Die Schreibma’ schine

»Selbstzweifel? – Ja, die habe ich. Das sind so Heimsuchungen, da hilft kein Erfolg und kein Lob. Wissen Sie … Ach was, da darf ich du sagen? – Abends ist man allein in seiner Stube, und die großen Autoren, die Meister, schauen einen von den Wänden an, ihre Bücher schweigen in den Regalen, und man sitzt über seinem Blatt und kritzelt vor sich hin –«

Die Autorin Judith Schevola zu Christian Hoffmann in Der Sturm von Uwe Tellkamp über Selbstzweifel beim Schreiben (S. 405)

Wie ich das kenne. In meinem Büro thront hinter mir ein 2,20 Meter zwanzig hoher Altar der Weisheit. Noch lebende und schon tote Menschen haben sich fein säuberlich dort versammelt, um mich schweigend zu quälen. Mit der Last dieser Männer und Frauen im Rücken komme ich ins Grübeln. Kann ich wirklich schreiben?

Meine Überlegungen zu dieser Frage1 kommen nun zu folgenden wirren Erkenntnissen. Ich habe noch nie in meinem Leben etwas für mich selbst geschrieben. Ich bin wie viele andere auch ein Auftragsarbeiter. Ich bin eine Agentur des Schreibens, die letztlich wie eine Maschine – eine Schreibma’ schine – funktioniert. Es kommt ein Auftrag hinein, eine Anforderung, ein Knopf wird gedrückt und die Maschine kommt in Gang. Sie arbeitet nicht von selbst. Sie arbeitet nur streng teleologisch. Sie muss zum einen angestellt werden durch ein meist nicht instrisisches Ereignis und zum zweiten muss diese Schreibma’ schine das Ziel kennen, das als grundlegende Prämisse auch beinhalten muss, erreichbar zu sein. Sonst steht diese Maschine still. Das klingt ja an sich erstmal nicht so schlecht. Das Problem ist nur – ich weiß nicht, was ich das tue. Warum ist das so?

Dass ich eine Schreibma’ schine bin, war in der Schule aufgrund der Kürze der Texte immer nie ein Problem. Ich hatte soviel Wissen oder glaubte so viel Wissen zu haben, dass ich endlos viele Seiten in Textinterpretationen schreiben konnte. Schnell und schmutzig. Ich mochte das nie. Mir tat die Hand weh. So habe ich bei Schulaufsätzen auch nie erst einen Entwurf geschrieben und danach noch eine Reinschrift angefertigt, denn einen Unterschied hätte man rein optisch kaum erkennen können. Ich schrieb also aus praktischen Gründen sofort das endgültige Urteil über einen Text oder die Antwort zu einer Frage.

Es war also zweierlei, dass ich heute als problematisch empfinde. Zum einen habe ich offenbar nie viel nachgedacht, über das, was ich da schreiben sollte oder woltte und letztlich auch geschrieben habe. Es war fast ein Automatismus. Basierend auf einem Gedicht einer Epoche, die wir Wochen zuvor im Unterricht meist ausgiebig behandelt haben, wurde eine recht allgemeine und weite Frage gestellt. Am weitesten war wohl der Rahmen abgesteckt, wenn es hieß: „Interpretieren Sie dieses Gedicht und gehen sie dabei auf … ein.“ Naja. So las man das Gedicht und versuchte, Sinn in dieses Gedicht, diesen Text oder ähnliches zu bekommen. Es sollte kohärent sein. Man freute sich, wenn man mal eine Metapher, Synkope oder ähnliches fand. Letztlich glaube ich aber, habe ich das Gedicht oder den Text selten verstanden, sondern einfach nur weltlich-alltägliche Sinngebungsverfahren angewandt, gemixt mit offenbar ausreichend literaturgeschichtlichen und historischen Wissen, um meist auf meinem guten Ruf in der Schule aufbauend, eine okaye Note abzustauben.

Viele meiner Deutschlehrerinnen haben das nie erkannt. Ich war kein guter Deutschschüler. Ich machte nur den Eindruck. Ich vermittelte ernsthaft den Eindruck mich für Literatur zu interessieren, dabei kann man die Bücher, die ich privat, ohne den Zwang der Schule, in meiner Freizeit gelesen habe, an zwei, drei Händen abzählen. Aber mit diesem Ruf im Gepäck lief ich wunderbar durch die Schuljahre. Es gab quasi nur zwei Stellen, an dem diese Fehleinschätzung auffiel. Zum einen ein Deutschaufsatz in der 7., 8. oder 9. Klasse bei einer recht seltsamen Lehrerin. So inkompetent diese Frau auch war, hatte sie doch einen ausreichend analytischen Geist, um bei meinen Erörterungsaufsätzen, aber auch beim Rest meiner Mitschüler zu erkennen, dass wir alle nicht strukturiert denken und noch weniger strukturiert schreiben konnten; dass wir eine Frage nicht wirklich verstanden, zerlegten, analysierten, durchdachten, sondern einfach hirn- und zielfrei darauflos schrieben. Wir waren Schreibma’ schinen. Ein einziger Mitschüler hatte beim ersten Deutschaufsatz, bei dem mir dieses Phänomen bei uns anderen zuerst auffiel, aber nicht klar wurde, eine sehr gute Note erhalten. Warum? Weil er nachdachte, strukturiert und nicht episch ausladend antwortete, sondern ein Problem sah, es analysierte, erkannte und strukturiert in der richtigen Wahl der Argumente darauf antwortete.

