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Kategorie: Urban Desire (Seite 12 von 19)

Folgenlose Küsse

Folgenlose KüsseDie Farben deiner Bilder sind schon ausgeblichen. Sie hingen hier am Fenster schon eine ganze Weile. Sie blieben unverändert in den letzten Monaten. Sie sahen Sonne wie Regen wie du. Vielleicht sahen sie auch mich. Manchmal dachte ich, dass sie mich beobachten. Ganz hinterlistig hatte ich die Bilder umgedreht, ihren Blicken zu entkommen wäre schön. Es hängt doch so viel daran. Ein ganzes Leben, eine Zeit und manchmal auch ein wenig Enttäuschung. An eingetrübten Tagen, wenn es draußen so kalt ist, bleiben die Gedanken stehen. Gemeinsam mit den Fotos warte ich auf Sonnenschein. Du bist so weit weg. Wenn wir reden, dann nur gedämpft, nicht unehrlich, aber leise. Es lief einfach aus, erst fanden die Hände nicht mehr zu einander, dann folgten Küsse ohne Folgen. Wenigstens ein Biss auf die Lippe, aber dazu war keiner mehr fähig. Man steht sich gegenüber und sucht sich. Der Blick durchdringt und geht ins Nichts. Die Fotos aber halten stand. Und dann sortiert man sich wieder und versucht weiterzumachen.

Versagen ohne zu scheitern

Du darfst niemals Wände in dir heraufziehen. Sobald du das tust, liegt dein Blick begraben im Grau. Deine Augen werden suchen, Licht wird sie treffen, du wirst aber nichts sehen. Besser sind Scheuklappen. Ausblenden. Meinetwegen auch verdrängen. Dies ist das Zen To Undone. Scheiß auf Selbstmanagment, scheiß auf Produktivität, scheiß auf die Ordnung und vor allem scheiß auf die 2-Minuten-Regel. Sie lässt dich nicht denken, sie lässt dich nur erledigen. Es lässt dich nicht besser werden, es lässt dich nur arbeiten. Es ist eine widerliche Ausgeburt dieser Gesellschaft, eine widerliche Ausgeburt mit dem einzigen Ziel, Mehrwert aus deinem Körper und Geist zu schlagen… mehr Wert.

Du bist aber mehr wert.

The Notwist – Good Lies

Nichts Nennenswertes

Kaffee am CaféEine heimliche Leidenschaft bleibt Kaffee. Trinken, trinken, trinken. Besser noch mit einem netten Gesprächspartner. Früher gab es da selten Schwierigkeiten. Heute ist ein Besuch in Kaffeehäusern eher selten. Sind doch die Gesprächspartner anders. Na gut. Das war jetzt fies. Lügen wir uns nichts vor. Ich bin anders. Ich bin der neue, der alte, der, der Änderungen akzeptieren muss. Sollte ich mich selbst richtig einschätzen und dem Stress eines lang dauernden Cafébesuches entgehen? Ja sollte ich. Aber eingefahrene und aus der Vergangenheit mich überkommende Gewohnheiten sind einfach schwer abzuschütteln.

So platziert man Körper und Geist zu Getränk, Gebäck und Gespräch in wohlig warmen Wirtshäusern und spricht, speist und schlürft. Doch der Frieden trügt. Es ist eigentlich eine Messe. Eine Leistungsschau. Der Gegenüber stellt seinen Boliden von Leben hin, klappt die Motorhaube auf und kommentiert die Schönheit der Ventile, mit denen es ihm gelungen ist, dieses Praktikum zu erreichen und seine 1,3er Magisterarbeit in 4 Monaten abzureißen. Naja und jetzt noch fix die Prüfungen und dann endlich weg von hier. Man will ja nicht bis Ende zwanzig an der Uni rumhängen. Naja², es sieht ja auch schon gut aus. Erstmal Ausland und dann in eine große Stadt, ich hab da auch schon eine Agentur im Auge, die sind echt gut…

Ich spielte kurzzeitig mit dem Gedanken mich auf die Suche zu begeben nach Stellen, die es lohnen, madig gemacht zu werden. Ich unterließ es. Ich unterlasse das in letzter Zeit häufig. Meistens wird mir diese darausfolgende Teilnahmslosigkeit als Desinteresse ausgelegt. Aber so ist es nicht. Es ist ein Schutzmechanismus für die Umgebung. Sie soll weiter ihr Leben leben. Weiterlesen

