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Nichts Nennenswertes

Kaffee am CaféEine heimliche Leidenschaft bleibt Kaffee. Trinken, trinken, trinken. Besser noch mit einem netten Gesprächspartner. Früher gab es da selten Schwierigkeiten. Heute ist ein Besuch in Kaffeehäusern eher selten. Sind doch die Gesprächspartner anders. Na gut. Das war jetzt fies. Lügen wir uns nichts vor. Ich bin anders. Ich bin der neue, der alte, der, der Änderungen akzeptieren muss. Sollte ich mich selbst richtig einschätzen und dem Stress eines lang dauernden Cafébesuches entgehen? Ja sollte ich. Aber eingefahrene und aus der Vergangenheit mich überkommende Gewohnheiten sind einfach schwer abzuschütteln.

So platziert man Körper und Geist zu Getränk, Gebäck und Gespräch in wohlig warmen Wirtshäusern und spricht, speist und schlürft. Doch der Frieden trügt. Es ist eigentlich eine Messe. Eine Leistungsschau. Der Gegenüber stellt seinen Boliden von Leben hin, klappt die Motorhaube auf und kommentiert die Schönheit der Ventile, mit denen es ihm gelungen ist, dieses Praktikum zu erreichen und seine 1,3er Magisterarbeit in 4 Monaten abzureißen. Naja und jetzt noch fix die Prüfungen und dann endlich weg von hier. Man will ja nicht bis Ende zwanzig an der Uni rumhängen. Naja², es sieht ja auch schon gut aus. Erstmal Ausland und dann in eine große Stadt, ich hab da auch schon eine Agentur im Auge, die sind echt gut…

Ich spielte kurzzeitig mit dem Gedanken mich auf die Suche zu begeben nach Stellen, die es lohnen, madig gemacht zu werden. Ich unterließ es. Ich unterlasse das in letzter Zeit häufig. Meistens wird mir diese darausfolgende Teilnahmslosigkeit als Desinteresse ausgelegt. Aber so ist es nicht. Es ist ein Schutzmechanismus für die Umgebung. Sie soll weiter ihr Leben leben. Weiterlesen

links for 2008-03-22

Nine Inch Nails – Ghosts I-IV

ghosts - nine inch nailsEs ist sicherlich die Nachricht des gestrigen Tages. Der guter Herr Reznor – Mind und Obermind hinter Nine Inch Nails – hat das komplette, neue Werk Ghosts I-IV komplett unter CC gestellt und unter archive.org abrufbar gemacht. Damit ist er sogar noch ein Schritt weiter gegangen als Radiohead. Diese hatten es zwar auch zum kostenlosen Download angeboten: Das hieß wenn man nicht bereit war, etwas zu zahlen. Trotzdem musste man sich aber auf der Website der Band anmelden etc. Trent Reznor stellt das komplette Werk also alle 36 Instrumentalsstücke zu wirklichen Creative Common Rights auf archiv.org zur Verfügung. Hier liegt es in verschiedenen Qualitäten (flac, 320kb-mp3, ogg etc.) zum Download bereit. Man munkelt, er habe mit dem Verkauf der Special Editions und Deluxe-Sets bereits 1,6 Millionen Dollar verdient, somit jetzt vermutlich genug in der Tasche, so dass er die reinen Musikdateien gratis anbieten kann. Wer weiß. Ist auch egal.

Es gab zwar hier und da Kritik, dass er zunächst mit extrem teueren Deluxe-Editions den Fans das Geld aus den Taschen zieht. Naja, aber wenn man betrachtet, dass es den physischen Tonträger schon ab 10 Dollar gab, der Download 5 Dollar kosteste, wird es für mich haltlos. Wenn man sieht, was man für das bereits ausverkaufte 300 Dollar-Ultra-Deluxe-Limited-Edition-Package (der Name ist nicht auf meinen Mist gewachsen) bekam, war klar, dass sich dieses Angebot an Sammler und extreme Fans richtet. Es ist nun mal ein Special Edition, eine Kunstwerk mit hochwertigen Vinylplatten und einer wertiger Präsentation des Artworks.

