Linksammlung: Abschaltung des Internets durch die Telekom

Es gibt auch noch ein paar eigene Gedanken zum aktuellen Thema: Funktional kaputtes Internet bei der Telekom.

  • IMHO: Die Telekom will Kontrolle über Inhalte im Internet – Golem.de – „Damit wird der Zugang zum Internet, den man auch als Menschenrecht betrachten kann, mit Inhalten verknüpft, die vom selben Anbieter stammen. Für Telekom-Kunden gibt es künftig ein schnelles Internet, in dem der Provider bestimmt, was läuft, und ein langsames, das dem entspricht, was die Kunden ungedrosselter Provider sehen. Auch wenn der Konzern das noch so sehr leugnen mag: Das bedeutet das Ende von Netzneutralität.“
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  • Die Kartellbehörden sollten die Telekompläne überprüfen: Der Gesetzgeber muss einschreiten – taz.de – „Das Internet hat immer davon gelebt, dass das Webangebot einer kleinen Zeitung in Asien ebenso einfach abrufbar ist wie das Angebot der New York Times. Damit das auch bei kommenden Videoservices so bleibt, ist jetzt der Gesetzgeber gefordert. Er muss die Pläne der Telekom stoppen und echte Internetzugänge ohne Benachteiligung einzelner Dienste gesetzlich verankern.“

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  • Kommentar: Die Maske fällt – Die Telekom, die Bandbreitendrossel und die Netzneutralität – heise online – „Die Kunden sind keine unersättlichen Gierschlünde, die alles gratis haben wollen. Die bezahlen bereits viel Geld an die Telekom: 12,5 Millionen DSL-Kunden dürften dem Konzern überschlägig geschätzt pro Monat rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz bringen. Und die Wettbewerber zahlen zusätzlich an die Telekom, für die Nutzung deren Infrastruktur. “Der Markt wird es richten”, hört man immer wieder, wenn man einfordert, Netzneutralität gesetzlich festzuschreiben. Das wird nicht funktionieren.“

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  • Drosselung: Die Daten-Diät der Telekom dürfte viele darben lassen – Zeit Online – „Es sollen nur die “Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen” betroffen sein, so die Telekom. Doch sind das im Zweifel mehr als gedacht. Schon heute erreichen viele diese Grenze, auch ohne dass sie datenintensive Anwendungen wie Filesharing, Videobearbeitung oder exzessive Downloads betreiben.”

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  • Die Flatrate-Optionen der Deutschen Telekom (2016) – avatter – „Bleibt zu hoffen, dass sich nun die Dienstanbieter (von denen man bislang in dieser Sache noch nichts gehört hat) zur Wehr setzen: die Apples, Amazons und Googles dieser Welt, die vom Traffic der Nutzer abhängig sind und Anbetracht des Telekom-Gatekeepers nun eigentlich vom blanken Entsetzen gepackt sein müssten. Politik? Die braucht man hierzulande nicht zu fragen. Und wenn sich nichts ändert und bei der Telekom alles nach Plan verläuft, haben wir eben in Kürze das anachronistische Zwei-Klassen-Internet in Deutschland etabliert, bei dem einige Dienste “vom Kunden gesondert bezahlt werden” müssen.“

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  • “Drosselung” bei Telekom-Anschlüssen meint Reduzierung auf im besten Fall 2,4% der Geschwindigkeit – neunetz.com – „Die verkündeten Telekomtarife sind der Versuch der Telekom, einmal zu schauen, wie weit sie gehen können. Sollten sie einen massiven öffentlichen Aufschrei mit Drohungen von Politikern als Reaktion bekommen, können sie dann immer noch so tun, als wären sie kompromissbereit und könnten die Geschwindigkeit nach der ‘Drosselung’ um ein Vielfaches erhöhen.“

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  • Wissenswert. Telekom kaputt, langsamer als eine Stechmücke – pop64.de – „Traurig zu sehen, wie Deutschland immer weiter degeneriert. Dass wir es im 21. Jahrhundert nicht schaffen, ein unbegrenztes und flächendeckend schnelles Datennetz bereitzustellen in einem Land, dass sich selber gern als Wirtschafts- und Forschungsnation sieht, ist ein Drama. Die Telekom bestraft hier ausserdem ganz klar Familien mit Kindern. Die Kids schauen heutzutage eben stundenlang YouTube und andere Videos im Netz. YouTube dient als primäre Quelle für Musik und Musik läuft eben den ganzen Tag lang. Die 75 GB sind in diesem Fall ein Witz.“

