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Kategorie: Politik und Wirtschaft (Seite 1 von 12)

SSL und DSGVO und WP

“Die Umstellung auf SSL ist mit der richtigen Anleitung und einem funktionierenden Backup auch für Unerfahrene ein gut zu schaffendes kleines Wochenendprojekt.”

Quelle: wpletter Mai 2018

Am 25. Mai 2018 muss man soweit sein. Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfordert, wenn ich die juristischen Kommentare recht gut verstanden haben, dass auch jeder private Webseitenbetreiber bzw. Blogger ein sinnvolles Impressum sowie eine aussagekräftige Datenschutzerklärung führt. Des Weiteren, und davon kündet der Anfang dieses Beitrags, wird durch die DSGVO auch eine entsprechende Verschlüsselung (SSL) zur Pflicht – also der Schwenk von http zu https in der Adresszeile des Browsers (es sei denn man betreibt wirklich nur eine statische HTML-Seite, ohne große Interaktion mit den Besuchern).

Datenschutzerklärung, SSL, WordPress… woher nehmen? Für WordPress-Nutzer gibt es zwei recht gute Anleitungen, die Schritt für Schritt sowohl das Verschlüsselungsthema als auch die Datenschutzerklärung abarbeiten (ohne Garantie, dass alles funktioniert bzw. im Ernstfall eine Rechtsberatung ersetzt wird). Am Schluss gibt es bei mir noch einen Tipp bezüglich der WordPress-Plugins sowie der Verwendung von Fotos auf dem Blog und der Problematik mit dem Recht am eigenen Bild.

  1. Datenschutzgenerator
    Der Datenschutzgenerator bietet für Privatleute ausgehend von einem typischen Nutzungsprofil (WordPress, die üblichen Social Media-Kanäle sowie Standarddatenauswertung mit Serverlogs, Google-Analytics, matomo) eine entsprechende Datenschutzerklärung zusammenzustellen, die dann auf der eigenen Seite eingefügt werden kann. Mit zwei Podcastfolgen (#54 & #55) unter rechtsbelehrung.com gibt es viel wichtiges Hintergrundwissen, das es lohnt zu hören.
  2. SSL-Verschlüsselung
    Verschlüsselung für selbstgehostete wordpress-Blogs ist an sich auch machbar. Sonja hat hier eine umfangreiche und sehr übersichtliche Anleitung bereitgestellt. Mein Fazit: machbar. Die mixed-content-Probleme sind zwar ein wenig Fummelarbeit, aber auch bei der Umstellung von vier WordPress-Installationen klappt eigentlich alles ganz reibungslos. Weder gab es Inhaltsschwund noch wurde das Design zerlegt.
  3. WordPress-Plugins Man wird merken, dass einige WordPress-Plugins, die man im Einsatz hat, mixed-content Probleme verursachen, sodass man sie vermutlich vorerst abschalten wird bzw. nach Alternativen suchen muss. Jenseits der Verschlüsselungsproblematik können WordPress-Plugins aber auch datenschutzrechtliche Probleme machen, da leider nicht immer klar ist, ob sie DSGVO-konform sind. Insofern sie in zahlreichen Fällen personenbezogene Daten verarbeiten und man als Websitebetreiber verpflichtet ist, diese Datenverarbeitung oder -speicherung kenntlich zu machen, habe ich auf meinen Webseiten generell erst einmal alles ausgeknipst (Jetpack usw.), das mir nicht koscher vorkam. Viel kann man momentan an dieser Stelle nicht tun. Es gibt hier einen Beitrag, der etwas mehr als 100 Plugins auf DSGVO-Konformität abklopft (ohne Gewähr). Ansonsten sollte man noch einmal auf den 15. Mai warten, da will WordPress.org endlich handeln und mit „a comprehensive core policy, plugin guidelines, privacy tools and documentation“ reagieren. Vielleicht wird dann einiges transparenter, die Lage übersichtlicher und man kann mit entsprechenden Hinweisen in der Datenschutzerklärung, einige Plugins wieder anknipsen.
  4. Fotos
    Wenn man viele Fotos mit Personen auf seiner Website einsetzt, sollte man diesen Artikel kurz anlesen: Vorsicht, Kamera! – Fazit: Es ist ein Graus, aber auch nachvollziehbar. – Entsprechend vielleicht mal die Archive des Blogs/der Seite durchwühlen und nach problematischen Fällen fahnden, für die keine Einwilligung alles abgebildeten Personen vorliegt, und diese dann vom Netz nehmen.

