Olafur Arnalds – For Now I Am Winter

fniaw

Es gab hier lange nichts mehr zum Thema Musik – keine wirren musiktheoretischen Essays und die letzten Rezensionen zu Platten stammen auch aus dem Jahr 2011. Doch heute ist ein Tag, an dem es sich wieder lohnt. Pünktlich zum Frühlingsanfang ist die neuste Platte von Ólafur Arnalds For Now I Am Winter in den Läden, den Online-Stores und auf den bekannten Download-Plattformen aufgeschlagen.

Früher trafen mich Platten ja meistens unvorbereitet, aber seitdem die Künstler auch ganz gerne Mal auf allen Social-Media-Kanälen feuern, kann man erstens eine Neuerscheinung kaum noch verpassen und zweitens eine adäquate Vorfreude und Erwartungshaltung aufbauen. So einige Informationen werden dann wohldosiert gestreut – hier etwa die Hintergründe zum This Place was a Shelter oder auch, da Arnalds ja jetzt quasi erstmals auf einem Major erschienen ist eine Single plus Video.

Aber mit der Erwartungshaltung ist das ja so ein Sache. Gerade bei Ólafur Arnalds. Seine Musik ist nicht nur weit weg vom Mainstream, sondern muss auch kategorial anders behandelt werden als das neue Album deiner Electric Superdance Band. Trotz aller teilweisen elektronischen, post-rockigen und teilweisen indiepoppigen Einschübe, handelte es sich bei Arnalds einzelenen Werken stets um klare definierte Instrumentalmusik, bei der entweder das Klavier umsäuselt wurde mit elektronischen Klängen oder kammermusikalische Streicherarrangements den Ton angaben. Innerlich hatte ich das Gefühl, dass diese Konstellation nie ausgereizt werden kann, da ich auch beispielsweise nicht müde werden, die noch stärker bis ausschließlich auf das Piano konzentrieren Werke von Ludovico Einaudi zu hören. Doch bei den letzten Veröffentlichungen spürte man meiner Ansicht recht deutlich, das Arnalds kein großes Interesse hatte, an dieser an sich funktionierenden Konstellation etwas zu ändern. Einschneidend empfand ich dann 2012 die Kooperation mit Nils Frahm. Logischerweise rückte die Electronic mehr in den Vordergrund – zwar immer noch getragen von den Streicherarrangements – aber eben konzentrierter.

Vielleicht ist ja von diesem musikalischen Ausflug etwas hängen geblieben. Auf jedenfall bemerkt auf For Now I Am Winter einige Neuerungen. Die auffälligste ist vielleicht: es gibt Gesang. Richtig, da singt jemand. Es ist Arnor Dan, Sänger der frisch gegründeten Band Agent Fresco. Nicht mein Fall. Aber gut. Die zweite Neuerung, die dann doch recht fix auffällt, ist das die Arrangements opulenter geworden sind. So beginnt der Opener Sudden Throw wie gewohnt nur um sich nach knapp 1:30 Min. in orchestrale Höhen aufzuschwingen. Dies bedeutet aber nicht Orchester anstatt der typischer Kammermusik. Denn im zweiten Song Brim werden diese Elemente unter einen für Arnalds Verhältnisse recht zackigen Beat miteinander verwoben. Ich finde das äußerst gelungen.

Auch der Song Reclaim ist ein mustergültiges Beispiel für diese musikalische Horizontöffnung. Mit dem Zusatz, dass auch noch Gesang zu hören ist. Beeindruckend ist für mich auch das Neuarrangement von This Place Was a Shelter, das als eher kurzes Outro bereits auf der Living Room Songs EP zu hören war und eine beeindruckende Metamorphose durchgemacht hat und vielleicht neben Only The Winds zu den stärksten Songs des Albums gehört.

Als Fazit kann man nur sagen, dass es sich bei For Now I Am Winter vielleicht um das viellseitigst und somit auch bisher beste Album von Ólafur Arnalds handelt. Denn die Erweiterung seiner bisherigen musikalischen Spielart durch stärker hervortretende elektronische und rhythmische Elemente sowie die wunderbar eingeflochteten Orchesterabschnitte sind äußerst gelungen. Nichts verdeckt sich gegenseitig, spielt sich gegenseitig aus, sondern geht eine wundervolle bis imposante Symbiose ein. Die Elemente besiedeln einander und verstärken sich. Einzig der Gesang ist wie bereits erwähnt nicht mein Fall. Das liegt aber vermutlich nicht an der Tatsache, dass mit gesanglichen Parts an sich experimentiert wurde, sondern vielmehr an der mir nicht zusagenden Stimme von Arnor Dan.

