marcus in der thulbSo habe jetzt gute 3 1/2 Stunden hier in der Thulb mit meinem Protokollpartner gesessen und versucht irgendetwas zusammenzuzimmern. Es sind dann gute fünf Seiten geworden die jetzt noch gehübscht werden müssen. Die Problematik eines Protokolls besteht ja – wenn es sich um ein Ergebnisprotokoll handelt – in der Aufgabe Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Nur schaffen es einige Dozenten alles als Wesentlich und Bedeutend zu markieren. So dass ein Zusammenstampfen des Seminars in wenige Seiten nur noch über einen geschickten Ausdruck und verquere Wortspiele möglich wird.

Ich muss zugeben, dass ich von dem Niveau der bisherigen Protokolle (u.a. auch gehalten von Der Heldin) durchaus beeindruckt war. In wenigen klaren Sätzen und genauen ausgefeilten Formulierungen hatte jede der Protokollkandidaten die Sitzungen zusammengefasst. Oh, mein Gott, das wird schwierig. So dachte ich.

Aber nöö. Gestern erfuhr ich, dass der Dozent die Protokolle gegenliest und Sätze und Formulierungen austauscht, so dass nur noch ca. 20-30% der Sätze auf den Studenten selbst zurückzuführen sind. Wohlgemerkt, dies sind stilistische Korrekturen; inhaltlich wird nur marginal korrigiert. Immerhin.

Trotzdem kam es mir mit dieser Erkenntnis heute befremdlich vor, an dem Protokoll zu feilen. Was soll ich Zeit und Kreativität investieren, wenn danach eh jemand kommt, der meine Sätze ausstauscht, der mich aus meiner kreativen Eigenbrödlerei quetscht. Was nützt es, wenn mein Protokoll bereits beim Tippen der Gedanken – beim Übergehen aus meinem gedanklichen Reich in das Zwischenlager der Allgemeinheit – quasi stilistisch falsch ist. Sicherlich ist es hoch anzurechnen, dass ein Dozent solche Zeit und Mühen aufwendet und das Seminar auf einen guten Informationsstand bringen will. Aber er schießt ein wenig über das Ziel hinaus und hinterlässt bei jedem einzelnen verfassenden Studenten einen kleinen, aber doch nicht zu vernachlässigenden Trümmerhaufen.