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Monat: Oktober 2009

Zeitmanagement

Nachdem ich nun meinen treuen Begleiter – das Moleskine – offenbar wirklich verloren habe und somit auch ein Teil meiner Planungen dahin war, habe ich heute meinen Arbeitsplan, der für August bis Dezember 2009 den groben Punkt “Rohfassung erstellen” beinhaltete, ein wenig detaillierter ausgeführt. Things (tolle Software übrigens…) hat das mal für mich festgehalten:

Ich kann derzeit schwer einschätzen, wie ich zeitlich liege. Ansich sind dreißig Seiten ganz okay. Ich fühle aber, dass ich hinterherhinke, was dem Punkt geschuldet ist, dass doch nicht alles bis in die wichtigen Details durchdacht ist.

Ich schwanke oft, inwieweit ich Dinge – so z.B. den Wissensdiskurs, Goethes persönliches “Wissenmanagment”, die Auswahl relevanter sprachlicher Mittel, die in die Analyse einbezogen werden soll – auswähle und erwähne. Gerade an Kapitel- und Abschnittsanfängen steht die Schreibarbeit zu lange still.

Meine Hoffung ist jetzt irgendwie dieser detaillierter Arbeitsplan, der mich hoffentlich Schritt für Schritt anleiten kann, so dass insgesamt etwas Rundes und Zusammenhängendes herauskommt, das auch noch bis zum Abgabedatum im Februar fertig ist.

Zeitgeschehen

Ich wusste, dass es auf solche Beiträge hinauslaufen wird. Auf Beiträge, die damit beginnen, dass ich mich zunächst entschuldige, solange nichts mehr von mir hören lassen zu haben. Weiterhin würde der zweite Satz damit beginnen, dass ich den aktuellen Stand, die aktuellen Verwicklungen zum Besten gebe. Nach dieser Auflistung würde dann irgendwo am Ende des kleinen Beitrags die prophetische Aussage stehen, dass ich Besserung gelobe. Obwohl ich all das jetzt nicht mache, sei es doch irgendwie implizit mit gedacht.

Wenn alles gut geht, wird das hier in Jena mein letzter Herbst sein. Somit ist es eine reine Freude, dass dieser mit einem brutalen Temperaturabsturz begann, der die obligatorische 90-Min-Zigarette zunächst zu einer Farce und dann zu einer Qual werden ließ. Zeitweise hegte ich den Gedanken noch einmal alles, was ich die Jahre so in Jena im Universitätsumfeld trieb, äußerst bewusst und intensiv wahrzunehmen. Etwas von alledem zu konservieren, dass es doch erhalten bliebe. Schließlich sagen ja auch alle, dass die Studienzeit die beste Zeit sei. Ich kam dann aber doch wieder davon ab. Denn viele der Dinge, die ich hier trieb in den letzten Jahren habe ich und werde ich niemals gern gemacht haben. Büffeln für Latein; die Leere in einem, wenn man sich fragt, wozu das alles; diese unglaublichen Menschenmassen, die sich in jeder Ecke regen; die Ahnungslosigkeit, wenn man auf einen blinkenden Cursor blickt, der einem im Takt dazu anschieben will, etwas aufzuschreiben und man sich bei jedem Tastendruck jedoch fragt: kann man das so schreiben, stimmt das, nimmt man mich ernst… ist das wissenschaftlich, ist die Formulierung okay…?

Wie also klar ersichtlich sein sollte, gehöre ich nicht zu dem Teilbereich der Akademiker, die intuitiv gefühlt einfach drauf los schreiben können und irgendwo passend ankommen. Alles wird bis zur letzten Zersetzung zerdacht, was nicht heißt, dass das Destillat dann qualitativ den Rahmen sprengt. Vielmehr verbleibt es in der Mittelmäßigkeit und der festen Überzeugung, das Interessante, das Spannende dann doch nicht klar und prägant “rübergebracht” zu haben.

