Archiv für die Kategorie „Allgemein“

Eindimensional

Samstag, 13. Juni 2009

Als ich vor Jahrzehnten mit meinem Studium anfing, grollten am Horizont die dauerhaften Schemen einer Bildungsreform. Die nun mit dem Bologna-Prozess und nun zweistufigen Hochschulabschluss mit Bachelor und Master ihren vorläufigen pervertierten Höhepunkt erreicht hat. Nicht nur, dass gefühlt jegliches studentisches Leben zu versiegen droht … also nicht die entspannenden Sauftouren bei schlechter Musik und Luft, sondern das kulturelle, politische und soziale Engagement in Vereinen und Organisationen, die nun unter eklatantem Mitgliederschwund zu leiden haben… sondern vor allem die neuerlicher Diskussion um den Bildungsstreik mit verdrehten Argumenten, ist mir da ein Dorn im Auge.

Als die Wolke der Bildungsreform immer näher rückte, fand ich mich eines Tages in eine Informationsveranstaltung zu selbigem Thema wieder. Aufgabe der bemühten Dozenten war es, an diesem Tag zunächst das Warum und schließlich auch das jeweilige Wie der Universität des Bologna Prozesses zu erläutern. Bei dem Thema warum blieb mir ein Argument schmerzhaft im Ohr kleben: das Studium an sich muss dem Arbeitsmarkt besser angepasst werden. Der gemeine Magisterstudent studiert an der Realität vorbei. Es brauche eine größere Praxisnähe und es reichen für den Arbeitsmarkt auch “Teilqualifikationen” … obgleich ich all dies nicht verstand, fragte ich auch nicht nach. Was sind denn eigentlich universitäre Teilqualifikationen, die für den Arbeitsmarkt genügen anstatt von was? Verwirrung. Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt fordere aber immer wieder von Staat, Universitäten und den Studenten selbst jene Praxisnähe und Abrichtung auf den Arbeitsmarkt. Egal.

Was passiert ist? Naja. Ein System von Verschulung der alten Inhalte wurde installiert. Kürzer, effektiver, besser… Bachelor. Ich vermute, alle glaubten somit den Wünschen der neuen weltlichen Allmacht Wirtschaft entsprochen zu haben.

Heute dann das: Ich lese in der sonntaz folgendes:

Kritik an den neuen Abschlüssen kam im Vorfeld auch aus der Wirtschaft. Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, nannte die Studiengänge in der sonntaz “eindimensional”. “Gerade in unserer immer komplexeren Welt müssten die Hochschulen Studenten zum flexibleren Denken befähigen”, sagte er. (taz)

Offenbar wurde da etwas falsch gemacht.

Angriff der Kussmonster – Rückblick 3. Thüringer Bloglesung

Sonntag, 7. Juni 2009

hg4x1393

Zunächst einmal lag ja der Gedanke vor, die dritte Thüringer Bloglesung sollte vorrangig gar nicht so heißen, sondern wurde mottiert: </privat> – Netzliteratur. Leben im Hypertext. Okay, das war dann offenbar doch zu lang und zu komplex und thematisch vielleicht passend, jedoch spielten die damit verbundenen Gedanken eine eher untergeordnete Rolle. 3TBL ist einfach zu griffig und vielleicht in Thüringen und bei Bloggern und Zuhörern zu sehr tradiert. Seis drum.

BastiH teilte mir mit, dass wir mit knapp 80 Besuchern durchaus das Soll erreicht haben und diesen Bloggern, Lesern und Zuhörern wurde doch ein recht anständiges und facettenreiches Programm geliefert. Smikey begann nach einigen technische Anpassungen (Kabel, Kabelsalat, Entwirrrung des Kabelsalates, Wo kommt jetzt der Ton her, wo eigentlich das Bild und der für Jojo interessanten Einsicht das ein MacBook Pro und Windows Vista doch keine allzu zuverlässigen Partner sind) den Reigen. Seine Texte u.a. Schokopudding waren recht persönlich und so die beste Wahl für einen Auftakt. Genau das ist es doch, was neben all dem Klamauk und politisches Orientierung einen Großteil der Blogosphäre antreibt.

