urbandesire

searching since 2004

Kategorie: Menschen (Seite 6 von 10)

Umbrella

Wenn Ani früh morgens den Kaffee macht, um danach in die Agentur zum Praktikum zu gehen, wurde ich regelmäßig mit dem Sat1-Frühstücksfernsehen, Unter Uns und diversen Videoclips gequält. Nun ja. Einer davon war Rihannas “Umbrella”. Okay soweit. Nun hat sich aber Scott Simons gedacht, warum nicht Covern solange der Song noch in den Charts steckt.Herausgekommen ist eine Version, die mich durchaus an The Postal Service oder Imogen Heap erinnert. Aber nur noch wenig an das kleine, schwarze Mädchen, das sich tanzend mit Wasser nass spritzen lässt.

Scott Simons – Umbrella

Where Is My Mind

Mal ein bisschen Kultur für die Nacht – Pixies mit “Where Is My Mind”. Ich widme den Song einfach mal dem Baytor.

Smashing Pumpkins – Tarantula

Der Herr Corgan mit dem Video zu Tarantula. Das Album “Zeitgeist” erscheint am 06.07.2007.

Mit dem Stock im Arsch

Allein.

Trage mich gerade mit dem Gedanken statt den ganzen Abend „City And Colour“ zu hören und Rilke zu lesen, zur Powi-Sommerparty zu gehen. Obwohl 1. der Tag für eine Party eines politikwissenschaftlichen Fachschaftsrat nicht schlechter hätte gewählt werden können. Der moderne Politikwissenschaftler feiert an Tagen des G8-Gipfels sinnentleerte Partys anstatt über Globalisierung und ihre Folgen zu informieren.
Weiterhin sind mir, obwohl ich quasi selbst einer bin, Politikwissenschaftsstudenten suspekt. Nirgends taucht das Schubladendenken mehr auf als in diesem Fach.

Typ 1

Wir haben da zunächst den klassisch konservativ-politisch interessierten Menschen. Meist war er bei der Bundeswehr, ist in eine Party eingetreten (häufig FDP oder CDU) und engagiert für Lokalpolitik und im äußersten für die studentische Mitbestimmung in den Unigremien. Häufig auch gern mit dem Typ des Strebers und ewig nervenden, feuilletonlesenden Besserwisser verknüpft.

Typ 2

Typ 2 ist natürlich dem linken Spektrum zuzuordnen und unterscheidet sich optisch kaum vom „Schwarzen Mopp“ bzw. sandalentragenden Vegetariern. SPD ist zu konservativ, PDS zu alt, dieser Typ sucht Teilnahme bei naja – exotischeren Parteien bzw. der schicken Palette der NGOs. In Seminaren diskutiert er gerne und versucht alles im Zusammenhang mit der großen marxistisch-leninistischen zu sehen, obwohl er diese als absoluter Gegner von Diktatur und Co. eigentlich ablehnen müsste.

Typ 3

Typ 3 ist weiblich. Und studiert Politikwissenschaft nur, weil sie entweder von Politik (bzw. der Vorstellung von Politik, wie sie in den Tagesthemen propagiert wird) keine Ahnung hat und „endlich einmal sich richtig damit beschäftigen will“ oder weil sie in der Sekundarstufe 2 in Gemeinschaftskunde (Sozialkunde etc.) eine 1 hatte. Aber nicht erkannte, dass diese 1 vorwiegend auf ihren sekundären Geschlechtsmerkmalen basierte als auf ihrem auswendig gelernten Wissen über den Bundestag.

Typ 4

Ist immer in Ablehnung begriffen, negiert Lehrstuhl, Kommilitonen und eigentlich auch sich selbst. Er studiert das Fach nur, um im Hass auf die anderen drei Typen sich selbst zu spüren, besser zu fühlen und eigentlich nur um am Leben zu bleiben.

Jetzt muss man sich diese gesamten Elemente mit den Soziologen vereinigt auf einem festdefinierten Raum vorstellen. Und das beste kommt noch. Auf der Pol-Soz-Fachschaftsratseite steht zu der Party:

„Es wird also hoffentlich eine ausgelassene – eben einer Party würdige – Stimmung herrschen.“

Oh mein Gott, jetzt zieht doch aber bitte mal den Stock aus dem Arsch. Naja, wenigstens ist vielleicht der Baytor da und vielleicht auch der Klingsor.

Wie „mainstream“ sind Jenaer Blogger?

Grundsätzlich: Man kann die kommenden vier Absätze lesen oder auch gleich – in guter alter Bloggermanier – zum fünften übergehen.

