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Kategorie: Musik (Seite 3 von 33)

Editors Choice I

Ich tüftel so schon eine ganze Weile daran herum. Nach dem großartigen „Blinkling lights and other relevations“-Doppelalbum aus dem Jahre 2005  hat sich „E“ dazu entschieden, eine Trilogie zu veröffentlichen. Doch während „Blinkling lights…“ einer fein justierten Dramaturgie folgt, die auch vermeintlich schwächere Songs trägt und die sich poetisch monothematisch um die zahlreichen familiären Tragödien innerhalb E’s Familie schlängelt, kann das innerhalb gut eines Jahres (Hombro Lobo, Juni 2009; End Times, Januar 2010; Tomorrow Morning, August 2010) veröffentlichte Trio, dem Doppelpack aus 2005 nicht das Wasser reichen. Warum?

Meine Vermutung warum geht in zwei Richtungen. Ich will E nicht schlechtes Songwriting unterstellen, ich will aber anmerken, dass er bei der Auswahl der Songs, die dann auf die Alben gekommen sind, ein wenig zu beliebig vorging. Denn die einzelnen Songs können nicht atmen. In „Blinking Lights…“ bereitet uns E auf das vor, was kommen wird; spielt mit Tönen, die er uns an verschiedenen Stellen stets in Erinnerung holt; entwickelt ein Theme, dass auf dem gesamten Album eine Rolle spielen darf. Die Tonalität und die Geschwindigkeit wirken trotz unterschiedlichster Songsstrukturen, Instrumentierungen und Einspeisungen wie aus einem Guss. Das gehört was zusammen, drängt sich da einem auf. Man hat Zeit durchzuatmen, zwischen dem Klavierspiel eines „If you see Natalie“  oder „God’s Silence“. Dieser musikalische Eindruck bestätigt sich auch im Poetischen. Es ist nicht, was man ja erwarten könnte bei dem bereits erwähnten Thema der Platte. Es ist eben nicht nur Trauer und Schmerz. Vielmehr mischt sich etwas dazwischen, das Zuversicht, Hoffnung und Kraft spenden will.

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Nü Metal — alles Scheiße

Kleiner Nachtrag zu dem hier

Sound 2010

„Der Frühling ist ja da.“ So begann dieser Eintrag als ich ihn Ende März begonnen hatte. Nun ist der Sommer so gut wie vorbei. Wir gehen auf den Herbst mit großen Schritten zu. Das Wetter weiß schon wie der Hase läuft. Was ich eigentlich tun wollte, war es, ein paar nette Songs des Jahres zu präsentieren, die bei mir zeitweise in heavy rotation liefen. Das lustige ist, dass ich eigentlich keine einfach Möglichkeit hatte, die Songs zu präsentieren. Zusammengestückelt aus den paar Brocken bei last.fm, blip.fm bzw. youtube wäre eine sehr nervige Klickarbeit geworden. Doch vor wenigen Wochen habe ich grooveshark entdeckt. Keine Ahnung wie die das machen, aber fast alles ist verfügbar, spielbar und vor allem – wunderbar einbettbar. Aber obs legal ist? Wer weiß? Deswegen nur der Link zur Playlist und nicht die Einbettung des Widgets: Top 2010

