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Autor: urbandesire (Seite 31 von 206)

Im Staub des Zwingers: Natur und Idee

Es muss natürlich eine Fügung des Schicksals sein, dass wenn ich nun schon einmal in Dresden weile, die Staatlichenportrait_carus Kunstsammlungen Dresden genau die richtige Ausstellung für mich bereithalten: Carl Gustav Carus: Natur und Idee. Carus? … werden sich jetzt einige fragen. Carl Gustav Carus (*1789 – † 1869) war ein Zeitgenosse Goethes. Aber nicht irgendeiner. Der Mediziner, Naturforscher und Maler Carus zählt zu den Verehrern Goethes. Dessen literarische Schaffen inspirierte ihn zu zahlreichen Landschaftsgemälden und Skizzen. Desweiteren lagen die beiden, Goethe und Carus, nach einem Treffen im Juli 1821 auch im regen wissenschaftlichen Austausch über Themen der Botanik, Morphologie, Anatomie, Farbenlehre sowie der Landschaftsmalerei selbst. Carus zählt somit zu einem der Vertreter der wissenschaftlichen Debatten, der in die Diskurse der Goethezeit einzuordnen ist, die es in meiner Arbeit aufzudecken gilt.

Es gibt die nette Anekdote, dass bei einem Treffen der beiden ein Karlsbader Trinkglas (auch zu sehen in der Ausstellung im Residenzschloss Dresden bzw. dem Zwinger Gewölbe) als symbolisches Anschauungsobjekt diente, um durch dessen Trübung das Urphänomen der Farbentstehung zu verdeutlichen (Entopische Farben). In das Glas wurde mit einem bestimmten chemischen Verfahren ein trüber Schmelz aufgetragen, der dazu diente eine geringelte Schlange abzubilden. Hielt man das Glas nun über einem schwarzen Untergrund und bot sich so dem Glas wenig Lichtmenge, zeigte sich die Schlange blau, bei größerer Lichtmenge, etwa einem weißen Untergrund, färbte sich die Schlange gelb. Carus bat nach dieser Unterredung, um die Übersendung solch‘ eines Glases, dem Goethe leider nicht nachkommen konnte. Stattdessen schickte dieser auf ähnliche Weise bearbeitete trübe Glasplättchen.

Trotzdessen erhielt Carus in vielen Bereichen seiner Naturforschungen (Anatomie, Psychologie) und Kunstmalerei nur wenig Anerkennung durch Goethe. Nach dem Ableben Goethes versuchte sich Carus auch als Biograph und Interpret Goethes, da dessen literarisches Schaffen, wie bereits erwähnt, Inspirationsquelle für zahlreiche Naturstudien und Gemälde, aber auch Ansporn für naturwissenschaftliche Forschung (Beispiel: Anatomie und Goethes Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen) war.

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Angekommen

Angekommen im einwöchigen Ferienziel Dresden. Die To-Do-Liste meiner Eltern, denen diese improvisierte Ferienwohnung gehört, besteht aus Blumen gießen und der Bitte keine allzu große Unordnung zu schaffen.

Derzeit befinde ich mich somit in der Nähe des Schloss Pillnitz:


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Ich werde heute mal nach Dresden reinfahren – ein wenig Sightseeing – und gen Nachmittag mich an die Arbeit setzen. Kaffee und Milch sind ausreichend vorhanden. Bin leider ein wenig träge, weil die erste Nacht irgendwie durchwachsen war. Wirre Träume, so dass ich bereits halb fünf, dann halb sechs aufgewacht bin um schließlich halb sieben aufzustehen. Was das bedeutet? Ich weiß es nicht.

[Mistige Feststellung: tumblr erlaubt keine Integration von GoogleMaps – bei posterous muss man nicht mal den embed-code verwenden; es reicht der normale googlemaps-Link und posterous wandelt es in eine 1A-Karte…]

Salve

via www.goethe-gesellschaft.de

Ich hatte mich dann letztens wieder geirrt. Als ich von Jojo gefragt wurde, welche Begrüßung man im Lateinischen benutzte: Ave oder Salve; tendierte ich aufgrund der Goethischen Prägung hierzulande zu Salve. Ich erklärte, dass Goethe dies über dem Türbogen stehen hat(te). Die Begrüßung Salve findet sich jedoch auf der Türschwelle, wie ein Bild der Goethe-Gesellschaft belegt.

