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Kategorie: Urban Desire (Seite 1 von 19)

Glühspuren

Es gibt am Stadtrand von Tübingen eine Gegend, die ich häufig besuchte. Das Wort „Gegend“ klingt schon viel zu ausladend. Es ist eher ein Ort. Ein kleiner Ort. Bahngleise sind zwischen Feldern eingequetscht. Hier und da hat ein geschäftstätiger Schwabe ein kleines Stück Land verpachtet, auf dem energiegeladene Menschen aus der Kernstadt dem kargen Feldboden ein paar Beete abgerungen haben. Behelfsmäßig wurde auch eine Bank aufgestellt. In den mitgepachteten Obstbäumen muss immer eine Schaukel hängen. Flatterband grenzt die frei stehenden Parazellen von der Umwelt ab.

Zum beginnenden Spätsommer, wenn die Felder abgeerntet wurden, duftet es an diesem Ort so intensiv nach Stroh und Heu, dass man fast betäubt wird. Der beste Platz an diesem Ort ist dabei inmitten auf einem staubigen Schotterweg. Am Rand wiegen sich die Gräser im noch hitzigen Wind Süddeutschlands. Man blickt in Richtung Westen. Man blickt auf die Auen des Neckartals, die so saftiges Gras haben, dass es kaum zu glauben ist.

Die Sonne geht hier hinter einer moderaten Bergkette unter. Es sind fast keine Berge. Man blickt im Prinzip auch auf die Grenze von Protestantismus (Tübingen) und Katholizismus (Rottenburg), die sich hier kaum merklich – trotzdem existent – durch die Landschaft schlängelt. Ich kannte diesen Ort von meinem Fitnessbemühungen der Tübinger Jahre. Ich lief regelmäßig durch das Neckartal vorbei an den Gräsern, über die saftigen Wiesen und trat an guten und fitten Tagen zum Katholizismus über, bei dem ich aber oft nicht lang verweilte. Auch jenseits der Laufstrecke besuchte ich diesen Ort oft und wollte den Sonnenuntergang beobachten. Ich schaffte es selten. Stattdessen beobachtete ich nur das Verglühen des Tages, wenn die Sonne schon hinter den Hügeln ist und langsam an Kraft verliert.

Die Wohnung der tausend Böden

All euren Kitschvorwürfen nun einmal standhaltend, denke ich, war dieser Ort am Rande der Stadt in dieser Zeit mein Platz, um die Gedanken ein wenig zu ordnen. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon allein in Tübingen. Katze weg, Wärme weg und selbst Schuld. Guten Freunden erzählte ich immer wieder die Geschichte der Trennung. Wie ich an einem Tag hunderte von Kilometer von Tübingen nach Leipzig und zurück fuhr und auf der A6 so heftig schluchzend „Heavy Seas of Love” von Damon Albarn hörte, dass ich anhalten musste.

Zurück in Tübingen schritt ich nun manchen Spätnachmittag allein über die zahlreichen Fußböden der ehemals gemeinsamen Wohnung und war traurig. Vielleicht war es auch nur Selbstmitleid. Trotzdem… war alles nicht einfach. Die Wohnung hatte wirklich eine unfassbare Anzahl an verschiedenen Fußböden. Auf den knapp 65 Quadratmetern hatte jeder Raum seinen eigenen Untergrund erhalten: Holzdielenfußboden, Parkettfußboden, Linoleum, Teppich auf Linoleum, Fließen und Linoleum-Fließen. Letztere ersetzte die Vermieterin später durch Laminat. Um diesem Patchwork der schwäbischen Innenausstattung zu entkommen, spazierte ich gern an den Rand der Stadt, der nun ja unweit dieser Wohnung lag.

Ein Besuch an diesem Ort blieb mir besonders in Erinnerung. Er war Folge einer Email, die in dieses damalige, so zittrige Universum des Liebeskummers gesandt wurde. Mein Herz schlug bis zum Hals als ich den Posteingang öffnete und – fast schon poetisch wie die Verzögerung beim Öffnen eines papiernen Briefes – dass mein altes Smartphone eine ganze Weile brauchte, um die Nachricht zu laden und den schier endlos langen Text auf dem winzigen Bildschirm zurechtzurendern.

