Angst. Das ist jedes Mal das Gefühl, das in mir aufsteigt, wenn ich die Stufen zum Büro meines Magisterarbeitsbetreuers und -gutachters in Personalunion hinaufsteige. Sein Ruf eilt ihm voraus. Schwierig soll er sein und extrem beschäftigt. Und es ist jedes Mal gleich. Ich kotze ihm meine verwirrten Gedanken auf den Tisch, stochere in der Theorie rum, rühre in diesem Werk ein wenig und kratze mir an meinem Bart.
Der Herr Professor entspannt sich dann immer ein wenig und versucht vermutlich in gleicher Weise das Gesagte zu fassen wie ich. Anschließend folgt dann ein Wortwechsel, zu dem ich andauernd nicke und zu verstehen gebe, dass ich verstehe. Ich kritzel auch nervös seltsame Worte, unzusammenhängende Floskeln usw. auf mein Papier. All dies wird vermengt mit den Aufzeichnungen des letzten Besuchs.
Am Ende steht immer etwas anderes fest oder auch wieder nicht. Neue Begriffe, Thesen, Werke wurden eingeworfen, wieder eine kleine Kurskorrektur oder eine mittelschwere Neuausrichtung des Themas.
Ich denke er ist sehr berechnend. Er weiß, dass er Ahnung hat, die die meinige um Längen übersteigt. Ich buddele also in einem von ihm abgesteckten Sandkasten. Grab da mal ein Loch, setze dort mal ein Förmchen an und manchmal drücke ich auch “Sandengel” in den Sand. Er weiß aber auch, dass ich er mich motivieren sollte. Nur wie macht man das, wenn man alles schon mal irgendwie gehabt hat und bei dem ganzen Unterfangen bestenfalls eine solide Forschungsarbeit herauskommen kann und herauskommen soll Er denkt sich bestimmt, ich sage einfach mal, dass das ein ganz spannendes Thema ist. Und dies wiederhole ich einfach regelmäßig. So Begeisterung abgehakt.
Irgendwie sitzen wir da und unterhalten uns, während beide Gesprächsteilnehmer dem jeweils anderen Desinteresse und Ahnungslosigkeit unterstellen. Nichts ist fixiert, nichts ist gesetzt. Alles ist möglich, aber auch viels verkehrt.
Also, nur mal zu merken, weil ich gerade eine gute Dreiviertelstunde daran getüftelt habe.
Wir haben ein Dokument mit – was weiß ich – 10 Seiten. Die erste Seite ist Inhaltsverzeichnis; der Rest ist Text. Die Seitennummierung soll auf Seite 2 des Dokumentes beginnen. Der Trick ist der Abschnittswechsel.
Das wars. Beim nächsten Word-Kampf werde ich erklären, wie man unterschiedliche Nummerierung (als zuerst römisch I,II,III und dann arabisch 1,2,3) in eine Dokument einbaut…
Achso: Diese Anleitung gilt nur für Microsoft Word 2007 (Windows).

Wie bin ich eigentlich auf dieses Thema gekommen? Die Suche nach einem Magisterarbeitsthema inst für manche ja ganz einfach, andere haben Probleme sich thematisch bei der Abschlussarbeit zu entscheiden. Mir schwebten stets drei Themen vor. Zunächst wollte ich schon zu Beginn meines Hauptstudiums vor 3 Jahren meine Abschlussarbeit über die Literarizität von Weblogs schreiben. Unter einer ökonomischen Sicht wäre dies natürlich genial gewesen, denn scheinbar werden alle Magister, die sich diesem medial neuen und gehypten Thema annehmen vom Abschluss direkt in den Job befördert.
Die Idee war es anhand bekannter Fiktionalitätstheorien ein Grundraster für die Wirklichkeitsvermittlung von Blogtexten aufzuwerfen. Dabei sollten vor allem persönliche Blogtexte unter die Lupe. Wie wurde geschrieben, was passiert? Dabei sollte ein Raster entstehen, dass die klassischen Konzepte literarischen Schreibens in diese moderne “Textform” übersetzen kann. Zusätzlich sollte jedoch nicht vergessen werden, dass das Medium Text im Internet unter neuen Spielregeln gesehen werden muss. Stichwort: Verlinken, Bildtexte, Multimedialität, neue Metaphern. Ich habe dieses Thema nie wirklich zu Ende gedacht, so dass mir irgendwie die schlagende These fehlte, was eigentlich die Begründung dieser Arbeit darstellen kann.
Das zweite mögliche Thema sollte sich mit der Literarizität von philosophischen Texten beschäftigen. Die Grundthese ist, dass auch Fachtexte – insbesondere philosophische Texte – zur Vermittlung ihrer “Wahrheit” auf klassische Modelle von Fiktionalität sowie Metapherntheorie etc. zurückgreifen. Ja sogar in manchen Fällen (z.B. die »Meditationes« von René Descartes oder auch der »Leviathan« von Thomas Hobbes) diese Fiktionalität und Artizifität sogar benötigen. Ich hatte dazu im Falle von Descartes sogar eine Hausarbeit angefertigt, die als Basis dienen könnte. Doch in Ermangelung an Lust das Thema noch einmal anzupacken und weitere Quellen Literatur unter diesem Aspekt zu untersuchen.
So blieb meine letzte Hausarbeit »Symbol und Symboliserung am Beispiel des Faust II« als einzig nutzbares Thema übrig. Ich denke, dass es ein gute Entscheidung war. Zunächst habe ich fünfzig Seiten, auf denen ich aufbauen kann. Desweiteren ist es sehr spannend zu erforschen, welche ästhetischen Verfahren Goethe nutzte, um die noch zu erörtende Themen, des Faust II darzustellen. Auch ist das Thema in der Sekundärliteratur fast schmerzhaft oft dargestellt und bearbeitet worden. Es kommt also zu meine darauf an, eine Nische zu finden und sich möglichst dicht am Faust-Text selbst zu halten. Es ist somit eine Gemisch aus verschiedenen Problematiken: Bildlichkeit im lit. Text bzw. im Text überhaupt, garniert mit der Metapher-Allegorie-Symbolproblematik, die besonders seit Walter Benjamin wieder die Faustforschung beherrscht. Weiterhin ist auch die Frage der Darstellung damit verbunden – Darstellung im Drama. Der zweite wichtige Komplex ist dann die thematische Ausrichtung des Werkes bzw. des von mir anvisierten Aktes – die klassische Walpurigsnacht (2. Akt) – selbst. Hier schwirren auch seit langer Zeit die Themenkreise Geschichte/Politik und Natur umher, wobei besonders letzterer im Kontext von Goethes naturwissenschaftlicher Schriften betrachtet werden kann. Hier streiten sich die Geister erneut. Die Relevanz von Goethes naturwissenschaftlicher Studien für die poetischen Werke wird in der neueren Forschung mehr oder minder abgelehnt.
Morgen habe ich wieder einen Sprechstundentermin. Mal sehen.
Gerade gestern sah die Szenen in Marthens Garten in Faust I in der Inszenierung von Peter Stein von der Expo 2000. Ich mag jedoch den jungen Faust in dieser Inszenierung nicht. Er wirkt so grob, leicht geistig schattig. Obwohl natürlich der Textzeuge den jungen wirklich etwas extrem darstellt. Magarethe ist mir auch zu unsanft. Hätte sie mir etwas naiver vorgestellt. Nun gut.
Ary Scheffer, Faust and Marguerite in the Garden, 1846
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