Stay the same.

Seasons change,
it will never be the same.
I’m hopin’ I won’t stay the same.
Reasons strange.
Why we all must play these games?

 

Die kalte Hand schiebt sich an der feuchten Socke entlang. Die Socke ist verknäult und irgendwie hat es die Waschmaschine nicht geschafft, die Fusseln aus der Stoffstruktur herauszulösen. Nach dem Versuch zwei, drei dieser Fusselbündel herauszulösen, gebe ich entnervt auf. Die Werbung lügt. Man kann  seine schmutzige Wäsche nie so waschen, dass sie im Anschluss daran wirklich rein ist. Irgendetwas, seien es auch nur kleine irritierende Fussel, bleibt immer hängen. 

Symptomatisch wie mir scheint. Habe ich noch schmutzige Wäsche zu waschen? Bin rein? Schuldlos? Schmutzige Wäsche hat jeder. Das lässt sich einfach nicht verhindern. Wichtiger scheint aber der Zeitpunkt, wann man sie wäscht. Der Zeitpunkt also, an dem man sich wieder zur Reinheit bekennen will. Während sich bei der anschließende Nach-Hausarbeits-Zigarette der Rauch des verbrennendenen, sich zu Asche wandelnden Tabaks mit dem Geruch des Weichspülers vermengt, denke ich darüber nach, wann ich also meine Wäsche immer so gewaschen habe? Tat ich es rechtzeitig? Bin ich momentan rein? Ich muss mit einer gewissen Genugtung zugeben, dass ich es zumindest immer versucht habe, rechtzeitig den Korb in die Maschine zu werfen, das Vollwaschmittel aus Entschuldigungen und den Weichspüler aus Reue hinzuzukippen und der Waschtrommel dabei zuzusehen, wie sie sich in Bewegung setzt und dabei das Programm anläuft, an dessen Ende meine Weste rein, die Entschuldigung angenommen, die Schuld abgewaschen ist. Außer einmal.

Ich kann mich an einige solcher Waschetage erinnern, an denen alle Beteiligten die Trommel zustopften und auf das reinigende Programm der Vergebung hofften. Um jetzt mal mit dieser widerlichen Waschmaschinen-Metaphorik zu brechen, solche Gespräche sind etwas Widerliches. Ich finde sie vor allem anstrengend – wenn man sich nichts vorwerfen kann; wenn man sich nicht betrogen hat, wenn man sich nicht belogen hat, wenn man sich nicht weh getan hat – aber trotzdem etwas nicht stimmt und man zur Einsicht kommt, dass es so nicht weitergeht.

Ein Gespräch war anders, denn ich war beschmutzt. Es war irgendwann im Frühjahr nach einer euphorischen und intensiven Zeit über die Wintermonate. Gleichsam mit dem Tauwetter, das Pflanzen und Steine aus der Eiskruste befreit, wurde unsere oder vielleicht auch nur meine fixierte Liebe befreit. Ich war zu dem Zeitpunkt enorm unglücklich. Fühlte mich allein, fühlte mich stets versetzt und begriff nach einer Zeit des Unverständnis dieser Situtation, dass die angesetzten Erwartungen an das Uns, nicht eingeholt werden können. Und so striffen wir vermutlich wochenlang wie Tiger um das letzte Stück Fleisch, ohne erkannt zu haben, dass es längst verdorben war. Aber stabil instabile Zustände, so auch der einer kaputten Beziehung, sind einfach nicht so leicht zu ändern. Ich begann aus der Enttäuschung und einer gewissen Machtlosigkeit heraus Fehler zu machen und beschmutzte meine Weste. Aber diese war zu dem Zeitpunkt, und das soll jetzt irgendsoetwas wie Rechtfertigung sein, eh’ schon zerissen und zu nichts mehr zu gebrauchen.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus: Mit pochenden Herzen besuchte ich sie und ging nach wenigen Minuten oberflächlichem Geplänkel und einem kühlen Kuss zum Angriff über und beendete die Beziehung. Einfach so. Ich veriet nicht, dass ich jemanden kennengelernt hatte und mir eigentlich schon die Finger, wenn nicht gar die Hände, verbrannt hatte. Das Gespräch endet ohne Tränen, sondern mit einer seltsamen Erleichterung auf beiden Seiten. Ich bin mir nicht sicher, ob sie jemals erfahren hat, was damals die wirklichen Gründe des Ende unseres Uns waren. Oder ob sie jemals erfahren hat, dass es Möglichkeiten für einen Fortbestand gegeben hätte. Bei einem kleinen Fingerschnips von ihr… oder einem Klaps in die richtige Richtung. Es kam aber anders und bis heute liegt dieses Bündel dreckige Wäsche hier herum. Es tut mir noch heute unendlich leid.

