Seltsames Wochenende. Zeitweise kristallklar, größtenteils verstörend. Menschen enttäuschen einen immer wieder. Merken es selbst nur nicht. Was ja an sich okay ist. Sich ständig um die anderen scheren, wäre zu sozial. Zu großen Leistungen bin ich heute nicht fähig. Die Universität hat gerade heute ihre Arme um mich geschlossen. Die unterbrochene Hausarbeit schafft ihr übriges. Es nervt derzeit nur. Gottseidank regnet es. Nicht auszudenken, wenn der herannahende November vom Oktober auf eine andere Weise begrüßt worden wäre.
Der Terminkalender ist voll. Berstend. Schönes Wort. Morgen wird es dann ganz übel. Ich muss zum Abholen eines Scheines direkt in die Sprechstunde. Ausdrücklich muss ich mit dem Professor selbst sprechen, wie die Email des Sekretariates es geheißen hat. Klingt irgendwie nach Ärger oder zumindest Stunk oder sonst was.
Während ich dies hier schreibe, das bereits jetzt schon belanglos ist, befinde ich mich in Wartestellung. Ein neues technisches Gerät soll sich zum dem restlichen Krempel dieses Raums gesellen. So richtig will es aber nicht kommen. Das ärgert.
Nun denn, ich beobachte jetzt mal den Regen beim Fallen. Wo ist eigentlich die aktuelle Radiohead-Platte? Warum ist der Kaffee schon wieder alle?
Wenn Wunden wieder aufgehen, dann gehen sie halt wieder auf. Ja, mein Gott. Okay. Man sitzt in seinem Zimmer, einem Sumpf aus Erinnerungen, und sie platzen einfach auf. Der süß-bittere Eiter schlakt heraus und versaut dir den ganzen Fußboden. Du kannst in deinem Zimmer nicht mehr stehen. Alles ist voll.
Jetzt kann man sich fragen warum? Tun wir das. Eine Möglichkeit ist natürlich, du bist mit den zahlreichen Wunden deines Lebens nicht sorgsam genug umgegangen. So eine Wunde hat ja die sinnlose Eigenschaft nichts Systemkritisches zu sein. Die Wunde ist da, doch das gesamte System kann trotz einiger Einschränkungen recht problemlos weiter funktionieren. Somit ist es leicht, sie zu vergessen. Noch leichter, sie zu verdrängen. Man lebt dahin, presst die Wunde in den Alltag und alles scheint gut zu gehen. Wenn da nicht die kleinen Risse in den Wänden wären, aus den Nägel herausstarren. Es kommt wie es kommen muss: Du bleibst hängen. Die Wunde reißt auf.
Eine weitere Möglichkeit ist wesentlich fieser. Sie setzt voraus, dass die Wunden bekannt sind. Vermutlich hattest du dir irgendwann einmal die Wunden öffentlich geleckt. So zum Spaß oder auch weil es sein musste. Du kann sich doch auch nicht immer verstecken. Wunden liegen frei, brach auf den Menschen und warten naturgemäß darauf aufgerissen zu werden. Und auch hier kam es dazu wie es kommen musste. Irgendwer schafft es irgendwie das Brecheisen in Position zu bringen und spreizt die Wunde, jetzt klafft sie. Warum tut er das? Natürlich hat dieser irgendwer nur ein Ziel, im Bösen wie im Guten, er will den Finger in die Wunde legen.
Ist die Wunde einmal wieder offen, dann ist der Mechanismus nicht mehr aufzuhalten. Zuerst kommt kurz das Blut. Es versaut dir den Tag. Alles ist voll davon, jedes Glas, das du in die Hand nimmst, jeder Stift ist blutig. Doch irgendwie will die Wunde wieder zusammenkommen. Einmal aufgeplatzt, also in einem ihrer zwei Existenzzustände, ist sie versessen darauf, sich zu schließen. Nicht mehr offen zu stehen. Garniert wird dieser fundamentale Ereignis durch Wundwasser. Es läuft und läuft bis die Luft es erhärtet. Irgendwann ist die offene Wunde dann auch wieder abgedichtet. Das System funktioniert trotz einiger Einschränkungen problemlos weiter…
Naja und manchmal da platzt halt so eine auf. Ist ja auch gar nicht so schlimm. Wächst ja wieder zusammen.
