuharren und den sich mit Schirmen und Zeitungen bedeckenden Heimgekommenen nachzurufen, dass sie gefälligst nicht so rennen sollen, es sei ja schließlich glatt.

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