Leere

‘Nichts ist für immer’ ist so ein Satz, den man einfach nicht widerspruchsfrei äußern kann.

„Hey, nichts ist für immer. Alles hat ein oder besser sein Ende.“ *Betretenes Schweigen.* „Aber nein, sei nicht so negativ, denke doch an [hier bitte beliebiges Beispiel aus bierigen, zigarettengeschwängerten Küchengesprächen einfügen]…“

Ich glaube, wir alle werden mit der tief in uns verwurzelten Überzeugung geboren, dass bestimmte Dinge für immer währen. Wir müssen uns am Anfang auch gar nicht gegen diesen Gedanken wehren. Wenngleich wir bei dem Herauspurzeln zur Geburt vielleicht zum ersten Mal die Erfahrung machen müssen, dass Dinge doch nicht für immer währen, ist dies zu diesem Zeitpunkt letztlich nicht relevant, können wir uns ja schließlich kaum an diesen Moment – an diese Brise – der Veränderung erinnern (außer vielleicht dieser Schelm hier). Auch unsere Kindheit umweht dann doch recht oft die Brise der Unveränderlichkeit. Wir wachsen, verändern uns in eine Welt hinein, die für uns statisch ist. Die wenigen Punkten, die wichtig sind, Familie, Spielzeug, der Tag sind ausreichend gleich, fest und hart im Boden verankert, um glücklich zu sein.

Doch dann weitet sich die Welt; wird zwar nicht mehr bunter aber beweglicher und zuckender. Man trachtet schließlich danach zusätzliche Pflöcke einzuschlagen, die einem halt bieten können, damit einen der Strudel dann doch nicht so arg erwischt. Man glaubt, diese neuen Pflöcke sind wie die alten. Doch das stimmt nicht. Ab einem bestimmten Punkt ist der Boden des Lebens keine statischer, fester Granit, sondern nicht vielmehr als ein schleimiges Erde-Gras-Gemisch, das sich aber zu Anfang kaum vom alten, gewohnten Granit unterscheidet. Setzt man zu oft auf die falschen und zu wenigen Pflöcke, wird es häßlich. Dann erfährt man – als würde ein Zug in einen hineinrasen, ohne dass man es vorher ahnt – was es heißt, dass vieles und letztlich nichts für immer ist.

Man strauchelt im Angesicht dieser Erkenntnis. Wenn man ein wenig mehr Gefühl hat als eine Banane, dann strauchelt man an diesem Punkt einfach. Ich selbst glaube bis heute, dass mich diese Erkenntnis vergiftet hat. So stark vergiftet, dass mein ganzer Energieumsatz verändert wurde und auch die Gewöhnung nicht dazu geführt hat, mich darauf einzustellen. Doch das Gift ist widerlicher als man zunächst denkt. „Nichts ist für immer“ ist der Ausgangspunkt für den Folgegedanken, dass es dann ja doch eigentlich eventuell im Wesentlichen bei Lichte betrachtet unter Umständen sicherlich genau besehen nichts bringt, weiter nach Holzstöcken zu suchen, die als Pflöcke dienen können.

 

Alles, was nun folgt, ist Einsamkeit. Und Stille.