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Kategorie: Musik (Seite 25 von 33)

Ein emotionaler Abend: Boysetsfire in Leipzig

Ohh mein Gott war das geil. Ich bin froh, dass wir (Jojo und ich) das nicht verpasst haben.

Boysetsfire (bsf) sind die Hardcore-Helden meiner noch nicht so langen Jugend und ich hatte immer vor auf ein Konzert zu gehen. Dass es leider auf der letzten Tour erst passieren würde, dachte ich nie. Aber die Band hatte sehr plötzlich beschlossen sich aufzulösen. Deshalb war ich umso glücklicher, als ich las, dass bsf nochmal in meine Reichweite kommen. Deshalb beschlossen Jojo und ich recht spontan im Skype alle Widrigkeiten über Bord zu werfen und da hinzufahren.

Auf jedenfall gehört zu einem anständigen HC/Emo-Konzert eine ordentliche Vorbereitung. Meine Bestand darin, heiß zu duschen, um emotional noch aufgeladener zu sein. Jojo tat das Seinige.

Ich lieh mir das Auto meiner Schwester – oh mein Gott ist das kaputt – (kleine Auswahl: Abblendlicht funktioniert nicht nur Fernlicht!, beim Tanken spritzt es aus dem Tank zurück, verschiedene Schlüssel, da in der Tür ein anderes Schloß steckt als in der Zündung, Rückwärtsgang defekt –> das Auto kann sich festfahren, Handbremse funktioniert zum Teil gar nicht, Kofferraumklappe lässt sich nur unter schwierigsten Bedingungen öffnen usw…). Aber irgendwie ist es uns gelungen doch nach Leipzig zu kommen.

flyswatterDort angekommen fanden wir nach einigen Orientierungsproblemen und der Hilfe zwei netter Tankstellenmitarbeiterinnen den Weg ins Conne Island, wo wir dann auch unsere Karten in Empfang nehmen konnten (das Konzert war ausverkauft). Nach dem Totschlagen von knapp 90 Minuten und endlosen Diskussionen, ob wir noch eine Bratwurst zur emotionalen Stärkung zu uns nehmen sollten (wir haben es dann doch nicht getan), begann das Spektakel endlich. Flyswatter, die Vorband, betraten die Bühne. Die Münchner Band spielt einen Mix aus Emo, Indie und poppigen Punk. Sie spielten zwar recht engagiert, das Publikum geriet aber nicht besonders in Wallung.

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Was ist denn eigentlich Emo?

Ich hatte ja schon mal darüber geschrieben… möchte aber es aber hier nochmal aufgreifen, da andauernd Fragen kommen…
Ursprünglich stammt der Begriff Emo vom Begriff „Hardcore“ ab. Somit ist Emo eigentlich nur die verkürzte Form von „Emotional Hardcore“. Es also eine Musikrichtung, die harten Rock’n’Roll spielt, diesen aber mit melodischeren Parts versetzt. Zusätzlich sind die Texte meist persönlicher Natur und deswegen emotional 🙂 .

Aber mal ganz von Vorne:

Die Hardcore-Szene

Die Hardcore-Szene der 80er Jahre war geprägt von harter Musik und so komisch das klingt von „harten“ und politischen Texten. Sie bildete sic heraus, weil viele Jugendliche die Art der Punkszene mit dem übermäßigen Drogenkonsum und auch die „We have No Future“-Einstellung nicht teilten. Wie es dann immer so ist gründet man eigene Bands und dies bildete den Grundstein, um sich vom Punk der 70er Jahre abzuspalten. Man übernahm aber Grundideale vom Punk, wie z.B. die DIY Ethik (Do It Yourself), politische Ideale und Unabhängigkeit, ersetzte jedoch die zynischen und destruktiven Elemente durch positive Botschaften.
Themen wie Liebe und Sehnsucht waren aber weiterhin kein Bestandteil der Songtexte. Es gibt zu dem Thema „Hardcore“ einen interessanten Film von Paul Rachman namens „American Hardcore„. Dieser zeigt die Szene, die Bands und die Entwicklung der amerikanischen Hardcore/Punk-Szene in der ersten Hälfte der 80er Jahre.