Ich freue mich darauf, die Songs im Juni in Karlsruhe live zu hören.

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Dillon

Ich denke auch, dass das ganz groß wird mit Dillon. Oder zumindest hoffe ich es. Die junge Berlinern liegt mit ihrer bezaubernden Stimme irgendwo zwischen Lykke Li und Coco Rosie und wird demnächst ihr Debütalbum „This Silence Kills“ veröffentlichen. Zugegeben: das komplette Paket unterscheidet sich wenig von der englischen Stammmutter, aber es ist und bleibt und schön anzuhören.

Das wird schon. Und wenn nicht, die Blogs treiben die Sau schon durchs Dorf und pumpen Songs und Album in die Playlisten.

urbandesire.de – Jahrescharts 2010

Wenn ich die Statistiken von last.fm an jedem Jahresende auswerte, um die Jahrescharts zusammenzustellen, dann glaube ich in jedem Jahr erneut, dass die richtigen guten Sachen dann doch nicht herausgekommen sind. Im letzten und vorletzten Jahr ließ ich mich zu der Bemerkung herab, das Jahr als schwach einzuschätzen. Obgleich ich einschränkte, dass es vermutlich an meinem steigenden Alter liegt. Ich weiß es nicht. Dieses Jahr war ganz in Ordnung: schöne neue Hardcore-Platten, ich entdeckte gegen Ende des Jahres meine Liebe zu Deep-Techno, Electro und Dub Step (alles natürlich in Maßen) und ab und an mal eine nette Indie-Perle.

Es ärgert mich noch immer, dass ich keinerlei statistische Fähigkeiten habe und somit aus dem vorhandenen Datensatz bei last.fm nicht viel machen kann. So zum Beispiel keine Skalierung in der Form, wie sich das Erstspieldatum eines Albums auf die Position im Ranking auswirkt. Was nichts anderes heißt, wie stark die Relevanz eines Albums, das erst im November herausgekommen ist, für die Jahrescharts. Egal. Die zehn Positionen bleiben recht subjektiv ausgewählt.

10. Fotos – Porzellan

Fotos sind eine Band, für die man sich irgendwie rechtfertigen muss. Jedenfalls empfinde ich das so. Also ich muss mich dafür rechtfertigen. Während ich das Debüt nicht allzusehr leiden konnte, gefiel mir der zweite Release „Nach dem Goldrausch“ schon eher.  Indie, der immer etwas gedrosselt wird. Chöre, Streicher und Melodien und Riffs, die gerne hängenbleiben können. Nichts Außergewöhnliches. Dann kam „Porzellan“. Und ich kann die Entscheidung der Band nur begrüßen, nicht an der Stelle wieder angesetzt zu haben, wo das letzte Album stoppt. Es bleibt zwar bei der Klarheit und Simplizität der Vorgänger, aber auf einmal ist über Fotos die Nacht aufgestiegen. Das Vokabular, die elektronische Instrumentierung, die ganze Stimmung ist in einen tiefen Nebel eingehüllt, der mit einem ordentlichen Schuss Shoegaze-Industrial serviert wird. Ein Song wie „Nacht“ spricht an dieser Stelle Bände. Düster, ein elektronisches Depeche Mode-Riff, ein bisschen The XX-Distanziertheit. Wunderbar. Das Album rutscht in die TopTen, weil ich so eine musikalische Weiterentwicklung fabelhaft finde.