Happy DSVGOen und Service-Post Ende.

Das Blog. Eine freie Blume auf dem wilden Feld des Webs

Ist das Blog wieder da? Der kritische “Fall” von facebook, twitter und youtube in den letzten Wochen lassen Kottke.org und Dan Cohen da ein wenig Bewegung sehen. urbandesire.de präsentiert hier einen kleinen zusammenfassenden Artikel, der bewusstseinstromartig zu der Überlegung kommt, dass es schade ist, dass es die Blogosphäre nicht mehr gibt. War es doch der Ausdruck eines freien und offenen Internets, das nicht den Silos der Netzgiganten lag und von Algorithmen, technischen Restriktionen und Radikalisierungswahnsinn abhängig war. Besuchen Sie die gute alte Zeit.

Was war

Weiß  eigentlich noch jemand, was ein Pingback ist? Richtig. Veröffentliche ich einen Beitrag auf diesem Weblog und verlinke auf einen Artikel eines anderen Weblogs, der Ping- oder Trackbacks unterstützt, erhält dieser eine Benachrichtigung, dass von mir auf seinen Artikel Bezug genommen wurde.

Ähnlich wie in Zeiten von Smartphones und Spotify, das Wissen darum, was eine Musikkassette oder eine CD eigentlich ist, gänzlich verschwunden ist, ist vermutlich auch die Kenntnis, was ein Ping- oder Trackback sein könnte, vom Aussterben bedroht. Wenn es überhaupt eine breite Masse jemals wusste.

Dieses Wissen stammt aus einer Zeit Welt, in der Begriffe wie Blogosphäre, Internettagebuch, Blogroll, Klotüren des Internets bedeutungsvolle Konzepte waren. Sie suggerierten ein wenig den Hauch des Aufbruchs in ein neues Jahrtausend, indem es durch Technologie möglich geworden ist, selbst zum Sender, Redakteur oder Medium zu werden. Irgendwie urban abhängen und Blogs statt Kultur verfassen und damit im besten Fall die neue, alte Medien überdröhnende Stimme zu sein. All sowas halt.

Rückblickend betrachtet war die Relevanz der Blogosphäre dann doch recht beschränkt. Die Blogs, über die geredet wurde, waren nur von kleiner Anzahl.[modern_footnote]Dieser Artikel in der FAZ aus dem Jahre 2010, fasst das sehr schön zusammen. Sozusagen die Quintessenz dessen, was hängen blieb von der deutschen Blogosphäre.[/modern_footnote]

Tod des Blogs

Sechs Jahre später konnte man dann wirklich vom Tod des Blogs sprechen:

Heute gibt es diese Blogs zwar noch immer, sie sind jedoch bedeutungslos. Die Blogger von früher schreiben entweder direkt auf den Seiten der etablierten Verlage oder sie sind […] mit professionellem Webauftritt, mit hohen Besucherzahlen, Werbung, Sponsoren und fest angestellten Mitarbeitern nichts anderes als, sagen wir es ruhig: Verleger.[modern_footnote]Michael Spehr (2016): Blogs am Ende[/modern_footnote]

Einige Blogs haben sich noch gerettet, man findet sie noch einsam vor sich hin publizierend. Einige sind den Weg der Professionalisierung gegangen und zu einer Art Lifestyle-Magazin oder Linkschleuder geworden. Viele der Bloggerinner und Blogger sind als Autorinnen und Autoren bei etablierten Medien untergekommen und das, was die Blogs zu Beginn des Jahrtausends einmal waren, hat sich auf zentrale Plattformen und andere Publikationsformen verteilt: Influencer sind heute bei Instagram, Produkttester bei youtube; Debatten werden auf twitter geführt, Reichweite hat man bei facebook, wo man seine kuratierten Inhalte teilt und Podcasts haben ein unaufhaltsamem Aufstieg erlebt, der sie quasi zum Standard des gesellschaftlich-politischen Kommentars zur Einordnung der Weltlage hat werden lassen.

