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Monat: September 2008 (Seite 1 von 3)

links for 2008-09-29

Die dunkle Seite des Bewerberblogs

Der Titel da oben klingt reißerisch. Ich weiß. Es ist aber keine Kritik am Bewerberblog. Ich finde es sehr gut, was das Team von TowerConsult da auf die Beine gestellt hat und begrüße die richtige Mischung aus Impressionen des Büroalltags sowie die Anreicherung mit Sichtweisen von Personalern und deren Vorstellungen des perfekten Kandidaten für die ausgeschriebene Stelle. Meine Meinung war ja bereits immer: Blogs sind gut. Egal, wo oder wie sie eingesetzt werden; Hauptsache die Betreiber meinen es ehrlich.

Die Feierlichkeiten waren dann auch dem Termin angepasst recht freundlich und  veranstaltungsreich: Lesung, Buffet, Kickern und Malen. Schöner, erster Geburtstag. Bitter für Geisteswissenschaftler ist natürlich das Publikum. Ein Mischung aus IT-Entwicklern, Menschen der Wirtschaft, vermutlich auch einiger Personaler… so gesehen, der natürliche Feind eines jeden Geisteswissenschaftlers. Während die Ausbildung oder auch die eigengeleistete Fortbildung eines Menschen erstere Branchen, es ihm ermöglicht, konkrete Jobvorstellungen mit moderaten Gehältern zu realisieren, bleibt der wirklich brotlose Geisteswissenschaftler eher in der dunklen Ecke sitzen. Dieser Optimismus war in einigen Gesprächen durchaus zu spüren. „Everything goes, du musst nur wollen.“ Ein häufig gehörter Satz. Ich badete kurzzeitig in dem Optimismus dieser Branchen.

Ich fragte mich dann natürlich, warum dies so ist: Optimismus gegen Resignation. Ein Abend mit vor dem Abschluss stehenden Geisteswissenschaftlern endet meist so, dass eine Reihe von Unternehmen aufgezählt werden, die schlecht oder gar nicht bezahlte Praktikastellen ausschreiben, auf die der dann auch am Kneipentisch sitzende Bewerber keine oder nur negative Resonanzen erhielt. Ein direkter Jobeinstieg nach dem Studium wird zur Utopie. In den Ausschreibungen treten Begriffe und Wortgruppenkomposita auf wie „exzellente Leistungen“, „herausragende Ergebnisse“ oder „mehr als überdurchschnittliche Potentiale“. Zynisch könnte man anmerken, dass der Wortschatz-Duden das Hauptarbeitsgerät eines jeden Personalers sei. Eine Frustration ist dann das Ergebnis. Das Studium der Anthropologie oder Religionswissenschaft oder schlimmer noch der Philosophie hat das „persönliche Branding“ auf eine Null beschränkt. Die Fähigkeiten über Religionsriten der Syrer zu berichten oder auch einen ontologischen Gottesbeweis gewinnbringend zu vermitteln, sind Eigenschaft einer sterbenden Kultur. Hochgehalten von  wenigen Verwirrten, die die Germanistikhörsäle dieser Republik bevölkern, die in ihrer Nachabiturphase monetäre Gedanken ausblenden, doch dann schrittweise, Semester für Semester auf den Boden eines Berufsethos geworfen werden, zu dessen Leitkultur es gehört, Powerpointfolien im 30-Sekunden-Takt abzumalen oder nach der Vorlesung nach einem herunterladbaren Skript zu fragen.

