Es ist unfair im strömenden Regen an roten Ampeln warten zu müssen. Die Kapuze ist vollkommen durchgeweicht und das Regenwasser bildet kleine Bäche, in denen es über die Jacke abläuft. Die Brille ist voller winziger und auch nicht mehr so winzigen Tropfen. Die Hände werden nass und immer kälter.

Doch es gibt noch etwas unfaireres. Genau dann, wenn sich im strömenden Regen ein Pärchen neben dich an die Ampel gesellt, das quietschvergnügt unter dem Schirm steht und schnulzige Blicke tauscht. Doch die Gemeinheit endet hier nicht. Denn sie küssen sich, zumindest glaube ich, das durch mein eingeschränktes Sichtfeld erkennen zu können. Er streichelt auch ihre Wange und wischt einen Tropfen weg. Meine Füße sind nass. Die Stoffschuhe halten dem Wasser nicht mehr stand. Er flüstert ihr etwas ins Ohr, sie fasst seine Hand und sie gehen über die Straße. Ich bleibe stehen, denn seitdem ich von der Polizei wegen des Überquerens einer roten Ampel ermahnt wurde, ist es mir unangenehm Steuergelder nachts um elf zu verschleudern, wenn doch richtige Verbrecher gefangen werden könnten.

Die Ampel bleibt weiter rot. Die beiden sind schon auf der anderen Straßenseite angekommen. Er legt seinen Arm um ihre Schulter. Mir ist kalt. In diesem Moment rast ein Auto an mir vorbei und spritzt mich komplett (!) nass. Alles, aber auch alles war nass und schwer und scheiße.

Danke Gott für dieses Leben. Einsam kroch in nach Hause.