Ist „Mainstream“ nun ein Schimpfwort oder nicht? In einer quasipluralistischen Gesellschaft, wie der unsrigen vermutlich ja. Die Individualisierung des 20. Jahrhunderts hat den heutigen Menschen in Hinblick auf totalitäre Regime soweit getrieben, dass es einfach nicht mehr „schick“ ist Mainstream zu sein. Ein Individuum definiert sich trotz immerwährender Gruppenzugehörigkeit einfach gern über sich selbst. Out sein ist In („Ich bin keine Zielgruppe„). Man kann dies nur ad absurdum führen durch den Umkehrschluss, dass nun alle Vorzeigeindividualisten nun doch wieder einer Gruppe angehören: dem „Antimainstream“.
Kritik am kulturellen Mainstream ist aber immer schwer. Im Politischen wird die Sache schon einfacher. Wer mit distinktiven Ansichten prahlt, verliert schnell seine Berechtigung in einer zwar pluralistischen, aber trotzdem am Konsens interessierten Gesellschaft, die Definitionsmacht und Mitbeteiligung einzufordern. Je extremer – je weniger Mainstream, desto schwieriger wird es. Trotzdem darf es natürlich nicht zur so oft zitierten „Tyrannei der Mehrheit kommen“. Gerade nicht im Pluralismus.

Seit der Aufklärung glauben wir nun daran, dass die wahre Kunst nur aus uns selbst hervorgebracht werden kann. Somit stellt jeder Künstler mit seinem Werk die aus der Innerlichkeit heraus produzierte Individualisierung zur Schau. Was der breiten Masse gefällt wird zum Mainstream – seit den 90er Jahre des 20. Jahrhunderts auch gerne gehypt.

Gerade in der Musik und Literatur wird aber dieses Denken zum Schlagwort des guten Geschmacks. Bei der Diskussion mit bestimmten Anhängern diverser Submusikgenre kann sich dem Urteil nicht erwehrt, dass bestimmte Musiker nicht aus dem Grund fehlendem musikalischen Gefallen nicht gehört werden, sondern aufgrund der Zugehörigkeit zum Mainstream. Viel zu viele Musikliebhaber haben ihre Vorurteilslosigkeit verloren und achten nicht auf das rauschhafte (das quasidionysische) der Musik, sondern auf andere kulturelle und soziologische Faktoren – wenn auch zum Teil unbewusst. Die Kritik an den Mainstreamkritiker ist also berechtigt, sollte doch als einzige Tugend des Musikliebhabers das Gefallen der Musik an sich stehen und der Versuch unternommen werden, andere Faktoren – wie Gruppenzugehörigkeit und Medieninteressen – ausgeblendet werden.

Bleibt nur die Frage zu klären, was nun Mainstream ist. Das tolle an Statistik ist nun vermutlich die Tatsache, dass ihre Ergebnisse zwar interpretiert werden müssen, dabei die Voraussetzungen der Erhebung beachtet werden müssen, die Ergebnisse an sich nicht subjektiv sind.

So habe ich die mir bekannten Jenaer Blogger, die ihren Musikgeschmack der Social Software „last.fm“ anvertraut haben, durch das offizielle „Last.fm-Mainstream-O-Meter“ gejagt, um die Ergebnisse hier an den öffentlichen Pranger zu stellen. Technisch gesehen errechnet das Mainstream-O-Meter anhand der persönlichen Hörgewohnheiten im Vergleich zu den Hörgewohnheiten der restlichen Last.fm-User den Grad des persönlichen Mainstreams. Hier die Ergebnisse:

Baytor: 52,94 %
tageausglas: 32,80 %
urbandesire: 31,22 %
beetlebum: 23,27 %
robat: 18,07 %
klingsor: 12,52 %

Berechnung vom 31.05.2007 (14 Uhr)

Soviel dazu. Jetzt kann sich jeder seine Gedanken dazu machen (vielleicht gibt es auch eine psychologisch motivierte Interpretation dazu – wer will?). Ich persönlich muss anmerken, dass sich in meiner last.fm-Topten einige Mainstreamschwergewichte wie „The Killers“, „Oasis“, „The Smashing Pumpkins“ oder auch die „Eels“ verbergen, die ordentlich gewichtet, mich zu über einem Drittel dem Mainstream zugehörig erklären. Wobei jetzt zu Fragen bleibt: Sind die Eels Mainstream? Oder ist der Mainstreambegriff nur eine Frage des Standpunktes?

 

Ältere Beiträge Neuere Beiträge

© 2026 urbandesire

Theme von Anders NorénHoch ↑