Ich widerspreche diesen Freunden dann immer. Es ist falsch anzunehmen, dass ihr nichts Wert seid. Das „persönliche branding“ ist eine Floskel des „bullshit-bingos„. Irgendwann werden auch die krudesten Personaler erkennen, dass die Mitarbeiteranforderungen, die von Unternehmensberatungen scheinbar standardisiert wurden (überdurchschnittliche Studienleistungen, Praxis- erfahrungen, und ein Aufenthalt im Ausland, dazu Leistungswille, Zielgerichtetheit und Analysefähigkeit – entnommen der ZeitCampus, 11/06) zu einem Kampf geführt haben. Einen Kampf um nicht attraktivere, aber immer weniger Stellen. Und dieser Kampf wird mit allen Mittel geführt. Ein Lebenslaufwettrüsten. Dann wird auch mal verschwiegen, dass das Auslandssemester in Frankreich ein einziges Korpulieren und Saufen mit anderen Erasmusstudenten war, dass Praktikum aus Briefefalten und Telefonlisten aktualisieren bestand (vermutlich wurden dazu die überdurchschnittlichen Potentiale benötigt) usw. usf. Es ist nicht der Lebenslauf der sich bewerben sollte, sondern im Eigentlichen eine Persönlichkeit, eine Seele; auch wenn das Bewerbungsfoto schlecht ist (es sei aber angemerkt, dass trotzdem Formalien auf einer Bewerbung eingehalten werden sollten, damit die Vergleichbarkeit im gewissen Maße doch gegeben ist… machen wir uns nichts vor: Jobsuche bleibt Konkurrenz und das ist im Grunde auch okay so).

Der gestrige Abend verlief logischerweise etwas anders. Es war vor allem eine gut organisierte Geburtstagsparty, die mir aber zeitweise interessante Einblicke gewährte. Zunächst: Ein Leben ist nicht schwarz-weiß, so wie mir dies von mehreren Seiten zugetragen wurde. Es sind „shades of grey„. Ein Schwarz-Weiß-Denken in gut und schlecht, erfolglos und erfolgreich, richtig und falsch usw. ist nicht zielführend. Es mag in einer Versuchsanordnung wie der Informatik bzw. generell in informationsverarbeitenden Systemen funktionieren. Doch ist dies nur Reduktion; fassbar machen. Nullen und Einsen sind die Basis dieser Welt. Bereits einfachste  physikalische Vorgänge  stoßen bei solch einer Sichtweise an ihre Grenzen. Ursache-Wirkung können durch Reduktion nicht wirklich erklärt werden. Komplexität, emergente Zusammenhänge scheinen paradoxerweise sinnvoller für ein funktionierendes Weltbild.

Und so ist ein Mensch nicht immer nur schwarz-weiss. Er ist kein Lebenslauf und auch kein Vorstellungsgespräch.  Er ist ein „Mehr“. Personalakquise ist vermutlich Glücksache und soll in den Händen von Leuten liegen, die Talent besitzen Anzeichen und Vorzeichen zu sehen. „Personalern“ sollte nicht das Ausspielen der „gatekeeper“-Funktion sein. Ich weiß nicht, wie man diesen Jobsucheprozess menschlicher, ehrlicher gestalten kann, ich weiß nicht wie man diese Tür-zu-halt-Mentalität beendet, ich weiß auch nicht wie man die menschenverzehrende Jobmühle in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs verändert… Es scheinen sich zwei Wege zu zeigen. Die traurigen Geisteswissenschaftler (es bleibt anzumerken, dass es auch glückliche und erfolgreiche geben soll 😉 ) haben die Wahl sich anzupassen und zu verstehen, dass sie gleich der oben erwähnten Branchen sich als eine Marke als eine Sammlung von bezahlenswerten Eigenschaften begreifen müssen. Nur so kann man auf diesen Arbeitsmarkt eventuell noch bestehen. Das heißt skills, softskills, Referenzen und Praktika sammeln… die neue Währung deines Lebens.

Ein anderer Weg ist natürlich Widerstand. Extra alles anderes machen. Ich denke der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Um jetzt aber nicht in schwarz und weiß zu verfallen, hoffen wir, dass es auch einen grauen Mittelweg gibt.

Ich danke auf jeden Fall dem bewerberblog.de für Bier, Kuchen und Einsichten. Gerne würde ich noch die von mir durch Jojo angefertigte Karikatur posten, leider steht mir im Moment kein Scanner zu Verfügung. Wird aber nachgeholt.

Omaha Bitch – Orgasmic Troopers

Es bleibt witzig. Nach „Dancing Cyprine“ nun das neue Video von Omaha Bitch: Orgasmic Troopers. Mir fielen da ein paar Ähnlichkeiten auf.

