Feiertage. F E I E R. Ich sitze hier gerade in meinem alten Kinderzimmer. Ja, richtig gehört, in diesem Zimmer, von dem ich jetzt kein Foto habe, bin ich aufgewachsen. Aber eigentlich erinnert nichts mehr an mich und mein Aufwachsen in diesem Raum. Einzig der riesige Kleiderschrank ist geblieben, ansonsten wurde dieser Raum in ein Gästezimmer und quasi-Arbeitszimmer umgewandelt. Und mehr bin ich hier auch nicht mehr. Ein Gast. Das Gasttum hat natürlich seine Vorteile, zwar gibt es kein Frühstück ans Bett, aber die widrigen Pflichten des Zusammenwohnens entfallen. Ich muss keinen Müll runterbringen, muss den Staubsauger nicht bedienen… nichts einfach nur da sein. So sitze ich den lieben langen Tag existierend auf dem Sofa und betrachte die Familienmitglieder – sehe ihnen live beim Altwerden zu – und vergesse darüber mein eigenes Altern.

Es hat sich einiges geändert. Die Euphorie des Auszugs – Kleinurbandesire, der damals noch noch Marcus hieß – ist erloschen. Die Ernüchterung über das tägliche Hin und Her und die Erkenntnis, dass sich eigentlich als Erwachsener doch nicht so viel ändert, bestimmen die nervige Existenz zwischen Pflichten und Dingen, die gerne getan werden müssen und somit auch wieder Pflichten sind. (an alle Heranwachsenden:) Diese Lüge mit mehr Geld, mehr Frauen, mehr Party und vor allem mehr Freiheit ist wirklich nichts als ein Lüge. Sicherlich hat man irgendwie mehr Geld, aber irgendwie auch mehr Gründe es für noch sinnlosere Sachen als früher auszugeben. Und dann noch die Fixkosten, die müssen, weil ja fix, bezahlt werden. Die Frau ist glücklicherweise seit dem Auszug geblieben. Mehr will ich da ja eigentlich auch nicht haben. Meine letzte Party liegt auch schon wieder gut einen Monat zurück. Ein Zustand, der geändert gehört. Naja, und das mit der Freiheit ist eine Definitionssache. Wenn man darunter versteht, dass Mama halb elf nicht mehr ins Zimmer hineinstolziert und sagt, dass der Rechner jetzt bitte ausgemacht werden soll und der Kindskopf doch endlich ins Kissen sinken soll, dann hat man als Gast nun doch mehr Freiheit. Aber heute bedeutet diese Freiheit wohl eher Schlafmangel und man sehnt sich nach den Tagen als man halb elf ins Bett ging und 10 Stunden durch schlief. Mehr Freiheit. Mehr Freiheiten. Kein Freiheit. Das ist eine seltsame Thesensammlung entspricht aber leider der Realität.

Früher saß man im Chat und schrieb sich mit verschiedenen Leuten Dinge, die man machen würde, wenn man doch endlich nur noch Gast im Elternhaus sei. Dann mit 22. Heute ist man 22 und schreibt sich vielleicht mit denselben Leuten wieder, zwar in der eigenen Bude, aber ohne eigene Waschmaschine, und stellt beim Absenden der Nachricht fest, dass sich doch nichts geändert hat. Weil man eben gerade geschrieben hat, dass wenn man endlich 25 + X ist, man das und das und das und bestimmt auch das tun wird. Weil dann gibt es endlich die ewig geforderte Freiheit. An geistig klaren Tagen, gibt es zum Glück obendrauf die Erkenntnis, dass sich solche Dinge nie ändern werden. Wir werden mit 29 + X immer noch keine Freiheit genossen haben. An anderen Tagen bleibt einem diese Erkenntnis verborgen und man wähnt sich im Tal der Besserung. Auf der Zielgeraden zur Freiheit, vielleicht kurz vor der Ziellinie, vielleicht schon morgen.

Ohh, Gott sind meine Eltern alt geworden. Aber gottseidank werden sie das hier nie lesen. Denn Blogs, das ist neumodisches Teufelszeug. Z E U G.