Dieses Phänomen der Schreibma’ schine, sich argumentenfrei durch den Text zu schlagen, war auch ein Verdienst unserer Lehrer. Man muss es meiner Ansicht nach auch mal gesagt bekommen. Man muss es mal in den eigenen Texten gesehen haben, sonst gibt es keine Linderung. Aber meine Lehrer haben mir so eine eher sekundäre, nicht primär auf Wissensformationen ausgerichtete Kompetenz nie beigebracht. Vielleicht haben sie das auch nie erkannt. Aber vermutlich doch. Aber bei einen Klassenverband von ca. 20-25 Individuen mit gleichzeitgen hohem Stoffpensum pro Stunde und Notendruck, bleibt einfach keine Zeit sich für so etwas Zeit zu nehmen. Meine Lehrer quälten sich vermutlich durch unsere Texte, suchten Sinn und hatten einfach nicht die Zeit und vielleicht auch nicht die Kompetenz unseren Argumentationen abzuklopfen, Missstände aufzudecken, zu analysieren, warum es so schief ging. Mit jedem einzelnen… bis er in einem begrenzten Maße verstanden hatte, wie Konversation, Argumentenaustausch, Informationen strukturiert wiedergeben können bis hin zur Analyse von Fragen und Aufgabenstellungen funktionieren kann. Da war die Wurzel des Problems.

Das zweite Mal, dass diese Missstände deutlich auftauchten und einen Ausschlag in meiner Biographie und meinem Selbstverständnis zeigten, war die Abiturprüfung – Deutsch-Leistungskurs. Ich war schlecht. Obgleich der Text in meiner Erinnerung nicht schlecht war. Ich bekam keine gute Note, obgleich mir meine Lehrerin versicherte, dass sie mich verstanden habe, aber auch nur sie. Der oder die Zweitkorrektorin konnte sich nicht durch diesen argumentativen Dschungel schlagen wollen oder können. Sie verstand nicht, was ich da schrieb (ich verstehe es im Übrigen heute auch nicht mehr) und gab eine ausreichend schlechte Note. Hier hätte ich aufhorchen sollen. Ich tat es aber nicht und kam mit mangelnden Schreibtalent und mangelhaft erlernten Kenntnissen in den Schriftbetrieb überhaupt: die Universität.

Hier gab es Linderung. Aber auch die Verschärfung des Problems.

Meine allererste Hausarbeit schrieb ich in einem einführenden Proseminar der germanistischen Literaturwissenschaften logischerweise am Ende des ersten Semesters. Thema war: Gottfried Benns „Gehirne“. Kurze expressionistische Prosatexte, die ich mir nicht wirklich frei ausgesucht habe, sondern von einer Liste wählte. Es gab keine Fragestellung. Auf dieser Liste stand – neben vielen anderen Texten – nichts weiter als der Name des Autors und das Werk. So begann ich unbekannterweise mich an Text und möglichen Inhalt einer Hausarbeit heranzutasten. Ich erprobte meine Recherchefähigkeiten. Wir sollten kein Schneeballsystem anwenden, sondern systematisch vorgehen. Ich probierte die entsprechenden Nachschlagewerke aus, fand Bücher, fand diese aber nicht in der Bibliothek. Fernleihe. Okay. Ich bestellte, so glaube ich. Irgendwann ging ich dann doch einfach mal an den Regalteil der für Benn bestimmt war und griff nach allen Büchern, die irgendwie „Gehirn“ im Titel trugen. Ich las und folgte dem Schneeballsystem und fand immer mehr Literatur. Ich kopierte, katalogisierte, suchte und kopierte wieder.

Irgendwann hatte ich einen meiner Meinung nach einen recht stattlichen Kopienstapel zusammengetragen, so glaubte ich . (was natürlich mengenmäßig, aber auch inhaltsmäßig heute absolut lächerlich erscheint). Ich ging also daran, dass Werk zu lesen. War nicht allzu lang… gut 1700 Worte. Anschließend las ich die zusammengetragene Sekundärliteratur, machte Notizen, strich an und begann eine Hausarbeit zu schreiben nach Maßgabe der Techniken des wissenschaftlichen Arbeits des Moenninghoff-Meyer/Krentler-Bandes. Eines kleinen UTB-Bändchens, dass uns Literaturwissenschaftler in die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens einführen sollte.

