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Eiscreme im Sonnenschein

Ich weiß nicht. Irgendwie muss ich bei diesem Song immer daran denken, wie ich mit einem ganz bestimmten Menschen in einem kleinen Spielplatzkarussell sitze. Die Sonne scheint, um uns herum strahlt das Gras in herrlichstem Grün und kämpft gegen das tolle Blau des Himmels an. Das Karussell dreht sich unentwegt. Und wir essen Eis. Leckeres Eis, Sorten, die wir mögen… ganz unbeschwert. Ohne, dass es eine Welt gibt, die etwas von uns will. Einfach so im Strudel des Lebens.

(The Format – She Doesn’t Get It [Das Album Dog Problems war mal Album Of The Week])Nur dumm, dass das Video so gar nicht zu meinem Traum meiner Vorstellung passt.

Lomo-Namenscontest

Der Lomo-Namenscontest ist entschieden. Trotzdem werden alle weiterhin auf die Folter gespannt, denn erst müssen einige Fotos der Kleinen gezeigt werden. Vorher keine Namensgebung .Und bis ich diese nicht gescannt habe, passiert hier gar nix. Obwohl hier langsam alles unglaubwürdig wird und die Spannung gar nicht mehr hochgehalten werden kann. Seis drum.

Somit – Stay Tuned.

Album Of The Week – Tocotronic

Tocotronic - KapitulationWer Tocotronic hört, hat mit dieser Band meistens eine Geschichte. Die gibt es schon so lange, so viele Alben, so viele Songs. Jeder, der Tocotronic hört hat deswegen etwas zu erzählen. Meine Geschichte geht ungefähr so. Es muss in der zehnten Klasse gewesen sein, da gab es einen Typen, der schon Emo war bevor es Emo überhaupt gab. Aber… er hörte kein Emo, sondern Tocotronic und setzte sich mit seiner Gitarre in die Fußgängerzone und brüllte und krächzte Tocotronic-Songs. So die Klassiker, die jeder halbwegs gitarrenspielende Dödel so runterklampfen kann. Mir war die Person mit seinen blonden Haaren und verschrubbelten Image immer suspekt. Und so auch Tocotronic. Mehr habe ich nicht zu erzählen. Klar man kannte die Songs und konnte mit den Gesichtern etwas anfangen. Aber eine Band, die 1993 gegründet wurde und seitdem Musik macht, ist für einen 23 Jährigen einfach zu alt. Auch dieser verschrubbelten Texte stellten für mich keine Identifikationsmöglichkeit dar.

Aber eine gute Band zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch jüngere Musikliebhaber in ihren Bann ziehen kann. Und so begann bei mir mit K.O.O.K ein kleine Freundschaft, die sich Album über Album steigerte. Und heute 2007 gibt es ein neues Album: Kapitulation. Und ich muss sagen: „Ich bin begeistert.“. Ein Album, dass für mich so stringent einer Botschaft folgt, die schon im Titel angelegt ist. Kapitulieren. Mit sich selbst, mit anderen: „Dein Wahr ist meine Wahr“. Eine in Text und Tönen gefasste Selbstaufgabe, die zwar konsequent und absolut ist, aber aus einer gewissen Fallhöhe geschieht, die es aus dem Teeny-Sektor hebt. Das Scheitern als Möglichkeit und Ziel des Erfolges. Erfolg, indem inaktiv und still.

Ich denke, man braucht ein bisschen um das Besungene zu verstehen. Und es sind Gedanken, die in irgendeiner Form jeden schon mal auf seinem Rücken trug und nicht abschütteln konnte. Tocotronic zeigen vielleicht einen Weg, um damit zu leben. Vorallem muss man verstehen, dass die Vokabel „Kapitulation“ in unsere Sprache zwar negativ besetzt ist, im Kontext der Platte aber durchaus so nicht verstanden werden kann. Man stellt sich immer wieder die Frage, wovor kapituliert werden soll. Gründe werden nicht angegeben – herausfinden muss der Hörer das schon selbst.

Musikalisch spürt man den Zuwachs von Rick McPhail, der durch imposante Gitarrenverstärkerarbeit einen spannendes und schlagfertiges Gebräu als Basis eines Cocktails für die persönliche Verweigerung schuf. Etwas rockiger würde ich sagen.

Hier noch das nette Video zur zweiten Singleauskopplung „Imitationen“:

urbane Anspieltipps: Imitationen, Kapitulation, Dein geheimer Name

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links for 2007-08-22

Parkbank

In mir lebt eine Imitation meiner selbst. Gestern Nacht kam sie raus. Es war 4.09 Uhr und ich beendete die Arbeit. Habe verschiedene Dinge erstellt, für gewisse Jenaer Vereine. Ich stand dann auf dem Balkon. Hände ans Geländer und betrachtete die Schemen der Bäume, die sich im Wind wiegten. Und plötzlich sprach mich Jemand an. Er saß in den vergilbten Korbsesseln, die seit meinem Einzug auf dem Balkon vor sich hin verwittern. Kleine, weiße Farbpartikel, die vom Rattan abgeplatzt waren, hatten sich auf seinem schwarzen Hemd angesammelt. Er hatte seinen Arm auf die Lehne gestellt und seinen Kopf mit dieser Konstruktion abgestützt. Er blickt mit leerem Blick auf die wiegenden Schemen.

Die Stimme klang gleichsam fremd und vertraut. Der Tonfall war mir bekannt. Irgendwoher, irgendwann. Er sprach über Parkbänke. „Sie sind unglaublich traurig…“ sagte er „während alle darauf Sitzenden immer wieder verschwinden, manchmal spurlos, häufig bewusst, stehen Parkbänke fest verwurzelt mit ihrem Untergrund, verschraubt mit dem Boden, einbetonierte schwere Stahlträger…“ Ich sah ihn an. Die Augen blickten noch immer hinüber zu diesen vermutlichen Bäumen. Leicht viel Regen auf das Geländer und ließ das Metall klingen.

Er verstummte. Vermutlich lauschten wir beide dem Schlag der Tropfen, genossen die Schallwellen, die dem restlichen Regen den Takt zu geben schienen. „Du bist eine Bank. Man kann auf dich bauen, auf dich setzen.“ Er atmete laut ein und wieder aus. „Aber du bist gefangen. Weil du einbetoniert bist. Fest mit dem Boden verwachsen. Kommst nicht raus, kommst nicht vom Fleck. Du willst immer mitgehen, wenn wieder einer aufsteht. Du wartest immer darauf, dass dich jemand mitnimmt. Aber alle sehen, dass man dich nicht mitnehmen kann. Und so stehst du da. Schmiedest den ganzen Tag pläne, wohin du willst, was du alles machen möchtest und vergisst dabei, dass du nicht weg kannst, dass du still stehst. Einbetoniert.“

Er hörte auf zu sprechen und blickte mich an – zwei, drei Sekunden. Er schüttelte den Kopf. Ich blickte weg. Ich suchte im Regen nach einzelnen Tropfen, deren Weg nach unten ich verfolgen konnte. Langsam wurde aus dem Schwarz der Nacht ein Dunkelblau. Die Sonne kam.

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