9. Eels – Endtimes

Schwere Entscheidung. Wie wahnsinnig muss man eigentlich sein, drei Alben innerhalb eines Jahres zu veröffentlichen. Mit der Trilogie – Hombro Lobo (Juni 2009); End Times (Januar 2010); Tomorrow Morning (August 2010) setzt E diesmal zwar keine absoluten Maßstäbe, aber für einen Platz innerhalb der TopTen reicht es allemal. Hätte er die Songsauswahl der Trilogie nur verdichtet und daraus ein einziges Album gemacht, dann wäre ein Platzierung weiter vorn möglich gewesen. Aber nun gibt es zu viele Schwachstellen auf den Alben verteilt, die so dahinplänkeln ohne zu berühren. Exemplarisch – nun ja – auch aufgrund seiner doch besonderen Güte, hat es End Times, die Mitte der Trilogie, auf Platz 9 geschafft. „Hombre Lobo“ trotz schöner düsterer Ansätze und einer gewissen Nähe zu meinem Eels-Allzeit-Favoriten „Souljacker“ gelingt es nicht ganz „End Times“ außer Kraft zu setzen. Dafür ist dieses Album so gespickt mit Trauer und Verzweiflung, dass man es unter der sanften Haube des allzu oft musikalischen Dahingeplänkels fast vergisst schmerzhaft zu genießen.

Es ist das Album danach. Nach dem Zusammenbruch, nach der Trennung… es fasst das Nach des Endes. Mit der genialen Songidee wie „Little Bird“, dem traurigen Einstieg mit „The Beginning“ und dem genialen „Unhinged“.

8. Jónsi – Go

Das ist mein Wecker. Irgendwie so „Go Go Go Kit Kit Kitty“ beginnt es. Die ersten Takte des Morgens, der die Nacht nicht so recht verdrängen will. Das Album hat mich überrascht. Hätte man das letzte Sigur Rós-Album „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ nicht gehabt, hätte man von etwas Neuem sprechen können. So ist es zumindest ähnlich, ohne dabei nur ein Aufguss zu sein. Ich bereue es, die aufwendige Tournee, die Jónsi in den letzten Monaten hinter sich gebracht hat, nicht genutzt zu haben. Aber sei’s drum. „Go“ ist ein hervorragendes Album eines herausragenden Musikers. Sehr zu empfehlen sind auch die zahllosen Live-Mitschnitt und Unreleased Songs, die dieser verrückte Type da in seinem Blog Victory Rose zusammengestellt hat.

7. Console  - Herself

Ich bin ja stolzer Besitzer einer Original The Notwist-Autogramm-Caféserviette. Immer wenn ich dann das neue und von mir lang ersehnte Konsole-Album höre, fasse ich wie ein kleines Kind die Autogrammserviette an und drücke sie an mein Herz. So verzückt bin ich von „Herself“. Die neuste Auskopplung von Martin Gretschmann, dem Mann hinter Console, bewegt sich in der Knautschzone von Elektropop und Ambient. Und dieser Mix wird belebt von der wunderbaren Stimme von Miriam Osterrieder, die in Songs wie „Bit for Bit“ oder  „A Homeless Ghost“ einfühlsam die Cyberpunk-Seele zum schwelgen bringt: „Bit For Bit We’re All Alone“. Ein wunderbares Album, wenn man abends wieder mal allein vor dem php-Code, den css-Hacks oder der entseelten Facebook-Pinnwand sitzt.

6. The Chariot – Long Live

Wow. Das neue „The Chariot“-Album „Long Live“ ist wirklich lang. Mit einer Spieldauer von gut 30 Minuten überragt es den Vorgänger „The Fiancée“ mit gut 29 Minuten über eine (!) Minute. Der Name ist also Programm. Oder so. Musikalisch hat sicher ehrlicherweise nicht viel getan. Alles dabei: Metal-Gehämmer, Biester-Punk, Screams, Shouts und jede Menge Wut. Alles fein garniert mit der fast unmenschlichen Stimme von Josh Scogin (jap, ehemaliger Norma Jean-Christen-HC-Super-Duper-Band-Sänger). Also alles dabei für einen feinen Tanzabend mit Freunden und genießbar ab mittlerer Hörsturz-Lautstärke. Wer mit Chaos,  5-sekündlichem Melodikwechsel und jeder Menge Christenschmerz zurechtkommt, kann hier getrost hinhören – alle anderen werden es nie verstehen. Zu empfehlen sei noch das wirklich witzige Video zu Track No. 7: „David De La Hoz“. Und jetzt Schluss.

