Der letzte Artikel war der tausendste Beitrag auf urbandesire.de – dieser somit der 1001 – seit dem 08. August 2004. HURRAY. Die tausender Marke nach über 3000 (genau 3136) Tagen endlich geknackt. So weitermachen. Keine Zeit zurückzuschauen.
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Ich erläuterte ja vor ein paar Tagen ein Problem, dass sich aus dem Zusammenspiel zwischen Scrivener und jeglichem Texteditor (Word, Pages, OpenOffice, LibreOffice etc.) ergibt. Ich schrieb:
Für den Mac kann man sagen, dass Scrivener auf die systeminterne RTF-Engine von Mac OS X für den Export von Dokumenten nach .rtf, .doc oder .docx zurückgreift. Dieser Standardexporter ist aber ziemlich beschränkt, so dass alle in Scrivener angelegten Formatvorlagen/Styles zu Formatierung des Dokuments zwar optisch im Dokument mehr oder minder umsetzt, aber nicht in die Formatvorlagen des Textverarbeitungsprogramm überträgt. Dies gilt für alles. Also auch für Formatvorlagen, die Überschriften definieren und die man eventuell später braucht, um eine Inhaltsverzeichnis automatisch generieren zu lassen […] ((über das Formatvorlagenproblem der Compile-Funktion in Scrivener))
Was macht man nun? Eine Möglichkeit wäre natürlich auf die Nutzung von Scrivener zu verzichten. Dumm nur, wenn man den Workflow liebgewonnen hat und sich ungern davon trennen möchte oder aber bereits einiges an Text darin produziert hat. Also muss eine Lösung her. Und die ist im Prinzip gar nicht so schwer, wenn man die Voraussetzungen dafür in Scrivener schafft. Denn der Vorteil ist, wie ich bereits schrieb, dass Scrivener ja die in der Scrivener-Formatvorlage angegeben Formatierungseinstellungen auch im .doc-, .docx- oder .rtf-Dokument umsetzt, zwar nicht als einzelene Formatvorlage, aber zumindest optisch. Und das ist der Ansatzpunkt wie die Formatierungsvorlagen quasi rekonstruiert werden können.
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„You never know when something is going to happen to change your life. You expect it to arrive with fanfare, like a wedding or a birth, but instead it comes in the most ordinary of circumstances. Afterward I tried to find something to explain what had happened. But the night was ordinary. It usually is, I think, when your life changes. Most people aren’t doing anything special when the carefully placed pieces of their life break apart.“
aus: Carole Radziwill: What Remains. A Memoir of Fate, Friendship, and Love (2005)
Was macht der geneigte Promovent eigentlich, wenn es mit der Dissertation nicht so recht vorangeht? Er geht in sich und erkennt ganz schnell, dass es für sein Stocken viele Gründe gibt. Vor allem aber ist er sich sicher, dass sein Workflow noch optimierbar ist. Wenn dann früher aufstehen, länger arbeiten, weniger Freizeit und noch mehr Paper leser nicht mehr ausreicht, dann kann es eigentlich nur noch daran liegen, dass die Tools, die er verwendet, noch nicht optimiert sind.
Da nun fast jeder Arbeitsplatz eines Mitarbeiters im akademischen Hause mit einem schnellen Internetanschluss versorgt ist, wird sich der Promovent schnellstens ins Internet begeben und nach Lösungen für sein Problem suchen. Er wird schnell fündig. Er braucht mehr Struktur, besser Wissensorganisation, er braucht mehr Flexibilität, er braucht… Eine moderne, viel erwähnte und durchaus adäquate ist dabei das Programm Scrivener. Das Programm der kleinen amerikanischen britischen Softwareschmiede Literature & Latte hat es sich zur Aufgabe gemacht, Autoren, Drehbuchautoren, Studenten und Akademikern im Allgemeinen die Arbeit an langen und komplexeren Texten zu erleichtern:
„Literature & Latte was founded in 2006 with the sole purpose of creating software that aids in the creative process of writing long texts.“ ((Über Scrivener))
Und in der Tat Scrivener hat in meinen Augen etwas erreicht, um die Probleme komplexerer Arbeiten anzugehen und zu erleichtern. Ich muss jetzt nicht alles erwähnen, was Scrivener besser macht als eine gewöhnliche Textverarbeitung wie Word, OO oder Pages, denn es gibt genügend detaillierte Rezensionen.
Nur ein unschlagbares Feature möchte ich hier hervorheben. Es ist die grundlegend andere Herangehensweise der Organisation von Text. Man schreibt in Scrivener letztlich nicht nur an einem Dokument – wie etwa in Word oder vielen anderen Textverarbeitungen – von oben nach unten, sondern Scrivener zerlegt ein Dokument beispielsweise anhand der Gliederung in viele Einzeldokumente. So ist es leichter den Überblick zu behalten, Sequenzen neu zu arrangieren und die Komplexität eines größeren Schreibprojekts zu bewältigen. Durch die Hilfe des Binders und eine kompetenten Outliner-Ansicht wird dies erreicht und kaum verbesserungswürdig umgesetzt.