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  • Sascha Lobo über DSL-Flatrates: Die Telekom erdrosselt das Internet – SPIEGEL ONLINE – „Das gegenwärtige Verständnis des Begriffs Bandbreite ist bei den meisten Leuten ein eher technisches, man hat halt einen langsameren oder schnelleren Netzanschluss als die Bekannte drei Straßen weiter. Ebay geht trotzdem, YouTube ruckelt zwar etwas, aber das ist man ja ohnehin gewohnt, und die Lieder, die die Kinder ansehen wollen, hat die Gema sowieso blockiert. Warum also die Aufregung? Das liegt daran, dass Bandbreite das Internet ist, und das Internet ist Bandbreite. Wer bei Datenübertragung nur an Tauschbörsenhehlerei denkt, ist entweder Lobbyist oder verdient ein Ungenügend in Netzkunde. Denn spätestens mit der Cloud werden alle möglichen und auch ein paar unmögliche Anwendungen mit einem Mal bandbreitenbedürftig. Das liegt nahe bei Streaming-Plattformen wie Spotify: eben war Musik noch eine Frage der Festplattengröße, jetzt schon hängt sie direkt von der Bandbreite ab.“

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  • Telekom enteignen oder stark regulieren – neunetz.com – „Infrastruktur, egal ob Internetzugang, Straßen, *hust* Schienen oder Wasserversorgung, ist immer denkbar schlecht in privatwirtschaftlichen Händen aufgehoben, weil es auf dieser Ebene praktisch nie Märkte geben wird, die der idealtypischen Vorstellung von Wettbewerb auch nur ansatzweise nahe kommen. Deswegen muss diese Ebene, wenn sie marktwirtschaftlich organisiert werden soll, mittels Regulierung entsprechend geformt werden.”

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  • Telekom-Tarifänderungen: Frontalangriff auf die Netzneutralität – Digitale Gesellschaft – „Um Kunden zu zwingen, zum Umgehen der Beschränkung Zusatzpakete zu buchen, “drosselt” die Telekom ihre Nutzer auf eine heutigen Ansprüchen nicht mehr genügende Geschwindigkeit, die es z.B. unmöglich macht, Filme zu schauen. “Bei einer Beschränkung auf weniger als 1% der Leistung eines 50-MBit-VDSL-Anschlusses auf ein Niveau der 1990er Jahre ist das Wort ‘Drossel’ falsch”, erklärt Markus Beckedahl, Vorstand des Digitale Gesellschaft e.V. “De facto ist das eine Sperre und ein Ausschluß vom Internet.”

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  • Netzneutralität: Telekom stellt Tarifstruktur für Internetanschlüsse um – Carta – „Hauptkritikpunkt an der Entscheidung ist die Verletzung der Netzneutralität durch die Telekom. Datenübertragung im Internet sollte wertneutral erfolgen, d.h., dass Internetdienstanbieter wie die Telekom alle Datenpakete unverändert und in gleicher Qualität von und an ihre Kunden sendet, unabhängig davon, woher diese stammen, zu welchem Ziel sie transportiert werden sollen, was Inhalt der Pakete ist und welche Anwendung die Pakete generiert hat. Die Nutzung des eigenen Dienstes Entertain soll nicht auf das im Tarif enthaltene Volumen angerechnet werden.“

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Posted from Diigo.

Das GIGANETZ-Jena

Wir waren ja vor einer Weile in Berlin. Es war schön. Es gab U-Bahnen, S-Bahnen, Hunde, Hipster und Döner. Wie man das halt so gewohnt ist. Es gab aber auch eine breit aufgestellte Plakatkampagne der Telekom. Es ging um die Zukunft der Zukunft der Internetverbindung. Also es ging nicht um (A)DSL oder VDSL, nein… das Plakat bewarb das GIGANETZ. Das Giganetz ist der neue heiße shit der Telekom und der Telekommunikationsbranche. Glasfaserkabel, Lichtgeschwindigkeit und dann bald auch WARP-Antrieb. Yeah. Für gute 60 Euro kann man sich dann alles im Komplettpaket nach Hause holen: Internet, Telefon und jede Menge Filme und alles HD.

Schöne schnelle Welt: mit „theoretisch möglichen“ 200 Mbit pro Sekunde lädt man sich laut Telekom ein gängiges Video (in 4,7 Gb-DVD-Größe… wtf?) nicht mehr nur in lahmen knapp 3 ½ DSL-3000-Stunden herunter, sondern braucht nun nur noch giganetische 3 Minuten und 8 Sekunden. Wow.