Die Vorläufer

In dieser Zeit begeisterten dann aber auch Hardcoregruppen wie Rites Of Spring, Embrace oder auch Minor Threat. Sie waren die ersten, die den harten Punkelementen einen melodiöseren Part beiordneten. Ebenso sangen, Guy Picciotto (Rites Of Spring, Fugazi) oder auch Ian MacKaye (Minor Threat, Embrace, Fugazi) in ihren damaligen Bands erstmals über Subjektive und persönlichen Themen wie Liebesschmerz und ähnlichem. Bei anderen Hardcore-Bands war dies verpönt. All diese Hardcorebands aus der Washington D.C.-Gegend gelten als Vorläufer der Emo-Szene. Aber auch eine Band wie Hüsker Dü mit ihren Wurzeln im Hardcore-Punk und aber später auch emotionalen Texten zählt zu den Vorläufern des 90er-Jahre Emo. Eine interessante Darstellung gibt es hier: KLICK.
Auch die Straight Edge-Bewegung, also das Leben ohne Alkohol, Drogen und mit massenhaft Sex, stammt aus dieser Zeit und ist aus dem gleichnamigen Song von Ian MacKaye hervorgegangen. Hier eine sehr lesenswerte Seite zum Thema.

Die Einflüsse der 90er

Doch wie wurde aus dieser Musik der heutige Emo? Antwort:

„I propose it was a marriage between hardcore and indie rock with grunge as the father of the bride, paying for the wedding.“

Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Dies bedeutet eigentlich nur das Bands wie Sonic Youth, The Pixies oder auch Nirvana (man beachte wie sehr Kurt Cobain The Pixies liebte) mit ihrer Musik großen Einfluss auf die Emoszene hatten und neue Bands unter deren Einfluß gründeten. Sicherlich ist es schwierig zu sagen, Band X hat Elemente von Nirvana in sich. Jedoch würden z.b. die extremen Gitarrenverzerrungen von Sonic Youth, aber auch die starken Dynamikwechsel von den Pixies zu Elementen zählen, die von diesen neuen Bands aufgegriffen wurden, aber erstmals intensiv bei Sonic Youth oder den Pixies auftraten. Ebenso könnte man die Art des Gesangs von Frank Black und Kurt Cobain mit dem Schreien und Kreischen als konstituierend für den Emo der 90er ansehen. Obwohl auch bereits die Punker der 70er und die Hardcorer der 80er geschrien haben und kreischen in der Musik nicht Neues darstellt.

Die Geburtsstunde

Doch interessanterweise gibt es eine Verbindung von Nirvana und Emo. Nirvana war die klassische Story des Übernachterfolges einer Band und einer ganzen Musikrichtung (Man beachte somit auch den Erfolg von Alice In Chains, Pearl Jam oder auch Soundgarden am Anfang der 90er). Die Labels damals waren stets auf der Suche nach dem „next big thing“. Somit ist es interessant, dass das ehemalige Label von Nirvana „Sub Pop“ anfang 1994 eine junge Seattler Band namens „Sunny Day Real Estate“ unter Vertrag nahm. Deren Musik markierte einen scheinbar neuen Punkt von „an entire genre of rock“ – der Emo darstellte. Und so wurde Emo auch außerhalb der Hardcore-Szene bekannt.

So, dies war der Startpunkt für viele weitere Bands wie The Get Up Kids, Mineral, Texas Is The Reason, The Promise Ring, Praid, Jets To Brazil, Taking Back Sunday usw. Auch gibt es verschiedene Subgenre wie Screamo, Emopunk, Emocore Hardcore Emo usw. Hier gibt es ein interessante Zusammenstellung: KLICK
Witzig und bezeichnenderweise typsich sind auch die Bandnamen, die zumeist elliptische Sätze (boysetsfire, The Get Up Kids, Last Days Of April, Boy Hits Car, ), Ortsnamen (Texas Is The Reason), Frauennamen (Thursday) oder auch Wochentage (Hey Mercedes, Lyndsay Diaries) behinhalten . Hier gibts den Emo-Bandnamen-Generator: KLICK

Der Style

Neben der musikalischen Entwicklung gibt es natürlich auch immer eine kulturelle, die sich um den Style, die Klamotten und auch die Lebenseinstellung dreht. Der Film „How To Be Emo“ von Christan Bretz zeigt eine wundervolle und ironische Darstellung dieser Bewegung.

So das war mal ein kurzer Abriss, was Emo bedeuten kann. Alles geschriebene ist natürlich vollkommen subjektiv.