Nü Metal


CC by cattivik
Kann sich daran eigentlich noch jemand erinnern. An Nu Metal? Ist das wirklich schon so lange her? Man wird wohl alt. Ich kann mich noch erinnern, wie ich in meinem Fiat Panda (!) damals so ab 2002/2003 saß und ein Mixtape per verwirrender Discman-Adapter-Kassette-Verkabelung zum Schallen brachte. Es gab kaum mp3-Player bzw. Ipods, Alben wurden noch via CD getauscht oder einzelne Tracks bei Napster, Morpheus oder Kazaa gezogen. Man saß auch noch lagerfeuerartig im Zimmer bei Freunden und drosch wild auf imaginären Luftgitarren herum und wartete auf dieses Riff oder jenen „hammergeilen“ Chorus.
Ich weiß nicht mehr, wie ich das Mixtape im Auto genannt habe. Okay, „Nu Metal“ stand sicherlich nicht drauf. Bestimmt irgendwas wie „Party“ oder vielleicht noch was viel Beschisseneres. Aber das war der Soundtrack dieser Zeit eben. Wobei man schon peinlich aufpasste nicht zu viel Limp Bizkit oder Linkin Park auf der Platte zu haben. Vielleicht mal für die Mädels, aber bitte nicht zu viel.
Kurz zuvor hatte man angefangen regelmäßig zu rauchen oder sich auch sinnlos im Park zu besaufen und beobachtete sich heimlich abseilende Pärchen, die zum Knutschen und Schlimmeren den Ort wechselten. Ich habe damals nicht verfolgt, woher die ganze Musik kam. Vermutlich war es die CrossOver-Welle an Anfang der 90er. Gepaart und gemischt mit HipHop- und Metal-Elementen wurde dann dieser musikalische Nu Metal-Brei daraus, den es in verschieden starken Dosierungen gab. Neben eher sanften massenkompatiblen Geplänkel von Linkin Park bis zu P.O.D. konnte man das Aggressionsventil auch aufdrehen: Ill Niño, Slipknot oder auch Static-X.

Für mich persönlich begann es mit KO?Ns „Follow The Leader“ aber natürlich – und das muss man zu geben – Linkin Park und Limp Bizkit. Aber plötzlich ploppten überall neue Bands auf, die dann irgendwann auch plakativ mit „Nu Metal“ umschrieben wurden. Vieles war Stuss und nicht weiter beachtenswert. Aber einige Alben waren musikalische Offenbarungen. So z.B. Toxicity von „System Of A Down“ oder auch die bereits erwähnten Ill Niño mit „Revolution Revolución“.Ich kann mich auch noch sehr gut daran erinnern wie ich damals VIVA sah und Tobias Schlegl kündigte „die“ neue Band aus den USA an. Papa Roach. Die Jungs aus Vacaville (ja… und nicht Sacramento – den verstehen vermutlich nur echte Insider, hihi.) trafen vermutlich damals mit ihren „emosozialkritischen“ Texten in das Herz vieler Generationsgenossen. Papa Roach kamen über ein gutes Album nicht hinaus. Wir verdanken den Herren um Coby Dick Jacob Shaddix aber die Popularisierung von Dredg (Achtung kein Nu Metal), die mit „Leitmotif“ und „El Cielo“ herausragende Progressive-Alben der Jahrtausendwende produzierten (leider ist das, was folgt, nichts, aber auch gar nichts mehr wert…). Nicht nur wegen ihrer bereits starken Medienpräsenz blieben Papa Roach, aber auch Staind immer kritisch Problemfälle des Nu Metal. Niemand wollte es gewesen sein, wenn die Platte auf der Party im CD-Player lag.

Musikalisch blieben die Grenzen fließend. War man nun Metaler oder „Hopper“ war? Nu Metal war der musikalische, aber auch soziale Kompromiss. Massenkompatibel – je nachdem, was man schließlich so hörte -, somit bei VIVA und MTV vertreten, aber trotzdem irgendwie rebellierend genug, um sich vor allem von den Eltern abzusetzen. Trotzdem nicht szenig genug. Irgendwie ein Kompromiss für die, die keine größeren Geschwister hatten, die einen an das richtig heiße Zeug hätten anführen können.
Es war durchaus möglich, dass man gewisse Nu Metal-Kapellen zu lange hörte und man sich schnell dem Kommerzvorurteil gegenübersah. Es ist spannend, dass dies nicht an musikalischen, sondern medialen Kriterien festgemacht wurde. Schlug eine Band durch die Decke und landete in der heavy rotation im Musik TV oder im Radio wurde die Platte schnell versteckt, aber im heimlichen vermutlich auch weiterhin gehört.