Pathologie des Untergangs – warum?

Als seit 2012 der (langsame) Tod des Blogs ausgerufen wurde und auch wirklich um sich griff, gab es immer zahlreiche Hypothesen, woran es denn nun liege:

  • Selbstüberschätzung der Blogosphäre, die nach anfänglichem Hype durch die ihr eigentliche fehlende Relevanz wieder in die Bedeutungslosigkeit eingeebnet wurde. Sozusagen den Platz erhalten hat, den sich verdient
  • die anstrengende und latente Beschäftigung mit sich selbst, die zu immer mehr Bloggercharts, -listen und gähnend langweiligen Diskussionen führten, wie die dabei angewandten Algorithmen zu interpretieren, auszuhebeln und zu beachten seien,
  • eine Kannibalisierung durch zentrale Social Media-Plattformen – allen voran facebook[modern_footnote]„Seit Facebook nicht mehr demokratisch und chronologisch die letzten Posts anzeigt, sondern das, was der Algorithmus für relevant hält, werden Blogs immer weniger gelesen. Das ist ein Fakt, den ich aus Erfahrung bestätigen kann.“ von watp[/modern_footnote] – oder zentralen Blogging-Dienster neuer Provinenz wie medium.com
  • der hinterlistige Zug von Google mit dem Abschalten des GoogleReaders in 2013 RSS-Feeds und damit auch den Blogs den Gar auszumachen, um die eigene Platform Google Plus zu pushen
  • mangelnde Monetarisierungsmöglichkeiten für alle diejenigen tollen Autorinnen und Autoren, die ihr Blog aus einem privaten Zeitvertreib in die unabhängige Professionalisierung treiben wollten,
  • Ermattung und Einsicht des privat bloggenden Hobbyautoren, dass ein Blog schon viel Zeit in Anspruch nimmt und man nicht immer zu jedem Thema eine dezidierte und publikationswürdige Meinung hat.
  • die Feststellung, dass das eigentlich keiner liest und vielen Bloggerinnen und Bloggern letztlich die Kundschaft fehlt. Menschen interessieren sich für Menschen. Aber nur ich, ich ich und Befindlichkeitsfixiertheit unterbrochen von belanglosen Beiträgen über den letzten samstägigen Spaziergang, weil das portraitierte Leben dann doch zu langweilig ist, scheint dann wohl doch zu viel für die meisten Leser zu sein und der Mensch klickt weg.

“It is psychological gravity, not technical inertia, however, that is the greater force against the open web. Human beings are social animals and centralized social media like Twitter and Facebook provide a powerful sense of ambient humanity—the feeling that “others are here”—that is often missing when one writes on one’s own site.”[modern_footnote]Back to the Blog by Dan Cohen[/modern_footnote]

Inneres Exil des Bloggers?

Warum ich persönlich stoppte zu bloggen bzw. begann wesentlich weniger auf diesem bald 14 Jahre altem Weblog zu publizieren, hat vielerlei Ursachen.

Die Zeit. Zunächst meine Neigung zur Langstrecke. Wenn ich über etwas schreibe, dann artet das immer aus, gerät viel zu lang und man kann die Pointe bzw. die Hauptthese zwischen all den Gedanken meist gar nicht mehr finden. Lange Texte benötigten zudem einfach mehr Zeit, die mir in der finalen Phase meines Studiums, während der Promotion und auch jetzt im Berufsleben einfach fehlen. Ich sitze manchmal sechs, sieben Stunden an einem Text. Mit Unterbrechungen allgemeiner Lustlosigkeit bleibt dann einfach vieles liegen und es wird sich anderen gewidmet.

