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Monat: Juli 2009

Ist es bedenklich, wenn im Park ein Goethe-Denkmal durch die Bäume schillert?

Lernbares

Ist es eigentlich schon die Zeit wieder etwas zu schreiben? Ich denke ja. Ich kann mich noch an einen Blogeintrag erinnern, in dem ich wieder einmal über die Welt herzog. Am konkreten Beispiel vollzog ich nach wie sich im alltäglichen Miteinandern die Selbstvermarktung pervertiert. Fazit war es eigentlich, dass, wenn man selbst nun nicht besonders gut mithalten, eigentlich die Flucht nach vorne nur durch Schweigen ermöglichen kann. Solche sozialen Zusammenkünfte, die einem aufzeigen, dass man sich doch viel zu stark an den anderen orientiert oder stets die Masse im Blick hat, bleiben halt einfach brenzlig. Ich denke, ich hab diesbezüglich vieles gelernt in der letzten Zeit. Leider nicht immer aus eigener meditativer Erkenntnis, sondern eher aus Notwendigkeit. Witzigerweise ändern sich manche Dinge nie. Seit ich denken kann, verfolgt mich das Bild, dass wir Menschen grundsätzlich nicht gleich sind (egal, was Anthropologen, Erkenntnistheoretiker oder Vernunftsoptimisten behaupten). Man kann sich anstrengen und winden, man kann die Nächte durchmachen und lernen oder auf das erträumte Ziel hinarbeiten. Wacht man dann eines morgens auf, muss man feststellen, dass es da andere gibt, die ohne vor Anstrengung zuckenden Wimpern einfach mal so an dir vorbeiziehen. Menschen, die es aufgrund intellektueller oder auch psychischer Basis scheinbar leichter haben.

Damals tat mir das noch weh. Vor allem wenn Kommentare folgten, die von Unkenntnis in die eigenen (natürlichen) Vorteile zeugten. Aber nach all den Tritten der letzten Monate scheinen sich so kleine Rückschläge auch nicht mehr so schlimm anzufühlen. Im Prinzip – so paradox das jetzt auch klingen mag – bin ich über einige Rückschläge ganz froh. Über diejenigen, die potentiell die eigene Existenz gefährden natürlich nicht. Da wären z.B. ein latentes Gefühlschaos in den letzten zwei Jahren zu vermelden. Aus heutiger Sicht betrachtet, waren einige Tage die Hölle. Ich kann heute zwar irgendwie nicht mehr sagen, warum, weil ich die Gründe selbst nicht mehr zu benennen mag, aber es bleibt so ein modriger Geschmack zurück mit dem man scheinbar die eigene Seele eingerieben hat. Es war immer so ein hin und her. Soll man es noch mal probieren oder lässt man es bleiben, weil Universen einfach brutal auseinanderstreben? Ich war zeitweise sehr unsicher und entfernt von jeglichem Kurs. Ich strauchelte durch die Nächte, fand mich in den Armen so mancher, aber war stets zu nah am Abgrund.

Es macht einen schon fast wahnsinnig, wie viel klärende Gespräche man ansetzt oder wieviel Emails endlich beiden Personen die Wirklichkeit vor Augen halten sollte. Es war fast schon inflationär. Und im Endeffekt dreht man sich nur auf einem Punkt immer tiefer in das Wissen, dass letztendlich nur abgewunken werden kann. Zeitweise macht mich das schon traurig. Aber ich habe schon so oft die Nähe zu Menschen verloren und bin im Prinzip stets verblieben mit mir selbst. Es geht also. Alleine sein. Und doch wünscht man es nicht. Das Nicht-alleine-sein-Wollen wurde ja auch schon fast inflationär in diversen Texten besprochen.

Es ist gut zu wissen, dass es anderen gut geht. Glaubt man denn den Worten. Und es ist gut zu wissen, dass man selbst auch als okay durchgeht.

Schrei‘ mal ohne Ton

Manchmal ist man enttäuscht von Menschen. Da wacht man früh auf und hat keinen Hunger. Die Magengegend will einfach nicht. Die Gedanken kreisen um die letzte Nacht. Schlaflos triebst du im Bett herum. Auf der Suche nach der Kante, die die Möglichkeit offeriert auszusteigen aus diesem im widerlichen Traumland herumfliegenden Wolkenbett. Man bleibt liegen und versucht das System neuzustarten und endlich den Schlafmodus zu finden. Denn es nutzt nichts auszusteigen aus dem Wolkenbett. Der Wolkenbettbettvorleger besteht aus Würmern, die dir entgegen schlingern. Du überlegst dir den Arm abzuhacken, um ihn als Anschauungsobjekt herumzureichen. Vielleicht überlebst du es, bis die Gruppe von Leuten ihn inspiziert hat.

message

Es ist ein seltsames Gefühl im eigenen Blog eingeschränkt zu sein. Ich kann nicht das schreiben, was ich will. Und es ist nicht nur die Sorge, wer mitliest, sondern auch die Sorge, dass man schließlich selbst mitliest. Jedes Mal, wenn ich diesen gruseligen „Veröffentlichen“-Button betätige und so einen Texten freigebe – eigentlich nur für archive.org und die Tatsache, dass mein künftiger Arbeitgeber einen Grund mehr hat mich zu kündigen – , fühle ich mich so benutzt. Einfach dreckig und ausgespuckt. Bei so vielen Dingen herrscht eine innere Zensur. Es fehlt einfach das Vertrauen in die Öffentlichkeit. Und auch das Vertrauen in sich selbst. So bin ich anscheinend weiter auf der Suche nach dem richtigen Text, aber vor allem nach dem richtigen Inhalt, der auch dem hierigen Leser mal etwas sagt und nicht er beim Lesen nicht ständig an der Unverständlichkeit zerbricht.

Naja, ein Anfang ist gemacht.

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