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Kategorie: Tooltime (Seite 2 von 7)

Ist es wirklich sinnvoll jetzt schon, den Tod der PDF in der Wissenschaft zu fordern?

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Als ich mir vor über einem Jahr ein iPad kaufte, war ich lange Zeit skeptisch, ob ich irgendwann einmal darauf auch Text lesen werde. Also jetzt nicht Texte im Internet, sondern allerlei Geschriebenes in Form von Papern, Bücher etc. Das iPad sollte nicht nur meinem privaten Medienkonsum bereichern (was es tat), sondern vor allem auch im akademischen Umfeld zum Einsatz kommen und da meinen Workflow digitalisieren. Es ging mir nicht nur darum, Papier zu sparen, sondern die Digitalisierung von Zitaten, relevanten Textstellen für mich zu vereinfachen. Denn bisher machte ich es, wie vermutlich ein Großteil der geisteswissenschaftlichen (!) Forschung und Studierendenschaft.

Wenn ein Fachbuch oder ein Fachtext nicht digital (das heißt für gewöhnlich als PDF) vorlag und das war bis 2010 fast immer der Fall, dann ging ich in die Bibliothek, bemühte die Katalogsuche und Fernleihe und organisierte mir die entsprechende Druckausgabe des gesuchten Werks. Wenn dies erfolgreich war, schnappt ich mir das Buch mitsamt Kopierkarte und stellte mich in die Kopierzimmer-Reihe und wartete. Wenn ich an der Reihe war, atmete ich betört den Tonergeruch ein und kopierte mir, wenn möglich auf Recyclingpapier, die Texte, die ich anschließend zusammenhefte, durchlas, kommentierte, ggfs. exzerpierte und in riesigen Ordner, Ablagen und Hefter archivierte. Benötigte ich Textstellen, dann setzte ich mich an den Rechner und tippte vergnüglich Relevantes in das Bibliographieprogramm oder die Arbeit.

Aus heutiger Sicht betrachtet bot dieser Workflow natürlich noch Optimierungsmöglichkeiten. Und heute 2013 ist es dann auch ein wenig anders. Zum einen sind natürlich mehr Bücher und noch mehr wissenschaftliche Artikel elektronisch als PDF verfügbar. Zum anderen konnte ich durch Buchscanner, OCR-Software (Adobe Acrobat Pro), PDF, Dropbox und das iPad für mich einen angenehmeren Workflow gestalten. Das heißt aber auch, dass noch heute gilt: wenn ein Text nicht digital verfügbar ist bzw. einfach zu teuer, um ihe zu erwerben, mache ich mich in die Bibliothek auf und suche mir das entsprechende Werk. Anstatt aber papierne Kopien zu erstellen, stehe ich nun am meist unbesetzten Buchscanner, den es auch in fast jeder großen Universitätsbibliothek gibt, und scanne mir die gewünschten Texte zusammen.
Am Rechner führe ich eine Texterkennung durch und lese die so nun durchsuchbaren und gut kommentierbaren zu fast 90% auf dem iPad1 Logischerweise fällt auch das Abtippen von relevanten Textstellen und Zitaten weg. Durch simples Copy-and-Paste ist ein wichtiger Text ruckzuck bibliographiert und exzerpiert2.

Ich bin an sich recht zufrieden mit diesem Ablauf. Weniger Papier muss herumgeschleppt werden. Auf allen Geräten, die ich besitze, ist mein gesamter Literaturapparat verfügbar. Kommentare und Notizen können nicht nur leicht editiert, sondern auch zeitlich als auch endgerätetechnisch nachverfolgt werden. Auch entfällt das nervige Abtippen von Textstellen. Aber es ergeben sich noch mehr Vorteile. Hier sei vor allem die Durchsuchbarkeit des einstigen Papiers genannt. Ich verbrachte früher viel Zeit mit dem Anlesen von Textteilen, die für mein Interesse nicht vordergründig sind. Das Durchsuchen der durch ein OCR-Programm lesbar gemachten PDFs erleichtert mir das Auffinden von für mich relevanten Textstellen ungemein.