Der erfahrene Student oder sich im Umfeld des akademischen Bereiches aufhaltende Mensch wird erkennen, dass an dieser Vorgehensweise etwas faul war bzw. etwas fehlte. … Richtig. Die Fragestellung. Ich hatte keine verdammte Fragestellung. Ich las weder das Werk, noch suchte ich die Sekundärliteratur und las diese unter einer bestimmten Fragestellung. Ich begann einfach, ohne Methode, ohne Theorie, ohne Leitfragen, ohne Konzept, das Werk anhand aller Sekundärliteratur und meinem wenigen abitürlichen Gehirnschmalz zu interpretieren bzw. irgendetwas zu schreiben. Natürlich hielt ich mich an die Formalia, zitierte genau, gab Quellen an, hielt Randbreite und Länge der Arbeit ein, gab dem Ganzen eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss, wobei der Hauptteil in einzelne Kapitel eingeteilt wurde, aber all das geschah, ohne jemals wirklich in den Text, den Autor, die Zeit, die möglichen Debatten, ohne einen Blick in die Theorie eingedrungen zu sein.

Ich gab die Arbeit ab und bekam eine gute Note. Was ja gut war und meinen bisherigen Referenzleistungen, vor allem in der Schule, entsprach. Ich hatte damals gar keine Ahnung, was, bevor man anfing zu schreiben, letztlich alles beachten, vor allem durchdenken, musste. Und ich bin gewissermaßen empört über die mangelnde Betreuung, die mir damals zuteil wurde. Ich bin von einer gewissen akademischen Schüchternheit betroffen und mir fällt es nicht leicht mit Dozenten und Professoren ins Gespräch zu kommen, für solche Fälle hätte man Sicherheitssysteme einbauen sollen, die mich und andere dazu genötigt hätten, beim Dozenten aufzukreuzen und auf diese fehlenden Fragestellungen aufmerksam zu machen. Leider geschah dies nicht.

Mit der Zeit wurden die Arbeiten schlechter an der Uni schlechter – oder die Dozenten kritischer. Aber das ist verständlich. Schreitet man voran durch die Semester des Studium, ändert sich die Erwartungshaltung der Dozenten zurecht. Nur wurden mir persönlich nie gezeigt, nie beigebracht, wie dies richtig geschieht. Erst spät, quasi zum Ende meines Studiums verstand ich es systematischer vorzugehen. Dies bezog sich nicht nur auf die Seite der Fragestellung: Fragestellungen sind essentiell, denn sie bestimmen den Verlauf deiner Arbeit, Probleme müssen durchdrungen werden, um eine geeignete Fragestellung überhaupt zu erkennen, sie müssen ernsthaft analysiert werden, unwichtige und fremde Dinge müssen teilweise mutig abgeschlagen werden, anderes müssen ausgrenzet werden. Nur dies kann die Basis sein in einem Aufsatz, einer Hausarbeit oder einem anderen akademischen Paper überhaupt einen klaren und vermittelbaren Gedanken entwickeln zu können. Nur so kommt man auf der anderen Seite überhaupt so weit, dass man überlegen kann, was man da schreibt. Denn letztlich ist es der optimale Zustand bereits im Vorhinein die Argumente, die Struktur genau geplant zu haben. Teilweise oft durchdacht, um die Schwächen zu kennen, sie vorbeugend auszumerzen.

Diesen Zustand habe ich bisher ganz selten erreicht und bewundere ich immer wieder Menschen, denen es gelingt, scheinbar mühelos, über längere Zeit einen Gedanken zu entwickeln, ihn immer wieder aufzunehmen, zu formen, zu drehen, weiterzuentwickeln und besser zu machen. Es fällt mir meist schwer. Mein Weg ist der aufwendige Weg des Trittbretts: Nach jedem geschriebenen Satz stelle ich die Frage, kommt die Information bzw. kann die Information ankommen, die ich mitteilen will. Ich extrapoliere aus dem Geschriebenen, dem gerade Fixierten, stets nur den nächsten Schritt und hoffe im Ungefähren da zu landen, was man als Ziel des Gedankens bestimmen kann.

  1. nach dem Genuß einer wirklich schönen Folge von Holger Kleins Ortsgesprächen mit Malte Welding, der teilweise über das Schreiben bzw. die Schwierigkeiten des Schreibens sprach []

Kurz nach dem Kontakt ausgekratzt

Hundreds düdeln bitter durch die Boxen. Lange nichts mehr geschrieben. Sehr lange nicht mehr. Mein Gott. Meine persönliche These für das Ausbleiben der Worte auf diesen Webseiten war mein allgemeiner Gemütszustand. Ein wahrlich trefflicher Indikator für eine sehr lange Zeit. In Wochen und Monaten der Traurigkeit und dem Mangel an Möglichkeiten dem Leben Positives und Schönes abzugewinnen, steigt die Frequenz an kleineren aber auch teilweise umfangreicheren Beiträgen immens an. In verdichtet, verschrubbelten Sätzen wird es traurig, enttäuschend und bitter. Man weiß nicht, um was es denn letztlich wirklich gehen soll. Trauriges wird nicht offen ausgesprochen, sondern hinter unpersönlichen Personalpronomen, reflexiv-überanstrengten Vergleichen codiert. Geht es mir gut, betrübt nicht viel die kleine Seele des urbandesire, dann wird es still bzw. leer. Das Blog ist somit wie ein Warenhaus. Haben die Menschen Begierden, brauchen Waren für Weihnachten, dann ächzen die Rolltreppen des Warenhauses unter den Menschenmassen. Sind die Bedürfnisse befriedigt, dann wird das Warenhaus immer leerer, stiller bis es irgendwann vielleicht konkurs anmelden muss. urban desire eben.

