Die dreckig-braunen Kartoffeln kochen im Topf. Mutter kommt und gisst sie ab. Ich stehe am Fensterbrett und betrachte durch den dort ansässigen Kräutergarten den Hof. Unter der Fensterreihe verläuft eine Reihe Mülltonnen. Jedem Fenster seine Mülltonne. Der Geruch zieht nur im Winter zaghaft nach oben. Im Sommer quillt er bei jedem Öffnen der rostigen Metalltonnen gen Himmel und legt sich schwer über mein Bett, dass direkt vor dem Fenster steht. In meinem Zimmer sitze ich ungern, um aus dem Fenster zu blicken. Es ist zu weit rechts, man kann die gegenüberliegende Häuserzeile kaum noch sehen. Außerdem sieht man die Bank nicht. Diese Bank scheint in unserem Hof eine Art Heiligtum zu sein. Seit ich denken kann sitzen dort jeden Sommer die dicken, alten Nachbarsfrauen und blicken jedem hinterher, der an der Bank vorbei geht. Die einzige Hofstraße, die genau dort eine Biegung macht und zu einem größeren Parkplatz führt, grenzt an und so entgeht den Frauen nichts. Weder Kinder, die sich zwischen den Autos auf dem Parkplatz herumdrücken, noch die Säufer, die aus der Kneipe rausfallen. Denn der „Pub“ hatte hier schon seit Jahren seinen inoffiziellen Hinterausgang.
Eine der dicksten und ältesten Frauen auf der heiligen Bank war Frau Mischalke. Sie lebt vermutlich in diesem Hof seit dem Krieg und gehörte zum harten Kern der Bankpatrouille. Denn auch bei schlechtem Wetter ließ sie es sich nicht nehmen, mit Steppdecke und Schlüssel in der Hand ein, zwei Stunden mit wechselnden Partnerinnen auf der Bank auszuharren und den sich mit Schirmen und Zeitungen bedeckenden Heimgekommenen nachzurufen, dass sie gefälligst nicht so rennen sollen, es sei ja schließlich glatt.
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