Die Finger hacken auf Tasten ein. Nur einen Satz im Kopf: Man muss ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern. Vieles hat sich geändert in den letzten Wochen. Ich bin nur noch produzierender Teil der Blogosphäre. Habe in einem Akt der Verzweiflung mein digitales Leben auf ein Mindestmaß zurückgefahren. Alle von mir gelesenen Abonnements zahlreicher deutschsprachiger aber auch internationaler Blogs sind unwiderruflich gelöscht – by the way: scheinbar ist es nicht wirklich möglich, einen GoogleReader-Account zu löschen – und werden in der Form so von mir nie wieder gelesen werden. Auch sind diverse Accounts zahlreicher sozialer Netzwerke der „Inneren Revision“ zum Opfer gefallen… Tumblr, Pownce, Twitter (wobei ich bei letzterem noch ca. 5 Monate Zeit habe zu überlegen, ob ich den Datenbestand nicht doch wieder reaktivieren will) usw.

Ich wurde in letzter Zeit häufiger gefragt warum. Die Antwort ist denkbar einfach: fehlende Medienkompetenz. Wer im real life sein Geld verdienen muss oder Derivaten eines Berufsleben nachgeht, braucht eben genug Puffer, um diesem „Hobby“ zu frönen. Möchte man ein richtiger Teil dieser Blogosphärenbewegung sein, braucht man Zeit: Zeit zu lesen, Zeit zu klicken, Zeit zu lesen usw. Der unaufhaltsame Informations- und Veröffentlichungsstrom war für mich aber nur noch schwerlich zu bewältigen. Es ist nicht wie mit Musik, die aufgrund von Genretrennung, es ermöglicht den Überblick zu behalten. Ein Text führt zum nächsten usw. und muss mehr oder weniger aktiv rezipiert werden. Der Feedreader wird aber nie, wirklich niemals, eintragslos sein, wenn man die kritische Masse von ca. 100 Abonnements überschritten hat, es sei denn man löscht ihn aus dem digitalen Leben.
Es ging zu viel Zeit unproduktiv verloren, zu viel Zeit, die mir nur Mehrwert auf Gebieten brachte, die mir jetzt (und in aller Voraussicht auch in Zukunft) nichts nützen werden. Es tut mir natürlich ein wenig Leid um die zahlreichen Blogs, die ich schon seit Jahren verfolgte, deren Entwicklung ich mitvollzog, deren Schönheit an Texten meinen Alltag manchmal bereichern konnten (doch eben nicht genug, um meinen Entschluss zu ändern), aber auch die inspirierenden Grafik- und Designblogs etc. sind auf gewisse Weise ein schmerzlicher Verlust. Aber keine Entscheidung ohne Opfer.
Somit bin ich aufgewacht aus dem digitalen Traum, der mich knapp vier Jahre meines Lebens jeden Tag begleitete.
Ich lasse es einfach mal offen, ob ich dieses Blog hier schließen werde. Aus meiner Blogosphärenerfahrung zeigt sich häufig die Tendenz des „nicht-lassen-können“, wenn dann so ein Blogdings ungenutzt im Raum steht und es kribbelt in den Fingern, doch wieder etwas zu veröffentlichen. Aber meine Blog kann gern aus euren Feedreadern entfernt werden, so wird der Tod quasi von außen hervorgerufen und irgendwann werde ich mich fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt, die Hostingkosten jeden Monat zu begleichen