5. Trent Reznor – Atticus Ross: The Social Network

Der Trent. Düster. Düster und vor allem ruhiger ist er in den letzten Jahren geworden. Und genau das hat sich David Fincher für seinen Score zu „The Social Network“ zu Nutze gemacht. Herausgekommen ist bestimmt genau das, was Fincher vorschwebte. Wunderbar schwirrende Elektronik in stets sanften Mollakkorden, ein ergreifender Soundwall nach dem anderen, der sich vor dem Auge auftut und versucht der Aufbruchstimmung – damals 2003/2004 – nahezukommen. Funktioniert perfekt im Film. Spannenderweise ist der Score aber auch ohne die visuelle Unterstützung von Fincher ganz nett anzuhören, was für die Klasse von Trent Reznor und Atticus Ross spricht. Sehr zu empfehlen und deswegen zurecht in der Mitte der Jahrescharts platziert.

4. Philip Selway – Familial

Philip Selway hat auf “Familial” irgendwie alles richtig gemacht und er hat mit seinem ersten Soloalbum etwas gemacht, was man aus dem Umfeld von Radiohead wohl nicht erwartet hätte. Familial ist nicht wie Yorkes Eraser-Platten eine Electro-Fummelei hart an der Grenze des Hörbaren, sondern wunderbar sanfte Indie-Folk-Acoustic-Musik, die mit elektronischen Spielereien so sparsam verfährt, dass diese fast ins Unhörbare versinken. Ebenso richtig war es auch – so sehr ich auch Thom Yorke verehre – diesen eben nicht auftreten und das obligatorische Ständchen singen zu lassen, sondern vielmehr einen eigenen Schritt zu gehen, der die musikalischen Spuren Radioheads nicht verleugnet, aber eben doch bewusst anders klingen will. So ist bereits der Opener “By Some Miracle” richtungsweisend. Mit spärlicher Instrumentierung, gehauchtem Gesang und wenig sparsam eingesetzten elektronischen Effekten schlürft sich das Album ins Ohr und geht nicht mehr aus dem Ohr. Mal hier noch ein Piano, mal ein paar mehr elektronische Tipser und stets der gehauchte Gesang oder ein sanfter Background-Chorus. Es gibt keinen wirklichen Ausfall in den gut 32 Minuten. Allenfalls “Broken Promises” zieht dann doch zu sehr seinen Weg in Richtung eines schlechten Weihnachtslied-Refrains. Kann aber damit dieses hervorragende Album nicht wirklich trüben. (siehe Rezension)

3. Escapado – Montgomery Mundtot

Fies, wenn einem die Band wegstirbt. Alle austreten bzw. es ja schon reicht, wenn der Sänger aussteigt. So geschehen bei Escapado – der norddeutschen Hardcore-Hoffnung der letzten drei Jahre, die mit „Hinter den Spiegeln“ und „Initiale“ einen ganz eigenen, oft belächelten Weg gegangen sind. Mit dem nun dritten Album „Montgomery Mundtot“ wird dieser Weg – vermutlich wegen des unerschrockenen und auch Hintergrundsstrippenzieher-Gitarristen Sebastian Henkelmann – auch einfach weiter beschritten. Escapados Musik lebt, nicht wie immer gesagt wird von den Texten oder den Vorschusslorbeeren, die Hardcore-Bands in unserem subkulturignorierendem Land ab einem bestimmten Status nun mal erhalten, sondern von dem Spiel des eben bereits erwähnten Sebastian Henkelmann. Das, was er da im Studio aber auch live ganz unaufgeregt – fast entspannt – an Sound, Gitarrenriffs, Verspieltheit und Einfallsreichtum im Gitarrenspiel an den Tag legt und hörbar produziert, ist es, was diese Band vorantreibt. Gepaart mit dem neuen Sänger Felix Schönfuss ist ein wunderbares drittes Album herausgekommen. Bei dem man sich bloß fragt, was ist ab Song fünf passiert? Viel zu entspannt für eine Hardcore-Platte wird es da, aber gut. Trotzdem fein gemacht – es passt ja erst zusammen, wenn es sich widerspricht. Platz 3.

2. Gisbert zu Knyphausen – Hurra! Hurra so nicht

Ich finde ja ein „Übersong“ macht zwei, drei mittelmäßige Songs wett. Und genau das ist der Grund für Platz zwei für „Hurra! Hurra so nicht“. Das neue Album von Gisbert zu Knyphausen versammelt jede Menge guter bis sehr, sehr guter Songs in seinen gut 45 Minuten Spielzeit. Neben dem für Gisbert imposanten Opener „Hey“, dem wunderschönen „Seltsames Licht “, einer beeindruckenden Introspektive wie „ Morsches Holz“ und vielen mehr. Allen ist gemeinsam, dass Gisbert als Singer und Songwriter stets mit textlichem Sachverstand im Mittelpunkt steht. Die Musik begleitet ihn, es lohnt sich also stets die Texte zu hören, zu deuten oder zum Teil auch zu verstehen. Der Übersong des Albums – wahrscheinlich der beste in Gisberts Karriere ist für mich „Kräne“, der auch so ein peinliche Auskopplung wie „Melancholie“ vergessen machen kann. Danke für das schönste Sommerlied der letzten Jahre.