Post von damals

Es war eine Nachricht, die es in sich hatte. Sie war der Durchlauf, ja fast schon wilde Durchritt durch eine noch frühere Bekanntschaft. In wenigen Sätzen, faszinierend unprätentiös, wurde ein früheres Leben aus der Versenkung geholt, das dem gerade gescheiterten Leben hier in Tübingen vorausging. Kleine, fast schon vergessene Stationen, die ihr vielleicht noch mehr bedeuteten als mir … damals wie heute. Aber so genau kann ich es heute gar nicht mehr sagen, denn es wurde da in dieser Nachricht ein Bild von mir gezeichnet, das ich schon gar nicht mehr richtig kannte. Das liegt vermutlich daran, dass ich bei dem Versuch Fehlgeschlagenes und Verletztendes zu vergessen (besser zu verdammen) – auch damit begonnen hatte, einen Teil von dem zu vergessen, wer ich mal war.

Ich hastete – vielleicht auf dem Dielenboden, vielleicht auch auf den Linoleum-Fließen – durch die schönen und dann auch durch die nicht so schönen Erinnerungen, die in dieser Nachricht ausgebreitet wurden. Vieles davon lag einige Zeit zurück, etwa fünf Jahre. In der Nachricht wurde nachskizziert wie aus Bekanntschaft, Freundschaft und dann vielleicht so etwas wie kurze Leidenschaft wurde, um am Schluss in Stille zu enden. Aber es war nicht nur historisches in dieser Nachricht versammelt – WG-Geschichten, Partys, Küsse – nein, diese Nachricht war gespickt mit Dingen aus der unmittelbaren Gegenwart. Tweets, Songs, die ich vor Kurzem online postete, weil sie mir etwas bedeuteten. Es war verstörend, dass nach all den Jahren und nach all dem Schweigen, meinerseits, sie offenbar noch immer ab und an meine Glühspuren verfolgt.

Und da saß ich nun. Zwischen den Feldern in der Nähe der Bahngleise und wusste nicht recht, was ich zu all dem denken sollte. Ich weiß nur noch, wie ich versuchte anhand meiner eigenen Glühspuren, die ich schon damals in Form von Gezwitscher und rührseligen Blogposts im Netz hinterließ, mir wieder in Erinnerung zu rufen, was damals zu der Zeit, von der die Nachricht berichtete, los war. In mir. Wie war das als die Senderin dieser Nachricht und ich uns noch nahe standen, wie war noch mal das Gefühl, damals, als dass, was ein Endpunkt für uns beide zu werden drohte, aufzog. Als ich mich an ihren Erinnerungen und meinen Glühspuren zurückhangelte, fiel mir auf, dass ich in all den Jahren immer wieder an sie und an unsere gemeinsame Zeit gedacht hatte. Ich denke, schlicht aus dem Grund heraus, weil es nicht abgeschlossen war. Klar, Abschluss. Da verlangt man vielleicht zu viel. Menschen gehen auseinander. So etwas passiert. Man verliebt sich, glaubt es zumindest und dann ändern sich die Dinge. Ich hegte nie Groll gegen Sie. Ich weiß nur noch, dass ich damals total unter Schock stand als in meinem Zimmer ihren Brief öffnete (oder vielleicht war es auch eine E-mail), in der das Ende verkündet wurde. Es ist ja immer Kennzeichen solcher Nachrichten, dass darin von Plänen berichtet wird, die für einen neu sind und in denen man selbst keine Rolle spielt. Damals war das irgendwas mit Rumänien… Nach dem ersten Schock ging ich dann in brutalen Selbstschutz über und ignorierte alle Kontaktangebote. Vielleicht ein Zeichen, dass mir all das wichtig war und mich vollkommen entsetzt fühlt, dass aus unser Freundschaft kurz Leidenschaft entstand, die dann in noch viel kürzerer Zeit abgefackelt wurde. Vielleicht hatte ich mich damals auch nicht genug angestrengt, aufregend zu sein, begehrenswert oder sonst etwas.

