urbandesire

searching since 2004

Monat: Dezember 2008

.

Ich würde gerne zu BastiHs Herztönen (und eigentlich auch dazu) etwas schreiben, doch irgendwie will mein Geist gerade nicht. Ich ahne warum. Aber ihr solltet diese Texte lesen. Es wird euren Tag nicht retten, aber vielleicht euer Leben. Von mir nur so viel dazu wie es enden wird:

»Ich bin gewitzt, abgebrüht, ich durchschaue alles. Mich wird nichts mehr überraschen. Alle Katastrophen, die ich noch zu überstehen habe, werden mein Leben nicht auseinanderwürfeln. Ich bin darauf vorbereitet. Ich habe genügend von dem, was man Lebenserfahrung nennt. Ich vermeide es, enttäuscht zu werden. Ich wittere schnell, wo es mir passieren könnte. Ich wittere es selbst dort so lange, bis es mir auch dort passieren könnte. Ich bin auf alles eingerichtet, ich bin gegen alles gewappnet, mich wird nichts verletzten. Ich bin unverletzlich geworden. Ich habe im Drachenblut gebadet, und kein Lindenblatt ließ mich irgendwo schutzlos. Aus dieser Haut komme ich nicht mehr heraus. In meiner unverletzbaren Hülle werde ich krepieren an Sehnsucht…«

C.H., Drachenblut/Der fremde Freund

Ausgebrannt

Ich spüre gerade wie man ausbrennt. Lange Zeit dachte ich immer, es wäre vergleichbar mit einen starken Feuer, das einmal entzündet, mit hochroten, gelblich schimmernden Flammen in den Nachthimmel der eigenen Seele ragt. Ich dachte, es war dann doch nett anzusehen; so wie es das schwarze Innenleben erleuchtet und man kurzzeitig im Rausch der Geschäftigkeit gepaart mit Stolz durch die Welt lodert. Doch eigentlich ist das Ausbrennen ein sehr verhaltener Vorgang. Vergleichbar einem Kaminfeuer, das aber nicht nur im Sims selbst brennt, sondern sich hundertfach in allen Bereichen des Lebens ausdehnt.
Dabei knirscht und fiept es leise. Es zermalt dein Inneres; immer weiter und weiter. Irgendwann ist da der Zeitpunkt, an dem das Hochgefühl langsam abebbt. Der Schmerz kommt. Zunächst wird dieser nur registriert. Er ist halt da und tut weh. Man hetzt aber weiter. Kein Stillstand und der Schmerz der Flammen wird zur Gewohnheit. Du schliesst die Augen und aus dem dahinschwappenden Flammen wird langsam ein Strudel. Er zerrt an dir. Blut gerinnt, dein Körper wird fest, hart und ist gespannt. Du fährst dir über die Arme und kannst die Härchen nicht mehr spüren. Du bist kaltes, hartes Wachs. Adern schiebst du wie dürre Zweige über deine Handrücken. Sie knirschen. Bald sind es nur noch Sterne, die du siehst, wenn du die Augen schliesst.

Doch dann wird es erst richtig schlimm. Die Flammen brannten die ganze Zeit, nicht groß, nicht intensiv, doch verkohlten sie dir jeden letzten Rest Vernunft und du verstehst wie stark der Körper von der Seele abhängig ist. Die Zahlen auf der Waage nehmen Größen an, die du seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hast, der letzte Film, den du im Kino gesehen hast, ist schon seit Wochen auf DVD erschienen, die letzten vier Bücher liegen angefangen irgendwo in deinem Zeitchaos… du kannst dich an den Inhalt der ersten 10 Seiten sowieso nicht mehr erinnern. Jede Stunde Schlaf ist eigentlich nur ein Luftholen zwischen dem Wachzwang. Jedes Gespräch wird umhüllt von Hast. Du fragst häufiger nachdem, was eigentlich besprochen werden sollte.

Wenn du ausbrennst, lässt sich das Leben dazu Zeit. Es ist nicht der Lucky Strike, der dich mit einem Schlag vernichtet – große Zerstörung verträgst du, ziehst dich zurück in den Bunker – aber wenn das Feuer einmal dein Herz erreicht hat und schrittweise alles in dir verkohlt, dann ist dies der wahre Rundumschlag, der Leben auslöschen kann.

© 2026 urbandesire

Theme von Anders NorénHoch ↑