urbandesire

searching since 2004

Monat: November 2007 (Seite 2 von 2)

Ich und E-mails

SchreibmaschinegmailIch weiß gar nicht mehr wie meine erste E-mailadresse lautete. Und wer mir diese bereitgestellt hatte. Auf jeden Fall ist diese erste E-mailadresse Geschichte und vermutlich auch gelöscht. In den ersten Jahren meines Lebens im Internet verband ich mit E-mail nicht mehr als einen digitalen Brief. Dieser nutzte mir nur nicht viel. Zum Einen war ich auch abseits der Datenstränge kein großer und kontinuierlicher Briefschreiber, zum Anderen war eine E-mailadresse längst noch nicht bei allen Standard.

Heute ist das anders. Viele Kontakte laufen fast nur noch über E-mails. Die Bedeutung dieses Dienstes hat sich in den letzten Jahren bei mir unglaublich potenziert. Trotzdem war ich lange unglücklich. Dies lag vor allem daran, dass ein Abrufen der E-mails keinen gewünschten Komfort enthielt.

Ich musste auf Webseiten klicken, mich anmelden, Werbung und bunt überladene Seiten erdulden. Am schlimmsten war aber die Aufgabe des regelmäßigen Löschens von alten E-mails, da einfach das Postfach zu klein wurde. In Zeiten reiner Textnachrichten geschah dies recht selten, aber mit der Zeit flatterten auch E-mails mit größeren Anhängen ins Postfach. Bald war eine E-mailadresse überlastet. Ich expandierte gmx, web.de usw. Die Folge zahlreicher Accounts war Chaos. Wer hat jetzt welche E-mailadresse als Kontaktmöglichkeit genannt bekommen, hab ich jetzt diesen Account schon abgerufen, wie lauten noch mal die Login-Daten?

Irgendwann hat es mir einfach gereicht und ich stieg auf einen E-mail-Client um. Zunächst Outlook, später Mozillas Thunderbird. Schön war, mit einmal „Abrufen“ klicken, alle Adresse gleichermaßen herunterzuladen und sich über Speicherplatz und so weiter keine Sorgen machen zu müssen. Die Organisation war trotzdem mühsam, da ich es irgendwie nicht hinbekam, alles in eine Verzeichnisstruktur – ja ich sortiere meine E-mails – zu pressen. Ein weiterer, schrecklicher Nachteil war aber die fehlende Mobilität. Außer Haus hatte ich keinen Zugriff auf alte E-mails und die neuen mussten wieder auf den widerlichen Webportalen abgefragt werden.

Die Lösung kam im Jahre 2005 durch Gmail. Großer Speicherplatz, einfaches Abfragen anderer E-mailadresse (und was noch tausendmal besser ist: verschiedene E-mailadresse via Gmail zum Versenden benutzen.) Ich habe also alles auf einmal: Platz, Übersichtlichkeit und Mobilität. Heute im Jahre 2007 nutze ich diverse Plugins, um über jede eintreffende E-mail recht fix im Browser informiert zu werden (Google Mail Manager) und die derzeit über 5 Gb Space auch als kleines Online-Storage für verschiedenste Dokumente, die ich mit einem einfachen Klick ins Netz bewege.

So nun alles toll, oder? Leider nicht. In letzter Zeit mehren sich die Kritiken an Gmail. Sie richten sich vor allem gegen den mangelnden Datenschutz und die fehlende Transparenz, was wann wo und wie genau gespeichert. Gerade die Bequemlichkeit – ach der GoogleReader zum Lesen von Feeds oder auch das GoogleAnalysis-Tool ist schon fein und wiederum zentral von jedem Rechner aus erreichbar, lässt einen fix diesem erweiterten Dienstespektrum verfallen.

In zahlreichen Blogartikeln und Artikeln von Zeitungen wurde dieses „DataMining der Infokrake Google“ auseinandergenommen und weitergesponnen und alle kamen zu den Schluss, dass es nur ein erklärtes Ziel für Google geben kann und zwar den komplett erfassten und ausgewerteten Nutzer (c’t nur als Beispiel). Wozu nun diese Daten dienen (Werbung) und dienen sollen (was weiß ich), darüber streiten sich die Geister.

Es scheint schon fasst paradox, wenn man sich den Ärger und die Proteste angesichts einer Vorratsdatenspeicherung durch Ämter der BRD ansieht, einen solchen Account zu haben und zu benutzen. Doch irgendwie bin ich hilflos. Niemand kann mir Mittel und Wege nennen, Sicherheit bei ähnlichem Komfort zu erzeugen, niemand weiß sicher, was andere Anbieter von E-mailaccounts mit den Daten wirklich anfangen bzw. anfangen werden.

Was bleibt ist Ratlosigkeit.

