Irgendwie hat dieses Jahr noch keiner angefangen. Keiner bloggt seine musikalischen Highlights des Jahres 2007. Oder bin ich einfach nur zu früh? Immerhin hatte ich im letzten Jahr die Jahrescharts bereits am 30. November fertig. Dieses Jahr also heute. Nun denn, beginnen wir:

Platz 10

The Samuel Jackson Five – Easily Misunderstood (2005)

Das Album ist wirklich leicht falsch zu verstehen. Nein, ist es nicht. Es ist aber eine Empfehlung vom guten Herrn Baytor gewesen, der wie auch immer darauf gekommen ist. Obwohl bereits im Jahre 2005 erschienen ist, passt es im Jahr 2007 genau in den Progrock-Hype um „Explosions In The Sky„, „God Is An Astronaut“ oder „This Will Destroy You„. Trotzdem sticht „Easily Misunderstood“ für mich persönlich heraus, da ich einfach diese komplexen und doch eingängig verspielten Strukturen dieser fast epischen Songs extrem mag und sich so „The Samuel Jackson Five“ von den anderen der Progrock-Liga noch ein wenig abheben.

Platz 9

Faraday – Dying Art Of Composure (2007)

Die E.P. von „Faraday“ hat es mir vor allem gegen Ende des Sommers angetan. Kurz vor meinem Umzug lief sie eigentlich durchgängig im Auto und war ein musikalisch-treuer Mitfahrer auf längeren Fahrten. Und auch heute – mitten im kalten Dezember – ist dieses famose Werk ein absolutes Meisterstück – soviel Gefühl, soviel Emotion und so viele Ideen. Klasse. Für das Jahr 2008 fordere ich hiermit noch mehr tolle Songs von „Faraday“. (.kritik)

Platz 8

Der Hund Marie – Hooligans & Tiny Hands

„Guten Morgen, mein kleiner, frecher Fruchtsalat sieh mal die Straße an. Die Bäume zwitschern. Die Sonne brennt gut in die Fresse rein… und beides meint: es wird ein ganz okayer Tag.“ Für solche Textzeilen lohnt es sich aufzustehen. Manchmal. „Der Hund Marie“ – auch Gitarrist bei „Olli Schulz“ bzw. „Tomte“ – hat in diesem Jahr ein kleine und in kompetenten Kreisen wohl bedachte musikalische Indieperle auf den Markt geschmissen. Alles selbst gemacht und alles selbst erdacht. Ich liebe sie – die „Tiny Hands & Hooligans“.

Platz 7

Peter Björn & John – Writer’s Block (2006)

Hach ja, was haben wir zu „Young Folks“ getanzt und gepfiffen. Doch dann kam Olli Pocher und Co. und schon war der Song wieder verschwunden. Ich muss sagen, ich mag das Album vor allem wegen „Young Folks“ und „Writer’s Block“ und „Amsterdam“. Letzterer ist so ein kranker Ohrwurm, dass man es fast schon nicht mehr gut finden kann. Das Album lief ein ganze Weile. Ich kann mich noch an zwei durchgemachte Nächte erinnern, in denen ich das „cellu l’art“-Programmheft erstellte, da waren mir „Peter, Björn & John“ treue Begleiter.

Platz 6

Biffy Clyro – Puzzle (2007)

Zuerst habe ich Biffy Clyro ein wenig ignoriert. Doch dann gab es den Abend, an welchem ich zu Besuch beim CampusRadio Jena und dort das aktuelle Album von „Puzzle“ von „Biffy Clyro“ vorgestellt wurde. Ich horchte kurz auf, notierte es innerlich ganz tief, vollstreckte aber niemals das intensive Durchhören. Im Oktober sprang der Funk gänzlich über und ich verliebte mich in dieses kleine Kunstwerk zwischen Party und Melancholie. „Schönes Ding!“ würde man beim Fussball rufen. (.kritik)

Platz 5

The Devil Wears Prada – Plagues (2007)