ABER:
Auch die Frage der Formatierung des Dokuments ist nach ein wenig Einarbeitung mit dem Programm durchaus zu bewerkstelligen. Den Teil mal in italics, diese Überschrift ein bisschen größer und die längeren Zitate im Fließtext dann doch ein wenig enger… alles machbar. Aber noch längst nicht so, wie man es von Word oder Ähnlichem gewohnt ist. Somit hört man häufig, dass man das finale Layout ja dann über die Exportfunktion (eigentlich „Compile“) “auch noch in Word erstellen kann. Man kompiliert quasi alle einzelen Textsequenzen nach Wunsch zusammen und gibt sie in einem neuen Dokument (.rtf, .doc, oder .docx) aus. Soweit so gut. Dieser Hinweise ist aber quatsch. Scrivener hat nämlich ein Problem. Der Entwickler erläutert:
„RTF supports stylesheets (albeit messily). RTF is Scrivener’s main export format (it’s .doc, .docx and .odt exporters are all piped through RTF first), but because Scrivener uses the standard OS X text system’s RTF export code, it doesn’t support all RTF features. The standard OS X RTF exporter doesn’t support images, headers and footers, footnotes, comments and much more, but I’ve managed to add all of those features to the RTF (and Word) export by post-processing the RTF. Stylesheets are something else altogether, and would really require me to write my own RTF parser from the ground up, which is why it is something that has been put off for the future (preferably for when I’m rich enough to hire another Mac programmer!).“ ((Forenbeitrag vom Scrivener-Entwickler Keith))
Tja… was bedeutet das. Für den Mac kann man sagen, dass Scrivener auf die systeminterne RTF-Engine von Mac OS X für den Export von Dokumenten nach .rtf, .doc oder .docx zurückgreift. Dieser Standardexporter ist aber ziemlich beschränkt, so dass alle in Scrivener angelegten Formatvorlagen/Styles zu Formatierung des Dokuments zwar optisch im Dokument mehr oder minder umsetzt, aber nicht in die Formatvorlagen des Textverarbeitungsprogramm überträgt. Dies gilt für alles. Also auch für Formatvorlagen, die Überschriften definieren und die man eventuell später braucht, um eine Inhaltsverzeichnis automatisch generieren zu lassen (was ja bei längeren Arbeit fast schon geboten ist).
Üblicherweise sieht dann ein Dokument, das in Scrivener eine Formatvorlage für den Haupttext erhalten hat, eine für eingerückte Zitate und zwei Formatvorlagen für verschiedene Fußnoten und drei Formatvorlagen für Überschriften als Dokument in Word/Pages etc. ganz gut aus, aber ein Blick in die Formatvorlagenbox der Textverarbeitung offenbart das Problem (siehe Bild). Das als exportierte Scrivener-Projekt hat alle Formatvorlagen verloren und somit ist auch ein nachträgliches „layouten“ und anpassen eigentlich hinfällig, weil man ja letztlich nichts hat, was man kontextgebunden anpassen kann.
Somit sei mal hier eine kleine Warnung ausgesprochen, da diese Problem sonst wenig erwähnt wird, und ich mich ein wenig wundere, ob all die guten Rezensionen, die geschrieben wurden, ein verfasstes Dokument auch wirklich bis zum Druck gebracht haben.
Auch die Idee einfach auf weitere Textverarbeitungsprogramme zu verzichten scheitert letztlich an vielen Kleinigkeiten, bei denen Scrivener noch Verbesserungen nötig hat. So ist generell die komplette Editierung von Fußnoten noch höchst problematisch, da an dieser Stelle rein von der Formatierung her kaum Optionen geboten werden (ich beispielsweise will einfach nur eine Leerzeichen zwischen Fußnotenzahl und Fußnotentext, geht nicht…) und auch die Frage der Silbentrennung im Deutschen ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Schon diese zwei Punkte allein nötigen schließlich dazu, den Text in einer weiteren Textverarbeitung zu öffnen, um die Missstände zu beseitigen.
Tja. Was kann man tun? Die Organisation von Text und auch das Schreiben im Programm selbst ist sehr angenehm, aber wenn am Ende nicht die volle Kontrolle über den Output gewährleistet werden kann, hat man ein gewisses Problem. Ich möchte somit nicht vollständig von der Nutzung des Programms abraten, aber diese Punkte mal zu bedenken geben.… und noch eine Ankündigung machen: ich werde in den nächsten Tagen mal einen erarbeiteten Work-Around mit Word und Scrivener vorstellen, der letztlich als ein Kompromiss verstanden werden kann.