 

Halbig - bearbeitete Textseite

 

Mein Fazit ist also, dass ich mit meinem Workflow an sich ganz zufrieden bin. Ich forsche in einer Zunft, in der – anders als beispielsweise in vielen Naturwissenschaften aber auch zunehmend in anderen empirischen Wissenschaften – keine ausgeprägte Online-Journal-Kultur existiert. Die Norm ist oft das gedruckte Buch oder der im Sammelband abgedruckte Fachtext, der auch entsprechend nach Ausgabe und Seite zitiert wird. Deswegen fällt es auch auf, dass mein Workflow recht zentriert um das PDF herum aufgestellt ist, da sich auf diese Weise sozusagen Ausgabe und konkrete Seitenzahl mitdigitalisiert.

Aber das PDF steht in diesem Zusammenhängen stark in der Kritik. Es wird nicht nur hinsichtlich seiner kommerziellen Abhängigkeit zu Adobe, sondern auch wegen begrenzter Darstellungsmöglichkeiten auf verschiedenen Leseendgeräten kritisiert (Stichwort: sich zu Tode scrollen). Dies ist darauf zurückzuführen, dass es schießlich ein seitenbasiertes Format als Grundlage nimmt, welches sich dementsprechend nicht hochgradig skalierbar zeigt wie etwa eine html-Seite oder eine auf XML basierendes E-Book. Diese wesentlichen Punkte sind offenbar der Grund, warum man sich wünscht, die „Krücke“ PDF zugunsten neuer, vorteilhafterer Formate endlich loszuwerden.

Als Alternativen werden dabei natürlich der html-Artikel (Smart Article) sowie das XML-basierte eBook (sei es als .epub, .mobi usw.) ins Auge gefasst. Die Vorteile dieser Formate liegen natürlich auf der Hand. Sind geboren im Bildschirm und nicht mehr eine reine Abstraktion des Buches bzw. der papiernen Textseite. Dementsprechend spricht ihre erhöhte Anpassbarkeit für die Lesbarmachung auf verschiedene Endgeräte, die Durchsuchbarkeit (obwohl sie diese mit einer durch OCR-Techniken durchsuchbaren PDF teilen) sowie die Durchsetzung des Textes mit nicht-textuellen Elementen für diese Formate.

Was jedoch ganz klar aufgegeben werden muss – sowohl bei html-Artikel als auch den eBook-Formaten – ist das Denken innerhalb der Normseite. Paginierung, Seitenzahlen etc. sind für diese Formate einfach nicht mehr von Belang. Und natürlich kann man sich fragen, warum man gerade beim digitalen Lesen noch Seitenzahlen benötigt. Denn sobald es Seitenzahlen gibt, gibt es logischerweise ein irgendwie geartetes System von Seite, das dann vermutlich auch als Setzungsparadigma verwandt wurde und dementsprechend die freie Skalierbarkeit von html-Text oder eBook zunichtemacht.

So sehr ich natürlich die Möglichkeiten der neuen Formate begrüße, habe ich damit auch so meine Sorgen und Zweifel. Zum einen darf das Infragestellen von Seitenzahlen nicht darauf hinauslaufen, jegliches Auffindungssystem (und nein, ich meine jetzt nicht die konkrete Suche nach Textstellen) innerhalb des digitalen Textes gleichsam mit zu verwerfen. Zum anderen darf es nicht darauf hinauslaufen, dass die fehlende Lösung eines geeigneten Auffindungs- und Verweisungsystems des digitalen Fachartikels zu einer Infragestellung wissenschaftlicher Zitierweisen führt. Die fürchterliche Neigung vor allem im englischsprachigen Raum und naturwissenschaftlichen Metier das Zitat herrlich unkonkret zu lassen, indem nur noch auf die gesamte Publikation verwiesen wird (see Schreiber 2012) kann vielleicht in einer von Papern und Zeitschriften dominierten Forschung noch ausgehalten werden, sobald es aber um Bücher und verschiedenster Publikationen geht, ist dieser Zustand nicht auszuhalten. Es genügt bei einem Hinweis auf Habermas’ Kritik an Derrida Habermas 1983 hinzurotzen. Es ist ein Service für den Leser und ein Element wissenschaftlicher Redlichkeit hier konkret zu werden: Habermas 1983, S. 219-247. Auch bei einer Zitation eines Gedankens oder Gedankengangs (das berühmte indirekte Zitat) ist es in einer Buchkultur, die die gegenwärtige Geisteswissenschaft immer noch ist, notwendig konkret zu werden, denn sonst versperre ich dem Leser meines Textes das Verstehen und den kritischen Nachvollzug meines Gedankengangs.