Die Relevanz. Weiterhin hatte dieses Blog nie die richtige Reichweite. Die Kommentarspalten sind, bis vielleicht auf eine heiße Phase in der Mitte der 2000er,  wenig genutzt worden – will sagen, keiner liest das. Egal, wieviel ideologischen Firniß man jetzt an sich selbst hängt, wer in das Internet schreibt, will gelesen werden, will das man wahrgenommen wird. Die beste Währung sind dann vor allem Kommentare. Gab es nie. Somit beschleicht mich stets das Gefühl, dass niemand da draußen ist, den das nur ansatzweise interessiert.

Die Ablenkung. Die anderen Social Media-Kanäle lenken ab. Und durch ihre Allgegenwärtigkeit und schiere Menge, geriet man schnell nur zum passiven Konsumenten, der schnell etwas teilt, ohne sich selbst dazu zu positionieren. Wie leicht retweetet man heute einen Text, ohne nur im geringsten Maße Stellung dazu zu beziehen.

Der Autor. Auch kann ich sagen, dass ich mich nie damit abgefunden habe, hier öffentlich zu schreiben. Privates wird stets verklausuliert in kryptische Prosa  gepackt, die voller ahnungsvollem Raunen realistische Andeutungen sofort zurücknimmt und mit mäandernden Sätzen hantiert, die im nichts verlaufen. Ich bin einfach kein wirklich guter Autor, der knackige Texte mit eleganten Gedanken in das Internet schreibt. Ich bin wie so viele ander Bloggerinnen und Blogger gefangen in einer Mittelmäßigkeit, die vermutlich einige dann letztlich auch zur Einstellung ihrer privaten Publikation führten. Man muss zum Schreiben schon ein ganz bestimmte Beziehung haben, wenn man sich das ohne Arbeitgeberdruck oder Geld aus bloßen Mitteilungsbedürfnis antun will.

Back to the Blog

Trotzdessen habe ich es nie über das Herz gebracht, dieses Kleinod an über 1000 Artikeln, das in seiner Gesamtheit ein Blog bildet, einfach abzuschalten. Es hat mich durch zahllose Stationen meines Lebens begleitet, viele Beziehungen gesehen, wurde mit Nichtbeachtung gestraft als instagram, facebook oder twitter wichtiger waren, ist der Ort von hunderten Tippfehlern, die ich öffentlich zur Schau stelle, und doch blieb es bestehen. Am Anfang (vor 5-6 Jahren) dachte ich immer mit schlechtem Gewissen, ich müsste noch was bloggen. Speicherte dafür Links und Ideen, über die ich noch schreiben wollte. Aber mit der Zeit war auch dieser innere Druck vorbei und ich postete ab und an etwas, wenn mir danach war.

Um mich herum schlief die Blogosphäre ein oder auch mein Interesse an ihr. Aber wenn ich heute in die Blogroll der tbz blicke, da wo alles für mich begann, ist mit klingsor, rene von yetanotherblog, Jens und vielen anderen doch noch einiges los, insofern sporadisch oder gar regelmäßig gebloggt wird. Erstaunlich nach all der Zeit.

Doch der richtige Drive, wie es etwa momentan youtube oder auch die Podcastlandschaft (gut so) erfährt, ist raus.

Eigentlich ist es schade um das Blog und die Blogosphäre. War es doch nicht nur eine Kulturtechnik und diskursive Praktik, die eine spannende Gegenöffentlichkeit zu Politik und etabilierten Medien bildete und letztere sicherlich bereicherte, sondern auch eine Errungenschaft des Open Webs. Mit selbstgehosteter Blogging Software, RSS, Kommentarfunktion, Tracksbacks war man unabhängig. Frei vom Algorithmus der Betreiber und der anstrengenden Community, die Portale wie youtube und facebook mit sich bringen[modern_footnote]ja… natürlich auch frei von der Reichweite, den diese einem bescheren können[/modern_footnote], ohne Sorge bei Einstellung des Dienstes entwurzelt zu sein (siehe Soundcloud oder memit). Doch die Infrastruktur ist verweist, die Community nur noch eine Quersumme anderer Netzwerke, nicht mehr richtig vernetzt ist, sich auch nur noch wenig lesend usw. … jeder bloggt für sich… einfach wie eine freie Blume auf dem wilden Feld des Webs. Nur eben allein. Allein mit der bloßen Ahnung, dass es da auch noch andere gibt.

