Jeden Tag flattert eine Email in meinen Posteingang, woher ich immer diese nutzlosen Informationen bekomme. Zum einen aus der unglaublichen Vielfalt des Webs und zum anderen aus einer tollen Zeitung.

Der konr@d. (Computer.Lifestyle.Zukunft). Dabei handelt es sich um einen konrad (golem) Ableger des Sterns, der sich speziell mit der Entwicklung des digitalen Lebens am Ende der 90er Jahre und zu Beginn des 21. Jahrhunderts beschäftigt. Die Macher benannten das Blatt nach Konrad Zuse, der 1938 der Welt den ersten programmierbaren Computer (genannt Z1) präsentierte. Gleichzeitig wurde das Magazin auch Zuse gewidment.

Grundlage für die Zeitschrift bot damals Ende der 90er Jahre noch die Informatik, sodass Themen wie der ChaosComputerClub, BTX oder auch Hacker Themenschwerpunkt von Artikeln wurden. Ein heutiges Magazin von diesem Format würde sich wahrscheinlich über Blogs und Social Web auslassen, ab und zu mal die neusten Gadgets bewerben, aber Tiefgang vermissen lassen.
konr@d war aber anders. Hier spürte der Leser den journalistischen Sachverstand. Das Konzept schlicht und doch beeindruckend. Der gewohnte Reportagestil mit Fotostrecken und Interviews wurde vom Stern adaptiert und reflektierend über die neuen Themen einer digitalen Welt gehalten. Dabei würde zwar Technik erwähnt oder erklärt, jedoch beherrschte diese nicht das Thema, wie beispielsweise heute bei Chip oder ct‘ (obwohl ich dem Heiseverlag für seine doch recht guten Produkte dankbar bin und an dieser Stelle dem SpringerVerlag [Computerbild] die wütende Faust entgegenstrecke].

Die üblichen „Computerzeitungstests“ waren aber auch konr@d nicht unbekannt. Jedoch wurde diese nicht mit Daten überfrachtet, sodass der Leser zwar die Eigenschaften der getesteten Dinge kannte, aber trotzdem noch in der Lage blieb, sie in einen für ihn nützlichen Kontext und nützliche Relation zu setzen.
Die Macher des Magazins orientierten sich auch am amerikanischen Magazin „wired„, welches zwar heute eine neue Ausrichtung besitzt, jedoch damals ein ähnliches Themenprofil darbot.

Mir gefiel damals besonders die Optik. Interessante Titelblätter, modernes freches Layout und viele, viele schöne Bilder.

Leider wurde der konr@d im Jahre 1999 nach nur 13 Ausgaben wieder eingestellt, bzw. wieder in den Stern als Sonderheft eingegliedert (mehr). Damals hofften die Konr@d-Leser, dass die Restbestände des Magazins (Chefredakteur David Pfeifer und die Redaktion wurden vom Stern übernommen) nicht sinnlos dahinvegetieren. Leider würde die Hoffnung nicht erfüllt. Die Computer- und Internetrubik des Stern ist gnadenlos schlecht. im Prinzip ähnelt es einem Newsticker mit etwas längeren Meldungen. Es ist nichts vom interessanten Konzept des konr@d geblieben. Der Markt schien und scheint für solche ein Magazin nicht reif genug zu sein. Heute machen wahrscheinliche Weblogs ein solches Magazin nahezu überflüssig.
Auch hat sich kein Kult, wie etwa nach der Einstellung (eigentlich Umgliederung in das Magazin „Internet Professionell) des ersten Computer-Lifestyle-Magazins „pl@net“ im März des Jahres 1997 ergeben. Auf der Website des damals verantwortlichen Chefredakteurs finden sich heute noch Artikel und Informationen. Vom konr@d hingegen ist nichts im Netz, welches sie so häufig beschrieben, geblieben.
Genau deswegen lasse ich hier die Kultur des Magazin „konr@ds“ wieder aufleben. Ich werde in regel- und unregelmäßigen Abständen Artikel aufgreifen und aus heutiger Sicht, ganz in konr@d-Manier reflektieren. Und jede nach fleißig beten, dass es bald etwas Vergleichbares auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt gibt.

Delicious-Linksammlung zum konr@d

(Bild via golem.de)