An alle Zweifler und Querköpfe:

Die aktuelle und erneuerte Kaffeekultur mit barartigen Verkaufsräumen, dem dazu passenden Wlan-Anschluss und der pseudonetten Bedienung stammt aus den USA.

Auch wenn es Zweifler gibt, die kontinentaleuropäische Ursprünge (italienische Espresso-Bars oder Wiener Kaffeehäuser) sehen, sei diesen hier gesagt, dass nahezu alle Coffee Shops sich nur dieses Ambiente und Flairs der alten Kaffeekultur bedienen. Aber das Abfüllen von Kaffee in Pappbecher zum Mitnehmen stammt aus dem Mutterland der Pappbecher den USA. Und genau das ist es, was die „Kaffeeläden“ ausmacht. Wenn der Kaffee nicht mitgenommen werden kann, dann ist es ein richtiges Café. Der Kaffee wird im Coffee Shop an der Theke bestellt, nachdem man ganz „fastfood“-like von einer an die Wand gehängten Karte sein gewünschtes Getränk herausgefischt hat, man nimmt ihn selber mit zum Platz. Das teure Servicepersonal, was in klassischen Kaffeehäusern immer um einen herumwuselt, entfällt.


Jetzt bleibt die Frage. Stirbt da was aus? Wird jetzt wieder genörgelt, dass der amerikanische Coffee Shop irgendeine europäische Kultur zerstört?

Zunächst ist erst einmal festzuhalten, dass sich in den letzten Jahren im Kaffeemarkt durchaus etwas geändert hat. Zwar dominiert weiterhin der koffeinierte oder entkoffeinerte Röstkaffee, der durch Filtertüten nach dem Melitta-Prinzip läuft und auf vielen Frühstückstischen und Kaffeetafeln den Gästen gereicht wird, doch Kaffeetrinken liegt im Trend:

Besonders die junge Käuferschaft bevorzugte 2005 den Genuss von Espresso oder Caffè Crema und die Zubereitungsform mit Eintassenportionen oder Kaffeevollautomaten. Dieses Wachstum ging vor allem zu Lasten des klassischen Filterkaffees

(Quelle: Meldung des deutsche Kaffeeverbandes vom 31.03.2006)

Wurde Kaffeetrinken früher häufig als das „Kaffeekränzchen“ alter Damen gesehen, die bei Filterkaffee und einem Stück Kuchen den neusten Klatsch besprachen, ist heute das Sitzen und Reden in Coffee Shops bei entspannter Bar/Lounge-Atmosphäre Kult. Es ist bei den Großstädtern sogar so beliebt, dass die Fritten-Kette McDonalds die Zeichen der Zeit sieht und ein McCafé in ihren Läden installiert.

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Der Coffee Shop ist als sozialer Raum etabliert und hat vor allem bei der jüngeren Gästeschicht dem klassischen Café längst den Rang abgelaufen. Serien wie Sex And The City oder auch Gilmore Girls zelebrierten den Coffee-to-go-Trend, in Coffee Shops schwebt der Trend der Modernisierung, des StartUps, der Zukunft. Umsäuselt von Loungemusik glaubt man sich am Puls der Zeit. In der einen Hand den Latte Macchiato, die andere auf der Tastatur des Notebooks – verbunden mit der Welt, im Äther des Netzes. Es scheint fast eine Analogie zur Wiener Kaffeehaustradition geben, der die „Kaffeehausliteratur“ entsprang.

Aber trotzdem gibt es ein Problem. Coffee Shops sind darauf ausgerichtet wie fastfood-Ketten zu agieren. Schnell bestellen, schnell servieren, schnell wieder gehen oder am besten das Getränk gleich wieder mitnehmen. McDonalds baute dieses System in aller Perfektion auf. Deshalb sind auch die meiste McD-Restaurants so ungemütlich, kalt und steril. Der Gäste soll sich gar nicht lange im Restaurant aufhalten. Er soll schnell wieder gehen, um Platz für neue Kunden zu schaffen.

Die Coffee Shops sind aber trotzdem der „fastfood“-Abfertigung bemüht, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Gäste bestellen Kaffees und verbleiben ewig auf ihrer Ledercouch, surfen im Internet und Plaudern ganz nach der Kaffeehausmanier miteinander, ohne den Laden zu verlassen. Kein Platz für neue Kunden, keiner bestellt mehr Kaffee und vor allem kommt kein Servicepersonal, dass nach neuen Getränken fragt.

Es bleibt also fraglich, ob die europäische Interpretation der Amerikanischen Kaffeekultur hier in Deutschland bestand haben wird.

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