Auch sollte berücksichtigt werden, dass Texte nicht nur im Digitalen exisitieren und somit eine Auffindungs- und Verweissystem auch offline anschlussfähig sein muss. Und an einem solchen Auffindungssystem kranken all diese neuen Textformate des Digitalen, weshalb es auch offenbar noch verfrüht ist, den Tod der PDF in der Wissenschaft einzufordern.

Weder der Smart Article noch das eBook haben keine erkennbar solide Strategie für ein Zitationssystem entwickelt. Zumindest keines, das auch den Sprung aus dem Bildschirm heraus schaffen könnte und einigermaßen mitteilsam bleibt. Denn natürlich könnten Zitate und entsprechende Verweise mithilfe von Links umgesetzt werden. Aber dies funktioniert nur im rein digitalen Paradigma. Bekanntlich sollten aber Informationen auch außerhalb des Rechners mitteilsam bleiben. Aber bis heute habe ich kein entsprechendes Zitationsystem umgesetzt gesehen. Weder iBooks noch der Kindle lassen einen Ansatz eines Zitationssystem erkennen, bei dem konkrete Textstellen herausgestellt werden können.

Alle kehren gezwungenermaßen aber gleichzeitig unsinnigerweise zurück zur Seite (iBooks) oder zur Position (kindle) zurück. Warum gezwungenermaße? Offenbar benötigt der Leser ein solches Referenzsystem. Und dies gilt aus obigen Gründe im besonderen Maße für die Wissenschaft. Warum unsinnig? Weil diese Zählsysteme – gerade bei iBooks – nicht zuverlässig sind. Ändere ich den Screen, die Schriftgröße oder das Layout im Allgemeinen, dann ist die zitierte Stelle an diesem Punkt des Dokumentes nicht mehr auffindbar. Ich kann in die Literaturangabe ja nicht wirklich noch Informationen zu den von mir verwendeten Darstellungsoptionen geben, oder?

Ohne ein plattformübergreifendes Zählsystem bleiben ebooks oder html-Artikel für die Wissenschaft vorerst nur schwer nutzbar. Was bietet sich also als Alternative an? Zeichen, Wörter, Absätze? Schließlich sind Zeichen, Wörter oder Absätze wesentlich nun einmal im Text vorhanden und offenbar adäquater als die durch das digitale Format verlorengegangene Seite. Aber  in Wirklichkeit sind Zeichen oder Wörter keine sinnvolle Größe. Sie spielen vor allem innerhalb des Editierungsprozesses eine große Rolle, aber für den akademischen und nicht-akademischen Endanwender scheinen sie mir sehr unpraktisch. Zu riesig können gerade bei umfangreichen Werken oder Texten die Zahlen werden. Wie findet man sie auf? Muss man abzählen? Gibt es ein passables Zählsystem? Absätze sind genauso wenig hinreichend adäquat. Zwar werden die Zahlen nicht allzu riesig, aber was macht man, wenn ein Text nicht in Absätzen strukturiert oder in Absätzen überstrukturiert ist? Hier fehlt eine sinnvolle Vergleichbarkeit zwischen Texten.

Die Seitenzahl war immer eine vom konkreten Textlayout unabhängige Größe, die ausreichend genau bzw. hinreichend grob war, um einen guten Kompromiss zwischen Auffindbarkeit von Textstellen und schneller, merkbarer Weitergabe von Zitationsstellen zu gewährleisten. Auch besaß die Seitenzahl immer die Eigenschaften einen Aussage über den Umfang des Textes zu machen.

Ich wiederhole mich: Solange es kein adäquates, plattformübergreifendes, formatunabhängiges Zählsystem gibt, dass als Basis eines Zitationssystems fungieren kann, scheinen mir die Rufe nach dem Tod der PDF und der Inthronierung von html-Artikeln und eBook-Formate als verfrüht. Da ist noch ein bisschen was zu tun.