Bewahre die Zeit

Ich befülle meine Lunge mit Feuer. Kurz. Und lass es danach erkühlt wieder heraus. Die Fensterwand an der anderen Seite der Straße ist fast nicht mehr zu erkennen. Diese Herbstnebel ist wieder da. Wie oft wurde hier schon darüber geschrieben. Dick und milchig liegt er in den Straßen – erstickt Gedanken.
Wie oft wollte ich jetzt schon bei dir klingeln. Immer wieder stand ich vor deinem Haus. Blinzelte um sicherer zu sein, dass doch noch Licht brennt. Wie oft stieg ich die Stufen zur Tür hinauf. Wie oft stand ich vor dem Klingelbrett, um dann doch den Finger wieder zurückzuziehen, ihn wieder in die Tasche zu schieben. Zu gehen.
„Es ist nichts.“ ist der schlimmste Satz, den man sagen kann. Ohne Worte ausgedrückt zeigt er sich nur in leeren Blicken, die nichts mehr wollen. Vielleicht nie etwas wollten.

Wir waren auf der Suche nach einem gemeinsamen Himmel. Da, wo Sterne zueinander passen. Da, wo nicht nur ein Mond über uns wacht. Da, wo am Tage die Sonne nie in den Augen schmerzt. Du lebst nun unter einem anderen Himmel. Deine Sonne steht höher und hier bei mir verdecken die Wolken den Mond. Ich hatte die Tür offen gelassen. Früher bist du hineingeschlichen. Hast dich niedergelassen und wolltest nicht gehen. Jetzt schließe ich die Tür hinter mir. Du musst vorbeigehen. Manchmal achtest du vielleicht, ob der Türspalt erleuchtet ist.

Unwissenheit ist nur die naive Form der Ungewissheit. Vor, zurück und nichts geht. Die Tür bleibt wohl zu. Ich habe jetzt das Fenster offen und warte darauf, dass der Nebel ins Zimmer zieht. Die Lungen sind immer noch voll von Feuer. Es ist kalt. Rum gefriert nicht.

Zur Feier des Tages…

Zur Feier des Tages mal was Historisches. Die 20 Dinge, die ein Ersti niemals tun sollte.

  • Mit Mami und Papi zur WG-Besichtigung kommen
  • Sie dann auch noch zu Wort kommen lassen
  • Jedes Wochenende nach Hause fahren und bei Mami die dreckige Wäsche abladen
  • Vom Wochenendbesuch mit Vorgekochtem für die ganze Woche wiederkommen
  • In der Vorlesung in der letzten Reihe sitzen
  • Am Rand sitzen und die ganze Reihe blockieren
  • bei der nächsten Vorlesung wieder den Platz vom letzten Mal haben wollen
  • beim Melden mit dem Finger schnipsen
  • Fragen fünf Minuten vor dem Ende der Vorlesung stellen
  • albern Kichern bei Reizwörtern wie Karl Popper
  • Abi-T-Shirts tragen
  • Mit Scout- oder 4You-Ranzen rumlaufen
  • Diddlmäuse oder andere Stofftierchen mit in die Uni nehmen
  • Festivalbändchen vom vergangenem Sommer immer noch am Arm tragen
  • Kinnbärtchen wachsen lassen
  • In der Mensa in Gruppen von mehr als zwei Personen gemeinsam einen Platz suchen (mach ich heute noch)
  • das Essen für 2 Euro mit Omas Sonntagsbraten vergleichen
  • das Studium so planen, dass man unter der Regelstudienzeit bleibt
  • alles mitschreiben, was der Professor sagt
  • F-Haus-Semesteranfangsparties für den Höhepunkt der Partykultur halten
  • in Kneipen Plätze belegen, auf denen ältere Semester sitzen
  • folgende Wörter benutzen: Unterricht, Hausaufgabe, Lehrer
  • Sätze beginnen mit: “In der Schule haben wir aber…”
  • über Abinoten und Leistungskurse reden
  • ältere Semester siezen
  • den Stura für ein produktives Gremium halten
  • T-Shirts mit schlauen Sprüchen tragen (machen aber auch viele höher Semester)
  • sich wundern, wenn 20 manchmal 30 sind
  • Alles glauben, was gesagt wird

(Akrützel 206 – 2004)

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