Der Brief, der eigentlich nur eine fröhliche Kontaktaufnahme ohne Hintergedanken sein soll. Er berichtet von Babyfüßen und Babyatem auf dem Bauch . Er fragt mich aber auch, ob ich noch immer Groll hege? Sicher, jetzt nicht mehr. Aber damals. Vielleicht war es damals nur so ein Schock für mich, weil ich immer der erste bin, der für immer denkt und für immer schreit und dann so ne Bauchlandung hinlegt, weil sie dann doch ganz anders tickte. Vielleicht spürte ich auch schon etwas bei unserm letzten Treffen. Ich weiß nur noch, dass ich dann irgendwas Kryptisches in mein Blog tippte und mir sagte: lerne es zu akzeptieren. Es begann in diesem Zimmer und hört halt hier auch wieder auf. Die Traurigkeit wird vergehen, sie wird schneller vergehen, weil es ja noch gar nicht richtig angefangen hatte. Und auf Gründe muss man eh nicht hoffen und zu verstehen gibt es da auch nicht viel.

Und da saß ich nun … im Sommer 2015 und begann diese Zeilen, die ich nun beende. 7 Jahre später.

Für N.

Beständigkeit

beetlebum

Was ist das richtige Wort dafür? Konstanz, Treue, Unzerstörbarkeit, Nachhaltigkeit… vielleicht Beständigkeit…? Fairerweise muss man aber dazu anmerken, dass die Frequenz von veröffentlichten Beiträgen über die Jahre nicht konstant und beständig geblieben ist, dafür aber die technische Infrastruktur dahinter. Hier noch ein paar Gedanken über die fast schon verloren gegangene Kulturtechnik des Bloggens.

Von Blumen im Internet (Nachtrag)

Das Thema lässt mich nicht los. Kurz nach dem Verfassen meines Artikels – einem Plädoyer das eigene Blog als freie, unabhängige Blume der sonst so von Konzernalgorithmen durchsetzten Social Media-Welt entgegenzusetzen – bin ich auf einen interessanten Beitrag von Alan Jacobs, einem Professor für Literatur am Baylor College (USA), gestoßen.

Sein Beitrag macht explizit, was ich implizit an meiner eigenen Blogautorenbiographie erarbeitet habe: wir dürfen die Errungenschaften des freien Publizierens und Lesens im Internet nicht einfach aufgrund von Bequemlichkeit und Reichweite, die von Social-Media-Konzerne generiert werden, aufgeben. Die großen Player in diesem Spiel haben Geschäftsmodelle1Allen voran Facebook, das vermutlich auch irgendwann gemerkt hat, dass es gar keine neutrale Social Media-Plattform ist, sondern vielmehr ein Werbevermarkter: The Facebook Brand mit Zielen und inhärenten Logiken, die ihren Nutzern Kompromisse (Datensparsamkeit, Algorithmen, …) und möglicherweise auch Gefahren (Datenschutz, Radikalisierung) aufbürden. In dieser Abwägung sollten wir als Nutzer des Internets oder als (noch-)Nutzer von Social Media-Webseiten mit Bedacht handeln und uns ein wenig Gedanken über die möglichen, zukünftigen Folgen unseres gegenwärtigen Handelns machen.

Alan Jacbos findet für diese Welt der Social-Media-Webseiten ein interessantes Bild, dass er sich von Tolkien borgt. Im Herr der Ringe gibt es die Stelle, in der der Zauberer Saruman mit Mordor kooperiert und Isengart in eine massive Industriestätte umwandelt, die nichts zurücklässt als verbrannte Erde, tiefe Gruben und nicht mehr bestellbares Land:

It is common to refer to universally popular social media sites like Facebook, Instagram, Snapchat, and Pinterest as “walled gardens.” But they are not gardens; they are walled industrial sites, within which users, for no financial compensation, produce data which the owners of the factories sift and then sell.

Den Gefahren und Kompromisse der „walled industrial sites“ a.k.a. Social Media-Webseiten möchte Jacobs mit der Fähigkeit begegnen, zu lernen außerhalb dieser eingezäunten Industriestätten, die letztlich zu nichts anderem werden als Industriebrachen für die freien Gedanken, zu leben. Das offene Internet nutzen, eigene Websites betreiben, freie Technologien einsetzen (er erwähnt dafür zahlreiche Fertigkeiten und Techniken, wobei das Programmieren explizit nicht dazugehört (gut!)) sieht er als entscheidende Komponente und bedeutende Fertigkeit des einzelnen, mündigen Bürgers. Er begründet dies u.a. mit einer Denkfigur eines deutschen Philosophen. Hans Jonas „Prinzip der Verantwortung“ ist vielen sicherlich eher bekannt aus umwelt- bzw. bioethischen Debatten. Die zentrale Leitmaxime…

Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.