Aber langsam: Für die 60 Euro gibt es aber erstmal nur 100 Mbit. Trotzdem wird fröhlich auf der Produktseite die theoretisch mögliche Geschwindigkeit beworben und mit den ach so langsamen DSL und VDSL-Anschlüssen verglichen. Aber noch langsamer: Wir sind hier erst am Anfang der Lichtgeschwindigkeit. Wir befinden uns zunächst in der ersten Ausbaustufe des Giganetzes. Selbst der schon vom Giganetz übertroffene VDSL-Anschluss ist erst in gut 100 Städten verfügbar. Beim Giganetz wird der Flaschenhals noch enger. Es gibt momentan gut 20 Ausbaugebiete, die teilweise giganetzifiziert sind: von Mettmann bis Chemnitz.

Screenshot von der Giganetz-Website der Telekom

Selbst in Berlin, die Stadt, in der wir die Plakaten zum ersten Mal sahen, gibt es kein Ausbaugebiet. Ein paar Quadratmeter von Potsdam sind betroffen mehr nicht. Eigentlich seltsam, da laut Wikipedia gut 60 Prozent des deutschen Glasfasernetzes im Boden unter dem Großraum Berlin begraben liegen.

Das gute Jena wird in keiner der Auflistungen erwähnt. Stimmt. In der Mitte Deutschlands klafft ein riesigen giganetzfreies Loch. Wieso jetzt eigentlich Jena? Wenn man die Print- und Onlinekampagne genau betrachtet, wird man als Jenaer und Jenenser stutzig. Man ist ja gewohnt im Technologiezentrum Thüringens teilweise von der Breitbandentwicklung ein wenig abgekoppelt zu werden. Seit Jahren herrscht vor allem in Teilen des Damenviertels und im Stadtteil Ziegenhain DSL-Unterversorgung. Man bekam keinen Anschluss. Ein paar Unerschrockene haben schließlich mit einer Vereinsgründung reagiert und als NAOS Jena e.V. recht erfolgreich die abgetrennten Bereiche wlanifiziert, so dass nicht immer stabil, nicht wahnsinnig schnell, aber immerhin funktionierend, die dortigen Mieter Internet jenseits der 56k-Grenze genießen konnten. Auch sonst scheint Jena mit der Breitbandanbindung teilweise unzufrieden zu sein.

Besieht man sich nun aber die aktuelle GIGANETZ-Kampagne der Telekom genau, erkennt man, dass die Telekom die stets und immer noch abgekoppelten Jenaer doch nicht vergessen hat. Die Marketingabteilung sendet einen Gruß an Jena. Denn das Hintergrundbild der Print- und Onlinekampagne zeigt die nächtliche Silhouette eines thüringer Bildungs- und Technologiestandortes… richtig: Jena!

Ich habe diesen Screenshot vom Hintergrundbild mal aus den Daten des Webauftrittes herausgefischt. Man erkennt klar den Fürstengraben, die Thulb, den Botanischen Garten, das von hineinretouchierten Gebäuden umstellte Planetarium und vor allem gerade den Teil des Damenviertels, der laut momentanen DSL-Verfügbarkeitscheck bis heute nicht mal DSL erhalten könnte.

Im Interesse aller hoffe ich einfach, dass dies nur bedeutet, dass DSL, VDSL und all der lahme Kram einfach übersprungen wird und es bald heißt: Das GIGANETZ ist in Jena!

(Danke an Franzi für den Hinweis und die Identifikation der Stadt.)

links for 2012-02-22

  • Als vor 3 Jahren Präsident Obama die Inaugurationsrede hielt, schaute ich mir am gleichen Tag die Ansprache von George Bush Sr. an. Von 1989. Er erzählte das gleiche wie Obama: Frieden, Chancen, Wachstum, Zusammenhalt. Was soll auch anderes gesagt werden? Bestimmte Aspekte unseres Zusammenlebens werden sowieso nie zufriedenstellend gelöst.

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  • „Die derzeitige Berichterstattung zeigt deutlich, wie vorurteilsbeladen das ehemalige Ostdeutschland nach wie vor von den Alt-Bundesbürgern wahrgenommen wird. Die Leistungen der Menschen hier werden zu wenig zur Kenntnis genommen und respektiert. Dabei gibt es in Deutschland nicht viele Städte, die eine derartige kulturelle Vielfalt, gepaart mit gesellschaftlichem Engagement und Entschlossenheit aufzuweisen haben wie Jena.“ mal wieder eine gute Gegenstimme zur problematischen Berichterstattung der letzten Monate… 