Stellen Sie sich vor, so eine Gesellschaft würde GESCHAFFEN werden. Wie regelt man es, dass die Person mit einem Anzug durch die Person mit hunderttausend Anzügen, die selbstverständlich auf die schlichtende, natürliche Autorität Einfluss nehmen wird, nicht erdrückt wird? Wie schafft man es, dass die Person mit nur einem Anzug eventuell einen zweiten bekommen kann oder gar noch Manschettenknöpfe?

Altern vor Sorge

Eigentlich nur kurz: Gestern erst gegen 8 aus dem Büro, um anschließend irgendwie auf der Couch zu verstetigen. Dabei dann zattoo geschaut und irgendwie auf RTL hängengeblieben. Es lief Peter Zwegat. Mit einem Special zur privaten Altersvorsorge. Ich kann nicht sagen, warum mein Impuls wegzuschalten ermattete. Schließlich wurde die Sendung mit dem Claim „Raus aus der Rentenfalle“ eingeläutet und Herr Zwegat dann als Forrest Gump der Rentenpolitik inszeniert. Ein Robin Hood wäre mir lieber gewesen. Was kann man von RTL schon erwarten, denkt man sich nun. Auch die Katze schien nicht sonderlich interessiert. Erwartete sich schließlich genau wie ich eine Verkaufsveranstaltung, die uns beständig darauf hinweist, doch bitte den großen privaten Konzernen – seien es nun Versicherung oder Banken – vertrauensvoll unser Geld anzubieten, damit diese dann die Lösung für unsere Altersvorsorge in Angriff nehmen.

Die Sendung passt natürlich in den Tenor der steigenden Angst vor Altersarmut. Diese wird uns als Folge eines brutalen demographischen Wandels präsentiert wird, die quasi jeden der Unter- und Mittelschicht treffen kann. Kann man auch anders sehen. Die Politik registierte dieses Problem und hat darauf seit Jahre nur eine einzige Antwort. Den Versorgungsengpässen im Alter kann letztlich nur Einhalt geboten werden, wenn man frühzeitig – eigentlich schon von Geburt an – privat vorsorgt. Dumm jetzt, dass einige von uns schon eine Weile die Welt bevölkern. Diesen wird empfohlen vom Einkommen, das man eh‘ schon zu 80-90% verkonsumieren muss, noch etwas (empfohlen werden 10% des Einkommens) abzuzwacken und dieses Geld dann irgendwie vermögenbildenden Anlage, Versicherung, Tagesgeld, Festgeld, Anleihe zu rammen. Funktioniert gut, wenn man 1. besserverdienden ist und die Verkonsumierungsrate des Einkommens geringer ausfällt  und 2. wenn man Geld und Kompetenz hat etwas Maßgeschneidertes zu finden oder sich entsprechend beraten lassen kann. Was machen aber Niedriglöhne, Aufstocker etc pp.? Was machen die Inkompetenten? Was machen alle anderen als die Besserverdienenden?

Für alle anderen soll RTL und Peter Zwegat helfen. Aber ich glaube, man hatte sich das in der Redaktion der Sendung anders vorgestellt. Die Sendung, die anhand einer jungen 25jährigen Berufseinsteigerin mit vermutlich 1500 Euro fiktionalen Einkommen und moderaten Ausgaben sowie einer vierköpfigen Familie, bei der 3000 Euro Einkommen zahlreiche Tilgungsverpflichtungen gegenüberstehen, einmal ein paar Vorsorgestrategien durchdeklinierte, hat vermutlich selbst nicht erwartet zu so einem ernüchternden Urteil über die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge zu kommen.