So einfach scheint es dann aber doch nicht zu sein. Als ich begann auf dieser Website zu schreiben, waren Blogs noch neu und aufregend. Man folgte den großen Namen – den Dons, dem Spreeblick, dem amypink usw.; las und freute sich. Man stand auch selbst unter der Doktrin, du bist der Sender. Alles was du wahrnimmst, alles was dich interessiert, was dich fasziniert, gehört gefälligst „ver“bloggt. Redundant sein gehört zum Alltag. Ich hatte damit vor Jahren aus anderen Gründen Probleme – als langsam die Kommerzialisierung Einzug erhielt in der Landschaft, die man damals noch mutig „Blogosphäre“ nannte. Heute interessiert mich dieses Thema nicht mehr so sehr. Die wirtschaftliche Auswertung von eines Weblogs hat – und das habe ich damals für mich nicht wahrhaben wollen – durchaus Vorteile auch für mich gebracht. Es entstanden zahlreiche spannende Projekte – ich weise da in Richtung blogwerk, amypink, spreeblick und vermutlich viele weitere Beispiele, die es durch Professionalisierung geschafft haben aus Blogs Jobs zu kreieren, aber für mich trotzdem interessant blieben. Ich wollte es damals für mich selbst irgendwie nicht wahrhaben. Aber das nur am Rande.

Ein weiterer wichtiger Einschlag war twitter und mit ihm tumblrblogs sowie das ganze Gedöns der Social Networks, die ich mir gruppen- und themenspezifisch zurechtgelegt habe. Hier landet jetzt offenbar mein Alltag. Die kleinen Sentenzen, die Feststellungen des Tages, die blöden Linkfunde und all’ der Mist mit dem ich sonst die Beiträge hier gerne befüllt habe und darauf folgen vor allem mit einem direkten sozialen Umfeld, aber auch mit im Netz gefundenen Bekannten wirren Austausch hielt. Heute irgendwie alles bei twitter oder auch nicht.

Ich dachte dann stets – als mir dies bewusst wurde – jetzt ist die Bahn frei für wirklich gute, durchdachte, teilweise lange, teilweise persönliche Einträge. Aber es kam irgendwie nichts. Gut. Ich war ca. 1 Jahr lang damit beschäftigt meinen Abschluss an der Universität zu machen, was mich in einen Modus des ständigen Schreibens versetzte und ich mir heute entschuldigend sagen kann, dass ich am Abend, wenn ich aus der Bibliothek kam, leer geschrieben war und mein Denken eh’ nur um Akademisches kreisten, das wiederum kaum jemand ernsthaft interessieren kann. Lustige vielleicht beschreibenswerte Anekdoten passierten ehestens mal am Kaffeeautomaten, die dann aber im allgemeinen Trubel der Zeit untergingen.

Seitdem habe ich nieder so richtig begonnen zu schreiben. Weder akademisch, was beim momentanen Status meines Projektes noch nicht so schlimm ist, aber auch nicht privat. Ich bin zu einer Rezipiermaschine verkommen, die die gesamte Freizeit damit beschäftigt den Informationen hinterherzulaufen, Blogs zu lesen, Blogs zu scrollen, Podcasts zu hören, Podcasts als gespielt zu markieren, twitter zu aktualisieren und sämtliche Read-Later-Services und Bookmarkdienste zu befüllen. Traurig irgendwie. Aber auch hier denke ich, ist das alles nicht so schlimm. Die Halbwertszeit für all eure Texte, Verlinkungen, Kommentare, Bilder usw. beträgt nach meinen Erhebungen knapp 3 Wochen. Danach erleidet letztlich alles das Schicksal von „Als gelesen/gespielt/gesehen markieren“ und verschwindet in irgend so einem Archiv bei google oder sonst wem.