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  • „Der erste Megatrend 2012 ist eindeutig das Dissen von Google. Dieses hat nicht nur quantitativ zugenommen, auch die Qualität der Kritik hat sich genuin verschoben – und das Suchen von Alternativen wurde zu einem beliebten Hobby. Kritik an Google gab es natürlich schon immer, aber sie war üblicherweise eher leichtgewichtig und hat sich an kleineren Fragen (Datenschutz, sind sie vielleicht doch böse, haben sie vielleicht nur ihre eigenen wirtschafltichen Interessen im Sinn, fehlt ihnen die soziale DNA, …) abgearbeitet. Die Fragen sind zwar an der Oberfläche die gleichen geblieben, aber mir scheint, dass sich darunter in letzter Zeit die für Google wesentlich fatalere Frage verbirgt, ob Google nicht in Wirklichkeit eine gewaltige Dumpfbacke ist.“

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  • „Die Bibliothek ist mein Ritalin. Ich arbeite konzentriert. Fokussiert. Und dementsprechend produktiv. Ich gerate in diesen Zustand, den man landläufig wohl als Flow bezeichnet. Prokrastidingsda? Ja, sehr anfällig. Aber nicht zwischen kilometerlangen Bücherregalen!“

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  • Man kann zu dem Zusammenwachsen von Mac OS X und iOS stehen wie man will, aber momentan ist es eine nervige Hydra, unter der jegliche bisherige Simplizität des Systems und der Benutzbarkeit ein wenig leidet. Bitte aufräumen, kann da nur die Devise sein.

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  • Krolop-Gerst erklären warum der wilde Fotografietanz, der bei einigen Model-Casting-Shows aufgeführt wird, dann doch eher unrealistisch ist und nur zu Showzwecken eingesetzt wird. Schließlich muss man gerade in der Fashion-Fotografie so viele Faktoren im Blick behalten, um ein gutes Foto zu machen, dass ständiges Herumgespringe, Positionswechsel, das Ergebnis nicht positiv beeindrucken.

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  • Die Internet-Expertin Kathrin Passig eröffnet neue Perspektiven: Sie ortet die blinden Flecken im Diskurs, bezieht eine praxisnahe Gegenposition zu teils haltlosen Argumenten, die zur Zeit prominent in den Zeitungen stehen und formuliert dann ihre eigene Kritik an der Technik.

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  • „Noch einmal Anna Karenina. Es gibt eine Szene, in der Lewin durch die erwachende Stadt geht und darauf wartet, dass es endlich spät genug ist, um im Haus der Schtscherbatzkijs vorstellig zu werden und bei ihren Eltern um Kittys Hand anzuhalten…“ das ist so wunderbar…

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  • Mit ibooks-Author und der entsprechenden Publishing-Plattform itunesU sowie Amazons Kindle Publishing Plattform bewegt sich etwas auf dem Buchmarkt. Vielleicht sehen wir hier gerade den Anfang einer neuen Art digital zu publizieren. Und ich meine jetzt nicht nur für die Autoren von Schulbüchern, sondern natürlich auch für den akademischen Raum.

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  • Adrian Ahlhaus schreibt immer sehr lange, aber wunderbar reflektierte Artikel über die Fotografie und Fotografietechnik. In diesem Beitrag geht es um die zukünftigen Entwicklungen im Bereich der Aufnahmetechniken… also das Zusammenspiel aus Sensor, Objektiv mit Spiegel und ohne. Schönes Zitat: „Die digitale Fototechnik ist ein Abfallprodukt der Videotechnik. Selbst die bisher üblichen Objektive zum Fotografieren werden nun vermehrt auf ihre Videofunktionalität überprüft und überarbeitet.“ … und damit gibt es auch meinen Eindruck der aktuellen Fototechnikentwicklung wieder

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Die bösen Ebook-Raubkopierer

Es ist schon interessant, welche Wogen verschiedene Ereignisse in der Öffentlichkeit haben. Die Schließung von kino.to durch sächsische Ermittler erhielt nicht nur ein Medienecho und befeuerte erneute die Debatte zu Fragen des Urheberrechts und dessen Schutz sowie zu Fragen der Möglichkeiten staatlicher Intervention mithilfe von Zensur und Grundrechtseinschnitten. Nein auch die „Nutzer“ selbst meldeten sich recht offen zu Wort, wenn man diverse Facebook-Pinnwände oder Timelines auf Twitter beobachtete. Viele Menschen waren auf der Suche nach Alternativen für ihre Abendgestaltung und wurden natürlich auch fündig.