  1. Ich habe dazu zahlreiche PDF-Reader-Tools für das iPad ausprobiert und mich konnte am meisten der GoodReader überzeugen. Auch wenn es momentan bei dieser App noch an einem Update für iOS7 mangelt. Die vielen Absürze nerven. Aber man ist ja leidensfähig. []
  2. der Vollständigkeit wegen: Ich verwende zur Katalogisierung meiner Bibliographie Citavi []

RaspberryPi-Bequemlichkeiten

Raspberry Pi -Logo

Es flog zunächst etwas unter meinem Radar. Immer wieder wurde darauf aufmerksam gemacht – dieses kleine Platinchen, das doch soviel kann – ein volles Media-Center, das per HDMI HD-Content wiedergeben und 5.1-Sound ausgeben kann, das mit Festplatten, Filmen, Mp3s etc. gefüttert werden kann und dabei nicht mal 50 Euro kostet. Als sich dann herausstellte, dass es möglich war, auch Apples Airplay zu nutzen bzw. das ganze dann noch gemütlich per iPhone, iPad oder Mac steuern zu können, hatten sich genügend potentielle Kaufargumente zusammengestaut, diese Gerät mit den omniösen Namen zu kaufen: Das Raspberry Pi.

Aber die Angst sitzt tief. Man dringt bei der Installation und Nutzung eines Pi’s – so glaubte ich – in technische Tiefen vor, die ohne Kenntnis von Kommandozeilen, Lötkolben und Tratra, kein gutes Ende nehmen kann. Aber weit gefehlt. Sowohl das Gerät selbst, als auch die benötigte Software sind auch für Anfänger nach ein bisschen Einarbeitungs- und Eindenkungszeit gut dokumentiert.

Mein geplanter Haupteinsatzzweck ist dabei – relativ simpel – die Verwendung als AppleTV-Ersatz. Der kleine Pi hängt bei mir sozusagen an der Stereoanlage und am Beamer und bei Bedarf wird mit Airfoil oder über  AirPlay Medien verschiedenster Art gestreamt. Musik stellt dabei fast überhaupt klein Problem dar, Videos funktionieren noch so mittelprächtig. Häufig bleibt der Stream dann hängen und der Player auf dem Sender-Gerät muss neugestartet werden. Es ist dabei egal, ob AirPlay direkt oder vermittelt über Airfoil verwendet wird.

Die Software für das Pi, um all diese Funktionen verwenden zu können, ist dabei raspbmc. Dabei handelt es sich letztlich nur um eine Linuxsoftware, die wiederum die freie MediaCenter-Software XBMC für das Pi aufbereitet. Dementsprechend kann man auf viele Funktionen mitsamt des kompletten Ökosystems von XBMC in Form iOS- und Androidanwendungen zurückgreifen.

Schön sind auch die zahlreichen Erweiterungen, mit denen man bequem auf die ganzen Media-APIs wie Youtube oder soundcloud zurückgreifen kann. Letztlich stimmen einfach Preis und Leistung. Mit ein bisschen rumprobieren hat man schnell die üblichen Hürden wie es bucht sich nicht ins WLAN ein oder das oder jenes wird nicht richtig abgespielt. Im Zweifelsfall hilft dann immer google und die zahlreichen Foren und Tutorials im Netz weiter. Wer also sein alte Stereoanlage gut mit dem neuen Schnick-Schnack kabellos verbinden will, hält hier seine Lösung in den Händen. Und wer Lust daran gefunden hat, kann mit so einem kleinen RaspberryPi noch viel viel mehr realisieren. So z.B. eine eigene Dropbox.

Aus einer Formatvorlage mache viele

Ich erläuterte ja vor ein paar Tagen ein Problem, dass sich aus dem Zusammenspiel zwischen Scrivener und jeglichem Texteditor (Word, Pages, OpenOffice, LibreOffice etc.) ergibt. Ich schrieb:

Für den Mac kann man sagen, dass Scrivener auf die systeminterne RTF-Engine von Mac OS X für den Export von Dokumenten nach .rtf, .doc oder .docx zurückgreift. Dieser Standardexporter ist aber ziemlich beschränkt, so dass alle in Scrivener angelegten Formatvorlagen/Styles zu Formatierung des Dokuments zwar optisch im Dokument mehr oder minder umsetzt, aber nicht in die Formatvorlagen des Textverarbeitungsprogramm überträgt. Dies gilt für alles. Also auch für Formatvorlagen, die Überschriften definieren und die man eventuell später braucht, um eine Inhaltsverzeichnis automatisch generieren zu lassen […]1