Fliegenwunsch

Es begann vermutlich alles an dem Tag, an dem die Fenster zu geklebt wurden. Alles wurde blau. Und zusätzlich wurden die Mülltonnen, die seit ihrer Aufstellung im Hof vor Jahren dort so dahin dufteten, übereinandergestapelt. Ergebnis war eine vollständige Unzugänglichkeit für Tage, wenn nicht gar Wochen. Sowas ist immer schlecht, genauso schlecht wie das Bemerken der Nichtanwesenheit von Klopapier während man Dinge betreibt, die als Abschluss Klopapier benötigen. Jedenfalls stapelte sich der Müll unter der Spüle. Die feinsäuberliche Trennung von Hausmüll und direkt biologisch abbaubarem Abfall brach ein. Die ersten Tagen ignorierte man dies, da es ja möglich war durch einen exakten Balanceakt der Finger, weitere Müllgegenstände auf den Mülleimern zu drappieren. Doch irgendwann half das auch nichts mehr und da kroch sie auch an – die Armee der Fruchtfliegen. Sie kamen irgendwoher, sie bissen sich fest am Obst und am stinkenden Müll, sie waren hunderte und sie gingen nicht.

Der Müll ist inzwischen in den nun wieder ordentlich sortierten Tonnen im Hof gelandet. Doch die Fliegen halten sich hartnäckig. Jegliche Fallen wurden zwar zahlreich genutzt, jedoch weigerte sich ein gehöriger Teil der Fliegenpopulation, in diese Fallen zu tappen. Schlimmer noch; sie scheinen einen auszulachen, wenn sie dann abends – zur Zeit des Sonnenuntergangs – um den Kopf herumschlendern und nur ein Ziel haben: die größtmöglichste Wut des nach ihnen Schlagenden. Ihre kleinen, pipsig-fiepigen Stimmen kichern unentwegt. Jedes Schnappen und Schlagen mit den Fingern nach ihnen wird mit einem hohen „Hoho!“abgetan.

fliegenblickIn den letzten Tagen bewiesen die verbliebenen Fruchtfliegen Mut und breiteten sich in weiteren Zimmern der Wohnung aus. So sitzen sich vermutlich derzeit auf der Oberkante des Monitors oder irgendwo daneben oder dazwischen und betrachten mich hier. Sehen mir zu – wie ich diese Zeichen tippe, wie ich im Netz lese, wie Texte verfasse und oder einfach nur mit müdem Blick auf den Monitor starre, um sein viel zu schnelles Flackern irgendwie verlangsamen zu können. Bestimmt haben sie mich auch beobachtet wie ich aus dem Fenster gestarrt habe. Wie ich mir zeitweise die Menschen hinter der Plane (ja sie hängt immer noch) vorgestellt habe – wie sie geschäftig Geschäften nachgingen.

Bestimmt sind ihnen auch die Nächte aufgefallen, in denen ich nicht hier war, in denen ich nicht zum Schlafen kam, in denen das Zimmer kalt und still blieb. Vielleicht haben sich deswegen auch nur einen Moment gewundert und sich gefragt, wo er denn bleibt. Vielleicht.

Derzeit glaube ich, dass sie an meinen Gedanken interessiert sind. Die warten immer genau darauf, dass ich versunken bin in mir und über etwas nachdenke. Genau in diesem Moment, in dem mein Geist kurz die Bindung zur Realität verliert, es kurz schafft die Umwelt in den Hintergrund zu drängen bzw. auszublenden, schlagen sie zu. Sie fliegen direkt in meinem Blick und tauchen so auch kurz in meine Gedankenwelt ein. Sie kommen dann direkt aus der innere Mattscheibe herausgeflogen und tänzeln in meiner Gedankenwelt herum… mischen sich in Ideen ein, setzen sich auf Gedankenstränge und klettern an Erinnerungen hinauf und manchmal wieder hinunter. Vielleicht schnüffeln sie auch an Urteilen und verändern so die Entscheidungen

Exakt in diesem Moment bemerke ich sie, nehme wieder Kontakt mit der Wirklichkeit auf, erkenne sie vor mir herumschwirren, hole aus, schlage nach ihnen und verfehle oft – fast immer. Ich habe es inzwischen aufgegeben, sie zu jagen. Ich habe es einfach aufgeben. Vielleicht habe ich das auch gar nicht getan, sondern ein Fliege. See ist zurückgelieben in mir, weil ich es nicht geschafft habe, sie zu vertreiben; sie hatte sich an meinem Willen festgemacht und entscheidet nun alles für mich. Kleines Flieglein, was tust du nur. Wo bist du? Bist du es vielleicht, die diesen Text schrieb?

links for 2007-11-07

SpOn über die EMAs

„Und ein weiterer Award blieb in Deutschland. Rapper Bushido wurde zum zweiten Mal in Folge zum besten deutschen Künstler gewählt.“
(Quelle: Video von SpiegelTV auf SpOn)

Obwohl ich es ja begrüßen würde, wenn der beste, deutsche Act nicht aus Deutschland kommen würde, nur um einen Sieg Bushidos zu verhindern, liegt es in der Logik der Sache, dass der Award für den besten Deutschen Act ja nur in Deutschland verbleiben kann. Vielleicht klappt das ja im nächsten Jahr, wenn der Preis für den besten deutschen Act nach Singapur geht. Schlimmer als Bushido kann es ja nicht mehr werden. Obwohl.

Neuere Beiträge

© 2026 urbandesire

Theme von Anders NorénHoch ↑