Leser via dhammza

Wie bin ich eigentlich auf dieses Thema gekommen? Die Suche nach einem Magisterarbeitsthema inst für manche ja ganz einfach, andere haben Probleme sich thematisch bei der Abschlussarbeit zu entscheiden. Mir schwebten stets drei Themen vor. Zunächst wollte ich schon zu Beginn meines Hauptstudiums vor 3 Jahren meine Abschlussarbeit über die Literarizität von Weblogs schreiben. Unter einer ökonomischen Sicht wäre dies natürlich genial gewesen, denn scheinbar werden alle Magister, die sich diesem medial neuen und gehypten Thema annehmen vom Abschluss direkt in den Job befördert.

Die Idee war es anhand bekannter Fiktionalitätstheorien ein Grundraster für die Wirklichkeitsvermittlung von Blogtexten aufzuwerfen. Dabei sollten vor allem persönliche Blogtexte unter die Lupe. Wie wurde geschrieben, was passiert? Dabei sollte ein Raster entstehen, dass die klassischen Konzepte literarischen Schreibens in diese moderne “Textform” übersetzen kann. Zusätzlich sollte jedoch nicht vergessen werden, dass das Medium Text im Internet unter neuen Spielregeln gesehen werden muss. Stichwort: Verlinken, Bildtexte, Multimedialität, neue Metaphern. Ich habe dieses Thema nie wirklich zu Ende gedacht, so dass mir irgendwie die schlagende These fehlte, was eigentlich die Begründung dieser Arbeit darstellen kann.

Das zweite mögliche Thema sollte sich mit der Literarizität von philosophischen Texten beschäftigen. Die Grundthese ist, dass auch Fachtexte – insbesondere philosophische Texte – zur Vermittlung ihrer “Wahrheit” auf klassische Modelle von Fiktionalität sowie Metapherntheorie etc. zurückgreifen. Ja sogar in manchen Fällen (z.B. die »Meditationes« von René Descartes oder auch der »Leviathan« von Thomas Hobbes) diese Fiktionalität und Artizifität sogar benötigen. Ich hatte dazu im Falle von Descartes sogar eine Hausarbeit angefertigt, die als Basis dienen könnte. Doch in Ermangelung an Lust das Thema noch einmal anzupacken und weitere Quellen Literatur unter diesem Aspekt zu untersuchen.

So blieb meine letzte Hausarbeit »Symbol und Symboliserung am Beispiel des Faust II« als einzig nutzbares Thema übrig. Ich denke, dass es ein gute Entscheidung war. Zunächst habe ich fünfzig Seiten, auf denen ich aufbauen kann. Desweiteren ist es sehr spannend zu erforschen, welche ästhetischen Verfahren Goethe nutzte, um die noch zu erörtende Themen, des Faust II darzustellen. Auch ist das Thema in der Sekundärliteratur fast schmerzhaft oft dargestellt und bearbeitet worden. Es kommt also zu meine darauf an, eine Nische zu finden und sich möglichst dicht am Faust-Text selbst zu halten. Es ist somit eine Gemisch aus verschiedenen Problematiken: Bildlichkeit im lit. Text bzw. im Text überhaupt, garniert mit der Metapher-Allegorie-Symbolproblematik, die besonders seit Walter Benjamin wieder die Faustforschung beherrscht. Weiterhin ist auch die Frage der Darstellung damit verbunden – Darstellung im Drama. Der zweite wichtige Komplex ist dann die thematische Ausrichtung des Werkes bzw. des von mir anvisierten Aktes – die klassische Walpurigsnacht (2. Akt) – selbst. Hier schwirren auch seit langer Zeit die Themenkreise Geschichte/Politik und Natur umher, wobei besonders letzterer im Kontext von Goethes naturwissenschaftlicher Schriften betrachtet werden kann. Hier streiten sich die Geister erneut. Die Relevanz von Goethes naturwissenschaftlicher Studien für die poetischen Werke wird in der neueren Forschung mehr oder minder abgelehnt.

Morgen habe ich wieder einen Sprechstundentermin. Mal sehen.