SchreibmaschinegmailIch weiß gar nicht mehr wie meine erste E-mailadresse lautete. Und wer mir diese bereitgestellt hatte. Auf jeden Fall ist diese erste E-mailadresse Geschichte und vermutlich auch gelöscht. In den ersten Jahren meines Lebens im Internet verband ich mit E-mail nicht mehr als einen digitalen Brief. Dieser nutzte mir nur nicht viel. Zum Einen war ich auch abseits der Datenstränge kein großer und kontinuierlicher Briefschreiber, zum Anderen war eine E-mailadresse längst noch nicht bei allen Standard.

Heute ist das anders. Viele Kontakte laufen fast nur noch über E-mails. Die Bedeutung dieses Dienstes hat sich in den letzten Jahren bei mir unglaublich potenziert. Trotzdem war ich lange unglücklich. Dies lag vor allem daran, dass ein Abrufen der E-mails keinen gewünschten Komfort enthielt.

Ich musste auf Webseiten klicken, mich anmelden, Werbung und bunt überladene Seiten erdulden. Am schlimmsten war aber die Aufgabe des regelmäßigen Löschens von alten E-mails, da einfach das Postfach zu klein wurde. In Zeiten reiner Textnachrichten geschah dies recht selten, aber mit der Zeit flatterten auch E-mails mit größeren Anhängen ins Postfach. Bald war eine E-mailadresse überlastet. Ich expandierte gmx, web.de usw. Die Folge zahlreicher Accounts war Chaos. Wer hat jetzt welche E-mailadresse als Kontaktmöglichkeit genannt bekommen, hab ich jetzt diesen Account schon abgerufen, wie lauten noch mal die Login-Daten?

Irgendwann hat es mir einfach gereicht und ich stieg auf einen E-mail-Client um. Zunächst Outlook, später Mozillas Thunderbird. Schön war, mit einmal „Abrufen“ klicken, alle Adresse gleichermaßen herunterzuladen und sich über Speicherplatz und so weiter keine Sorgen machen zu müssen. Die Organisation war trotzdem mühsam, da ich es irgendwie nicht hinbekam, alles in eine Verzeichnisstruktur – ja ich sortiere meine E-mails – zu pressen. Ein weiterer, schrecklicher Nachteil war aber die fehlende Mobilität. Außer Haus hatte ich keinen Zugriff auf alte E-mails und die neuen mussten wieder auf den widerlichen Webportalen abgefragt werden.

Die Lösung kam im Jahre 2005 durch Gmail. Großer Speicherplatz, einfaches Abfragen anderer E-mailadresse (und was noch tausendmal besser ist: verschiedene E-mailadresse via Gmail zum Versenden benutzen.) Ich habe also alles auf einmal: Platz, Übersichtlichkeit und Mobilität. Heute im Jahre 2007 nutze ich diverse Plugins, um über jede eintreffende E-mail recht fix im Browser informiert zu werden (Google Mail Manager) und die derzeit über 5 Gb Space auch als kleines Online-Storage für verschiedenste Dokumente, die ich mit einem einfachen Klick ins Netz bewege.

So nun alles toll, oder? Leider nicht. In letzter Zeit mehren sich die Kritiken an Gmail. Sie richten sich vor allem gegen den mangelnden Datenschutz und die fehlende Transparenz, was wann wo und wie genau gespeichert. Gerade die Bequemlichkeit – ach der GoogleReader zum Lesen von Feeds oder auch das GoogleAnalysis-Tool ist schon fein und wiederum zentral von jedem Rechner aus erreichbar, lässt einen fix diesem erweiterten Dienstespektrum verfallen.

In zahlreichen Blogartikeln und Artikeln von Zeitungen wurde dieses „DataMining der Infokrake Google“ auseinandergenommen und weitergesponnen und alle kamen zu den Schluss, dass es nur ein erklärtes Ziel für Google geben kann und zwar den komplett erfassten und ausgewerteten Nutzer (c’t nur als Beispiel). Wozu nun diese Daten dienen (Werbung) und dienen sollen (was weiß ich), darüber streiten sich die Geister.

Es scheint schon fasst paradox, wenn man sich den Ärger und die Proteste angesichts einer Vorratsdatenspeicherung durch Ämter der BRD ansieht, einen solchen Account zu haben und zu benutzen. Doch irgendwie bin ich hilflos. Niemand kann mir Mittel und Wege nennen, Sicherheit bei ähnlichem Komfort zu erzeugen, niemand weiß sicher, was andere Anbieter von E-mailaccounts mit den Daten wirklich anfangen bzw. anfangen werden.

Was bleibt ist Ratlosigkeit.