Der momentane Schreibstatus liegt zwischen zwei Fronten. Die Front Nummer eins brüllt mich an und sagt: „Verschwende deine »Schreibkraft« nicht. Spare sie dir für den täglichen Kampf an deiner Arbeit, für die Emails an Freunde usw.“ Die zweite Front sagt: „Das Problem liegt tiefer. Es ist nicht die Schreibkraft, die dir irgendwie oder irgendwann ausgehen kann oder bereits ausgegangen ist. Es ist ein Knoten im Kopf, der sich einfach nicht lösen will. Du bist innerlich verstummt. Spürbar daran, dass du zu vielen Dingen einfach keinen Kommentar mehr abgeben willst. Einfach munter, ohne tiefe Reflexion darüber, ob es jemanden, dir selbst etc. was bringt, ob das richtig ist, ob das alles bis auf das letzte richtig recherchiert, redigiert ist, zu schreiben, kannst du nicht mehr, traust du dich auch nicht mehr. Und auch die zweite Quelle von Artikel ist versiegt. Innerliches, Aufgregendes, Anregendes aus deinem Leben zu berichten, zu beschreiben, zu reflektieren, traust du dir ebenfalls nicht mehr zu. Denn du müsstest für dich selbst im Klartext sprechen, Namen nennen, Situationen beschreiben, die dich erkennen lassen, die dich verbundbar machen. Nicht länger hinter symbolischen Worten und Ausdrücken verstecken, das wäre der Preis, den du Seite Jahren nicht bereit bist zu zahlen. “

 

Dillon

Ich denke auch, dass das ganz groß wird mit Dillon. Oder zumindest hoffe ich es. Die junge Berlinern liegt mit ihrer bezaubernden Stimme irgendwo zwischen Lykke Li und Coco Rosie und wird demnächst ihr Debütalbum „This Silence Kills“ veröffentlichen. Zugegeben: das komplette Paket unterscheidet sich wenig von der englischen Stammmutter, aber es ist und bleibt und schön anzuhören.

Das wird schon. Und wenn nicht, die Blogs treiben die Sau schon durchs Dorf und pumpen Songs und Album in die Playlisten.

Die CO2 induzierte Spritlüge – Wir sind Schuld an E10.

Ich war davon überrascht. Aufgrund gewisser familiärer Konstellationen war ich plötzlich – wenn auch nur leihweise – im Besitz eines Autos. Ich fuhr und fuhr und plötzlich stand ich an einer Tankstelle und hatte neben den gewohnt netten Preisen, die ein Volltanken für mich stets unmöglich machen, ein Problem: E10.

Ich habe wirklich nichts von der Einführung dieser Kraftstoffvariante mitbekommen. Ich konnte weder mit dem Begriff, noch mit der dahinter stehenden Debatte bzw. Problemen irgendetwas anfangen. Ich tankte also zunächst Super+, da ich rechtzeitig die an der Zapfsäule angebrachte Warnung der möglichen Unverträglichkeit einiger Motoren wahrnahm. Ich fuhr nach Hause und wunderte mich, dass ich von dieser Einführung und Veränderung wirklich gar nichts mitbekommen habe.

Waren die medialen Höhepunkte der letzten Wochen und Monaten: Ägypten, Tunesien, Libyen und zuletzt Guttenberg einfach zu stark, so dass ein Mensch ohne Fernseher, aber mit viel Internet, keine Informationen darüber erhalten hatte. Ich suchte in ein paar Archiven der Fernsehanstalten und musste feststellen, dass es eine Berichterstattung gab. Jene war aber unter dem Aspekt der Aufklärung, was da eigentlich nun in die Tanks gefüllt werden sollte extrem mangelhaft. Auch das wichtigste: die Hintergründe, vor allem das Warum, wurden nicht noch einmal deutlich den Zuschauern vor Augen geführt.

Warum also dieses E10?

Hier also die Ergebnisse meiner kleinen Recherche. Es wird jetzt überraschen, dass der Grund dafür in uns selbst liegt. In all den Kraftfahrern, PKW-Besitzern, die den Weg zu Fuß zum Supermarkt scheuen, die auf der Autobahn ihren 140PS-Wagen mit netten 170 km/h über die schöne, freigegebene Autobahn jagen? Hä? Wie jetzt? Ein Beispiel, wie ich darauf komme. Zwischen dem von mir gefahrenen Golf II – entwickelt Ende der 70ern, gebaut verstärkt in den 80ern, konkretes Baujahr 1990 – und einem moderen Fahrzeug, wie z.B. einem Golf VI (ab 2008), liegt irgendwie nicht so viel Ökobewusstsein und positive Klimabilanz wie erhofft und erwartet:

Golf II (BJ 1990 – 40 KW ~ 55PS ): 7,6 Liter Benzin pro 100 km mit CO2-Emissionen bei Benzin von 2,32 kg pro Liter (generell) ergibt: 2,32 kg pro l × 7,6 Liter bei 100 km= 17,632 pro 100 km — 176g/km

Golf VI (BJ 2008 – 59 KW ~ 80PS): – ich kürze ab –  — 149g/km (Angabe laut Hersteller)

Natürlich ist der aktuell günstigste Golf VI wesentlich stärker motorisiert und es gibt weitere Aspekte zu beachten (Katalysator-Normen, Fahrweise, Art der Nutzung, Höchstgeschwindigkeit etc.) Trotzdem. Es sind bald 20 Jahre ins Land gegangen. Jahre, in denen vor Klimaveränderungen gewarnt wurde, Technologien weiterentwickelt werden konnten, trotzdem beträgt ausgehend vom Normverbrauch der CO2-Emissionsunterschied pro Kilometer zwischen IIer und VIer Golf nur schlappe 27 Gramm?