Anschließend folgte das Kolumnistenschwein (a.k.a Textspeier), der nach dem obligatorischen Hinweis auf seine spezielle Vortragsweise das tat, was er am besten kann: Den Menschen nehmen, ihn zur Toilette zu führen und anzuschreiben endlich mal reinzugreifen… ja verdammt so sind wir. Großartig. Wie immer. (weiterlesen…)

Bloglesung, Nummer 3

Donnerstag, 14. Mai 2009

3tbl_poster

Es ist wieder soweit. Die Thüringer Bloglandschaft entkrampft die Faust und schlägt das Buch auf. Die dritte Thüringer Bloglesung ist in intensiver Vorbereitung. Bastih und Jojo stellen das Organisationsteam und somit sind Ort und Zeit schon gesetzt: am 06.06.2009 im Café Markt 11 in Jena (Gott, ist diese Seite braun). Der Beginn ist 19 Uhr. Und einige bekannte Bloggergrößen sind wieder mit dabei: Textspeier, Pulsiv, Robby, Bastih, Jojo und auch evt. Smikey. Ich werde auch etwas dazubeitragen. Ein paar Textchen der letzten zwei Jahre. Es ist ja viel passiert seit 2007, als ich meinen Intro-Outro-Vortrag so verbockte. Genauere programmatische Aspekte + optische Kommunikationsmittel werde sicherlich noch bekannt- und ausgegeben. So long.

(Update: Irgendwie sind die Links im Text optisch nicht hervorgehoben. Keine Ahnung warum. | Update²: Klappt wieder, war nur der Browsercache… wie sinnlos diese Updates doch sind.

Update³: Jojo hat das Banner fertiggestellt. Oben zu sehen.)

cellu l’art – Livestream ab 15 Uhr

Freitag, 24. April 2009

Ich

Samstag, 18. April 2009

ich

urbaner Napoleon

Samstag, 11. April 2009

napoleon

Der neue französische Mitbewohner Mathieu ist froh, dass sein Wlan jetzt funktioniert.

So mal eben…

Samstag, 21. März 2009

party

picture by Sura

nova urbanus cupiditas*

Montag, 19. Januar 2009

mk_1Ich habe wirklich nie länger als ein Jahr mit einem Design für urbandesire.de leben können. Was aber schon sichtbar ist, ist der ansteigende Minimalismus der Themes, die ich einsetze. Innerlich weiß ich nicht warum. Vielleicht ist es die Tendenz den Texten die gewünschte Aufmerksamkeit zu geben. Weg vom Ballast, keine Papiermetaphern und Web2.0-Farbverläufe. Schlichtes Weiss, das sich direkt in den Browsern dieser Welt zeigt und dieses Kleinod der Bloggerei still und weise vor sich hin laufen lässt. Somit ist der Name des Themes “minimalism” dort recht bezeichnend

Eine interessante Neuerung ist der Lifestream, der sämtliche Aktivitäten meinerseits im Web für wenige Stunden nachvollziehbar machen lässt. Was hört er eigentlich, wenn er vom Tode twittert, oder so. Zudem gibt es nun endlich wieder ein richtiges Archiv, das nach Monaten aufgeschlüsselt die Worte dieses Blogs zeigt.

David fühlt sich auch wohl. Die Fliege ist auch da… die Welt ist in Ordnung.

*hoffe das meine Lateinkenntnisse mich da oben nicht im Stich gelassen haben.

Die Balladen des Todes

Mittwoch, 7. Januar 2009

Es knackt in der Leitung. Das Telefon schrillt. Ich gehe nicht ran. Denn ich bin beschäftigt. Ich höre Musik. Die Balladen des Todes. Als Gott die Playlisten und Mixtapes schuf vergaß er darüber nachzudenken, dass diese eine Spender des Leides sein würden. Es ist ja nicht, dass er der Allmächtige und Absolute sei, aber wie kann man sowas vergessen?