Es gab hier lange nichts mehr zum Thema Musik – keine wirren musiktheoretischen Essays und die letzten Rezensionen zu Platten stammen auch aus dem Jahr 2011. Doch heute ist ein Tag, an dem es sich wieder lohnt. Pünktlich zum Frühlingsanfang ist die neuste Platte von Ólafur Arnalds For Now I Am Winter in den Läden, den Online-Stores und auf den bekannten Download-Plattformen aufgeschlagen.
Früher trafen mich Platten ja meistens unvorbereitet, aber seitdem die Künstler auch ganz gerne Mal auf allen Social-Media-Kanälen feuern, kann man erstens eine Neuerscheinung kaum noch verpassen und zweitens eine adäquate Vorfreude und Erwartungshaltung aufbauen. So einige Informationen werden dann wohldosiert gestreut – hier etwa die Hintergründe zum This Place was a Shelter oder auch, da Arnalds ja jetzt quasi erstmals auf einem Major erschienen ist eine Single plus Video.
Aber mit der Erwartungshaltung ist das ja so ein Sache. Gerade bei Ólafur Arnalds. Seine Musik ist nicht nur weit weg vom Mainstream, sondern muss auch kategorial anders behandelt werden als das neue Album deiner Electric Superdance Band. Trotz aller teilweisen elektronischen, post-rockigen und teilweisen indiepoppigen Einschübe, handelte es sich bei Arnalds einzelenen Werken stets um klare definierte Instrumentalmusik, bei der entweder das Klavier umsäuselt wurde mit elektronischen Klängen oder kammermusikalische Streicherarrangements den Ton angaben. Innerlich hatte ich das Gefühl, dass diese Konstellation nie ausgereizt werden kann, da ich auch beispielsweise nicht müde werden, die noch stärker bis ausschließlich auf das Piano konzentrieren Werke von Ludovico Einaudi zu hören. Doch bei den letzten Veröffentlichungen spürte man meiner Ansicht recht deutlich, das Arnalds kein großes Interesse hatte, an dieser an sich funktionierenden Konstellation etwas zu ändern. Einschneidend empfand ich dann 2012 die Kooperation mit Nils Frahm. Logischerweise rückte die Electronic mehr in den Vordergrund – zwar immer noch getragen von den Streicherarrangements – aber eben konzentrierter.
Vielleicht ist ja von diesem musikalischen Ausflug etwas hängen geblieben. Auf jedenfall bemerkt auf For Now I Am Winter einige Neuerungen. Die auffälligste ist vielleicht: es gibt Gesang. Richtig, da singt jemand. Es ist Arnor Dan, Sänger der frisch gegründeten Band Agent Fresco. Nicht mein Fall. Aber gut. Die zweite Neuerung, die dann doch recht fix auffällt, ist das die Arrangements opulenter geworden sind. So beginnt der Opener Sudden Throw wie gewohnt nur um sich nach knapp 1:30 Min. in orchestrale Höhen aufzuschwingen. Dies bedeutet aber nicht Orchester anstatt der typischer Kammermusik. Denn im zweiten Song Brim werden diese Elemente unter einen für Arnalds Verhältnisse recht zackigen Beat miteinander verwoben. Ich finde das äußerst gelungen.
Auch der Song Reclaim ist ein mustergültiges Beispiel für diese musikalische Horizontöffnung. Mit dem Zusatz, dass auch noch Gesang zu hören ist. Beeindruckend ist für mich auch das Neuarrangement von This Place Was a Shelter, das als eher kurzes Outro bereits auf der Living Room Songs EP zu hören war und eine beeindruckende Metamorphose durchgemacht hat und vielleicht neben Only The Winds zu den stärksten Songs des Albums gehört.
Als Fazit kann man nur sagen, dass es sich bei For Now I Am Winter vielleicht um das viellseitigst und somit auch bisher beste Album von Ólafur Arnalds handelt. Denn die Erweiterung seiner bisherigen musikalischen Spielart durch stärker hervortretende elektronische und rhythmische Elemente sowie die wunderbar eingeflochteten Orchesterabschnitte sind äußerst gelungen. Nichts verdeckt sich gegenseitig, spielt sich gegenseitig aus, sondern geht eine wundervolle bis imposante Symbiose ein. Die Elemente besiedeln einander und verstärken sich. Einzig der Gesang ist wie bereits erwähnt nicht mein Fall. Das liegt aber vermutlich nicht an der Tatsache, dass mit gesanglichen Parts an sich experimentiert wurde, sondern vielmehr an der mir nicht zusagenden Stimme von Arnor Dan.
Ich freue mich darauf, die Songs im Juni in Karlsruhe live zu hören.
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