Ach Mist
Donnerstag, 17. September 2009

Woran erkenne ich, dass eine Seite meiner Arbeit schwach ist? Sie hat keine Fußnoten.
Schön, dass man sich selbst so gut kennt.
dem anfangen liegt ein ungelöstes geheimnis zugrunde
(via @kass_andra)
Im Prinzip ist es spannend wie so eine Arbeit entsteht. Es ist ein steter Wechsel zwischen Suchen und Filtern. Erst macht man den Mund unglaublich weit auf, um soviel wie möglich einzuatmen an Informationen, Theorien, Gedanken, Fehlern und Richtigkeiten. Anschließend beginnt man plötzlich wieder auszuspucken. Jedoch nicht ohne sich einen Filter vor dem Mund zu halten, der davor bewahren soll, wichtiges zu verlieren.
Es ist heute schon spannend, welche Transformation diese Arbeit erfahren hatte und irgendwie auch noch aufregend, wohin es gehen wird. Ich weiß, vielleicht ist es mangelnde Planung, dass Konzepte nicht aufgeben, ständig alles umstruktiert, -sortiert und -gewertet wird, doch erst im Vollzug merkt man doch, ob es funktioniert. Klar, man kann sich die Funktionsweise einer Gleichung oder eines Programmcodes 10mal abstrahieren und laut Formalia müsst alles klappen, aber erst wenn man nachrechnet oder kompiliert, erfährt man das wirklich Ergebnis. Entweder gibt es eine reelle Lösung bzw. das Programm macht, wozu es gedacht war oder eben nicht. Wenn Letzteres eintrifft, geht man auf Fehlersuche und zumeist findet man die Formalität oder den Denkfehler, der alles ins Gut rückt. Okay, ganz so einfach ist das beim Verfassen einer Magisterarbeit nicht. Aber zumindest ähnlich. Man erkennt geistige Sackgassen oder stellt kritische Zusammenhänge fest. Ist es beispielsweise bereits an dieser Stelle schon notwendig auf die diskurstheoretischen Eigenheiten der Archivpoetik einzugehen. Klar, es ist ein Methodenkapitel, aber die theoretische Betrachtung der Archivpoetik steht noch aus und soll erst später folgen. Erst, wenn man es niedergeschrieben hat und den Übergang und Anschluss zum nächsten oder gar übernächsten Arbeitsteil gefunden hat, kann man wirklich erst wissen, ob es richtig war.
So ist dieser Text wie eine rauhe Steinplatte, die mich mit grober und sanfter Bearbeitung langsam mit sanften Rillen durchziehen will, in denen der Blick langsam durch das Textem meiner Überlegungen fahren kann und manch’ Kurve mitmachen muss und vielleicht nicht den Überblick verliert und mit mir an das Ziel gelangt. Ich bin ein Steinmetz, der in beständiger Lektüre des niedergeschriebenen Erlesenen die Rillen und Spuren deutlicher ziehen will, dabei aber auch nur die eigene Perspektive besitzt und nur so auf ein gutes Gelingen seines Werkes hoffen kann – auf das die Rillen und Spuren deutlich sind.
Also, heute schaffst du 2 Seiten. Du musst nur früh genug aufstehen, rechtzeitig mit der Arbeit beginnen und dann wird das was. Ein sehr gewichtiger Punkt dieses “Seitendenkens” ist eine Lüge. Und zwar der einfache Fakt, dass Seiten schreiben gar nicht so einfach ist. Viel zu selten hört man das genüßliche Klackern der Tasten – so in etwas wie beim Verfassen dieses Beitrages – vielmehr ist es ein langsames Rollen durch die Seiten umrandet mit einen Bucht aus Ahnungslosigkeit und dem steten Zweifel kann man das so schreiben, ist das nicht zu oberflächlich, am Thema vorbei, jetzt schon zu viel, zu viel verraten, überhaupt richtig, sinnvoll, verständlich, … [weiter ausfüllbar]?
Es ist jedes Mal das Gleiche. Mit großem Enthusiasmus steige ich den Tag ein, große Ziele jeden Tag… doch wenn ich am Abend das Ergebnis zusammenfasse, muss ich regelrecht kratzen. Alles irgendwie aus den Furchen herauskratzen, um nicht zu sagen, ich habe gar nichts gemacht. Das nervt.