Das Christentum ist auch nicht mehr das, was es mal war. „The Devil Wears Prada“ wird als „christan metalcore“ bezeichnet und von Jojo als „übelst kranker Krach“ empfunden – und der Jojo hört Metal. Ich glaube, die Welt ist im Wandel. Metaler haben bald vor Metalcore-Gruppen Angst und die Metalcore-Gruppen dann wieder vor … naja sagen wir vor HipHop. Egal; zurück zu „The Devil Wears Prada“. Das Album fiel mir relativ nah zum Erscheinungstermin in die Hände und hält bis heute den Rekord des „Albumliebens auf Geschwindigkeit“. Kein Album schaffte es bisher schneller, mich in seinen Bann zu ziehen. Bei „Plagues“ ist das natürlich auf den ständigen Wechsel von Shout- und Screamlines, das kranke Schlagzeugspiel und die schnuckeligen Strukturen, die das brachiale Bandspiel begleiten, zurückzuführen. Aber scheiße-„emo“ sehen die Fratzen von der Band schon aus.

Platz 4

Sky Eats Airplane – Everything Perfect On The Wrong Day (2006)

Symptomatisch steht dieser Titel für das Jahr 2007. Irgendwie lief alles Scheiße, aber irgendwie ging es ja dann doch, schließlich lebe ich ja noch. So. „Sky Eats Airplane“ wurden mir auf einer kranken Party angeraten mit dem Hinweis: „Übelst geiles Zeug, ey!“ Nun ja. So würde ich es nicht bezeichnen, aber „Sky Eats Airplane“ sind feinster Nintendocore mit genialen Songstrukturen, Einfällen, Übergängen und so schön dramatisch hallend, dass ich vor Entzückung auf der Autobahn gern ein bisschen schneller fahre. Ich habe die Jahrescharts zwar ein „krachbereinigt“, jedoch muss dieser schöne Krach seinen Platz darin finden. (.kritik)

Platz 3

Olafur Arnalds – Eulogy For Evolution (2007)

Ich glaube, ich nerve mit diesem jungen Herren geraden jeden. Einfach jeden. Jaaaa. Olafur Arnalds kommt am 19.12. 2007 nach Jena und ich bin dort. Juhuu. Zum Album ist eigentlich ohne Umschweife nur Weniges zu sagen. Ganz großes Tennis. Ich liebe diese orchestrale Verarbeitung von Indie mit viel Gefühl und Einfallsreichtum, was die Arrangements betrifft. Ich freue mich somit den Herrn Arnalds live in der Rose zu sehen und dort auch die offizielle neue Tour-Edition-Platte „Variations Of Static“ zu erwerben.

Platz 2

Radiohead – In Rainbows (2007)

Ich gehe mal davon aus, dass sehr, sehr viele diese Platte in ihre Jahrescharts mit aufnehmen werden. Das Album kam zur rechten Zeit, mit dem rechten web2.0igen Tumult und – obwohl durchaus kritische Stimmen vernehmbar waren – kam es extrem gut an. Es ist auch einfach zu schön. Mit Songs wir „Reckoner“ oder All I Need“ haben Radiohead mir manche Nacht versüßt zur Hölle gemacht. Wenn der Herr York sich durch die vier Minuten Musik winselt, wird man sofort von der Welt entkoppelt und entschwebt in eigene Sphären, aus denen es bis zum Ende der Platte kein Entrinnen gibt. Männer, die bei „In Rainbows“ nicht weinen, sind Weicheier.
Platz 1

City And Colour – Sometimes (2005)

Nun ja. Platz eins. Das war ja nach der Kritik eigentlich auch zu erwarten. Ich bin so berechenbar. Ich finde die Platte nach knapp einen halben Jahr und häufigem Hören immer noch so unglaublich schön, dass es zwar zwischen den letzten drei eng wurde, aber Dallas Green einen kleinen stimmlichen Bonus hat. Seine Stimme und das Zusammenwirken mit der Musik ist unbeschreiblich. Naja, Muschimucke halt. Zurecht Platz eins im Jahre 2007.