“In deinem ‘Nichts’ hoffe ich, das All zu finden.”

Zwischenstand

Heute war die letzte Möglichkeit eine Sprechstunde wahrzunehmen. Mein Gutachter war gut gelaunt, hatte er doch insgesamt nur eine Stunde anberaumt, um Studenten durch ihre Hausarbeiten, Hausarbeitsergebnisse und Magisterarbeiten zu dirigieren. Für mich war es der Tag der Wahrheit. Am Ende der 45 Minuten (sorry für die anderen) war ich erleichtert und gleichsam ernüchtert. Es ging heute darum meinen Schlachtplan absegnen zu lassen. Ich habe erstmals bei einer schriftlichen Arbeit einen methodischen Rahmen entwickelt, der als Gerüst für die komplette Analyse dienen soll. Weiterhin mussten verschiedene Nebenschauplätze gleichsam Kampfgebiete der Goethischen Poetik sondiert, bewertet und gegebenenfalls rausgeschmissen werden.

Ich hatte vor diesem Tag ein wenig Bange. Krankten doch meine bisherigen Arbeitsabschnitte stark an einer konkreten wirklich fassbaren Fragestellung. Es war zwar klar, worum es geht, es war klar welche Textstellen und welche theoretischen Aspekte relevant werden sollen, jedoch ein Prinzip bzw. eine Arbeitsmaxime, mit deren Hilfe ich durch den kompletten Komplex kommen könnte, fehlte. Nach den 45 Minuten war Vieles abgesegnet und ich werde es voraussichtlich auch so machen. Doch als es darum ging, meine Thesenvorschläge zu erörtern, wollte sich niemand wirklich festlegen. Auch mein Gutachter blieb gleichsam schwammig:

Finden sie einen theoretischen Rahmen – nutzen sie dafür eklektisch ausgewählte Theorien, Begriffe, Aspekte und Diskurse, schaffen sie sich eigene Begriffe und Schemata, die ihnen die Möglichkeit bieten, die ausgewählten Textabschnitte zu erhellen.

Ich deute dies so: Auf der einen Seite haben wir Diskurse. Diese sind in verschiedener Wertigkeit vorhanden: Geologie, Geschichte, Naturphilosophisches, Soziales sowie Goethes eigenen Standpunkte, die man vorsichtig aus seinen naturwissenschaftlichen Schriften herausarbeiten kann. Dabei sollte es zu keiner reinen Verklammerung der wissenschaftliche Theorien mit dem poetischen Werk kommen (in etwa so wie es Dorothea Lohmeyer in ihrem Werk Faust und die Welt veranstaltete), sondern der Einbezug der nicht-poetischen Schriften sollte mit einer gewissen Distanz geschehen.

Der Einfluss dieser Diskurse mitsamt der naturwissenschaftlichen Schriften soll innerhalb des Faust II so verstanden werden, dass es Goethe darauf anlegte, verschiedene wissenschaftliche Theorien – die so an sich nicht anschaulich sein können, durch das dramatische Gewand darzustellen. Dabei erleben die Diskurse und mit ihnen das darin steckende Wissen eine poetische Transformation, die es mit Hilfe eines Begriffsappartes (Symbol, Allegorie, weitere stilistische Mittel, Kollektivsymbolik etc.) zu beschreiben gilt, um zu zeigen, dass diese Diskurse enthalten sind, andere vielleicht weniger prägnant darin stecken und noch andere einfach Vorstellungen findiger Interpreten sind.

Wichtig – und jetzt kommts – ist natürlich nicht der Aufwärmer bereits explizierter Analysen von Faust II zu sein, sondern mit eigenem Kopf durch den Text duchrzugehen.

Ich denke, jetzt kann es losgehen.

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