10 years

Vergleicht man die Innovationsstärke im Bereich Umweltverträglichkeit von Automobilen mit der Entwicklung, die digitale Devices respektive Handys in den letzten 20 Jahren genommen haben, dann kommt man zu dem Eindruck, dass in der Automobilindustrie, drastisch formuliert, fast Stillstand herrscht. Mobiltelefone wurden bei geringerer Leistungsaufnahme immer leistungsstärker und mit immer größerem Funktionsumfang ausgestattet. Der durchschnittliche Emissionsausstoß der Fahrzeuge in Deutschland 2007 lag bei 170 g/km und somit nicht weit von der Marke des Golf II aus dem Jahre 1990 entfernt. Die genaueren Gründen für diese träge Innovationsbereitschaft werden in der SWR-Dokumentation von Hanspeter Michel „Die Spritfresser – Warum sparsame Autos keine Chance haben“ aus dem Jahre  2006  reflektiert. Es ist ein seltsames Gebräu aus Marketing, F+E und den Anforderungen des Marktes. Der Markt behauptet, dass sparsame Autos bis hin zu Hybriden am Markt nicht gefragt seien, deswegen (bzw. gleichzeitig) erfolgen Marketingkampagnen, die Freiheit, Stärke und Dynamik der Autos anpreisen. Scheinbar ein Teufelskreis. Hersteller sagen Spritspar-Autos sind haben keinen Markt, Autofahrer bekommen bzw. bekamen in den letzten Jahren aber auch nur die die PS-Bolliden angepriesen.

Die Emissionen unserer Fahrzeuge „verursachen insgesamt zehn Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes in Europa. CO2 ist das Treibhausgas, das am stärksten zur globalen Erwärmung beiträgt“1; auch wenn es für den letzten Punkt durchaus Zweifler gibt. Da aber deren Widerlegung an dieser Stelle den Rahmen mehr als sprengen würde, sei auf folgende Grafik verwiesen. Durch das Zusammenkommen von Klimabedenken, offenbar fehlender Innovationsbereitschaft (vor allem in Europa) bei der Entwicklung serienreifer, klimaschonender Automobile und auch einer mangelnden Umerziehung zur klimabewussten Mobilität sah sich die Politik bereits früh genötigt nachzuhelfen.

1995 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU bis 2012 den Emissionsausstoß von Neuwagen auf 120g CO2/km zu begrenzen. Zunächst durch eine freiwillige Vereinbarung zwischen Kommission und dem Verband Europäischer Automobilhersteller (ACEA) sollten bis 2008 die durchschittlichen Emissionswerte  auf 140g CO2/km gesenkt werden. 2004 war man dann bei 163g CO2/km angekommen (wohlgemerkt alles nur Durchschnitt, wobei bei den Autoherstellern auch nur der Durchschnitt der gesamten Flotte gemessen wird) und erkannte, dass freiwillige Vereinbarungen und die Selbstverpflichtung offenbar nicht ausreichend sind. Die Strategieänderung folgte 2007. Mit einer gesetzlich, verbindlichen Verordnung sollte dem Emissionsproblem zu Leibe gerückt werden. Der schwierige Aushandlungsprozess zwischen der Kommission, den Lobbyvertretern der Automobilwirtschaft und, am Rande, den Umweltverbände brachte einen Kompromiss hervor. Die integrative Lösung sah Folgendes vor:

I. Verbesserungen der Fahrzeugtechnologie, um die durchschnittlichen Emissionen auf 130g CO2/km abzusenken

II. komplementäre Maßnahmen (wie die verstärkte Nutzung von Biokraftstoffen, kraftstoffeffiziente Reifen und Klimaanlagen, öko-bewusstes Fahren sollten die restlichen 10 0g CO2/km einsparen

III. Die Vertragsstrafen, die bei Nichteinhaltung, verhängt werden sollten wurden abgemildert: Ursprünglich sollte  2012 mit „20 Euro pro Gramm Kohlendioxid, das jedes Auto über den Grenzwert hinaus ausstoße, begonnen werden; 2013 würde dieser Betrag auf 35 Euro, 2014 auf 60 Euro und 2015 auf 90 Euro angehoben werden.“2 Abschließend „einigte“ man sich auf folgender Regelung: „5 Euro für das erste Gramm CO2 über dem Grenzwert, 15 Euro für das zweite Gramm, 25 Euro für das dritte und je 95 Euro ab dem vierten Gramm CO2. Ab 2019 werden die Hersteller für jedes Gramm, mit dem der Grenzwert überschritten wird, 95 Euro zahlen müssen.“ ((Autos und CO2- Dossier von euractiv.com))