UPDATE: Hier nochmal die Betrachtung des Emos zweiter Teil: .link

Warten

So Kinder, eigentlich müsste hier jetzt eine kleine Review vom gestrigen Boysetsfire-Konzert stehen. Ich gehe jetzt aber erstmal in die Bibliothek ein wenig lernen… und werde den musikalischen Gelüsten erst heute Abend nachkommen… vielleicht macht ja der Jojo eher was…

bis dahin

UPDATE: Ihr müsste euch noch ein bissel gedulden. Bin jetzt zu müde für eine adäquate Einschätzung. Also bis morgen.

UPDATE 2: Das Warten hat ein Ende. Ich habe die Konzertreview soeben beendet. Hier zu finden: KLICK

Aus und Vorbei

Nachdem sich nun schon vor über einem Jahr Snapcase trennten, warfen BoySetsFire nun vor wenigen Wochen auch noch das Handtuch. Mann. Und nun hat sich auch noch Josh verletzt. DoppelMann.
Jetzt bin ich ernstlich am Überlegen, ob ich am 29. August nach Leipzig in die Conne fahre und mir noch ne letzte Show ansehe… bevor diese Band in die ewigen Jagdgründe übergeht. DreifachMann.

UPDATE: Der Jojo und ich haben beschlossen zum Konzert nach Leipzig zufahren. Das Auto von meiner Schwester geliehen und die Karten bestellt, die Buttons geputzt…. ROCK AND ROLL…….

Female Voices

Sandra Nasic ist schuld. Sie hat es versaut. Sie ist daran Schuld, dass ich Frauenstimmen im Rock’n’Roll nicht mag. Ich war eigentlich kein Guano Apes-Fan, aber damals in dem Alter hörte man irgendwie alles und dann eben auch das. Aber was mir da entgegen heulte, surrte und knallte gefiel mir einfach nicht. Sandra Nasics Stimme passte einfach nicht rein und so zog ich mir eine Rock’n’Roller-Frauenstimme-Phobie zu. Ich argumentierte nächtelang im kleinen Kreis, dass Frauenstimmen und Rock’n’Roll einfach nicht zusammenpassen brachte passable Beispiele: Mia, Evanesence, Dia Happy und natürlich Guano Apes. Sie alle konnten zwar irgendwie brüllen (okay bei Mia ist das eher ein Kreischen), aber doch fand ich Damen im R’n’B und Popbereich besser aufgehoben. Bis jetzt. Drei Frauen haben mir gezeigt, dass auch anders geht.
lewismorning

walls

Es handelt sich dabei um Juliette Lewis von den (and the) Licks, Chantal Claret von Morningwood und nicht zu vergessen um Candace Kucsulain von Walls of Jericho. Die ersten beiden eher dem Retro-Strokes-Punk-Rock verbunden, ist die dritte im Bunde purer Hardcore und hat ein Organ, was ihres gleichen sucht. Vorallem Juliette Lewis hat es mir aber angetan. Die Schauspielern hat einfach die rauchigste und knarzigste Stimme, die ich seit langem gehört habe. Mit ihrer Band „The Licks“ hat sie mit dem Longplayer „You’re Speaking My Language“ lange Zeit meinen ipod und Winamp in Beschlag genommen und mich vorallem mit dem Song „I Never Got To Tell You What I Wanted To“ betört. Aber auch ihre Kollegin Chantal Claret steht ihr kaum nach. Sie hat mit ihrer Band Morningwood ein grandioses knalliges Debüt hingelegt. Und die Bühnenshows sind bei beiden Bands der Hammer. Wenn ihr versteht, was ich meine 😉

Und zu Candace muss ich eigentlich nicht viel sagen (naja eigentlich doch; ihr kennt die Gute ja bestimmt nicht)… sie ist die ungekrönte amerikanische Hardcore-Königin: zweistündige Shoutshows mit allem was dazu gehört sind Grundvorraussetzung. Und auch mit ihrem neuen Album „With Devils Amongst Us All“, auf dem der Sound um einiges melodischer geworden ist, zeigt sie wieder was in ihr steckt. Ich werde sie mir dieses Jahr noch live antun. Das wird der Knaller.

Und weil mich diese drei Frauen eines besseren belehrt haben, ist diese Woche Morningwood mit ihrem selbstbetiteltem Debüt „Album der Woche“… also Mädels, come on give me the noise

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