Ich empfand das offerierte Angebot von NIN als fair. Fairer als die Preise bei Itunes. 36 Songs für 5 Dollar (also knapp 3,20 Euro), gibt es dort nicht mal im Ausverkauf. Umso interessanter ist es jetzt, dass alles wirklich kostenlos und frei zu haben ist. Warten wir also ab, ob dieses Verkaufsmodell Schule macht und zumindest für die etablierten Künstler ein tragfähiges Modell darstellt. Vielleicht wird ja Ghosts V-XX noch richtig teuer… wer weiß.

Sehr zu empfehlen ist natürlich das Artwork mit Fotografien von Phillip Graybill und Rob Sheridan, dass sowohl als pdf als auch Wallpapers zur Verfügung steht.

Na dann, verursacht mal ein bisschen Traffic: Nine Inch Nails – Ghosts I-IV

Feststellung des Tages

Dass ich dich kenne, liegt auch nur daran, dass ich noch lebe.

Kaffee um halb zehn

number nine is coming

Nein nicht früh. Nicht zehn Uhr früh. Abends. Genau dann, wenn in den Kneipen fast nur noch Alkoholisches bestellt wird. Der Blick auf dem Monitor ist entspannend. Alles ist scharf. Sobald aber der Blick raus in die Welt muss, wird das Entziffern der Straßenschilder zur Schwierigkeit. Alles ist unscharf. Und das ist auch irgendwie gut so. Der Kaffee soll versuchen die Kälte aus dem Körper zu treiben, die sich aufgrund des konsequenten Schlaf- und Nahrungsmangel im Körper eingenistet hat. Schlaf- und nahrungslos, weil man in unglaublichem Eifer und kompromisslos ein Projekt begonnen hatte und zügig zu Ende führte. Nun läuft das pdf rauf und runter und man ist stolz. Viel weniger darüber, dass es gefällt, mehr noch über die Umstände wie es entstand. Man betrachtet die Zeit und glaubt gar nicht, dass man fähig war so etwas durchzuziehen, ohne wie üblich abzusterben und dem Dunst des Herumdämmerns zu verfallen.

Solche Tage und Momente bringen Erkenntnisse zu tage, die schwierig zu verkraften sind. Einerseits muss man einsehen, dass ein Leben mit dem sturen Abarbeiten von Theorien, Lesen von Büchern (die einem mehr oder minder aufgezwungen werden) und Anfertigen von plagiatsverdächtigen Dreissigseitern, ohne dabei nach links und rechts zu schauen, einen nicht glücklich machen wird. Niemals glücklich machen kann. Sind doch die Themen oftmals belanglos, manchmal auch zu kompliziert und diesig. Inkompatibilität, ganz einfach.
Auf der anderen Seite steht nun der Komplex, der häufig als das Kreative bezeichnet wird. Man darf frei arbeiten. Man ist es selbst. Spricht über die Ästhetik, nicht über angelesene Worthülsen. Doch der scheinbare Frieden trügt. Ist doch auch dieses Erschaffen – das Diabolische in uns – nicht einfach, nicht immer da, genauso stockend wie diese elenden Dreissigseiter. Manchmal passiert einfach nichts und man ist genauso enttäuscht und verbittert und sieht in der Kreativität ebenfalls die leeren Worthülsen, nur etwas hübscher verpackt. Ebenso schiebt der Glauben das Wissen, doch nicht gut genug zu sein, einen immer wieder ins Abseits. Das leider zurecht.

So ist der Mensch ein urbanes Desaster, ein Segler zwischen den Welten, der genau weiß, dass kein Hafen ihn jemals glücklich machen wird, er auch in keinem mit seinem Boot anlegen kann, um schließlich mit den anderen an Land zu gehen.

Anders gesagt, um auch die Liebhaber der Dreissigseiter zu befriedigen: Im Menschen stecken zwei grundlegenden Lebensprogramme. Eines davon zwingt ihn zur Selbsterhaltung, dem Festhalten am Gegebenen. Es ist unsere konservative Tendenz. Das andere Programm mauert dagegen, aber nicht indem es Mauern errichtet, sondern expandiert. In die Welt und in die Seele. Stets auf der Suche nach Möglichkeiten, die Neugierde zu befriedigen. Daraus entwächst die Kreativität. Somit haben wir alle zwei Seelen in unserer Brust, eine dissoziative Identitätsstörung wie manche sagen würden. Es kommt nur darauf an, wie gut man es beim Abfinden damit verdeckt.

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