Es wurde zum einen deutlich, dass die Menschen mit diesem Thema überfordert sind. Es gibt zu viele Produkte, deren Funktionsweise, Risiken, und Begrenzungen von Laien nicht wirklich einzuschätzen sind. Auch die Hilfe, die sich in Form von Versicherungsagenten feil bot, lässt sich letztlich nicht als Hilfe verstehen, sondern als brutales Verkaufsgespräch, wobei einfach irgendwas abgeschlossen werden soll. Damit verbindet sich das Problem, dass die meisten Produkte grundsätzlich gar nicht für die Bedürfnisse und Erfordernisse eines modernen Berufs- und Gehaltsleben geschaffen sind.1

Deutlich wurde dies beim Punkt Flexibilität. Der nachvollziehbare Wunsch dann auch mal an das Geld heranzukommen oder die entsprechenden Zahlungen zu variieren oder auszusetzen, der letztlich den unsicheren Situationen auf dem Arbeitsmarkt mit all seinen unbefristeten Stellen usw. geschuldet ist, führt dazu, dass die Angebote beispielsweise der Versicherer nutzlos werden. Sie funktionieren nur, wenn man quasi über einen sehr langen Zeitraum, möglichst viel Geld einzahlt, ohne jemals vorzeitig oder zwischenzeitlich an das angehäufte Geld herankommen zu wollen. Sobald man das tut, wird es haarig und man fährt Verluste ein. Ist es systematisch nicht Irrsinn in der gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Realität Produkte zu entwickeln, die letztlich nur einen Vorteil für den Abschließenden bringen, wenn sie 30 oder 40 Jahre mit immer steigenden Beiträgen bezahlt werden und dieser dabei wirklich jede sinnvolle Option auf Flexibilität aufgeben muss? Gerade in einer Zeit, die nach Flexibilität giert… Es zeigt sich offenbar, dass bei der Zwangsprivatisierung der Altersvorsorge durch den Gesetzgeber nur zum Teil an die Bevölkerung gedacht wurde. Grundsätzlich, so hat es zumindest den Anschein, geht es um eine latente Kapitalumleitung an Versicherungen und Banken, um die Entwicklung eines neuen Marktes Privater Altervorsorgeprodukte, bei denen aber die Vorteile und Bedürfnisse der Bevölkerung auf der Strecke bleiben. Egal, wie man es dreht oder wendet: der einzelne verliert.

Will man schießlich Flexibilität, dann sollte man auf Sparpläne der Banken und Sparkassen zugreifen. Aber mal ganz ehrlich. Bei einem Zinssatz von 0,45 oder 1,25% wird ja schon in wenigen Jahren mehr Geld von der Inflation gefressen als Kapital gebildet werden kann. Naja und nach dotcom-Boom und Browsenpleiten sind Aktienfonds und dererlei Depots für private Kleinsparer offenbar auch keine solide und vor allem einigermaßen sicher Alternative.

Was diese Sendung offenbarte – vielleicht auch unbewusst – , war, dass es offenbar im ganzen System knirscht und eine private Altersvorsorge im additiv zur gesetzlichen Vorsorge nicht funktioniert. Zumindest nicht für die Menschen, die nicht genügend Einkommen generieren können und bei jedem heftigen Windstoß auf dem Arbeitsmarkt diesen zu spüren bekommen. Ein Trauerspiel.

Hier noch ein wenig Hintergrundinfos bei den nachdenkseiten.

 

  1. Die Kostenpunkte hinsichtlich Provisonen und weiterer Kosten, die oftmals frühzeitig fällig werden, und vor allem bei einer vorzeitigen Kündigung Verluste generieren, mal ganz außen vor gelassen. []

Kleiner Nachtrag zur Drossel

Interessante Thesen, auf die Gunnar Sohn in seinem Kommentar verweist. Der Drossel-Song „Funktional kaputt“ vom letzten Beitrag kann übrigens jetzt auch im iTunes Music Store etc. erworben werden. Die Einnahmen fließen als Spende an die Digitale Gesellschaft.

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