Geschickter Lobbyismus holte die Automobilindustrie zum Teil aus der Verantwortung. Man glaubte an einen Vorteil für alle; auch medial. Der Einsatz von Biokraftstoffen, die ja im Prinzip nur Agrokraftstoffe sind und mit der Idee „Bio“ nichts zu tun haben, war ein Gefallen der Entscheider für die Automobilindustrie, der zudem noch die Landwirtschaft in Europa fördern sollte. Doch damit nicht genug. Weiterhin spielt ein zweites Gesetz hineint: BioKraftQuG: Das Biokraftstoffquotengesetz. Es soll dazu dienen das weitere Richtlinen, die die EU 2003 erließ (und 2009 revidierte, zum Teil änderte und in die Vorgaben zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen integrierte), um generell den Anteil erneuerbarer Kraftstoffe auf dem Gesamtmarkt (vor allem gegenüber den klassischen fossilen Kraftstoffen) zu erhöhen. Für den Verkehrssektor bedeutet dies nun, dass bis 2020 10% Endenergieverbrauchs auch erneuerbaren Energiequellen stammen müssen. Dies kann erfolgen durch Fahrzeuge, die gänzlich auf andere erneuerbare Kraftstoffe setzen (bishin zu Elektroautos) oder eben indem den normalen fossilen Kraftstoff verstärkt Bioethanol – hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen – beigemischt wird.

Der vorerst letzte Auswuchs ist nun E10. Ab 2008 gab es dafür bereits neue Bemischungsquoten:  Statt wie bisher 5 % Bioethanol aus Mais, Raps, Rüben, Getreide oder Zuckerrohr (somit ehemalige Nahrungsmitteln) dem Kraftstoff zuzusetzen, sollten es nun 10% sein. Was irgendwie gut klingt, irgendwie für alle, ist aber nichts als blanker Betrug. Denn um den Bedarf an Bioethanol zu decken in unserem energie- und kraftstoffhungrigen Europa, reichen die eigenen Ressourcen Europas kaum aus. Man muss mittel- bzw. langfristig auf dem Weltmarkt hinzukaufen, denn Europa kann seinen Bedarf daran nicht alleine decken. Selbst, wenn – wie Greenpeace in einer Studie nahelegt – es in Europa zu ebenso verheerenden „indirekter Landnutzungsänderungen“ kommt, müssen trotzdem 2020 50% des Bioethanols und 41% des Biodiesels importiert werden. Die Weichen dafür wurden offenbar bereits gestellt, insofern die EU mit ihren Handelspolitik freien Zugang zu den Rohstoffen anderer und vor allem von Entwicklungs- und Schwellenländern haben will. Doch was bedeutet dies? Das bedeutet nichts anderes als das wir mit unserem Willen die Umwelt zu schützen, die Umwelt in anderen Bereichen der Erde und somit global betrachtet auch uns wieder schädigen. Denn die Idee des Biosprit Agrosprit ist im Prinzip nichts anderes als eine Klimalüge (aus einem Dokument von Greenpeace):

„Besonders in Südamerika und Südostasien führt der globale Energiehunger nach Pflanzenölen dazu, dass Ölpalmenplantagen und Sojafelder immer weiter in Urwaldregionen vordringen. Mit verheerenden Folgen für das Klima! In den Böden und Wäldern sind große Mengen Kohlenstoff gespeichert, die bei der Abholzung als Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben werden. Amerikanische Wissenschaftler haben berechnet, dass es je nach Anbaugebiet bis zu 420 Jahre dauern kann, um das bei der Rodung freigewordene CO2 durch Agrokraftstoffe wieder einzusparen.“

Auch jene Arte-Dokumentation „Die Biosprit Lüge“ auf youtube (Teil I, II und III) zeigt die Auswirkungen, die die Bekämpfung unseres Energiehungers mithilfe von erneuerbaren Kraftstoffen in Indonesien hervorruft. Dabei sollte man besonders auf die ethische Dimension unsere Umweltschutzbemühungen achten.

Aber auch die heimische Agrokraftstoffproduktion ist durchaus problembehaftet. Denn die „Klimaschutzwirkung praktisch aller in Deutschland angebauten Biosprit-Sorten ist negativ“ sagt Jürgen Schmid, der WGBU-Mitglied und Leiter des Kasseler Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik ist, heute auf SpiegelOnline. Denn für die Produktion von Agrokraftstoffen müssen gewaltige Landflächen bereitgestellt werden (zum Teil auch durch die EU subventioniert), die dann wiederum für die Nahrungsmittelproduktion fehlen. Es kommt zwar an dieser Stelle nicht zu Nahrungsknappheit, da die Märkte durch Importe reagieren werden. Jedoch „muss die wegfallende Kapazität für die Nahrungsmittelherstellung irgendwo auf der Welt ersetzt werden…“, so Schmid. Durch aufgewandte Energie für die Klutivierung der benötigten Agrarfläche (in Südamerika gern und präzise durch Brandrodung) wird die Klimabilanz der Agrokraftstoffe zusätzlich negativ.