… soll Orientierung dabei bieten, möchte man erkennen, was in einer technologisierten Welt als wünschenswert angesehen werden soll. Jacobs leitet daraus eine Art Verantwortung für uns Heutige ab. Ähnlich wie in den Debatten um Nachhaltigkeit kann  Jacobs dahingehend verstanden, dass wir uns Gedanken machen sollten, was wir hinterlassen. Entweder eine eingzäunte, algorithmisierte Welt der Social-Media-Industriebrachen, von denen wir abhängig sind und die uns, zumindest zum Teil, die Freiheit des Diskurses, der Offenheit und Interoperabilität rauben – oder aber ein nicht immer einfaches Leben (ja man verliert ja die Reichweite, die Lemminge zu erreichen) in der freien, wilden Welt des Internets.

We can live elsewhere and otherwise, and children should know that, and know it as early as possible. This is one of the ways in which we can exercise “the imperative of responsibility,” and to represent the future in the present.

Ein paar spannende Gedanken, die Jacobs da äußerst, gesättigt offenbar von seiner extremen Belesenheit:

Alan Jacobs: Tending the Digital Commons: A Small Ethics toward the Future. In: The Hedgehog Review 20(1), Spring 2018.

Wenn…

Bild aus der Galerie Müllheim,BaWü

Wenn Tränen deine Augen kleiden, aber du keine Zeit und keinen Platz hast, dein neues Kleid zu wechseln… Wenn die Hand hastig, die Falten glatt zieht, die deine Haut altern lassen… Wenn zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nur dunkle Nacht herrscht und du glaubst nach jedem Schließen der Augen, einem tiefem Atemzug und dem bedächtigen Öffnen der Augen das wiedergewonnenes Licht vielleicht alles anders werden lässt… oder zumindest die Zeit zurückschiebt. Zurück. Wenn du aus Einsamkeit beginnst mit dir selbst zu sprechen, der klägliche Versuch dir selbst auf irgendeine Weise Mut zukommen zu lassen… und wenn du merkst wie peinlich all das ist… Wenn du schon mit Schmerzen und schwerem Kopf jeden Tag aufs Neue aus dem Bett steigst; beim Tritt auf den Teppich vor dem Bett der Horizont verschwimmt… Wenn Gedanken ins nichts abschweifen und du dir dessen plötzlich bewusst wirst; wenn du merkst du hast die ganze Zeit an eine Sache gedacht, die es zu begreifen gilt; Wenn du Schuld verteilst, Schuld auf dich nehmen willst, wenn du der Ohnmacht nicht Herr wirst; wenn du weißt, das nur du darin gefangen bist… Was dann?

Bis mich das Licht vertreibt (Tocotronic, 2018)

Industrieschnee

(Aus den Archiven… Entwurf vom 1. April 2016)

„Man muss es aushalten. Irgendwann wird es besser.“ Manchmal verfluche ich es, dass es so einfach ist, diese Sätze auszusprechen und damit einem vermeintlichen Tipp an andere zu geben, wie man mit Einsamkeit umgehen soll. Wenn jedoch wieder die Dämonen in einem selbst hochsteigen, gerufen von dem tagelangen Nebel, der das Haus umgibt, der durch die Fenster hineinkriecht, der die Wärme des Zimmers überwindet und sich eisig um dein Herz legt, ja, dann ist es genau dieser Moment, in dem die Routine und die Geduld, die diesen eben genannten Sätzen innewohnt, der Panik des Alleinseins und der Einsamkeit weicht.