1. The Hirsch Effect – Holon: Hiberno

Finale. Das ist jetzt ein wenig speziell. Das ist jetzt auch nicht mehr nur Musik. Das ist Kunst. The Hirsch Effect machen vor, was Dieter Bohlen, The Scorpians oder auch die gesamte versammelte Riege von Castings-„Stars“ und Casting-„Bands“ in ihren kompletten Karrieren nicht hinbekommen haben. Auf „Holon: Hiberno“ versammeln sich pro Song mehr musikalische Einfälle, Tempowechsel, Ideen, Rhythmusdrehereien als die eben genannten auf drei Alben (wenn sie denn überhaupt so viele haben) insgesamt produzieren können. Deswegen ist es auch schwer, diese Musik zu hören. Man kann sie auch nicht hören, man muss sie begreifen, das Unstete nicht nur als Merkmal anerkennen, sondern einzuordnen wissen. Auf „Holon: Hiberno“ ist ein Song nicht einfach ein Song, sondern es sind musikalische Gebilde mit Themen, Motive, Ideen usw., die sich über mehrere Tracks erstrecken können. Dabei werden Riffs, Schreie, Chöre, elektronische Schnispel und vieles Weitere in Szene gesetzt, ohne bloß aneinandergereiht zu werden. Dazu gesellt sich ein skandierender Gesang, der die Musik mehr umspielt als sie ihn. Schließlich endet es oft im Soundbrei, der dann plötzlich durchbrochen wird von Ruhe und Ordnung – nur ein Durchatmen bis es weiter geht mit der Soundhölle. Dieses Muster nun über mehrere Tracks entfaltet, lässt das Hören dieses Debütalbums zu einer kleinen intellektuellen Herausforderung werden und sucht auf dem deutschen Markt seines Gleichen. Deswegen Platz 1. Einen Eindruck kann man sich im Stück „Vituperator“ holen, in dem das eben erklärte Prinzip in knapp 6 Minuten durchgespielt wird.

So. Das war es für 2010. Raussuchen könnte ihr euch den Krempel ja selbst.

Metall für Metal – Denon AH-C 560R Review

Kopfhörer für den mobilen Gebrauch an Ipods und Iphones sind für mich immer ein finanzielles Grab. Ich habe über die Jahre garantiert 15 Stück verschliessen. Dabei reichte die Spannweite von 5-6 Apple-Standard-Headphones, mehrere Sonys, Phillips und zuletzt Sennheiser. Finanziell lag meine Schmerzgrenze meist bei 50-60 Euro. Bisher. Heute habe ich mir die Denon AH-C 560R gekauft. Sie liegen für In-Ear-Kopfhörer eine Preisklasse über den bisherigen von mir verwendeten. Ich hatte aber noch einen 20 Euro-Gutschein, so dass die 89€ nicht ganz so weh taten.

Aber es ist eine gehörige Wohltat. Dazu später mehr. Zunächst erst einmal zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen. Wichtig war für mich, die Iphonefunktionalität per Fernbedienung steuern zu können. Laut, leise, Play, Stop, Skip und natürlich das Annehmen von Telefonaten. Das funktioniert soweit ganz hervorragend. Und ich freue mich fast, dass man beim Usability-Design nicht den Weg von Apple mit kaum spürbaren Kippschaltern gegangen ist, sondern den Weg von klassischen Knöpfen wählte, die sich als Dreigespann schnell unterscheiden lassen und nicht ständig ein Befühlen nach sich ziehen, ob man denn gerade im richtigen Bereich der Fernbedienung herumdrückt. Leider hängt die Fernbedienung viel tiefer als bei den Apple-Kopfhörern, so dass man beim Telefonieren erstmal alles zurechtrücken oder auf den mitgelieferten Clip setzen muss. Schön ist, dass das Kabel doch recht lang ist. Praktisch also, wenn man es unter der Kleidung entlangführt. Man kann bequem das Iphone aus der Tasche ziehen und auf Hüfthöhe bedienen. Das Kabel allgemein fühlt sich schön kräftig an und ich hoffe, dass der Preis auch der Neigung zum Kabelbruch entgegenwirkt – einer der häufigsten Gründe, weswegen ich mir neue Kopfhörer besorgen muss.

