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Monat: Juni 2009

Leerer Raum

Es gibt Tage, an denen hasse ich die deutsche Sprache. Viel schöner erscheinen mir da die Wendungen des Englischen. Getragen von Musik dringen sie zum Wesen des Gefühls vor. In ihrer sanften und gleichsam harten Kürze sind sie viel sentenzenhafter als es kaum ein deutscher Satz vermag: »I’ve been roaming around, Always looking down and all I see«. Schmerzhaft blickt man dann aufs Deutsche unversucht sich Wörter abzuringen:

Spürst du ihn? Den leeren Raum? Spürst du den Raum zwischen uns. Die kleine dunkle Leere, die da zwischen uns herrscht, die da herrschen muss. Pressen wir die Lippen auf einander, ist da diese kleine dunkle Kuhle. Drücken wir die Hände zusammen, ist da dieser Schatten. Er droht alles in sich hineinzuziehen. Mich und dich. Atome aufeinandergepresst unfähig sich jemals zu vereinen. Wo soll das noch hinführen? Tiefer. Weiter. Ich will ihn nicht – diesen leeren Raum zwischer unserer Haut.

Doch es hat irgendwie keinen Sinn.

Eindimensional

Als ich vor Jahrzehnten mit meinem Studium anfing, grollten am Horizont die dauerhaften Schemen einer Bildungsreform. Die nun mit dem Bologna-Prozess und nun zweistufigen Hochschulabschluss mit Bachelor und Master ihren vorläufigen pervertierten Höhepunkt erreicht hat. Nicht nur, dass gefühlt jegliches studentisches Leben zu versiegen droht … also nicht die entspannenden Sauftouren bei schlechter Musik und Luft, sondern das kulturelle, politische und soziale Engagement in Vereinen und Organisationen, die nun unter eklatantem Mitgliederschwund zu leiden haben… sondern vor allem die neuerlicher Diskussion um den Bildungsstreik mit verdrehten Argumenten, ist mir da ein Dorn im Auge.

Als die Wolke der Bildungsreform immer näher rückte, fand ich mich eines Tages in eine Informationsveranstaltung zu selbigem Thema wieder. Aufgabe der bemühten Dozenten war es, an diesem Tag zunächst das Warum und schließlich auch das jeweilige Wie der Universität des Bologna Prozesses zu erläutern. Bei dem Thema warum blieb mir ein Argument schmerzhaft im Ohr kleben: das Studium an sich muss dem Arbeitsmarkt besser angepasst werden. Der gemeine Magisterstudent studiert an der Realität vorbei. Es brauche eine größere Praxisnähe und es reichen für den Arbeitsmarkt auch „Teilqualifikationen“ … obgleich ich all dies nicht verstand, fragte ich auch nicht nach. Was sind denn eigentlich universitäre Teilqualifikationen, die für den Arbeitsmarkt genügen anstatt von was? Verwirrung. Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt fordere aber immer wieder von Staat, Universitäten und den Studenten selbst jene Praxisnähe und Abrichtung auf den Arbeitsmarkt. Egal.

Was passiert ist? Naja. Ein System von Verschulung der alten Inhalte wurde installiert. Kürzer, effektiver, besser… Bachelor. Ich vermute, alle glaubten somit den Wünschen der neuen weltlichen Allmacht Wirtschaft entsprochen zu haben.

Heute dann das: Ich lese in der sonntaz folgendes:

Kritik an den neuen Abschlüssen kam im Vorfeld auch aus der Wirtschaft. Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, nannte die Studiengänge in der sonntaz „eindimensional“. „Gerade in unserer immer komplexeren Welt müssten die Hochschulen Studenten zum flexibleren Denken befähigen“, sagte er. (taz)

Offenbar wurde da etwas falsch gemacht.

Angriff der Kussmonster – Rückblick 3. Thüringer Bloglesung

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Zunächst einmal lag ja der Gedanke vor, die dritte Thüringer Bloglesung sollte vorrangig gar nicht so heißen, sondern wurde mottiert: </privat> – Netzliteratur. Leben im Hypertext. Okay, das war dann offenbar doch zu lang und zu komplex und thematisch vielleicht passend, jedoch spielten die damit verbundenen Gedanken eine eher untergeordnete Rolle. 3TBL ist einfach zu griffig und vielleicht in Thüringen und bei Bloggern und Zuhörern zu sehr tradiert. Seis drum.

BastiH teilte mir mit, dass wir mit knapp 80 Besuchern durchaus das Soll erreicht haben und diesen Bloggern, Lesern und Zuhörern wurde doch ein recht anständiges und facettenreiches Programm geliefert. Smikey begann nach einigen technische Anpassungen (Kabel, Kabelsalat, Entwirrrung des Kabelsalates, Wo kommt jetzt der Ton her, wo eigentlich das Bild und der für Jojo interessanten Einsicht das ein MacBook Pro und Windows Vista doch keine allzu zuverlässigen Partner sind) den Reigen. Seine Texte u.a. Schokopudding waren recht persönlich und so die beste Wahl für einen Auftakt. Genau das ist es doch, was neben all dem Klamauk und politisches Orientierung einen Großteil der Blogosphäre antreibt.

Anschließend folgte das Kolumnistenschwein (a.k.a Textspeier), der nach dem obligatorischen Hinweis auf seine spezielle Vortragsweise das tat, was er am besten kann: Den Menschen nehmen, ihn zur Toilette zu führen und anzuschreiben endlich mal reinzugreifen… ja verdammt so sind wir. Großartig. Wie immer. Weiterlesen

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