Etwas verspätet in diesem Jahr. In diesem letzten Jahr, das nun eigentlich bereits das neue ist. Aber gut. Ändert ja nix an der Tatsache, dass es die Jahrescharts für 2008 bleiben. Musikalisch gesehen, war 2008 eher lahm. Es gab keine großen, neuen Bands, die alles hinwegwarfen und ein wenig „pushing the limits“ betrieben. Und von den bereits existierenden und am Markt positionierten Bands hat sich albentechnisch niemand wirklich mit Ruhm bekleckert. So gehören die Jahrescharts 2008 wohl eher der Nische und dem deutschen Indie… was ja dann eigentlich auf das Gleiche hinausläuft.

(11. Tomte – Heureka! (2008))

Liebes Tomte, ihr habt es nur knapp verpasst in die aktuellen Jahrescharts des urbandesire.de zu gelangen. Aus Sympathiegründen findet das aktuelle Werk der Hamburger hier trotzdem noch einmal Erwähnung. Man freut sich ja auf Tomte-Alben. Welche Prunk, welch Glanz wird in diesem Werk durch laaaaanng gezogene Worte vergoldet. Doch mit Heureka! haben sich Thees und ein ein wenig umgestelltes Tomte wieder eines anderen und gleichsam besser besonnen. Intensiveres Gitarrenspiel, mehr sperriges Indiegut. Schöne Balladen. Einfach Tomte.

10. Damien Jurado – Caught In Trees (2008)

Eigentlich mag ich gar keinen Folk und dieser betagte Herr war mir in 2008 auch neu. Doch mit diesem Album „Caught In The Trees“ hat er mir dann doch so manche lange und einsame Bahnfahrt versüßt. Was da Herr Jurado auf die Beine gestellt hat ist moderner, amerikanischer Folk. Tiefer gelegt, dröhnender und ernsthaft zugleich. Dazu bleibt nur noch die einzigartige Stimme, die traurige und nachdenkliche Texte am laufenden Band in die dunkle Nacht hinter Zugfensterscheibe singt.

9. Tele – Wir brauchen nichts (2007)

Ein Album aus den ersten Wochen des Jahres 2007. Entdeckt, natürlich erst im Jahr 2008. Wie so oft schon. Doch das ist nicht schlimm. Leider war ich beim Telekonzert in diesem Jahr hier in Jena nicht anwesend. Vergessen oder nicht da… ich weiß es nicht mehr. Musikalisch sind Tele für den deutschen Indie eine Ausnahmeerscheinung. Viel jazziger, viel ideenreicher in der Umsetzung, keine Angst vor Chorälen und den ganzen Pomp, ohne dabei peinlich zu wirken. Die Platte begleitete mich 2008 – ein Jahr nach ihrer Veröffentlichung – in einer tiefbetrübten Phase von 2008. Zuviele Wahrheiten und viele traurige Geschichten in einem ansonsten doch recht positiven Gesamtwerk. Danke, Tele.

8. The Editors – An End Has A Start (2007)

Ich mochte das Vorgängeralbum. „The Back Room“ aus dem Jahre 2005 zählte lange Zeit zu den beliebtesten Werken von der Insel. Mit „An End Has A Start“ konnte ich mich einige Zeit überhaupt nicht anfreunden. Soviel Pathos, soviel Hymnen… so schwer, dass es wir klebriger Zuckerguss in den Boxen hing. Doch wie immer entwickelt man sich weiter. Ich spürte irgendwann das Traurige der Platte, dass ebenfalls als Zuckerguss getarnt in den Ecken hing. Und irgendwann waren dann die Hymen große Momente, die bei jedem Tempowechsel zum Refrain ihn zum Stehenbleiben und Ausatmen aufforderten.

