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Autor: urbandesire (Seite 27 von 206)

Ein Schatten haben

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Wenn ich versuche die Höhepunkte der letzten Tage zusammenzuzählen, dann bereitet mir dies nur wenig Mühe. Viele Höhepunkte gab es nicht. Vielleicht die Abschattung. Ja, ich habe einen Schatten. Eine Randabschattung. Den Fotografen unter uns ist dieses Phänomen vermutlich als Vignettierung bekannt. Und zum Teil wird es aufgrund des spannenden und dynamischen Effektes – bekannt durch die Lomographen – geliebt oder auch gehasst, da Bildbereiche plötzlich zu dunkel sind und aufgehellt und ausgeglichen werden müssen. Wie dem auch sei. Ich habe eine Randabschattung… Rechtes Augen, oben rechts, 30% … was auch immer.

Anscheinend ist die Netzhaut aber noch intakt. Es handelt sich um ein „vorübergehendes Symptom„. Nach dieser Diagnose, die einer nicht enden wollenden Anamnese folgte, stellte ich die Frage nach einer Prognose. Da ich aber Kassenpatient bin, reicht das vermutlich nur für die Diagnose. Abwarten und wenn es schlimmer wird oder gar nicht weggeht, wiederkommen. Ach so.

Also ich denke jetzt, dass ich blind werde. Ich bin mir sicher. Ich werde eines wunderschönen Wintermorgens aufwachen und nichts sehen, kein schwarz, kein grau. Ich habe einfach jegliche Vorstellung für Licht und Farbe verloren. So taste ich mich dann durch den Tag, der dann gleich wieder Nacht ist und eigentlich genauso auch gar nichts mehr.

Wäre ich doch nur Privatpatient…

16 Seiten

Es ist jetzt Sonntagnacht Montagmorgen. 2:45 Uhr. Es ist der Tag nach der Bundestagswahl. Damn: “bürgerliche Koalition” Ich habe heute meinen Einführungsteil abgeschlossen. Ich schreibe die Einleitung stets zu Beginn der Arbeit. Das ist nicht üblich. Für mich ist es aber immer eine Roadmap, ein Zielrichtung, eine Bestimmung, an der ich mich im Verlauf der Arbeit abarbeiten kann. Natürlich wird diese Einleitung während und am Ende der Arbeit oftmals korrigiert. Es ist jetzt 16 Seiten geworden. Eigentlich schon 3-4 Seiten zu viel als ursprünglich geplant. Doch um eine Einführung, Problemstellung, den Forschungsstand, den Aufbau der Arbeit und die Methodik unterzubringen, könnte ich mir irgendwie nicht weniger Platz nehmen. Zwar habe ich stets Angst zu viel zu verraten, doch nun denke ich es ist ausreichend, es ist alles irgendwie erwähnt und wenn ich diese Seite im Laufe der Korrekturen quantitativ wie qualitativ noch etwas gestrafft bekomme, ist das vielleicht die schönste Einleitung, die ich jemals geschrieben habe… es ja definitiv auch die letzte.

Im Hintergrund jammern Sigur Rós mit Untitled 8 und versüßen mir den Schmerz, dass ich in 2 Tagen einen Schein abgeben muss, den mein Dozent mir zwar zugesagt, aber immer noch nicht ausgehändigt hat. Das Bier ist auch alle. Okay. Gut.

Gartenarbeit

Ich denke, ich habe das im Griff. Ich habe mir vor ein paar Tagen eine Pflanze gekauft. Eigentlich hatte ich, so lange ich ein eigens Zimmer besaß, immer auch eigene Pflanzen. Meist irgendwas Stachliges, auch mal auf-meine-Pflege-verzichten-Könnendes. Ein Kaktus oder auch zwei. Ich hab diese Zimmerpflanzen, die sich auf meinen Fensterbrettern in irgendwelchen emailierten Eimern stapelten, dann auch nie gepflegt. Vielleicht weil ich keine Gießkanne hatte, vielleicht weil ich sie auch nicht kaufen wollte… die Gießkanne. Letztens musste ich über Pflanzenpflege nachdenken. Der Trugschluss ist eigentlich, dass gießen nicht ausreicht. Das Gießen sind vielleicht nur 60% der Pflanzenpflege. Es gehört offenbar auch dazu sie ab und an mal – nachdem die anderen 35 % in Form von Düngen (10%), Boden auflockern (5%) und ja… anquatschen (20%) vollführt hat – umzutopfen (5%). Denn wenn die 35% erledigt wären, dann besteht die 50%ige Chance, dass die Pflanze gewachsen und das meist mitgekaufte, kleine Becherchen viel zu klein geworden ist.

Da das aber mit dem Gießen schon nicht richtig geklappt hat und der 1 ½-Verzweiflungsliter aller 3 Wochen nicht mehr im Stande war Leben zu retten, ging ich regelmäßig dazu über, den Verfall einfach nur betrachtend mitzuverfolgen. So leben stehen nun seit gut einem Jahr zwei Pflanzen auf meinem Fensterbrett, die in ihrer Form trockenem Stroh extrem ähneln. Es ist im Prinzip nichts anderes als in häßlichen IKEA-Blumentöpfen zusammengefasstes Laub, dass mir die Bestätigung des braunen Daumens zukommen ließ.

Vor ein paar Tagen kam dann eine coffea arabica in mein Haus. Und ich denke nun ernsthaft über Gartenarbeit nach. Vermutlich kann Pflanzenpflege bei mir nur mit Nutzwert verbunden werden. Obwohl ich nicht weiß, ob die 2-3 Früchte, die diese Pflanze in den nächsten 3-5 Jahren abwerfen könnte, ausreichen, um den Beginn eines großen urbanen Kaffee-Imperiums auszumachen. Alles nur kompensatorische Scheiße. Alles. Echt!

Feststellung des Tages

Es gibt nichts Schöneres als das Auspacken einer frischen Bücherbestellung. Auch wenn man dann feststellen muss, dass ein Buch eine book-on-demand-Bestellung war und erst in drei Wochen geliefert werden wird.

Naja… wenigstens ist diese Lieferung dann versandkostenfrei.

True

The true mystery of the world is the visible, not the invisible.

Oscar Wilde

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