Seit jedermann einen Mac kaufen kann, ist der Button „Made on a Mac“ auch keine Garant mehr für schönes Webdesign.
Seit jedermann einen Mac kaufen kann, ist der Button „Made on a Mac“ auch keine Garant mehr für schönes Webdesign.
Die dreckig-braunen Kartoffeln kochen im Topf. Mutter kommt und gisst sie ab. Ich stehe am Fensterbrett und betrachte durch den dort ansässigen Kräutergarten den Hof. Unter der Fensterreihe verläuft eine Reihe Mülltonnen. Jedem Fenster seine Mülltonne. Der Geruch zieht nur im Winter zaghaft nach oben. Im Sommer quillt er bei jedem Öffnen der rostigen Metalltonnen gen Himmel und legt sich schwer über mein Bett, dass direkt vor dem Fenster steht. In meinem Zimmer sitze ich ungern, um aus dem Fenster zu blicken. Es ist zu weit rechts, man kann die gegenüberliegende Häuserzeile kaum noch sehen. Außerdem sieht man die Bank nicht. Diese Bank scheint in unserem Hof eine Art Heiligtum zu sein. Seit ich denken kann sitzen dort jeden Sommer die dicken, alten Nachbarsfrauen und blicken jedem hinterher, der an der Bank vorbei geht. Die einzige Hofstraße, die genau dort eine Biegung macht und zu einem größeren Parkplatz führt, grenzt an und so entgeht den Frauen nichts. Weder Kinder, die sich zwischen den Autos auf dem Parkplatz herumdrücken, noch die Säufer, die aus der Kneipe rausfallen. Denn der „Pub“ hatte hier schon seit Jahren seinen inoffiziellen Hinterausgang.
Eine der dicksten und ältesten Frauen auf der heiligen Bank war Frau Mischalke. Sie lebt vermutlich in diesem Hof seit dem Krieg und gehörte zum harten Kern der Bankpatrouille. Denn auch bei schlechtem Wetter ließ sie es sich nicht nehmen, mit Steppdecke und Schlüssel in der Hand ein, zwei Stunden mit wechselnden Partnerinnen auf der Bank auszuharren und den sich mit Schirmen und Zeitungen bedeckenden Heimgekommenen nachzurufen, dass sie gefälligst nicht so rennen sollen, es sei ja schließlich glatt.
Es ist Zeit. Es ist wirklich Zeit gewesen. Der urbandesire macht Urlaub. Polen ist das Land der Reise. Eigentlich nur kurz. Über Pfingsten. Effektiv werde ich von den 92 Urlaubsstunden ca. 24 allein alleine in einem Zug verbringen. Quer durch Polen, vorbei an Städten, deren Namen ich mir weder merken noch aussprechen kann. Inständig hoffe ich darauf, dass mir nix in die Quere kommt. Fahre leider nur mit einen „vorläufigen Bundespersonalausweis“ umher. Es war ja eigentlich klar. Nach gefühlten 2000 Jahren fährt der urbandesire ins Ausland und dann ist der Personalausweis drei Tage vor Reise schimmelig geworden. Seis drum. Es wird bestimmt ganz schicklich.
In der Zwischenzeit bereiten die Jenaer Blogger digital die 2. Thüringer Bloglesung im Kulturbahnhof vor. Ich hab mich noch nicht zum Vorlesen eingetragen. Einfach aus dem Grunde, da ja genügend andere schon lesen möchten und man die Textmenge bei solchen Veranstaltungen immer so gering wie möglich halten sollte. Wir Blogger sind ja schließlich keine intellektuelle Bohème, sondern Spießbürger, die ins Internet schreiben – kurz und schnell. Außerdem dürfte ich ja bereits letztes Jahr die Zuhörer verwirren. Ich überlege gerade innerlich krampfhaft, was ich jenseits von Textsprechen kulturelles beitragen kann: Knochenknackorchester, Reclamheftchen zerreissen… mhh.
…

Was ist wahr und was ist ersponnen? Eine Frage, die scheinbar viele beschäftigt. Sicherlich gehört die Frage nach der Wahrheit zu dem Grundkonzept des menschlichen Lebens, jedoch wird jeder auf diesem Weg irgendwann einmal einsehen müssen, dass die Wahrheit nicht zu erkennen ist – sei es aus dem Grund, dass sie einfach nicht vorhanden oder auch nur weil sie im Dickicht der Wörter nicht zu sehen ist.
Viele Blogs sind einfach nur aufblasbare Illusionen. Bild- und Gedankenwelten, die einzige dazu geschaffen werden mit Sprache zu spielen. In meinem Fall ist es so, dass ich weder informieren, belehren, zum Lachen bringen, kritisieren oder auch nur mein Innerstes nach außen kehren will. Es ist einfach nur ein Spiel mit Sprache, ein Training Gedachtes, Gefühltes, Erahntes oder Erhofftes für mich selbst zu archivieren. Ich schreibe nicht für meine Leser. Diese sind mir herzlich egal. Ich schreibe für mich. Nur für mich.
Natürlich kommt jetzt die Frage, warum dann dieses Blog urbandesire.de öffentlich ist. Tja. Dazu lässt sich nur sagen, dass dies historisch begründet werden muss: Angefangen unter anderen Flaggen, nun ein soziales Umfeld aufgebaut, dass man nicht mehr missen möchte, steht dieses Blog im Netz frei zugänglich für jeden und kann vielleicht nur eines bieten, Identifikationspotenzial. Ich fahre jetzt unter einer schwarzen Piratenflagge. Mein Schiff – immer noch „die urbandesire“ – kreuzt durch das eigene Ich, auf der Suche nach Stränden und Häfen und hat dabei keine Skrupel euch zu täuschen, euch zu belügen, aber auch die Wahrheit zu sagen. Man sollte diesen Zwischenraum zwischen Fiktion und wahrer Wirklichkeit einfach akzeptieren und nicht versuchen mich in all dem, was hier steht zu erkennen. Wer dies versucht, wird zunächst versagen und dann scheitern.
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