Wie man es auch dreht oder wendet. Das Boykott von E10 – das weder deutlich preiswerter ist, noch irgendeinen Vorteil für die die Motoren selbst bringt. Zwar gibt es weniger Treibhausgase ab, steigert aber den Verbrauch um rund 3% („bei 27 Milliarden Liter Super, die Autofahrer in Deutschland pro Jahr verbrauchen, sind das rund 800 Millionen Liter zusätzlich“), wobei ich ja bereits gezeigt habe, dass bei einer konsequenten Umsetzung der Beimischungsquote die Energiebilanz auf kurz oder lang nur negativ ausfallen kann. Doch das Boykott findet aus den falschen Gründen statt. Unwissenheit und Ärgernis über den steigenden Verbrauch. Die Hintergründe sickern erst langsam in die Medien durch. Wobei ich zugeben muss, dass dies auch alles sehr verwirrend und komplex ist. Spätestens dann, wenn man sich mit den Zielen der EU und den Zielen der Lobby auseinandersetzt.

via klonblog

Man kann an dieser Stelle wieder einmal wunderbar sehen, wie an sich richtige Vorhaben durch die Realität und Lobbyarbeit zu verkehrt und zerstört werden. Man hätte auch einfach 120 CO2g/km durchsetzen können, ohne mit einem neuen Kraftstoffgemisch entgegenkommen zu wollen, dessen Gesamtbilanz dann auch noch schlechter ist als vorher. Stattdessen lieber: Konsequenter Einsatz von Spritspar-Technologien in allen Serienwagen bishin zu Vollhybriden usw, extreme Steuersätze auf Autos mit hohen Leistungszahlen, eine wirkliches Umerziehen zum umweltbewussten Autokauf und vor allem einer Umweltbewussten Fahrweise (mal gesehen, was Geschwindigkeit jenseits von 150 km/h für die Umwelt bedeuten?), generell mehr mediale Aufmerksamkeit und sorgfältige Informationen, das verstärkte Fördern von öffentlichen Verkehrsmitteln, Mitfahrerquoten für Kollegen, Geschwindigkeitsbegrenzungen: 120 km/h als Höchstgeschwindkeit flächendeckend auf allen Autobahnen, 80 km/h auf allen Landstraßen und 50 km/h als Normalgeschwindigkeit innerorts (jenseits der Schrittgeschwindkeit und der 30er-Zonen)… denn „It isn’t what you drive that matters. It’s how you drive it! That is everything…“ Wir sind die Ursache von E10. Und die Politik sollte die Möglichkeit wahrnehmen den Markt zu regulieren. Nicht um mehr Freiheit für Profite zugewährleisten oder selbst mehr Steuern einzunehmen, sondern unsere Zukunft lebbar zu gestalten. Es ist nun einmal so: Bequemlichkeit respektive Luxus und Umwelt- bzw. Klimaschutz schließen einander offenbar aus.

 

  1. Autos und CO2- Dossier von euractiv.com []
  2. Autos und CO2- Dossier von euractiv.com []

Leben im Giftkreis

Als ich letztens beim Zahnarzt saß, registrierte ich in den Augen des Behandelnden Unbehagen. Die Verfärbungen an dem einstmals so krönenden Weiss meiner Zähne, bereitete offenbar Kopfzerbrechen, so dass ein „professionelle Zahnreinigung“ extrem notwendig wurde. Es war dann leicht schmerzlich. Brachte mich aber zum Nachdenken über Zahnhygiene und dann wieder auf die Ursache dieser offenbar so grässlichen Verfärbungen. Eine Ursache ist Kaffee. Naja und Kaffee.

Jeden morgen schwappt eine tiefschwarze Flüssigkeit mit absoluter Regelmäßigkeit durch meinen Mund. Auch eine Zigarette kann dabei brennen. Heute viel mir auf wie stark diese Genussmittel, diese Drogen, in unserer kulturelles Verständnis eingedrungen sind. Starbucks, ästhetische Zigarettenreklame und auch Alkohol, als die einzige Möglichkeit die Party in Schwung zu bringen oder die Depression im Zaum zu halten.

Wie dicht ist der moderne gar postmoderne Mensch mit diesen Giften durchsetzt? Es ist wirklich unglaublich wie stark die industrialisierten Länder des Westen offenbar abhängig sind:

Alkoholkonsum:


(via Good)

Tabakkonsum:


(via WHO)

Kaffeekonsum:


(via Murdelta)

Während es sich bei Alkohol und Tabak klar um Suchtmittel handelt, verwässert diese Wahrnehmung bei Kaffee. Kaffee gilt als Genussmittel, wobei dies jedoch nicht an der biochemischen Zusammensetzung liegt, die dann doch nicht so gefährlich ist, sondern vielmehr ist dies ein kultureller Deutungsprozess. Allen gemeinsam ist aber die Zugehörigkeit zu einem gewissen Lebensstil. Aber offenbar ein Lebensstil der objektiv von Abhängigkeit, Selbstzerstörung und Raubbau am eigenen Körper geprägt ist. Ich wittere so etwas wie „Entfremdung von der Natur, von sich selbst.“ Individualisierung und Entfremdung gehören irgendwie zusammen.

(Inspiration via kraftfuttermischwerk)