Folgenlose KüsseDie Farben deiner Bilder sind schon ausgeblichen. Sie hingen hier am Fenster schon eine ganze Weile. Sie blieben unverändert in den letzten Monaten. Sie sahen Sonne wie Regen wie du. Vielleicht sahen sie auch mich. Manchmal dachte ich, dass sie mich beobachten. Ganz hinterlistig hatte ich die Bilder umgedreht, ihren Blicken zu entkommen wäre schön. Es hängt doch so viel daran. Ein ganzes Leben, eine Zeit und manchmal auch ein wenig Enttäuschung. An eingetrübten Tagen, wenn es draußen so kalt ist, bleiben die Gedanken stehen. Gemeinsam mit den Fotos warte ich auf Sonnenschein. Du bist so weit weg. Wenn wir reden, dann nur gedämpft, nicht unehrlich, aber leise. Es lief einfach aus, erst fanden die Hände nicht mehr zu einander, dann folgten Küsse ohne Folgen. Wenigstens ein Biss auf die Lippe, aber dazu war keiner mehr fähig. Man steht sich gegenüber und sucht sich. Der Blick durchdringt und geht ins Nichts. Die Fotos aber halten stand. Und dann sortiert man sich wieder und versucht weiterzumachen.