urbandesire

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Autor: urbandesire (Seite 100 von 206)

Mit dem Stock im Arsch

Allein.

Trage mich gerade mit dem Gedanken statt den ganzen Abend „City And Colour“ zu hören und Rilke zu lesen, zur Powi-Sommerparty zu gehen. Obwohl 1. der Tag für eine Party eines politikwissenschaftlichen Fachschaftsrat nicht schlechter hätte gewählt werden können. Der moderne Politikwissenschaftler feiert an Tagen des G8-Gipfels sinnentleerte Partys anstatt über Globalisierung und ihre Folgen zu informieren.
Weiterhin sind mir, obwohl ich quasi selbst einer bin, Politikwissenschaftsstudenten suspekt. Nirgends taucht das Schubladendenken mehr auf als in diesem Fach.

Typ 1

Wir haben da zunächst den klassisch konservativ-politisch interessierten Menschen. Meist war er bei der Bundeswehr, ist in eine Party eingetreten (häufig FDP oder CDU) und engagiert für Lokalpolitik und im äußersten für die studentische Mitbestimmung in den Unigremien. Häufig auch gern mit dem Typ des Strebers und ewig nervenden, feuilletonlesenden Besserwisser verknüpft.

Typ 2

Typ 2 ist natürlich dem linken Spektrum zuzuordnen und unterscheidet sich optisch kaum vom „Schwarzen Mopp“ bzw. sandalentragenden Vegetariern. SPD ist zu konservativ, PDS zu alt, dieser Typ sucht Teilnahme bei naja – exotischeren Parteien bzw. der schicken Palette der NGOs. In Seminaren diskutiert er gerne und versucht alles im Zusammenhang mit der großen marxistisch-leninistischen zu sehen, obwohl er diese als absoluter Gegner von Diktatur und Co. eigentlich ablehnen müsste.

Typ 3

Typ 3 ist weiblich. Und studiert Politikwissenschaft nur, weil sie entweder von Politik (bzw. der Vorstellung von Politik, wie sie in den Tagesthemen propagiert wird) keine Ahnung hat und „endlich einmal sich richtig damit beschäftigen will“ oder weil sie in der Sekundarstufe 2 in Gemeinschaftskunde (Sozialkunde etc.) eine 1 hatte. Aber nicht erkannte, dass diese 1 vorwiegend auf ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen basierte als auf ihrem auswendig gelernten Wissen über den Bundestag.

Typ 4

Ist immer in Ablehnung begriffen, negiert Lehrstuhl, Kommilitonen und eigentlich auch sich selbst. Er studiert das Fach nur, um im Hass auf die anderen drei Typen sich selbst zu spüren, besser zu fühlen und eigentlich nur um am Leben zu bleiben.

Jetzt muss man sich diese gesamten Elemente mit den Soziologen vereinigt auf einem festdefinierten Raum vorstellen. Und das beste kommt noch. Auf der Pol-Soz-Fachschaftsratseite steht zu der Party:

„Es wird also hoffentlich eine ausgelassene – eben einer Party würdige – Stimmung herrschen.“

Oh mein Gott, jetzt zieht doch aber bitte mal den Stock aus dem Arsch. Naja, wenigstens ist vielleicht der Baytor da und vielleicht auch der Klingsor.

dreieinhalb Stunden, unzählige Wunden

marcus in der thulbSo habe jetzt gute 3 1/2 Stunden hier in der Thulb mit meinem Protokollpartner gesessen und versucht irgendetwas zusammenzuzimmern. Es sind dann gute fünf Seiten geworden die jetzt noch gehübscht werden müssen. Die Problematik eines Protokolls besteht ja – wenn es sich um ein Ergebnisprotokoll handelt – in der Aufgabe Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Nur schaffen es einige Dozenten alles als Wesentlich und Bedeutend zu markieren. So dass ein Zusammenstampfen des Seminars in wenige Seiten nur noch über einen geschickten Ausdruck und verquere Wortspiele möglich wird.

Ich muss zugeben, dass ich von dem Niveau der bisherigen Protokolle (u.a. auch gehalten von Der Heldin) durchaus beeindruckt war. In wenigen klaren Sätzen und genauen ausgefeilten Formulierungen hatte jede der Protokollkandidaten die Sitzungen zusammengefasst. Oh, mein Gott, das wird schwierig. So dachte ich.

Aber nöö. Gestern erfuhr ich, dass der Dozent die Protokolle gegenliest und Sätze und Formulierungen austauscht, so dass nur noch ca. 20-30% der Sätze auf den Studenten selbst zurückzuführen sind. Wohlgemerkt, dies sind stilistische Korrekturen; inhaltlich wird nur marginal korrigiert. Immerhin.

Trotzdem kam es mir mit dieser Erkenntnis heute befremdlich vor, an dem Protokoll zu feilen. Was soll ich Zeit und Kreativität investieren, wenn danach eh jemand kommt, der meine Sätze ausstauscht, der mich aus meiner kreativen Eigenbrödlerei quetscht. Was nützt es, wenn mein Protokoll bereits beim Tippen der Gedanken – beim Übergehen aus meinem gedanklichen Reich in das Zwischenlager der Allgemeinheit – quasi stilistisch falsch ist. Sicherlich ist es hoch anzurechnen, dass ein Dozent solche Zeit und Mühen aufwendet und das Seminar auf einen guten Informationsstand bringen will. Aber er schießt ein wenig über das Ziel hinaus und hinterlässt bei jedem einzelnen verfassenden Studenten einen kleinen, aber doch nicht zu vernachlässigenden Trümmerhaufen.

Taschentuch

taschentuch

Warum? Keine Ahnung.

Habe gestern hundert Seiten Rilke gelesen. Will jetzt erstmal sterben. Oder im Nichts verschwinden, damit ich euch nicht zusehen muss, wie aus aufplatzenden Eiterbeulen euer Leben herausströmt und dann vielleicht noch bei mir landet.

Neue Galerien auf www.tageausglas.de

Es gibt mal wieder ein kleines Portfolio-Update auf www.tageausglas.de. Neue Bilder von Sue, Chris (ja wieder Mal) und eine kleiner Portfolio-Shot von triozean, einer Leipziger Jazzband (.link).

Viel Spaß beim Durchstöbern und, wenn was gefällt oder nicht, ein bisschen Kritik und Meinung ist immer gut.

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