Kaffee um halb zehn

number nine is coming

Nein nicht früh. Nicht zehn Uhr früh. Abends. Genau dann, wenn in den Kneipen fast nur noch Alkoholisches bestellt wird. Der Blick auf dem Monitor ist entspannend. Alles ist scharf. Sobald aber der Blick raus in die Welt muss, wird das Entziffern der Straßenschilder zur Schwierigkeit. Alles ist unscharf. Und das ist auch irgendwie gut so. Der Kaffee soll versuchen die Kälte aus dem Körper zu treiben, die sich aufgrund des konsequenten Schlaf- und Nahrungsmangel im Körper eingenistet hat. Schlaf- und nahrungslos, weil man in unglaublichem Eifer und kompromisslos ein Projekt begonnen hatte und zügig zu Ende führte. Nun läuft das pdf rauf und runter und man ist stolz. Viel weniger darüber, dass es gefällt, mehr noch über die Umstände wie es entstand. Man betrachtet die Zeit und glaubt gar nicht, dass man fähig war so etwas durchzuziehen, ohne wie üblich abzusterben und dem Dunst des Herumdämmerns zu verfallen.

Solche Tage und Momente bringen Erkenntnisse zu tage, die schwierig zu verkraften sind. Einerseits muss man einsehen, dass ein Leben mit dem sturen Abarbeiten von Theorien, Lesen von Büchern (die einem mehr oder minder aufgezwungen werden) und Anfertigen von plagiatsverdächtigen Dreissigseitern, ohne dabei nach links und rechts zu schauen, einen nicht glücklich machen wird. Niemals glücklich machen kann. Sind doch die Themen oftmals belanglos, manchmal auch zu kompliziert und diesig. Inkompatibilität, ganz einfach.
Auf der anderen Seite steht nun der Komplex, der häufig als das Kreative bezeichnet wird. Man darf frei arbeiten. Man ist es selbst. Spricht über die Ästhetik, nicht über angelesene Worthülsen. Doch der scheinbare Frieden trügt. Ist doch auch dieses Erschaffen – das Diabolische in uns – nicht einfach, nicht immer da, genauso stockend wie diese elenden Dreissigseiter. Manchmal passiert einfach nichts und man ist genauso enttäuscht und verbittert und sieht in der Kreativität ebenfalls die leeren Worthülsen, nur etwas hübscher verpackt. Ebenso schiebt der Glauben das Wissen, doch nicht gut genug zu sein, einen immer wieder ins Abseits. Das leider zurecht.

So ist der Mensch ein urbanes Desaster, ein Segler zwischen den Welten, der genau weiß, dass kein Hafen ihn jemals glücklich machen wird, er auch in keinem mit seinem Boot anlegen kann, um schließlich mit den anderen an Land zu gehen.

Anders gesagt, um auch die Liebhaber der Dreissigseiter zu befriedigen: Im Menschen stecken zwei grundlegenden Lebensprogramme. Eines davon zwingt ihn zur Selbsterhaltung, dem Festhalten am Gegebenen. Es ist unsere konservative Tendenz. Das andere Programm mauert dagegen, aber nicht indem es Mauern errichtet, sondern expandiert. In die Welt und in die Seele. Stets auf der Suche nach Möglichkeiten, die Neugierde zu befriedigen. Daraus entwächst die Kreativität. Somit haben wir alle zwei Seelen in unserer Brust, eine dissoziative Identitätsstörung wie manche sagen würden. Es kommt nur darauf an, wie gut man es beim Abfinden damit verdeckt.

Inkompatibilitäten

Man kann irgendwie nichts dafür. Trotzdem sucht man Schuldigkeiten bei sich. Doch wo Inkompatibilitäten herrschen, ist man nicht Herr der Lage. Irgendwie ist es traurig, den Weg zu überblicken, den man benötigt hat, um diese Feststellung zu erkennen. Zunächst war es eine Herausforderung. Es war irgendwie ein Sportgroßereignis. Du bereitest deinen Körper, deine Seele darauf vor, fieberst dem Tag, den Stunden entgegen. Große Erwartungen werden gesetzt. Sogar Hoffnungen aufgebaut. Du legst deine Anschlüsse offen, willst Verbindung, willst Nähe. Du glaubst alles richtig gewählt zu haben, Zeitpunkt, Ort, Einstellung. Doch der Funke will nicht überspringen. Es passiert nichts. Du kannst den Motor nicht starten, das Tuckern der Ventile ist nicht zu hören. Es bringt nichts: ihr seid inkompatibel.

Scheiß Wlan.

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