TP: Als ob der jüngste Tag kommen sey…
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21280/1.html
Das stimmt nicht. Dieses Gemälde ist nicht von Friedrich, sondern von Carl Gustav Carus. Die englische Wikipedia hat sich da geirrt. Scheint aber häufiger vorzukommen, dass Friederich und Carus verwechselt werden.
Es muss natürlich eine Fügung des Schicksals sein, dass wenn ich nun schon einmal in Dresden weile, die Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden genau die richtige Ausstellung für mich bereithalten: Carl Gustav Carus: Natur und Idee. Carus? … werden sich jetzt einige fragen. Carl Gustav Carus (*1789 – † 1869) war ein Zeitgenosse Goethes. Aber nicht irgendeiner. Der Mediziner, Naturforscher und Maler Carus zählt zu den Verehrern Goethes. Dessen literarische Schaffen inspirierte ihn zu zahlreichen Landschaftsgemälden und Skizzen. Desweiteren lagen die beiden, Goethe und Carus, nach einem Treffen im Juli 1821 auch im regen wissenschaftlichen Austausch über Themen der Botanik, Morphologie, Anatomie, Farbenlehre sowie der Landschaftsmalerei selbst. Carus zählt somit zu einem der Vertreter der wissenschaftlichen Debatten, der in die Diskurse der Goethezeit einzuordnen ist, die es in meiner Arbeit aufzudecken gilt.
Es gibt die nette Anekdote, dass bei einem Treffen der beiden ein Karlsbader Trinkglas (auch zu sehen in der Ausstellung im Residenzschloss Dresden bzw. dem Zwinger Gewölbe) als symbolisches Anschauungsobjekt diente, um durch dessen Trübung das Urphänomen der Farbentstehung zu verdeutlichen (Entopische Farben). In das Glas wurde mit einem bestimmten chemischen Verfahren ein trüber Schmelz aufgetragen, der dazu diente eine geringelte Schlange abzubilden. Hielt man das Glas nun über einem schwarzen Untergrund und bot sich so dem Glas wenig Lichtmenge, zeigte sich die Schlange blau, bei größerer Lichtmenge, etwa einem weißen Untergrund, färbte sich die Schlange gelb. Carus bat nach dieser Unterredung, um die Übersendung solch’ eines Glases, dem Goethe leider nicht nachkommen konnte. Stattdessen schickte dieser auf ähnliche Weise bearbeitete trübe Glasplättchen.
Trotzdessen erhielt Carus in vielen Bereichen seiner Naturforschungen (Anatomie, Psychologie) und Kunstmalerei nur wenig Anerkennung durch Goethe. Nach dem Ableben Goethes versuchte sich Carus auch als Biograph und Interpret Goethes, da dessen literarisches Schaffen, wie bereits erwähnt, Inspirationsquelle für zahlreiche Naturstudien und Gemälde, aber auch Ansporn für naturwissenschaftliche Forschung (Beispiel: Anatomie und Goethes Entdeckung des Zwischenkieferknochens beim Menschen) war.
Angekommen im einwöchigen Ferienziel Dresden. Die To-Do-Liste meiner Eltern, denen diese improvisierte Ferienwohnung gehört, besteht aus Blumen gießen und der Bitte keine allzu große Unordnung zu schaffen.
Derzeit befinde ich mich somit in der Nähe des Schloss Pillnitz:
Ich werde heute mal nach Dresden reinfahren – ein wenig Sightseeing – und gen Nachmittag mich an die Arbeit setzen. Kaffee und Milch sind ausreichend vorhanden. Bin leider ein wenig träge, weil die erste Nacht irgendwie durchwachsen war. Wirre Träume, so dass ich bereits halb fünf, dann halb sechs aufgewacht bin um schließlich halb sieben aufzustehen. Was das bedeutet? Ich weiß es nicht.
[Mistige Feststellung: tumblr erlaubt keine Integration von GoogleMaps - bei posterous muss man nicht mal den embed-code verwenden; es reicht der normale googlemaps-Link und posterous wandelt es in eine 1A-Karte…]