Vielleicht ist dieses Bündel auch der Grund, warum ich sie nach diesem letzten Gespräch nie wiedergesehen habe, nie wieder gesprochen habe. Es ist wirklich seltsam, wenn ich heute, als die Zigarette herunterbrannte, daran denke. Und das Perfide in unseren heutigen Zeiten sind die sozialen Netzwerke und ihre nie endenden Freundschaften. Man war sich nah, spürte sich körperlich, hoffte auf Zukunft und ließ die jeweils eigenen Universen kollidieren. Und dann… nach einem solchen Waschgang entfernt man sich endlos, nur um sich dann nie ganz aus den Augen zu verlieren, weil stets ein nichtsagendes Profil mit immer unverständlich werdenderen Statusmeldungen gefüllt wird. Gerade am Anfang waren diese sozialen Netzwerke für mich eine Qual. Auf der Topliste ganz oben: Partyfotos. Sie lächeln zu sehen, in Armen Fremder machte mich fertig. Doch die Zeit und die Sache mit den Wunden tat ihr Übriges. Es verging. Die Universen entfernten sich.

Ich kann es heute trotzdem irgendwie einfach nicht fassen, dass ich sie nach all dem – für mich Bedeutendem –nie wieder gesprochen habe. Sicherlich legte es damals keiner darauf an. Ich aus Schuld. Sie vielleicht wirklich aus Desinteresse oder verborgener Kränkung. Oder es ist einfach passiert. Aber es schockiert mich trotzdem. So weiß ich heute einfach nicht, ob sie noch dieselbe ist, ob sie noch das gleiche Lachen hat, das gleiche Denken…? Seltsam, was das Leben so für Wege geht. Das Bündel dreckige Wäsche wird wohl ewig hier liegen bleiben.

Falsche Medaillenträume?!

Mhh. Die Selbsteinschätzung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sowie die Fremdeinschätzung des versammelten Sportjournalismus bezüglich der zählbaren Erfolge bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi ist irgendwie strange.
Man sprach im Vorfeld von 30 Medaillen, die anvisiert werden. In andere Zahlen sprach man von 27 Medaillen als Misserfolg und 42 Medaillen als überragendem Abschneiden. Heute am vorletzten Tag – morgen gibt es noch drei Entscheidungen – ist das Abschneiden des Deutschen Olympischen Teams mit 19 Medaillen und davon nur acht Goldene eigentlich ein Desaster, oder? Sieht man aber genau hin, dann hat noch nicht einmal der Spitzenreiter des Medaillenspiegels, Russland, die 30-Podestplätze-Marke geknackt. Scheinbar wurden die Podestplätze in diesem Jahr dann doch breiter gestreut als man erwartet hatte. Hätte man als den Sport über die Saison beobachtenden Sportjournalist – zur Vorbeugung der Enttäuschung – nicht darauf hinweisen, dass so etwas möglich ist und die Medaillenträume des DOSB nicht in ein vernünftiges Licht rücken können.

Aber vielleicht… ach ich weiß es nicht.

Der ganze Jammer der heutigen Literatur in und außer Deutschland hat zur Wurzel das Geldverdienen durch Bücherschreiben. Jeder, der Geld braucht, setzt sich hin und schreibt ein Buch, und das Publikum ist so dumm, es zu kaufen. Die sekundäre Folge davon ist der Verderb der Sprache.

Schopenhauer: Über Schriftstellerei und Stil, §272.

Bestimmt schon tausendfach zitiert mit einem bösen Blick auf die Sachbuchschwemme.

Stellen Sie sich vor, so eine Gesellschaft würde GESCHAFFEN werden. Wie regelt man es, dass die Person mit einem Anzug durch die Person mit hunderttausend Anzügen, die selbstverständlich auf die schlichtende, natürliche Autorität Einfluss nehmen wird, nicht erdrückt wird? Wie schafft man es, dass die Person mit nur einem Anzug eventuell einen zweiten bekommen kann oder gar noch Manschettenknöpfe?

links for 2014-01-05