Eine viel kleinere Woge der Entrüstung und Aufmerksamkeit hat die Schliessung der Plattform library.nu hervorgerufen. Man musste schon nach Meldungen suchen, die auch auf den online verfügbaren Nachrichtenportalen wenig sichtbar präsentiert waren. Ich denke, der Grund ist recht einfach. Die Popularität von library.nu ist aufgrund der spezifischen Zielgruppe nicht zu vergleichen mit de von kino.to, piratebay.org und ähnlichem. Und doch ist die einstige Existenz der Plattform bemerkenswert und es sinnvoll darüber noch einmal kurz zu reflektieren.

Zunächst einmal ist library.nu nichts anderes als die Anwendung des „kino.to-Prinzips“ auf ebooks: es ist ein „Verzeichnis mit Links auf mehr als 400.000 raubkopierte E-Books sowie den angeschlossenen Filehoster ifile.it“ SpOn am 15.02.2012. Nutzer erhielten eine technische Infrastruktur, mit der es möglich ist ebooks in den üblichen Formaten sowie Digitalisate hochzuladen und zu teilen. So entstand im Laufe der Zeit ein riesiger durchsuchbarer Katalog, der es ermöglichte kostenlos Bücher per DDL auf die eigene Festplatte herunterzuladen. Nicht ganz klar ist, wie stark der „community-Aspekt“ zu beurteilen ist. Das heißt es scheint bisher noch unklar, wer letztlich die ungeheure Zahl der Bücher, die sich mit mittelgroßen Universitätsbibliotheken messen lassen kann, in das System eingepflegt hat. Handelt es sich mehr um eine kriminelle Vereinigung, die den Upload systematisch betrieben hat oder war es dann doch die große Zahl der Nutzer, die zur Pflege des Katalogs beitrugen. Wie aus einem Interview von XX mit der Redaktion von hr2-Kultur der Tag hervorgeht, fanden sich auf der Plattform auch zahlreiche aktuelleste Werke, teilweise sogar noch unveröffentlichte Titel. Ob dies nun für professionelle Strukturen jenseits der technischen Plattform spricht, lässt sich momentan noch nicht entscheiden. Man wird sehen, ob weiter Details in den nächsten Tagen mitgeteilt werden. Was jedoch sicher ist, dass ein internationaler Zusammenschluss aus zahlreichen Verlagen wie Cambridge University Press, John Wiley & Sons, Oxford University Press, Springer, Taylor & Francis, C.H. Beck sowie De Gruyter, um die wichtigsten einmal zu nennen, koordiniert durch den Börsenverein des deutschen Buchhandels gegen die Hintermänner privat ermittelte und nun 17 einstweilige Verfügungen vor dem Landgericht München I erwirkte, die dann natürlich flux nach Irland überstellt wurden, von wo aus das illegale Treiben seiner Ausgangspunkt nahm und jetzt durch Unterlassungsverfügungen beendet wurde.

Das von kino.to und diversen Klonen bekannte Geschäftsmodell, das sich letztlich durch auf den Seiten geschaltete Werbung refinanziert, hat hier erneut über einen gewissen Zeitraum Erfolg gehabt. Was jetzt auffällt sind natürlich die Verlage selbst. Es sind wissenschaftliche Fachverlage, keine Publikumsverlage, die gegen library.nu aktiv wurden, was uns auch gleichzeitig zur Zielgruppe führt. Library.nu war nicht nur irgendein Linkverzeichnis für ebooks, sondern vielmehr eine riesige Fachbibliothek in recht beeindruckender Vielfalt und Qualität, die neben Digitalisaten in Form gescannter pdfs auch alle anderen gängigen Dateiformate .epub, .djvu zum Teil auch direkte pdfs der Verlage, die offenbar mit Lizenzen in deren Plattformen erworben wurden, beherbergte. Auch zahlreiche journals, wenn man Rückschlüsse von den beteiligten Verlagen ziehen will, mussten somit verfügbar gewesen sein.

Es fällt mir gerade schwer, das von Verlagen und Koordinatoren vorgelegte Motiv, von bloßer Piraterie, um Umsätze zu generieren, ohne einen letzten Einwand, zu akzeptieren. Sicherlich die finale Ausprägung des System library.nu erweckt den Anschein, dass es hier ausschließlich um systematischen Urheberrechtsbruch zur Generierung von Einnahmen geht. Doch für mich scheint diese Motivanalyse dann doch etwas zu holzschnittartig. Ich vermute bei der Geburt der Idee dieser Plattform, dass noch andere Motivationen einen Ausschlag gaben, was mich zurück zu den Verlagen führt, die erstaunlicherweise mitnichten Publikumsverlage sind, mit denen sich doch in Hinsicht auf die Leserzahlen vielmehr Umsatz hätte generieren können.

Weiterlesen…

links for 2012-01-29