Für Metaler war das kein Metal, sondern Scheiße (okay, Metaler sind auch scheiße) und wenn wir bei Limp Bizkit sind, verliert der Nu Metal auch seine klare Trennschärfe zu HipHop. Egal. Das Problem von Nu Metal ist gewesen, dass sich viele Bands musikalisch nicht weiterentwickeln konnten. Sei es aus eigenen kreativen Fähigkeiten – wie etwa bei 4Lyn, Farmer Boys, P.O.D. – oder auch aufgrund der Nu Metal-Plakette, die schweres Blei an jeder einzelnen dieser Bands hing. Nu Metal war eine gut kommzerialisierbare hypefähige musikalische Totgeburt. Kaum eine der Bands hat es geschafft sich dauerhaft ganz oben zu etablieren von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Aber um den alten Zeiten mal ein wenig zu frönen, habe ich hier mit Grooveshark (tolles Tool) eine nette Playlist mit alten Nu Metal-Hits zusammengestellt. Also, dann Jumpdafuckup.

Album of the week – Philip Selway – Familial

Dieser Philip Selway ist mir völlig unbekannt. Aber er passt zu mir. Zumindest sagen das die Empfehlungen bei last.fm. Gut. Also einfach mal fix den Itunes Music Store geöffnet und das Werk „Familiar“ heruntergeladen. Ab auf den Ipod und dann durch die Stadt… nichts ahnend, was mich da erwartet. Schön, denke ich, schön. Aber, Moment? Philip Selway? Der Name ist dir doch bekannt. Ja! Verdammt. Das ist der Drummer von Radiohead. Aber was tut der da? Moment. Drummer, die plötzlich beschliessen sich von der Band abzukoppeln und etwas eigenes auszukoppeln, müssen zunächst kritisch betrachtet werden. Zu zahlreich sind die Fehltritte. Okay. Dave Grohl zählt nicht. Nirvana waren ja zur Gründung der FooFighters so gut wie Geschichte. Ich denke da an Ringo Starr, Phil Collins oder ganz schlimm Jimmy Chamberlain, der mit seinem Projekt Jimmy Chamberlain Komplex eine Album veröffentlichte, welches Milde gesprochen allenfalls als Fahrstuhlmusik dienen konnte.
Also müsste man ja zunächst skeptisch werden, wenn wieder ein Drummer hervortritt und die Komposition einer ganzen Platte vorantreiben will. Aber meine anfängliche Begeisterung hat gezeigt, dass Philip Selway auf „Familial“ irgendwie alles richtig gemacht hat und er hat mit seinem ersten Soloalbum etwas gemacht, was man aus dem Umfeld von Radiohead wohl nicht erwartet hätte. Familial ist nicht wie Yorkes Eraser-Platten eine Electro-Fummelei hart an der Grenze des Hörbaren, sondern wunderbar sanfte Indie-Folk-Acoustic-Musik, die mit elektronischen Spielereien so sparsam verfährt, dass diese fast ins Unhörbare versinken. Ebenso richtig war es auch – so sehr ich auch Thom Yorke verehre – diesen eben nicht auftreten zu lassen und das obligatorische Ständchen singen zu lassen, sondern vielmehr einen eigenen Schritt zu gehen, der die musikalischen Spuren Radioheads nicht verleugnet, aber eben doch anders klingt.
So ist bereits der Opener „By Some Miracle“ richtungsweisend. Mit spärlicher Instrumentierung, gehauchtem Gesang und wenig sparsam eingesetzten elektronischen Effekten schlürft sich das Album ins Ohr und geht nicht mehr aus dem Ohr. Mal hier noch ein Piano, mal ein paar mehr elektronische Tipser und stets der gehauchte Gesang oder ein sanfter Background-Chorus. Es gibt keinen wirklichen Ausfall in den gut 32 Minuten. Allenfalls „Broken Promises“ zieht dann doch zu sehr seinen Weg in Richtung eines schlechten Weihnachtslied-Refrains. Kann aber damit dieses hervorragende Album nicht wirklich trüben.


By Some Miracle

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