Meine Verwandschaft besteht tollerweise aus den verschiedensten Menschen. Da meine Mutter nochmal geheiratet hat, brachte mein Stiefvater einen riesigen Rattenschwanz an tollen Verwandten in die Familie mit ein. Früher nervte mich es immer ein wenig, wenn wir „aufs Land“ fuhren, um sie zu besuchen. Sie wohnten allesamt in kleinen Dörfern rings um meine Heimatstadt verteilt. Sie lebten auf Bauernhöfen, in großen und kleinen Häusern. Eine Schwester meines Stiefvaters lebte in einer Molkerei und produzierte dort bis zum kapitalistischen Umbruch 89/90 Käse. Und es war meistens stinklangweilig. Schön waren aber immer die Feierlichkeiten, wenn alle 8! Geschwister mit Anhang und Kinder zusammenkamen. Das war eine Meute, unglaublich.
Auf so einer Party fragte mich mal mein Onkel, der bis auf sein kleines Dorf nicht viel gesehen hatte: „Marcus, wenn man dir in Chemnitz die Augen verbindet und dich irgendwo in Chemnitz aussetzt, dir dann die Augenbinde abnimmt, würdest du dann wieder nach Hause finden?“ Ich meinte klar doch. Warum auch nicht? Schließlich kennt man fast alle großen Straßen Versorgungsadern der Stadt. Und wenn man mal in einer Nebenstraße ist, trifft man spätestens nach fünf Minuten auf die erste Straße, die man kennt und die einen nach Hause oder zumindestens in die Richtung führen kann. Weiterlesen