Die Arbeit am Thema meiner Magisterarbeit gestaltet sich zum Teil sehr spannend, zum Teil aber auch katastrophal. Offenbar gehört diese Ambivalenz dazu. Ich habe den Einleitungsteil mit einigen qualitativen Abstürzen irgendwie hinter mich gebracht und arbeite nun gerade daran, das Konzept der Theorie in wenigen spannenden Zügen zu verschriftlichen. Immer auf dem wankelmütigen Weg nicht zu weit auszuholen, nicht zu viele Nebenaspekte zu würdigen und doch das Thema und das jeweilige Problem umfangreich genug darzulegen… ob ich dann mit dem gewählten Weg richtig lag, wird sich vermutlich (und auch dummerweise) erst am Ende herausstellen.

Ich stelle mir auch die Frage, ob ich konkrete Probleme einmal hier im Blog/Tumblr exemplarisch nachvollziehe und so vorstelle. Dabei also meinen Gedankengang mit der Meinung einiger Leser (kundig oder nicht) kollidieren lasse. Vielleicht mache ich das mal, denn irgendwie fehlt mir eine germanistischer Sparringspartner, mit dem man sich mal so ein paar Nächte um Theorie und Struktur der Arbeit prügeln kann. Denn ich bezweifle, dass mein Gutachter mit manch’ seltsamen Problem im Vorfeld konfrontiert werden sollte. Obendrein gibt er natürlich auch in diesem Semester zwei Veranstaltungen zum Thema…. Der Faust-Stoff in der europäischen Literaturgeschichte, eine nette mittwochnachmittägliche Vorlesung, und ein äußerst spannendes 8:15-Donnerstagmorgen-Hauptseminar, das Faust I+II im Lichte der neuesten literaturwissenschaftlichen Debatten präsentieren soll. Soweit so gut… bei beidem bin ich somit natürlich anwesend, bei letzterem soll ich dann auch, nachdem er mich irgendwie doch als seinen Prüfling erkannt hatte, Teile meiner Arbeit vorstellen… sogar ziemlich bald. Pessimistisch betrachtet, kann das richtig schief gehen, optimistisch wird es vielleicht die erhoffte Sparringsrunde, die mich zwischen “alles wird gut” und “es ist alles zu Ende” durch die eigene Realität und akademische Karriere als Student katapultieren wird.

Nebenbei bin ich aber gerade dabei, meinen Terminkalender zu überfüllen, 3 Seminare, 2 Mal Spocht, Liebschaft usw… es bleibt also die Frage, ob der zusätzlich Zeitdruck eine gewisse Effizienzsteigerung mit sich bringt oder dieses kleine Kartenhaus aus nicht mal mehr 4 Monaten Zeit zusammenbrechen lassen muss.

So long.

Ein Schatten haben

20080610074149_thewhiteworld

Wenn ich versuche die Höhepunkte der letzten Tage zusammenzuzählen, dann bereitet mir dies nur wenig Mühe. Viele Höhepunkte gab es nicht. Vielleicht die Abschattung. Ja, ich habe einen Schatten. Eine Randabschattung. Den Fotografen unter uns ist dieses Phänomen vermutlich als Vignettierung bekannt. Und zum Teil wird es aufgrund des spannenden und dynamischen Effektes – bekannt durch die Lomographen – geliebt oder auch gehasst, da Bildbereiche plötzlich zu dunkel sind und aufgehellt und ausgeglichen werden müssen. Wie dem auch sei. Ich habe eine Randabschattung… Rechtes Augen, oben rechts, 30% … was auch immer.

Anscheinend ist die Netzhaut aber noch intakt. Es handelt sich um ein „vorübergehendes Symptom„. Nach dieser Diagnose, die einer nicht enden wollenden Anamnese folgte, stellte ich die Frage nach einer Prognose. Da ich aber Kassenpatient bin, reicht das vermutlich nur für die Diagnose. Abwarten und wenn es schlimmer wird oder gar nicht weggeht, wiederkommen. Ach so.

Also ich denke jetzt, dass ich blind werde. Ich bin mir sicher. Ich werde eines wunderschönen Wintermorgens aufwachen und nichts sehen, kein schwarz, kein grau. Ich habe einfach jegliche Vorstellung für Licht und Farbe verloren. So taste ich mich dann durch den Tag, der dann gleich wieder Nacht ist und eigentlich genauso auch gar nichts mehr.

Wäre ich doch nur Privatpatient…

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