Was macht man nun? Eine Möglichkeit wäre natürlich auf die Nutzung von Scrivener zu verzichten. Dumm nur, wenn man den Workflow liebgewonnen hat und sich ungern davon trennen möchte oder aber bereits einiges an Text darin produziert hat. Also muss eine Lösung her. Und die ist im Prinzip gar nicht so schwer, wenn man die Voraussetzungen dafür in Scrivener schafft. Denn der Vorteil ist, wie ich bereits schrieb, dass Scrivener ja die in der Scrivener-Formatvorlage angegeben Formatierungseinstellungen auch im .doc-, .docx- oder .rtf-Dokument umsetzt, zwar nicht als einzelene Formatvorlage, aber zumindest optisch. Und das ist der Ansatzpunkt wie die Formatierungsvorlagen quasi rekonstruiert werden können.
Weiterlesen

  1. über das Formatvorlagenproblem der Compile-Funktion in Scrivener []

Scrivener und das Formatvorlagen-Problem

 

Arranging words in Scrivener

 

Was macht der geneigte Promovent eigentlich, wenn es mit der Dissertation nicht so recht vorangeht? Er geht in sich und erkennt ganz schnell, dass es für sein Stocken viele Gründe gibt. Vor allem aber ist er sich sicher, dass sein Workflow noch optimierbar ist. Wenn dann früher aufstehen, länger arbeiten, weniger Freizeit und noch mehr Paper leser nicht mehr ausreicht, dann kann es eigentlich nur noch daran liegen, dass die Tools, die er verwendet, noch nicht optimiert sind.

Da nun fast jeder Arbeitsplatz eines Mitarbeiters im akademischen Hause mit einem schnellen Internetanschluss versorgt ist, wird sich der Promovent schnellstens ins Internet begeben und nach Lösungen für sein Problem suchen. Er wird schnell fündig. Er braucht mehr Struktur, besser Wissensorganisation, er braucht mehr Flexibilität, er braucht… Eine moderne, viel erwähnte und durchaus adäquate ist dabei das Programm Scrivener. Das Programm der kleinen amerikanischen britischen Softwareschmiede Literature & Latte hat es sich zur Aufgabe gemacht, Autoren, Drehbuchautoren, Studenten und Akademikern im Allgemeinen die Arbeit an langen und komplexeren Texten zu erleichtern:

„Literature & Latte was founded in 2006 with the sole purpose of creating software that aids in the creative process of writing long texts.“1

Und in der Tat Scrivener hat in meinen Augen etwas erreicht, um die Probleme komplexerer Arbeiten anzugehen und zu erleichtern. Ich muss jetzt nicht alles erwähnen, was Scrivener besser macht als eine gewöhnliche Textverarbeitung wie Word, OO oder Pages, denn es gibt genügend detaillierte Rezensionen.

Nur ein unschlagbares Feature möchte ich hier hervorheben. Es ist die grundlegend andere Herangehensweise der Organisation von Text. Man schreibt in Scrivener letztlich nicht nur an einem Dokument – wie etwa in Word oder vielen anderen Textverarbeitungen – von oben nach unten, sondern Scrivener zerlegt ein Dokument beispielsweise anhand der Gliederung in viele Einzeldokumente. So ist es leichter den Überblick zu behalten, Sequenzen neu zu arrangieren und die Komplexität eines größeren Schreibprojekts zu bewältigen. Durch die Hilfe des Binders und eine kompetenten Outliner-Ansicht wird dies erreicht und kaum verbesserungswürdig umgesetzt.

ABER:

Auch die Frage der Formatierung des Dokuments ist nach ein wenig Einarbeitung mit dem Programm durchaus zu bewerkstelligen. Den Teil mal in italics, diese Überschrift ein bisschen größer und die längeren Zitate im Fließtext dann doch ein wenig enger… alles machbar. Aber noch längst nicht so, wie man es von Word oder Ähnlichem gewohnt ist. Somit hört man häufig, dass man das finale Layout ja dann über die Exportfunktion (eigentlich „Compile”) “auch noch in Word erstellen kann. Man kompiliert quasi alle einzelen Textsequenzen nach Wunsch zusammen und gibt sie in einem neuen Dokument (.rtf, .doc, oder .docx) aus. Soweit so gut. Dieser Hinweise ist aber quatsch. Scrivener hat nämlich ein Problem. Der Entwickler erläutert:

„RTF supports stylesheets (albeit messily). RTF is Scrivener’s main export format (it’s .doc, .docx and .odt exporters are all piped through RTF first), but because Scrivener uses the standard OS X text system’s RTF export code, it doesn’t support all RTF features. The standard OS X RTF exporter doesn’t support images, headers and footers, footnotes, comments and much more, but I’ve managed to add all of those features to the RTF (and Word) export by post-processing the RTF. Stylesheets are something else altogether, and would really require me to write my own RTF parser from the ground up, which is why it is something that has been put off for the future (preferably for when I’m rich enough to hire another Mac programmer!).“2

Tja… was bedeutet das. Für den Mac kann man sagen, dass Scrivener auf die systeminterne RTF-Engine von Mac OS X für den Export von Dokumenten nach .rtf, .doc oder .docx zurückgreift. Dieser Standardexporter ist aber ziemlich beschränkt, so dass alle in Scrivener angelegten Formatvorlagen/Styles zu Formatierung des Dokuments zwar optisch im Dokument mehr oder minder umsetzt, aber nicht in die Formatvorlagen des Textverarbeitungsprogramm überträgt. Dies gilt für alles. Also auch für Formatvorlagen, die Überschriften definieren und die man eventuell später braucht, um eine Inhaltsverzeichnis automatisch generieren zu lassen (was ja bei längeren Arbeit fast schon geboten ist).

Word 2008

Üblicherweise sieht dann ein Dokument, das in Scrivener eine Formatvorlage für den Haupttext erhalten hat, eine für eingerückte Zitate und zwei Formatvorlagen für verschiedene Fußnoten und drei Formatvorlagen für Überschriften als Dokument in Word/Pages etc. ganz gut aus, aber ein Blick in die Formatvorlagenbox der Textverarbeitung offenbart das Problem (siehe Bild). Das als exportierte Scrivener-Projekt hat alle Formatvorlagen verloren und somit ist auch ein nachträgliches „layouten“ und anpassen eigentlich hinfällig, weil man ja letztlich nichts hat, was man kontextgebunden anpassen kann.

Somit sei mal hier eine kleine Warnung ausgesprochen, da diese Problem sonst wenig erwähnt wird, und ich mich ein wenig wundere, ob all die guten Rezensionen, die geschrieben wurden, ein verfasstes Dokument auch wirklich bis zum Druck gebracht haben.
Auch die Idee einfach auf weitere Textverarbeitungsprogramme zu verzichten scheitert letztlich an vielen Kleinigkeiten, bei denen Scrivener noch Verbesserungen nötig hat. So ist generell die komplette Editierung von Fußnoten noch höchst problematisch, da an dieser Stelle rein von der Formatierung her kaum Optionen geboten werden (ich beispielsweise will einfach nur eine Leerzeichen zwischen Fußnotenzahl und Fußnotentext, geht nicht…) und auch die Frage der Silbentrennung im Deutschen ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Schon diese zwei Punkte allein nötigen schließlich dazu, den Text in einer weiteren Textverarbeitung zu öffnen, um die Missstände zu beseitigen.

Tja. Was kann man tun? Die Organisation von Text und auch das Schreiben im Programm selbst ist sehr angenehm, aber wenn am Ende nicht die volle Kontrolle über den Output gewährleistet werden kann, hat man ein gewisses Problem. Ich möchte somit nicht vollständig von der Nutzung des Programms abraten, aber diese Punkte mal zu bedenken geben.… und noch eine Ankündigung machen: ich werde in den nächsten Tagen mal einen erarbeiteten Work-Around mit Word und Scrivener vorstellen, der letztlich als ein Kompromiss verstanden werden kann.

 

  1. Über Scrivener []
  2. Forenbeitrag vom Scrivener-Entwickler Keith []

Citavi: keine Mac-Version

Das ist jetzt ärgerlich. Die zwei roten Balken an meinem Citavi-Icon werden mir wohl noch eine Weile erhalten. Was heißt das? Citavi ist eine der umfangreichsten und durchdachtesten Programm im Bereich der Literaturverwaltung und des Wissensmanagements für kommende akademische Projekte. Vor allem im deutschsprachigen Raum findet man – nicht nur für den Mac – kaum eine bessere Alternative, zumindest keine umfassende. Leider gibt es noch immer keine Version, die nativ auf einem Rechner der Firma Apple (aber auch anderen Unix-basierten Betriebssystemen) laufen kann. Man muss sich seit Jahren mit Virtualisierungssoftware (VMware, Parallels, Wine etc.) – dafür stehen auch die zwei kleinen roten Parallels-Balken an meinem Citavi-Icon – herumschlagen und somit neben Performanceeinbußen zusätzliche Kosten für Virtualisierungsoftware und Windows-Betriebssystem (+Lizenzen) einplanen. Von den Komforteinbußen im Hinblick auf die Integration mit Microsoft Word für Mac möchte ich an dieser Stelle gar nicht zu sprechen kommen.