Realistisch betrachtet habe ich recht schlechte Chancen, der Einsamkeit zu entkommen. Schrittweise immer weiter in den Süden geschlittert, Zelte abgebrochen und nie zurückgewandt. In jeder Stadt, in der ich lebte und liebte, habe ich Freunde oder Bekanntschaften zurückgelassen, die ich nicht und die mich nicht mehr besuchen und bei denen es nach all der vergangenen Zeit schwierig, wieder aufeinander zuzugehen. Menschen, die ich neu kennenlerne, warne ich schon immer vor: ich habe ein soziales Aufmerksamkeitsdefizit, das sich auch auf Menschen, die mir eigentlich am Herzen liegen, ausdehnt. Reibt man sich nicht mit einer gewissen Beständigkeit in meinen Alltag ein, verliere ich die Menschen aus dem Blickfeld, auch die, die ich liebte, die mir am Herzen liegen oder die mir wichtig sind. Die Augen werden taub. Das Ohr verstummt. Die Stimme blind. Trotzdessen bin ich traurig diese Menschen verloren zu haben. Seltsam.

Wir hatten dieses Thema nun schon öfter hier. Ich stelle mir dir Frage, ob sich das Gefühl der Einsamkeit wandelt… mit der Zeit. Fühlt sich Einsamkeit mit der Zeit, nicht weil sie länger andauert, sondern weil man selbst älter wird, anders an? Ist dies möglich? Etwa deswegen, weil man als Erkenntnis der Vielzahl zerschissener Beziehungen mitgenommen hat, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, Nähe zuzulassen und sich den Menschen, die man mag oder liebt, vollumfänglich und ehrlich zu widmen.1 Die Einsamkeit, die mir hier vorschwebt, ist eine sehr duldsame Einsamkeit, die stoisch akzeptiert und sich selbst in den Alltag einpreist. Man selbst arrangiert sich mit ihr, kokettiert auf eine gewisse Weise damit, die kurz davor steht, Mitleid bei anderen dafür einzufordern: „Der einsame Held brödelt vor sich hin.“ Das ist dann schon fast attraktiv, meint man.

Doch dann trifft man neue Menschen. Und ich erwische mich dabei, wie ich versuche, die Einsamkeit zu verbergen. Es scheint, dass Einsamkeit an dieser Stelle plötzlich und noch deutlicher zu einem Makel des eigenen Fehlgehens wird. Ein Mal der eigenen Unfähigkeit oder Asozialität, die die soziale Attraktivität unter Null sinken lässt. Die Einsamkeit erscheint als etwas, dass das Unglücklich sein vor Augen führt. „Was hast du Freitagabend eigentlich gemacht?“ Die Antwort „Youtube-Videos bis halb elf und danach facebook-google-stalking alter Bekannter von Grundschule bis Jetztzeit. Alkohol war auch Teil davon…“ ist dann nur noch der Offenbarungseid, den man tunlichst vermeiden sollte. Der innere Selbstdarsteller schreit dich dann auch an: „Sag wenigstens, dass du was gelesen hast. Roman, Sachbuch, egal… Hauptsache lesen!“ Natürlich sind Aktivitäten, Hobbys und Interessen Teil eines gesunden Soziallebens. Doch gibt es auch Menschen, die sich verkriechen. Menschen, die aus der Vielzahl der Möglichkeiten, die sich ohne Weiteres, unglaublich günstig und schnell realisieren lassen, einfach nicht wählen können. Menschen, die sich trotz großem Tatendrang am Morgen, am Ende des Tages eingestehen müssen, nur minimale Erfolge herbeigeführt haben, was das Großziel des Couchverlassens angelangt.

Ich weiß nicht, ob es nicht letztlich ein Verkriechen vor der Welt ist? Einfach weil man mit deren Vergnügungssucht nicht zurechtkommt, die stets weitereilt von Ereignis zu Veranstaltung. Oder ob, es ein Fehlen am Menschen ist, die einen Mitreißen, die einem die Augen öffnen für die Schönheit einfach am Leben zu sein und zu leben?

  1. Und jetzt bitte nicht mit dem Gurkenargument kommen, dass wenn man jemanden wirklich liebt, sich dieser Zustand des beständigen Widmens, in-das-Leben-einbauen und Zusammenseinwollens ganz von allein einstellt… meine Erfahrung, nicht nur an mir selbst, zeigt, dass dem schlicht und ergreifend einfach nicht immer so ist. []
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