Und so sitzt man nachts am Tisch. Die Boxen besudeln deine Seele mit vertontem Leid von Millionären oder zumindest finanziell Versorgten. Irgendwo dazwischen ist die Ehrlichkeit verborgen. Spiel, kleines Lied. Spiel.

lost in humanities

Sonntag, 23. November 2008

Jetzt frag mich doch mal einer, was ich in meinem Studium gelernt habe. Tja, eine ganze Menge. Ich könnte an dieser Stelle über den ontologischen Gottesbeweis berichten oder auch darüber wie ich endlich verstand, dass diese ganzen Versmaße – der gebildete Mensch weiß natürlich, dass es sich hier um den Daktylus, Trochäus, Jambus und im gewissen Maße auch Anapäst um einst (und eigentlich noch immer) griechische Versmaße handelt, bei denen nur ein Faktor verändet wurde. Die Griechen messen ihr Versmaß der Zeile nach der Länge der Silben; bei uns Mitteleuropäern spielt dies keine Rolle. Es geht nur darum, ob die Silbe betont wird oder nicht. Nett eigentlich, dass mir dies die Schulbildung nicht vermitteln konnte. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen wie ich damals  – ich glaub es war ein Goethe-Seminar – dagesessen habe und den Mund vor Staunen und Verwirrung nicht mehr schließen konnte. Seis drum. Solche Wissensbrocken schleudern noch immer durch mein geistiges Universum. Nun geht die Studienzeit irgendwie demnächst (bald, absehbar, oder doch irgendwann?) zu Ende und man klopft seine Wissen Skills nach Verwertbarem ab. Nicht viel, was da im Kampf ums Überleben übrig bleibt.

Gestern saß ich im Büro. Es war Samstag. Man gab mir den Schlüssel, damit ich auch arbeiten kann. Nun ja, eigentlich wollte ich das. Während ich die Aufgaben vorantrieb, dachte ich kurzzeitig darüber nach, was der Sinn von Geisteswissenschaften sein soll. Ich kann bis auf einen einzigen keinen erkennen. Die Lage der derzeitigen Geisteswissenschaft ist so desolat und aussichtslos – daraus entstehend ist die moderne Geisteswissenschaft auch rückwärtsgewandt. Sie begreift ihre desolate Lage und orientiert sich in Ewiggestrige. Diesen Fakt muss man anerkennen. Sicherlich ist es notwendig in den Fächern Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte (etc.) die Alten zu studieren. Doch die Relevanz im Broterwerb ist nicht vorhanden. Niemand braucht das. Niemand bezahlt dafür und wenn wir es im Großen ansehen, geht es schließlich nur darum, sich für seinen Fähigkeiten und Leistungsbereitschaft bezahlen zu lassen. Einzig etwas vermag die Geisteswissenschaft. Sie kann einen Menschen aufzeigen, was ihn wirklich interessiert und gibt ihm neben dem Studium (BA/MA mal ausgenommen) doch durchaus Zeit, diese Interessen zu verfolgen

Warum ist also in den Geisteswissenschaften – sprich in ihrem Kernbereich – so wenig wirtschaftlich verwertbares Potenzial. Wieso ist es für alle Studierenden nur eine schöngeistige Nebenhandlung, sodass die Brötchen durch anderes verdient werden müssen. Interessanterweise habe ich jeden Cent Geld in meinem Leben ohne erworbene Fähigkeiten meines Studiums verdient (Kommentare, dass wir nicht wirklich Fakten lernen, sondern “Problemlösestrategien” – wir also gemäß dem Begriff “Universität” zu »Universalisten« für schließlich jeden Bürojob werden, werden ignoriert). Auch meine derzeitige Tätigkeit – nein, nicht das mit den Dosen – benötigt Fähigkeiten, die weit abseits meines Studiums liegen und die ich mir wirklich autodidaktisch antrainiert habe. Eine kürzere und mit mehr Geld gesegnete Ausbildung hätte vermutlich ein vergleichbares Ergebnis erbracht.

Trotzdem: Ich würde nichts anders machen. Denn es gibt noch einen entscheidenden Faktor, der die Geisteswissenschaft unverrückbar in den Lebensläufen möglichst vieler Menschen verankern sollte. Der Geist wird frei. Man denkt nach. Über die Welt, die Zusammenhänge und lebt nicht nur von Paper zu Paper; von Klausur zu Klausur. Naja und wenn Philosophiestudenten und Literaturwissenschaftler zusammensitzen, dann sieht das Weintrinken und Zigarettenrauchen auch irgendwie ehrlicher aus.