Aber man hoffte stets und die Swiss Academic Software GmbH – Entwickler von Citavi – verkündete unermüdlich an einer nativen Mac-Applikation zu arbeiten. Vor ein paar Tagen kam aber der Rückzug:

Nach zweieinhalb Jahren stellen wir die Entwicklung für Citavi Mac ein. […]

Wir haben große Anstrengungen unternommen, viel Zeit, Kreativität und Geld investiert und Prototypen auf verschiedenen technischen Plattformen entwickelt, um diese Anforderungen zu erfüllen. Schließlich entschieden wir uns für MonoMac, einer vielversprechenden Entwicklung, hinter der die führenden Entwickler von Mono standen. (Mono ist eine Open-Source–Variante des .NET-Frameworks, auf dem Citavi aufsetzt.) Mono wurde von der bekannten Firma Novell finanziert und gepflegt. Vor kurzem wurde Novell jedoch verkauft. Die neue Besitzerin Attachmate entschloss sich, die Mono-Abteilung zu schließen und sämtliche Entwickler zu entlassen. Die Entwickler haben zwar eine neue Firma gegründet, die sich jedoch auf mobile Clients (iOS und Android) konzentriert, so dass MonoMac uns keine langfristig zuverlässige Perspektive mehr bietet. Deshalb sehen wir keine Möglichkeit mehr, die Ziele, die wir uns für Citavi Mac gesetzt haben, in absehbarer Zeit zu erreichen und dauerhaft zu sichern. Wir bedauern, die Interessenten für Citavi Mac jetzt enttäuschen zu müssen.

Im Forum von Citavi geht es zu diesem Thema durchaus hoch her. Auch kommt dort ein berechtigter Kritikpunkt zu Sprache, der auch mich immer verwunderte. Wenn man Citavi auf einer Windows-Maschine installierte, wurde man mit der .net Framework von Microsoft konfrontiert. Dies bedeutet in 90% der Fälle umfangreiche Zusatzdownloads und schreckliche Installationsroutinen von mehreren Zusatzpakten. Keine Ahnung wie viel Speicherplatz das ingesamt frisst. Final benötigte man, um Citavi auf einem Mac laufen lassen zu können, Citavi selbst,  Windowssoftware und -lizenz, eine Virtualisierungssoftware mit Lizenz, jede Menge .net-Kram und vor allem viel viel Geduld. Des Weiteren bleibt die Frage, wieso für Citavi diese doch sehr zukunftsunsichere Plattform im Hinblick auf die betriebssystemübergreifenden Entwicklung – verwendet wurde. Man bleibt an Microsoft gebunden, kommt nicht zu anderen Betriebssystemen oder gar in den online-basierten Bereich oder zu Tablets (was für mich eine wahnsinnig spannende Vorstellung wäre) – und da wird ja wohl die Zukunft liegen, wenn man die aktuellen Trends exakter durchdenkt. Ähnliches merkt auch einen Forenmitglied an.

Schade ist das ganze, weil mit Citavi ein wirklich hochwertiges und zuverlässiges Produkt mit einer vorzüglichen Community und den besten Community-Managern, die ich im Netz je erlebt habe, sich selbst ein wenig die Zukunft verbaut. Akademische (Buch-)Projekte sind umfangreiche und vor allem langjährige Angelegenheiten. Man wird also vor allem als Mac-Nutzer vertiefter darüber nachdenken müssen, ob es sich lohnt auf Citavi zu setzen, wenn man denn schon die Kosten und Mühen nicht scheut. Ein Tatsache wird jedoch weiterhin für Citavi sprechen. Es gibt für den Mac im Bereich der Literaturverwaltung und dem Wissensmanagement, meiner Ansicht nach, nichts Vergleichbares.

Update: Gerade noch trauriger als ich Screenshots von 2010 gefunden habe, wie Citavi Mac hätte aussehen können.

 

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