Ich mag ja Olafur Arnalds. Wirklich. Ich bin sozusagen Fan erster Stunde. Darüber bin auch froh, denn sonst brauche ich immer eine Weile, bis ich der wirkliche musikalischen Perlen gewahr werde. Nun denn.

Olafur Arnalds Musik zu beschreiben endet stets mit nicht wirklich sinnigen Sigur Ros (hier mal in phonetischer Umschrift: [?s????r ?rou?s]vergleichen. Diese Band steht ja dann auf dem Kontinent quasi auch für isländische Musik. Seit dem hochgelobten und tatsächlich fabelhaftem „Ágætis byrjun“ vor über 10 Jahren ist es dann stets die Messlatte isländischer Musik geworden (verwirrte Musikzeitungsredakteure haben sogar versucht Parallelen zu Hardcore-Kapelle Mínus aufzudecken, die ja nun wirklich… naja… überzeugt euch selbst…). Diesem musikalischen Paradigma musste sich auch Olafur Arnalds stets in allen möglichen teaser-Artikeln sämtliche Fanzines, Musikmagazine und auch Weblogs stellen.

Hat man diese Phase der epigonenhaften Vergleiche, dann erstmal hinter sich gelassen, dann steht das Werk des Künstlers selbst im Blick. Der nun folgende Mechanismus ist vermutlich grundlegend evolutionär. Wie wir als Urmenschen uns Fremde Äffchen soll schnell wie möglich einschätzten – z.B. als Freund oder Feind oder als Begattungspartner -, um unser Überleben zu sichern, so verpassen wir auch heute noch Musik reflexartig ein Genre. Dabei nehmen wir Bezug auf bisher Gehörtes, wägen ab und pappen anschließend die Plakette ans Regal oder schlimmer noch: wir lassen uns von fragwürdigen Autoritäten leiden. Wie dem auch sei, ist ja gar nicht so schlimm, machen ja alle.

Wo war ich? Ach ja. Das Genre von Olafur Arnalds. Klassischer Weise wird er in etwa zwischen Gregor Samsa und Nico Muhly eingeordnet, wobei natürlich Sigur Rós immer Erwähnung finden. Es ist, um sich der Genre der anderen Künstler zu bedienen also ein Mischung aus Indie, in der Variante des post-rock mit einem Einschlag von etwas, das man als Neu-Klassik bezeichnen kann. Denn die Arrangements auf seiner bisherigen Veröffentlichungen und vor allem die Instrumentierung mit Piano (was ja jetzt noch nicht so aufregend ist) aber auch diversen Zupfinstrumenten von Cello etc. weisen dahingehend direkt den Weg.

Ein Blick in den graswurzel-Ansatz der Tags bei last.fm bestätigt diesen Eindruck:

“post-rock” und “classical” bzw. “neo-classical”.

Worauf ich eigentlich hinaus möchte, liegt jenseits der Schublade. Denn obwohl die soziale Intelligenz die tags meiner Ansicht nach völlig richtig vergeben hat, fällt der Blick auf die Exoten:

“beautiful as the same way arctic is” sowie “darker than the deepest sea”

Ich deute dies als die individuelle Brechung, das Austreten aus der konformen Bahn der betretenden Weg hin zu einer absolut, wenn vielleicht auch nicht ganz treffenden Bezeichnung des Inneren.

Warum hab ich das eigentlich hier alles geschrieben. Ach ja, Olafur Arnalds hat seit einigen Tagen (oder sind es gar schon Wochen?) ein neues Album: “…and they have escaped the weight of darkness” mit schickem Video (gibts drüben bei bildflimmern.de) und das ganze gefällt mir so gut, dass ich es zum Album der Woche – (naja wir hatten das Thema bereits) – zu einem hervorragendem Album dieses Frühjahrs erkläre. Ganz ohne Kritik, denn die Soundbeispiele auf der myspace-Seite sprechen für sich. Des Weiteren gibt es wieder was zum Mitmachen. Eine Flickr-Gruppe, in der die Möglichkeit geboten wird, alles was kreativ zum Album in Verbindung steht zu veröffentlichen. Na denn.

Olafur Arndals – thu ert solin (mp3)