UnsicherIch weiß nicht, ob es nur mir so geht. Ich weiß nicht, ob es mangelndes Selbstvertrauen in das eigene Tun ist. Ich weiß es einfach nicht. Aber immer, wenn ich im Auftrag anderer Fotos mache, steigt nach dem Shoot eine Angst in mir auf. Ich entlade die Bilder von der Karte, kopiere sie auf den Rechner in einen Ordner. Und dann kommt die Angst. Ich kann nicht ran an die Bilder, kann sie mir nicht ansehen. Aus Angst sie sind schlecht. Vielleicht sind entscheidende Bilder unscharf oder verwackelt. Vielleicht ist das ISO-Rauschen zu krass, vielleicht ist das Motiv einfach nicht aufgegangen und es wirkt gestellt, behäbig oder sinnlos. Je schwieriger die Motivverhältnisse. d.h. je weniger ich auf Zeit, Licht und Models Einfluss hatte, desto mehr potenziert sich die Angst.

Dieser Umstand – die Bilder manchmal komplett aus Wahrnehmung und Gedächtnis zu löschen – läuft unweigerlich der Termin für Abgabe und Präsentation der Bilder zu wider. Es gibt irgendwann einen Stichtag, an dem die Bilder fertig betrachtet, sortiert, ausgebessert, zurecht gemacht und verschickt werden müssen. Der Weg dahin ist schwer und in großer Regelmäßigkeit sitze ich dann nachts vor dem Rechner zittere und denke: „Oh Gott… das wird die Enttäuschung des Jahrzehnts, fast so schlimm wie…“ Die Erfahrung müsste mir eigentlich längst gezeigt haben, dass im Durchschnitt betrachtet die Menschen mir ihren Bildern meist zufrieden sind, meine eigenen Ansprüche wohl wesentlich höher liegen. Trotzdem. Es gibt so viele Faktoren, die Bilder zu schlechten, enttäuschenden Bildern machen können; und trotz der Möglichkeit, zahlreiche Regler und Hebel in Bewegung setzen zu können, bleibt ein schlechtes Bild eine schlechtes Bild.