Heute den Wahlschein für die Fachschafts-, Gremien- und StuRawahlen ausgefüllt. Hatte ja bereits ein wenig mitbekommen vom Uni-Wahlkampf. Trotzdem blieben bei vielen Namen nur Fragezeichen übrig. Mithilfe der Wahlbeilage des Akrützels und studiVz gelang es mir einige Mitglieder diverser Strömungen besser einzuschätzen und evt. das Kreuz an einer geeigneteren Stelle zu setzen.

Jetzt bleibt eigentlich nur die Frage, welcher Student noch so einen Aufwand betreibt, um ein paar Informationen über die Kandidaten, Listenvorschläge und deren zugehöriger Programme und Ideen zu erhalten. Es hat ja schon ein Weile gedauert, bis ich mir einen Überblick verschaffen konnte, zumal nun immer noch Fragezeichen stehen. Zu viele Fragezeichen; die es eigentlich rechtfertigen würden, den Stimmzettel nicht abzugeben. Auch die Tatsache, dass sich zahlreiche Burschenschaftler über den RCDS in die Wahllisten eingeschlichen haben (man kann sagen, was man will: die Frage, ob jemand Mitglied einer Burschenschaft ist, korrespondiert immer mit seinem politischen Programm und seinen Vorstellungen, wobei ich aus Erfahrung weiß, dass diese nie meine waren), ist nicht sofort einsehbar und eigentlich erschütternd.

Wenn man sich dazu noch die „programmatischen Schwerpunkte“ der RCDS ansieht, glaubt man kaum, dass solche Inkompetenz unbeobachtet bleibt. Neben der Forderung eines auf Studenten auszuweitendes Bürgergeldes (das auch schon Papa Althaus für den Rest der Bürger fordert), steht man auch munter für die Einführung von „Studienbeiträgen“ (schlechthin als Studiengebühren bekannt, klingt aber nicht so medial abgenutzt), ohne Beitragshöhen zu nennen. Fraglich bleibt, wo der Sinn liegen soll, Studenten mit 600 Euro im Monat auszustatten, um ihnen dann pro Semester wieder reichlich Studiengebühren abzuknöpfen.

Ich hab die RCDS einfach mal rausgepickt. Auch bei den Jusos gibt es einige fragwürdige Ideen, die anscheinend nur nach dem Prinzip Che Guevaras funktionieren können: „Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche.“ Diese Utopien sind nachlesbar auf dem roten Campus.

Lustig wird es eigentlich erst beim Rest, deren politische Visionen nicht im Netz auffindbar sind. Selbst der „Wahlkampf“ wird so irgendwie „studentisch“ geführt. Man zeigt wenig Interesse, die eigenen Vorstellungen zu verbreiten, wenn man mal die größeren Strömungen außen vor lässt. Ich kann auf jeden Fall verstehen, wenn die Wahlbeteiligung ins Bodenlose sackt und die Wahlunterlagen mit Genuss im Papierkorb verschwinden.