7. Bring Me The Horizon – Suicide Season (2008)

Kurz vor Jahreswechsel entdeckte ich die jungen Briten „Bring Me The Horizon“. Dieses Album kennt keinen Schmerz und vor allem kennt es keinen Pausen. Unentwegt kracht, ächzt, stöhnt und brüllt es. Tempo rauf, Tempo runter, Lautstärke rauf, Lautstärke runter, Break… Break und weiter. Atemlos dreschen die fünf Briten ihren Deatcore in die Insturmente. War das Vorgängeralbum „Count Your Blessings“ noch etwas Metaliger, melodischer, herrscht in der „Suicide Season“ nur noch Hass und Schmerz. Passend zu Finanzkrise. In dem 2008er fallen vor allem die tief getunten Gitarren auf, die jeden gut ausgesteuerten Ipod in die Knie zwingen. So einen satten und heftigen Gitarrensound habe ich selten gehört.

6. Parkway Drive – Horizons (2007)

Die Hardcore-Runde des Jahrescharts wird weitergeführt von dem 2007er Album „Horizons“ von Parkway Drive. Wie bei vielen Platten fand ich den Weg zum gesamten Album über einen einzigen Song. „Carrion“ (Track 4) bot das Einfallstor in den Krach und Schmerz am Parkway Drive. Was sich heute alles als Metalcore schimpft, wird gottseidank von den fünf Australieren stets an die Wand gespielt. Ich mag die Melodik des Albums, die Gitarren haben das richtige Gespür zwischen Metal und Hardcore. Fein. Fein.

5. Norma Jean – Bless The Martyr And Kiss The Child (2002)

So alt. So gut. Fast sechs Jahre nach dem erscheinen dieses Hardcore-Krachers entdeckte ich diese Band und diese ungestüme, musikalische Gewalt. Das Album gilt als unhörbar, zuviel Breaks, zu sperrig, zu komplex… einfach unhörbar. Genau das richtige für die wilde Zeit zwischen November und Dezember. Es ist das Debütalbum von Norma Jean. Das Grandiose ist, dass dieses Album ohne Overdubs – also nicht jeder Musiker für sich aufgenommen – sondern als gesamte Kapelle gleichzeitig eingespielt wurde.

4. City And Colour – Bring Me The Love (2008)

Der Dallas Green mit seinem 2008er Werk. Etwas folkiger, was ihn in der Jahreschartswertung nach hinten rutschen ließ. Trotzdessen extrem schöne Melodien. Vielleicht kommt er dieses Jahr (2009) noch einmal nach Deutschland. Ich würde ihn so gerne live sehen. Hoffen wir darauf. Vorher aber bitte erstmal ein neues Alexisonfire-Album.

3. Herrenmagazin – Atzelgift (2008)

„Man kann machen was man will, ich bin müde, verhalt mich still, zwecklos aber ein Versuch… du wirst nicht finden was du suchst. Ich finde Herrenmagazin sind die Newcomer des Jahres. Das Album „Atzelgift“ strotzt vor schönen Texten und wundervollen Momenten. Seit Juli lief es auf „heavy-rotation“ im Ipod. Es fast alle Identitätskriesen des Jahres 2008 zusammen. Sie geht halt leider nicht über Nacht. Hoffen wir auf nächstes Jahr.

2. Escapado – Initale (2007)

Deutscher Hardcore bringt ja bei einigen Tränen hervor. Tränen des Lachens. Diese Band verbinde ich mit der größten Enttäuschung meines Lebens. So kann man das auch genießen. Um Escapado gab es in diesem Jahr viele Rummel. Der Wechsel zum Indielabel „GHvC“ und das durchaus gute Album, gaben viel Presse und Lorbeeren. Im Winter lief es durchgehend in meinem Auto. Was ich damit ausdrücken wollte, kann ich nicht sagen. Es war mir halt so.

1. Gisbert zu Knyphausen – dto. (2008)

Ungekrönter König ist also Gisbert zu Knyphausen. Wie kam ich drauf? Es der erste Sampler des Labels Omaha Records. Darauf befand sich der Song eines jungen seltsam klingenden Namens: „Gisbert zu Knyphausen“. Es gefiel. Ich wollte mehr. Das Debütalbum Gisbert zu Knyphausens begleitet mich seit dem Frühjahr durch die Tage und manchmal auch die Nächte. Viel zu oft gehört, könnte man meinen, aber wer kann sich schon entscheiden.