Zur Feier des Tages mal was Historisches. Die 20 Dinge, die ein Ersti niemals tun sollte.
(Akrützel 206 – 2004)
Irgendwer hat beschlossen, dass wir den goldenen Herbst übergehen. Wir schalten von angenehmen 22° gleich auf novembrige 9° (gefühlt 6°) um. Kein goldener Herbst in Anbetracht der Tatsache, dass die Tendenz eher temperaturfallend zu sein scheint. Aber ein goldenen Herbst ist ja eh problematisch. Macht er doch den Abschied vom Sommer noch schwerer und das Gewöhnen an die feucht-kalten Wohnungen nicht einfacher. Danken wir also demjenigen, der beschlossen hat, auf den August direkt den November folgen zu lassen und diesen vermutlich konsequenterweise bis Mai 2009 andauern zu lassen. Das ist okay für mich.
Es ist vielleicht eher ein Akt der Verzweiflung den Winter bereits im September auszurufen. Aber was soll man auch tun. Zunächst sind es ja diese Temperaturen und schließlich werden in allen Lebensmittelläden bereits die ersten Weihnachtswaren herausgeräumt. Angefangen von Lebkuchen und Baumkuchen bis hin zu Zimtsternen und Stollen. Einzig die Schokoladenweihnachtsmänner (das sicherste Zeichen, dass Weihnachten ist, fehlen noch). Diskutieren wir nicht darüber. Aber unser Jahresablauf wird im groben von zwei Komponenten bestimmt. Auf die eine haben wird bisher noch wenig Einfluss, die andere ist voll in unserer Hand.
Die erste ist, ich komme also erneut darauf zurück, das Wetter. Es zwingt uns eine Regelmäßigkeit auf mit der Nahverkehrssysteme oder auch die Deutsche Bahn nicht mithalten können. Das einzige Problem ist nun die Veränderung. Die Alten berichten immer: „Früher war das so. [Nebenbei bemerkt früher war eigentlich alles besser]. Wir hatten einen langen milden (manchmal auch heißen) Sommer. Danach folgte ein knapp 2 monatiger, goldener Herbst, in dem Äpfel gepflückt wurden, dann kam Ende November (!) der Winter. Dieser war knackig, kalt, schneereich und dauerte genau bis Ende Februar. Dann kam schon der Frühling. Der verweilte bis Anfang Mai. Dann kam der Sommer. Lang und mild usw.“… so die historischen Berichte.
Heute ist alles einheitsgrau von September bis Juni. Depressionen gehören zum Alltag. Was mich zur zweiten Komponente der Jahresstruktur bringt. Es lässt sich auf ein Wort bringen, das eine riesige Assoziationskette hervorrufen wird: K o n s u m. Dieser Konsumzwang ist abgestimmt auf jede Nische der Gesellschaftsgruppe. Es gibt wenige Events, die einheitlich alle betreffen. Weihnachten wäre so eine Kaufevent. Ansonsten hat jeder seine eigenen Konsumphasen. Die Rentner haben den Frühling. Zeit sich mit neuen Kleingartenutensilien auszustatten. Die Mittelschicht den Sommer: Zeit eine Reise auf die Mallediven zu buchen. Endlich mal entspannnen. Die Studenten haben die Semesterferien: Zeit mal richtig Geld zu verprassen. Bier, Bier und Dope. usw. All dies tritt nun neben dem gewohnten Konsum als Ansporn auf.
Heute befinden wir uns an einer neuen Kante: Die Weihnachtssaison. Ich bitte also jeden Leser von urbandesire.de die Suche rechtzeitig (also heute) nach Weihnachtsgeschenken für die Lieben und die, die beschänkt werden müssen, zu starten. Das Wetter müsste es auch ja auf ganz natürliche Weise gesagt haben.
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