Die Klinke ist abgewinkelt, nicht so schön wie bei den a-Jays, aber das ganze wirkt recht stabil. Zumal sie offenbar wie der Rest der Ummantelung aus gehärtetem Gummi ist. Die Kopfhörer selbst sind schwarz, unauffällig, aber recht groß. Dieser große Treiber (aus Metall!!!) hat viel Einfluss auf den Klang. Er ist über den Daumen gepeilt basslastig. Was für mich, der es sowieso gerne bassiger hat, hervorragend ist. Als Hörer von Metal/Hardcore und Gedöns ist das Kaufen von Kopfhörern sowieso eine Qual. Gut kommt die Musik erst, wenn sie etwas lauter ist. Ja, ihr Puristen, ihr hört HC leise… iss klar. Sobald man aber in die lauteren Bereich eindringt, wird die Musik zum Soundbrei. Meist sind es die Höhen, die dann beim extensiven Snarr-Drum- oder Beckeneinsatz zu sehr ausreißen und sich unangenehm in den Vordergrund drängen können. Deswegen ist meiner Ansicht nach bei diesen Musikrichtungen stets eine gute Entscheidung, auf über den kompletten Frequenzbereich ausgewogene oder leicht basslastigere Kopfhörer zu setzen.

Als ich sie zum ersten Mal verwendete, dachte ich: Krass. Ich finde, dass sie am Iphone im Vergleich zu Apple-Kopfhörern oder auch den Sennheisern CX300 II ausgesprochen ausgewogen wirken. Der Bass ist für mich genau richtig betont. Vermutlich ein Tick zu stark, aber eben für mich genau richtig. Ein schöner, tiefer und sauberer Druck im Hintergrund, der lange nachhält. Aber auch der Rest ist beeindruckend. Es werden nahezu alle Spielereien über den kompletten Frequenzbereich sauber mitgemacht. Präzise und genau. Es baut sich eine schöne Klangbühne auf und es ist bei geringer Umgebungslautstärke problemlos möglich, alle einzelnen Stimmen zu orten. Vielleicht gibt es einen Hang dazu, dass die Mitten zwischen Höhen und Tiefen etwas untergehen. Das müsste ich noch genauer beobachten. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass intensive Zischlaute und extremes Kreischen zu scharf sind. Aber ich hatte noch nicht die perfekte Passform mit den Silikon-Tips gefunden. (Es sind die ersten Kopfhörer, bei denen ich offenbar die kleinste Größe benötige.) Jetzt ist es besser, auch wenn tendenziell die Höhen bei steigenden Lautstärke nicht allzu sauber sind.

Ich würde den Klang fazituell als recht „warm“ beschreiben. Nicht ganz zufrieden bin ich, wie bereits erwähnt, mit der Auflösung bei verschiedenen Lautstärken. Leise und „mittellaut“ sind die Kopfhörer tadellos. Bei größerer Lautstärke werden mir persönlich die Höhen etwas zu überbetont. Sie kreischen gar, so dass sie die Mitten stark auffressen. Das fällt aber nicht ganz so sehr ins Gewicht, da die Abschirmung von Außengeräuschen wirklich die beste ist, die ich jemals hatte. Es reicht an der Supermarktkasse nicht mehr, den Ipod auszuschalten, sondern ich muss, um etwas zu verstehen, die Kopfhörer wirklich ablegen (ja, ich weiß, das ist unhöflich). Ich muss somit nicht so laut drehen.

Aber wie gesagt: Nicht zu laut, ist die Soundauflösung extrem gut und ich finde das komplette Paket, dem auch noch eine nette und vor allem stabile Transportbox beiwohnte, (bitte lass’ mich sie benutzen) preislich wirklich gerechtfertig.

Bleibt nur zuletzt noch eine Anklage gegen Apple. Warum zur Hölle ist es nicht möglich, Equalizereinstellungen auf das Iphone respektive den Ipod zu übertragen. Oder hab ich da was verpasst?